Donnerstag, 27. November 2014

Basteln ohne Kleber

Schon vor einer kleinen Weile brachte die Lieblingscousine des Herzkindes eine ganz tolle Bastelei mit. Erst jetzt nahm ich sie wieder hervor und bastelte mit dem Herzkind zusammen weiter.

Es ist einfach eine ganz tolle Idee, mit Transparentpapier zu basteln, ohne Kleber dafür verwenden zu müssen. Gerade bei den Kleinsten wäre das am Anfang zu viel und das Papier würde sicherlich überall kleben und nicht nur dort wo es eigentlich sollte....

Die ausgeschnittenen Formen werden von einer Seite mit Klebefolie beklebt und so haftet das zurecht gerissene Transparentpapier problemlos darauf. 

Je nach Alter der Kinder, kann man mit ihnen zuerst das Papier zusammen zerreißen, das farbige Papier einzeln anbieten oder wenn sie in den Farben schon sicher sind, auch zusammen. Durch die klar getrennten Flächen, können die Farben daher passend der Umrandung aus Tonpapier zugeordnet werden.

Zu der jetztigen Jahreszeit kann man daher auch passend Sterne ausschneiden, die in der Mitte mit gelben Transparentpapier-Schnipsel vom Kind beklebt werden. Oder Tannenbäume... oder...






Dienstag, 25. November 2014

Er kann das schon? Das Bestreben nach Unabhängigkeit!

Immer wieder sind große Teile meiner Umwelt und dem Umfeld erstaunt darüber, was das Herzkind schon alles kann und auch selbstständig tut.
Meine Oma erklärte mir letzte Woche voll Erstaunen und Stolz (nachdem der Zwerg den Tag über bei Ihnen war), dass das Herzkind mitgeholfen hat, den Tisch abzuräumen, die Teller in die Spülmaschine gestellt hat und sogar von sich aus sagte, da ist Müll und ihn wegräumte. Sie sagte zu mir, dass ich ihn "gut gezogen" hätte...

Ich sagte ihr, dass ich rein garnichts getan habe, um ihn dazu zubringen, solche Dinge zu tun. Sondern das ich ihm einfach die Möglichkeiten und die Umgebung gegeben habe, sich selbst zu probieren und an den Aufgaben zu wachsen. Ich habe ihn nicht von meinen Arbeiten fern gehalten, weil sie dadurch länger dauern könnten oder vielleicht auch mal etwas dabei kaputt geht. Ich habe ihn beobachten lassen und eingebunden. Wenn er helfen möchte, lasse ich ihn mithelfen. Wenn er mal keine Lust dazu hat, dann lasse ich ihn weiter spielen.

Nicht immer bekomme ich beim Spülmaschinen- Ein- oder Ausräumen geholfen oder beim Tischdecken, oder bei der Wäsche oder oder oder... das muss er auch noch nicht. Es ist nur wichtig für ihn und seinem Drang zu entdecken, zu erfahren und zu verstehen, dass er es darf und willkommen dabei ist.

Wenn wir unseren Kinder erlauben, an unserem Leben wirklich teilzunehmen, wenn wir sie mit einbeziehen in unseren Alltag und sie mithelfen lassen, wo sie es können, dann werden wir erstaunt sein, zu was schon die Kleinsten fähig sind.

Das Streben unserer Kinder ist nicht Spielen, Unsinn machen und Eltern ärgern (trotzen, wird es gerne genannt, siehe auch Zitat unten), sondern zu wachsen, zu verstehen, selbstständig und eigenständig zu werden. Der Instinkt unserer Kinder, von der Natur vorgegeben, ist einfach! Sie wollen tun, was auch wir tun und sie wollen dort sein, wo auch wir sind. Sie wollen werden, wie wir!

Im Grunde so einfach! Ich habe mein Kind nicht "gut gezogen"! Ich lasse ihn teilhaben und mitwirken. Sein Bestreben mithelfen zu wollen, kommt von ganz alleine, aus seinem Inneren heraus, aus dem was die Natur ihm vorgibt. Ich zieh ihn nicht, sondern unterstütze ihn!

Wie erlangt das Kind seine Freiheit? Durch eine ständige Tätigkeit. Die Unabhängigkeit ist nicht statisch, sie ist eine ständige Eroberung durch ständige Arbeit und erreicht nicht nur die Freiheit, sondern auch Kraft und Selbstvervollkommnung. Der Hauptantrieb des Kindes ist, selbst zu handeln ohne fremde Hilfe, und seine erste bewusste Tat der Unabhängigkeit ist die Verteidigung denen gegenüber, die versuchen, ihm zu helfen. Um selbst zu handeln, wird es immer größere Anstrengungen machen.

- Maria Montessori in "Das kreative Kind" -
 

Samstag, 22. November 2014

Alles hat seine Zeit! Kinder wissen das!

Zu Montessori bin ich gekommen als das Herzkind etwas 8 Monate alt war. Zu diesem Zeitpunkt nahm das Herzkind schon Beikost zu sich und neben der Muttermilch trank er auch Wasser gegen den Durst.
Das Wasser bot ich ihm an, wie es viele als allgemein üblich kennen, aus einer Trinkflasche. Da gibt es ja ein unglaublich unüberschaubares Angebot im Handel ... Mit Trinkröhrchen oder ohne, mit Sauger oder als Schnabel-Tasse... aber eigentlich wäre es so einfach gewesen. Ich hätte nach Montessori gesehen, von Anfang an, einfach ein Trinkglas anbieten können. Natürlich in einer passenden sehr kleinen Größe für winzige Kinderhände. Im englischsprachigem Raum gibt es einige Videos dazu, die die Kleinsten (6-8 Monate) zeigen, die schon ganz alleine das Trinkglas hochnehmen, an den Mund führen und trinken. Sehr toll anzusehen und man denkt, wie erstaunlich!

Nachdem ich mich mit Montessori befasste, versuchte ich den Zwerg auch davon zu überzeugen, dass ein Glas doch viel toller ist, als diese Trinkflaschen... naja... so wirklich überzeugen ließ er sich nicht. Spielerisch machte es ihm Spaß mal daraus zu trinken, sich daran zu probieren und ich merkte schnell: Eigentlich kann er es!  Und bot ihm auch immer wieder ein Glas an. Hin und wieder trank er daraus auch und dann wollte er wieder nicht mehr! Wann immer er wirklich Durst hatte, verlangte er nach seiner Trinkflasche und das auch sehr konsequent und ohne von seinem Standpunkt abzuweichen!

Mit 22 Monaten ist er nun soweit und wir sind Zuhause komplett umgestiegen. Er trinkt nun aus seinem Wasserglas, als hätte er nie etwas anderes getan. Die Trinkflasche gibt es nur noch für unterwegs oder auch Nachts auf seinem Nachttisch, wenn er etwas trinken möchte. Es klappte plötzlich. 
Die Trinkflasche schien für ihn eben bequemer zu sein. Man konnte sie halten wie man wollte, es lief nichts aus, man wurde nicht naß. Und jetzt scheint für ihn der Zeitpunkt gekommen zu sein, dass er auch wie wir aus einem Glas trinken möchte.

Warum schreibe ich das jetzt alles? 

Wie oft ist es nicht so, dass wir unseren Kindern aus Bequemlichkeit etwas angewöhnen? Der Schnuller, das heißgeliebte Kuscheltier, welches nie verloren gehen darf. Oder das Schmusetuch? Die Spieluhr, mit welcher das Kind nur einschlafen kann, wenn sie läuft. Und und und... ich glaube, es gäbe hier sehr viele Beispiele.
Und plötzlich sagen wir irgendwann, jetzt muss das aber aufhören! Meistens wenn wir denken (oder es von außen gesagt bekommen), unsere Kinder sind doch "nun schon so groß", jetzt braucht es doch keinen Schnuller, keine Windel oder kein Schnuffeltuch mehr. Wir wollen bestimmen, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist und unsere Kinder sollen einfach folgen. Ob sie dafür bereit sind oder nicht! Wieso überlassen wir unseren Kindern nicht einfach den Zeitpunkt, wann sie sich dafür bereit fühlen?

Wieso "zwingen" wir ihnen erst etwas auf, damit wir es leichter haben, um es ihnen plötzlich (aus ihrer Sicht gesehen) einfach wieder wegnehmen zu wollen? Nur weil jetzt aus unserer Sicht gesehen, angeblich die Zeit dafür da ist?

Lassen wir es doch einfach! Unsere Kinder werden sich selbst entscheiden, wann sie ohne Schnuller sein wollen. Wenn das Schnuffeltuch tagsüber Zuhause auf sie warten kann oder wann für sie die Windel nur noch lästig ist. Die passende Zeit wird kommen, irgendwann ist sie für unsere Kinder gekommen. Bauen wir Druck auf, können die Kinder ihren eigenen Zeitpunkt nicht finden, es kann sogar dazu führen, dass sie komplett blocken werden, weil sie uns nicht verstehen!

Ich freue mich sehr darüber, dass das Herzkind nun aus dem Glas trinkt, weil er es jetzt für richtig und ok ansieht. Er tat es nicht mit 8 Monaten und auch nicht mit 16 Monaten, sondern mit 22 Monaten. Ich habe ihn die Trinkflasche damals angewöhnt und er hat jetzt bestimmt, wann er sie nicht mehr braucht. Seine Entscheidung, zu seiner Zeit!


Donnerstag, 20. November 2014

Aktion: Kinder sind unschlagbar!

Susanne von Geborgen Wachsen ruft zur Aktion "Kinder sind unschlagbar!" auf und möchte damit auf ein Thema aufmerksam machen, dass zwar eigentlich sogar gesetzlich geregelt, in vielen Familien aber doch noch allgegenwärtig ist! 

Auslöser dieser Aktion war ein Interview mit dem Starkoch Jamie Oliver, der zwar weiß, dass man Kinder nicht mehr schlagen soll bzw. darf, aber irgendwie seiner Tochter doch zeigen wollte, dass ihr Verhalten in seinen Augen nicht korrekt war. Er rieb ihr einen der schärfsten Chili-Sorten auf einen aufgeschnittenen Apfel...

Die Internetgemeinschaft ist sehr geteilter Meinung. Es gibt diejenigen die zurecht geschockt sind über ein solches Verhalten, über den Vertrauensmissbrauch an der Tochter, über die körperlichen Verletzung (denn genau das trifft zu!) und eventueller seelischer Verletzungen. Es gibt aber auch viele, die diese Aktion von Oliver eher als Spaß sehen und ich las sogar einen Kommentar in dem eine Dame meinte "Ihre Tochter ist gerne scharf, sie würde, dass sicherlich nicht schlimm finden..." Also bitte! Wir reden hier von einer der schärfsten Chili-Sorten, nicht zu vergleichen mit den eventuell mal etwas schärfer gewürzten Gerichten die wir aus der allgemeinen Küche kennen. Wieder andere, argumentieren damit "ein kleiner Klaps hat noch niemanden geschadet, mir auch nicht", "Aus mir ist etwas geworden" und "dem ein oder anderen hätte einen Klaps zur Rechten Zeit nicht geschadet, schaut euch an was aus unserer Jugend geworden ist"....

Zurecht ist Susanne also geschockt, über diese vielen verharmlosenden Kommentare von Menschen, die sicherlich auch Familie haben. Von denen sicherlich auch viele schon Eltern sind. Wodurch wir wissen: Auch wenn körperliche und seelische Unversehrtheit unserer Kinder gesetzlich geregelt ist... gesellschaftlich ausgestorben ist das Schlagen noch lange nicht! Für viele ist es scheinbar noch notwendige Erziehung. Nur so lernen die Kinder brav zu sein und zu gehorchen.

Ich selbst kann ein erst kürzlich geschehenes Beispiel dazu nennen: 

Über Facebook wurde ich auf ein Video aufmerksam, welches ein "Freund" geteilt hat. Es zeigt eine Art "Supernanny" im Fernsehen. Ein kleiner Grundschul-Junge ist völlig außer sich, er schlägt, tritt, nutzt schlimme Schimpfwörter und zeigt im Grunde absolut asoziales Verhalten. Die Familie ist ratlos und holt sich Hilfe... die angeblich fachliche Hilfe, die die Familie bekommt.... naja... davon möchte ich nicht reden. Mir tat der gezeigte Junge jedenfalls unendlich leid.... was muss in der Familie bisher geschehen sein, dass er so geworden ist... reflektiert er Verhalten, dass er kennt und selbst erfahren hat? Gewalt erzeugt bekanntlich Gegengewalt! Oder versucht er Aufmerksamkeit zu bekommen, die er von seinen Eltern nicht in dem Maße bisher bekommen hat, die er eigentlich bräuchte? Es ist ebenso bekannt, dass Kinder auch negative Aufmerksamkeit suchen, wenn sie sonst keine Aufmerksamkeit bekommen. Lieber fallen sie durch "negative Dinge" auf, als garnicht.... das Video machte mich sehr traurig.
Noch trauriger machten mich die Kommentare zu dem geteilten Video... "dem Jungen gehört mal so richtig eine gelangt, damit er weiß was die Uhr geschlagen hat"... "die heutige Erziehung verweichlicht die Kinder und sie tanzen den Eltern auf dem Kopf rum"... als ich das doch alles nicht so stehen lassen wollte und etwas dazu schrieb, durfte ich mir anhören "das Schläge nicht schaden, dass aus mir (dem Kommentator) etwas geworden wäre" und als krönender Abschluß kam dann noch, die Schlußfolgerung, dass man "sehr gespannt wäre, wann man mich mit meinem Kind im Fernsehen sehen würde".... Ich war nur entsetzt und absolut geschockt! Ich habe geweint!

"Die Schläge haben mir nicht geschadet" Wer hat diesen Satz nicht schon oft gehört? Wer hat ihn vielleicht sogar schon selbst gesagt? Ich heb dann mal die Hand.... ich habe den Satz schon gehört und ich wurde auch in meiner Kindheit geschlagen... und ich empfand es zunächst nicht als schlimm... man bekam es aus seiner Umwelt mit, es wurden soviele andere Kinder auch geschlagen, man hatte ja schon etwas angestellt und hatte den Klaps somit "verdient"... Erst als Mutter hat sich meine Denkweise und meine Meinung zu diesem Thema geändert, erst jetzt kann ich sagen, dieser Satz ist eine ganz klassische Verdrängung einer Tatsache! Es wurde einem Leid angetan, man wurde in seiner körperlichen Unversehrtheit von seinen Eltern verletzt, es ist Körperverletzung und egal in welcher Größenordnung, es hinterlässt Wunden. Denn Gewalt erzeugt Gegengewalt und dies muss sich nicht immer nur um körperliche Gewalt handeln. Worte können gewaltig sein! Worte können ebenso schlimmste Verletzungen verursachen. Seelische Verletzungen, die oft viel schwerer heilen, als jede körperliche Wunde. Worte werden oft vergesssen, wenn es um die Beschreibung von Gewalt geht... leider.... (Meine Geschichte dazu und mein Umgang damit, könnt ihr hier lesen: "Stille Gewalt")

In dem Buch "In Liebe wachsen" fragt der Dr. Carlos Gonzalez den Leser: Welcher Erwachsene würde es dulden, dass ihn sein Chef schlägt, wenn er etwas falsch gemacht hat? Welcher Erwachsene würde es dulden, andauerndem verbalen Mobbing von seinen Kollegen ausgeliefert zu sein? Wer würde dies tun? Wer würde nicht seine Rechte zum Ausdruck bringen und seinen Chef wegen Körperverletzung verklagen und seine Kollegen ebenso? Niemals würden wir uns solches Verhalten gefallen lassen. Niemand will geschlagen werden. Niemand!

Bei unseren Kindern scheint dies anders zu sein! Hier sind wir gefangen in einem Netz von Generationen, in denen Schläge "normal" waren und dies schwingt noch deutlich nach. Wir selbst werden davon getriggert und viele Eltern, die heute noch schlagen, wurden als Kinder selbst geschlagen. Es steckt in einem drin, ganz tief und viele, viele Jahre verborgen... bis man plötzlich selbst Kinder hat. Dann kommen plötzlich Situationen, in denen wir vielleicht schwach werden, in denen etwas in uns aufkeimt, dass bisher verborgen war...Dann stehen wir vor der Entscheidung "haben die Schläge nun geschadet oder nicht?", möchte ich meinem Kind weh tun, möchte ich ihm Leid zufügen? Nehme ich die Folgen in Kauf? Weiß ich um diese?

Und selbst wenn einem die Schläge "nicht geschadet haben".... was ich mir persönlich nicht vorstellen kann, egal ob es in diesem Moment eventuell "eine Lösung" ist oder nicht..... diese Lösung ist ein Bumerang, sie wird zu uns zurück kommen. Ein Arbeitskollege von mir wurde getroffen! Seine Tochter möchte keinen Kontakt mehr zu ihm... auch er hat geschlagen... nicht übermäßig, eben "hin und wieder ein Klaps zur rechten Zeit"... die seelischen Wunden, die seine Tochter davon getragen hat,  konnte er nicht absehen.... denn Kinder schlagen war "üblich" und als Erziehungsmethode noch Standard, keiner befasste sich damit, dass dies Folgen haben könnte, schließlich wurden im Grunde alle Eltern, als Kind selbst geschlagen. Ein Teufelskreis!

Heute kennen wir die Folgen, heute wissen wir, was Schläge und Worte mit einer Kinderseele tun können. Der Teufelskreis muss durchbrochen werden! Niemand von uns möchte geschlagen werden! Weder körperlich noch seelisch! Niemand möchte Leid erfahren! Kein Erwachsener und erst Recht kein Kind! Kinder können sich nicht wehren, Kinder sind auf uns angewiesen. Sie wachsen an uns, sie lernen von uns! Wollen wir, dass sie lernen, Gewalt ist eine Lösung? Welche Werte möchten wir ihnen durch unser Handeln und Tun vermitteln?


Freitag, 14. November 2014

Zuordnen von Farben und Formen

Wie ihr wisst, ist das Herzkind derzeit voll im Farbmodus und ich versuche Ideen zu finden, die seinem inneren Antrieb entsprechen. Daher habe ich wieder etwas gebastelt. Ganz leicht und für jeden von euch umsetzbar!

Ich habe mir hier einfach seine Holzformen aus dem Steckkasten geschnappt. Ihr könnt aber auch jegliche Bauklötze verwenden, die ihr Zuhause habt. Wenn es euch generell nur um die Form oder die Umrisse geht, könnt ihr euch auch munter bei allen Haushaltsgegenständen bedienen. 

Viel Spaß bei der Umsetzung!

Auch diese Idee nahm das Herzkind sehr gerne an und setzte nach kurzer Anleitung alle Formen passend, auch entsprechend der Farbe. Das ist ja der eigentliche Schwierigkeitsgrad. Denn hier gilt es nicht nur die Formen zu finden, sondern bei gleicher Form auch noch die Farbe zu unterscheiden.




Mittwoch, 12. November 2014

Und wieder die Farben

Das Zuordnen der Farben ist beim Herzkind derzeit sehr beliebt und ich bin fasziniert in welch kurzer Zeit er sich das Wissen um einige der Farben schon erarbeitet hat. Es zeigt einfach wieder, wie recht Maria Montessori mit den sensiblen Phasen hat und das jedes Kind seinen eigenen Lernplan hat, dem wir als Erwachsene einfach folgen sollten bzw. eigentlich müssen, denn nur so können Kinder optimal nach ihrem Tempo lernen, erfassen und erfahren.

Nachdem ich feststellte, dass das Zuordnen von drei Farben für das Herzkind kein Problem mehr darstellte, stockte ich auf vier Farben auf. Hier kam das supergünstig erworbene Farben-Steckspiel vom Flohmarkt an die Reihe. Und während ich noch dachte, ich hätte nun etwas die Schwierigkeitsstufe erhöht, steckte das Herzkind schon fleissig alle Farben auf die passenden Stäbe und das in einem richtig zackigen Tempo. Auf eine zweite Wiederholung hatte er dann schon garkeine Lust mehr, denn er kann es ja! Und nun?

Ich hab dann mal das andere Farbenspiel, welches ich euch schon vorgestellt habe, um zwei weitere Farben erweitert und werde dem Zwerg dann dieses anbieten.






Freitag, 7. November 2014

Die Kindheit ist unantastbar!

Vor wenigen Wochen erschien das neue Buch des Bestseller-Autors Herbert Renz-Polster. Wer bisher noch nichts von ihm gehört oder gelesen hat, sollte dies wirklich nachholen. Ich kann alle seine Bücher empfehlen und sie drehen sich wirklich immer um das Kind und seine Bedürfnisse. Das Kind steht im Vordergrund und es wird viele Aha-Erlebnisse geben, die einen sicherlich zum Umdenken bei einigen Punkten der "Kindererziehung" bringen wird.

 
Ebenso auch in diesem Buch, welches ich freundlicherweise vom Belz-Verlag zur Rezension erhalten habe! Der Untertitel lautet "Warum Eltern ihr Recht auf Erziehung zurückfordern müssen!" Da werden jetzt sicherlich einige denken, was heisst zurückfordern? Niemand anders, außer wir als Eltern erziehen doch unser Kind! Sicher? Ganz sicher? Das Buch ist richtig schwere Kost und beleuchtet sehr ausführlich, warum wir als Eltern fast keine Chance haben unsere Kinder wirklich alleine zu erziehen, sondern das viele weitere Akteure dies ebenfalls tun bzw. möchten.... denn da gibt es einige, die ein Interesse daran haben unsere Kinder zu erziehen bzw. zu formen!

Kinder sind die Zukunft, vor allem für den Staat und die Wirtschaft. Hier werden sie gebraucht um auch weiterhin bei der stetig wachsenden Globalisierung Anteil zu nehmen und den Staat und die Wirtschaft in diesem hart umkämpften Wettbewerb zu unterstützen.

Wo noch vor vielen Jahren der Kindergarten wirklich als reiner Betreuungs- und Spielhort galt, damit die Kinder während der Arbeitszeiten der Eltern gut versorgt sind und schon wichtige soziale Kompetenzen erlernen... ist dies schon lange nicht mehr ausreichend.... selbst für die Eltern nicht mehr.... Denn die Eltern haben sich ebenfalls anstecken lassen von diesem Wettbewerb. Wir Eltern wollen das Beste für unsere Kinder und sollen wir dies benennen, werden viele von uns und ich schließe mich natürlich mit ein, als einen Punkt, die finanzielle Absicherung durch einen guten Beruf aufführen. 

Was ein guter Beruf ist... das versucht gerade die Wirtschaft vorzugeben und mischt sich in solche Dinge wie den PISA-Test gewaltig mit ein... ich wusste z.B. nicht, dass dort nur sogenannte "Kernkompetenzen" wie: Mathematik, Informatik, Technik... die eben auch gut messbar sind abgefragt werden... eine wirkliche Leistungserfassung findet dort nicht statt. Hier wird als Bildung ermittelt, was für dir Wirtschaft wichtig ist. Und wieso muss es überhaupt eine Erfassung geben?

Und damit nimmt der Kreislauf seinen Anfang, denn es muss ja etwas getan werden für unsere Kinder, wenn solche Tests "so schlecht" ausfallen... sie müssen gefördert werden und da beginnen wir doch am Besten bei den Kleinsten... gleichzeitig will man damit den Eltern auch das schlechte Gewissen nehmen, dass beide auch früh wieder arbeiten gehen. Sie sollen sehen, ihre Kinder werden optimal gefördert, die Mutter wird dadurch nicht benötigt und steigt frühzeitig als wichtige Arbeitskraft wieder ein. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, oder?

Das wäre zu hoffen und auch wirklich toll, allerdings haben wir seit Jahren auch mit einem Erzieher-Mangel zu kämpfen und wie sollen Kinder wirklich optimal "gefördert" und auch gut versorgt werden, wenn dafür zuständige Bezugspersonen fehlen? 

Herbert Renz-Polster beschreibt in diesem Buch sehr genau wie es zu diesen vielen Akteuren in der Kindererziehung kam, er geht dabei auch einige Jahre in unserer Geschichte zurück und ist dabei sehr detailiert. Er erklärt ebenfalls was eigentlich in den ersten Jahren unserer Kindheit wichtig ist und wichtig sein sollte und das dies in sehr vielen Kleinkind-Einrichtungen teilweise oder sogar gänzlich fehlt. Der Staat und die Wirtschaft wollen kompetente Arbeiter für die Zukunft und vergessen dabei einiges. Oder ist die -  "frühe Bildung", vielleicht nur ein Deckmantel für unser Versagen, den Kindern auch in den Institutionen einen Erfahrungsraum zu bieten, der wirklich zum kindlichen Eigenlernen passt" - wie der Autor sehr treffend fragt?

Ich kann dieses Buch leider nur sehr grob umreißen, es ist sehr umfangreich, sehr tiefgreifend und sehr erschreckend. In keinster Weise werde ich der Wichtigkeit dieses Themas in meiner kleinen Rezension gerecht, man muss dieses Buch wirklich gelesen haben. Ich kann es allen Eltern daher nur empfehlen, gerade die Eltern die sich derzeit mit dem Thema beschäftigen müssen, wohin sie ihre Kleinkinder wirklich zur Betreuung geben möchten. Was sollte ihnen, im Sinne der Kinder wirklich wichtig sein an dem ausgewählten Betreuungsort und was sollte uns für die Zukunft unserer Kinder wichtig sein? Ausschließlich Bildung und finanzielle Absicherung oder auch Selbstvertrauen, Soziale Kompetenzen, Kreativität, Resilienz? Sogenannte Fundamentalkompetenten, die wichtig sind um auch überhaupt im Erwachsenenleben, im Berufsleben, bestehen zu können. Was ist uns wirklich wichtig? 

Wir Eltern müssen diejenigen sein, die für unsere Kinder entscheiden, nicht der Staat, nicht die Wissenschaft und nicht die Wirtschaft. Natürlich können wir uns vor dem Wettbewerb und der Globalisierung nicht verschließen. Wir können und müssen aber unsere Kinder davor bewahren in eine Maschinerie zu geraten, die vergessen hat, was unsere Kinder in ihrer Kindheit wirklich brauchen! Keine kleinen Forschungslabore in den Kindergärten, sondern Liebe, Vertrauen, Zuwendung, Erfahrungsräume und Möglichkeiten sich darin selbst erfahren, erleben und entdecken zu können. 

Ein Kind braucht zum Lernen nicht äußere Anreize, sondern innere. 
Es braucht nicht Evaluation, sondern Beziehungen, 
es braucht nicht Konkurrenz, sondern Rückhalt,
 es braucht nicht Lob für das Ergebnis, sondern Lob für die Anstrengung, 
es braucht kein Benchmarking, sondern Begeisterung für das, was da zu lernen ist. 
Standards mögen für Waren taugen, 
ein Kind aber braucht Aufgaben und Methoden, die zu ihm passen, zu seiner Individualität. 
Eine wenig produktive Tochtergesellschaft kann vielleicht durch straffe Führung auf Kurs gebracht werden - ein Kind aber, das in der Schule zu wenig "produziert", braucht als wichtigste Hilfestellung eine menschliche Schule.

- Herbert Renz-Polster -

Neben meinem Rezensionsexemplar habe ich ein weiteres Exemplar erhalten, welches ich über meine Facebook-Seite verlosen werde. Also schaut doch einfach mal dort vorbei. Viel Glück!


Donnerstag, 6. November 2014

Die ersten Tage bei der Tagesmama

Seit Montag geht es los, die Eingewöhnungszeit bei der Tagesmutter und damit beginnt eine kleiner Abnabelungsprozess für das Herzkind und natürlich auch für mich. In spätestens zwei Monaten werden wir unsere Tage getrennt verbringen, jedenfalls große Teile davon. 

Das Herzkind steht dieser neuen Situation erst mal sehr kritisch gegenüber. Er ist ein Beobachter, er schaut sich neue Situationen genau an, direkt neben seiner Bezugsperson und bewegt sich da zunächst auch nicht weit weg. Er beginnt sich zwar schon recht früh für die Umgebung zu interessieren, nimmt sich auch direkt etwas von den angebotenen Spielanregungen, aber immer in direkter Mamanähe.

Schwierig ist für ihn auch der direkte Kontakt zu anderen Kindern. Bisher mied er diese doch sehr. In der Krabbelgruppe und auch der Turnstunde gibt es viel Fläche, um ausweichen zu können. Bei der Tagesmutter nicht. Hier steht zunächst ein großer Raum zur Verfügung, den sich die 5 Tageskinder teilen.Die drei jüngeren Kinder sind richtig erzählfreudig, was einen entsprechenden Geräuschpegel ergibt, den das Herzkind so nicht kennt. Ich glaube dies strengt ihn noch am meisten an.

Am ersten Tag war er daher nach 2,5 Stunden fix und alle und wollte nur noch an die Brust und wir verabschiedeten uns.

Der zweite Tage war komplett anders, er wirkte viel offener, die Tagesmama konnte ihm einige Dinge reichen bzw. er brachte ihr auch welche, sie nahmen Kontakt auf. Das Herzkind wollte eigentlich garnicht heim und nur die Erklärung, dass wir doch noch das Päppelschweinchen haben, um welches wir uns kümmern mussten, brachte ihn dazu mit mir zugehen.

Gestern war diese Offenheit wieder wie weg geblassen und er suchte wieder viel Körperkontakt zu mir... ich denke seine doofen Backenzähne die unten gerade beide durchbrechen sind schuld! Das gestern angeboteten Piklerdreieck hat ihn dafür begeistert und er nutzte es stetig. Er hat binnen Minuten den Dreh heraus und kletterte über die Spitze und auf der anderen Seite wieder herunter. Ich war superstolz und die Tagesmama sichtlich überrascht.
Auch sonst stellte sie fest, dass das Herzkind ein sehr selbstbestimmtes Kind ist, welches man nicht so einfach mit ein bisserl Spielzeug aus der Reserve locken kann. Er wird selbst entscheiden, wann er der Tagesmutter Beachtung und Vertrauen schenken möchte. Auch das sie seine Wünsche und Grenzen akzeptieren muss, die er deutlich benennt. Zum Beispiel sind ihm die Hosen etwas herunter gerutscht und die Tagesmama fragte ihn, ob sie ihm diese hochziehen soll... sie wartete allerdings nicht wirklich auf eine Reaktion ab, sondern wollte dann schon direkt zur Tat schreiten... den Blick des Herzkindes hättet ihr sehen müssen.... zu recht schwer entrüstet und ein stark betontes "Iiiiiiiii" gab an, dass er das durchaus alleine kann und robbte an seiner Hose und zog sie wieder richtig! Ich denke mal, so viele selbstbestimmte Kinder wird die Tagesmama auch noch nicht gehabt haben und sie beobachtet derzeit sehr genau, wie ich mit dem Herzkind umgehe.

Gestern Mittag haben sie dann zusammen das Zuordnungsspiel "Tierkinder zu Tiermama" gespielt und das Herzkind war sehr versunken und spielte mit der Tagesmama. Ich zog mich komplett zurück und beobachtete aus der Ferne. Es war sehr schön anzusehen. 
Aufgrund der doofen Zähne wurde das Herzkind dann recht schnell müde und wir verabschiedeten uns nach dem kurzen Mittagessen.

Ich bin wirklich sehr, sehr froh, dass wir 2 Monate für die Eingewöhnung Zeit haben und die Tagesmama, dies auch so vorgeschlagen hatte. Wir müssen den Zwerg in keinster Weise zu etwas drängen, was er vielleicht nicht möchte. Wir können uns ganz auf ihn einlassen und ihn helfen die Tagesmutter als weitere Bezugsperson aufzunehmen und auch ihr Vertrauen zu schenken.

 

Dienstag, 4. November 2014

Isolation der Eigenschaft

Die Lernmaterialien von Maria Montessori haben alle eins gemeinsam, sie isolieren eine bestimmte Eigenschaft, damit sich das Kind während der Übung intensiv mit dieser beschäftigen und sie verinnerlichen kann. Eine Eigenschaft mag der Geruch, das Gehör, der Tastsinn, die Höhe, die Breite, die Größe, die Farben usw. sein. Für Montessori ist es wichtig, dass es zunächst vom Einfachen zum Komplexen geht und erst dann zum Abstrakten.

Wir sollten daher immer Klarheit in den angebotenen Lernanregungen bewahren und einhalten. Gerade für unsere ganz Kleinen ist dies zunächst sehr wichtig. Ich kann hierfür auch gleich ein Beispiel liefern: Vor einiger Zeit habe ich eine ganz tolle Idee gesehen, die ich direkt umsetzen wollte. Es ging dabei um die Zuordnung der Farben und das Sortieren. Diese Idee erzeugte beim Herzkind aber nicht so recht den überspringenden Funken. Ich denke zum Einen war er sicherlich noch nicht bereit dazu, erst seit einiger Zeit merke ich wirklich sehr intensiv, dass er Farben auch benennen möchte. Zum Anderen habe ich hier keine wirkliche Isolation erzeugt. Die Dinge, die das Herzkind den jeweiligen Farbkästchen zuordnen sollte, waren sehr unterschiedlich. Ein wildes Sortiment an Haushaltsware und Spielzeug. Dies kann eindeutig zur Verwirrung führen.... "Soll ich nun die Klammern zusammen sortieren oder will Mama, dass die Bausteine in eine Kiste gehören?" Die Klarheit war nicht zu erkennen und gerade für den Anfang, sollte die Klarheit defintiv erkennbar sein. Bedeutet also: Damit ich die Farbe wirklich isolieren kann, muss alles andere gleich sein!

Am Wochenende habe ich mich also wieder einmal hingesetzt und eine weitere Idee aus dem Internet übernommen. Ich liebe diese Ideensammlung, man kann einfach aus dem Vollen schöpfen. Damit also alles gleich ist, müssen die verwendeten Materialien identisch sein. Damit die Farben isoliert sind, habe ich mich diesmal für verschiedenfarbige aber ansonsten gleiche Holzstäbchen entschieden. Die Behälter, in welche die Stäbchen sortiert werden sollen, sind ebenfalls exakt gleich! Keine unterschiedliche Höhe oder Breite.

Ich bot dies nun dem Herzkind an und diesmal klappte es wunderbar! Zum Einen wusste ich nun um das vorhandene Interesse für Farben, zum Anderen konnte er sich wirklich komplett auf die Farbe konzentrieren, nichts lenkte ab. Ein Holzstäbchen nach dem anderen, landete im richtigen Glas und wurde eins zunächt "falsch" gesteckt, konnte er den Fehler direkt erkennen und sortierte um. Auch ein weiterer Vorteil der Montessori-Materialien, den ich immer wieder gerne erwähne: die selbstständige Fehlerkontrolle! Die Kinder können immer (!) selbst erkennen, ob sie alles "richtig" gemacht haben oder ob an dem "Bild" etwas nicht stimmt. Ich finde das wirklich sehr toll und einleuchtend! Als Erwachsener kann man sich somit heraus nehmen und einfach beobachten. Ich habe das Herzkind bei seiner konzentrierten Versunkenheit gestern wirklich sehr gerne beobachtet und habe mich gefreut meinen eigenen "Denkfehler" erkannt zu haben, um dem Herzkind die Farben so näher bringen zu können.

Die obige zuerst verwendete Lernanregung ist dennoch nicht falsch! Wenn die Kinder wirklich sicher sind mit den Farben, wird es ihnen viel Spaß machen auch komplexe und abstrakte Zusammenhänge ermitteln zu können und somit auch verschiedene gleichfarbige Gegenstände in die passende Box sortieren.




Samstag, 1. November 2014

Wenn´s mal wieder länger dauert...

Gestern half mir das Herzkind beim Saubermachen der Meerschweinchen. Also genauer gesagt der Meerschweinchengehege... bis vor Kurzem erledigte ich das fast immer alleine... Mittwochs... am Oma-Opa-Tag... da hab ich meine Ruhe und werde schnell fertig. 

Das ist in der Regel die Intention von uns Erwachsenen. Aufgaben schnell und zügig erledigen und dann zur Nächsten. Das dies mit Kleinkind und Kindern allgemein so nicht mehr möglich ist, wissen glaube ich alle Eltern nur zu gut.

Nur was lernen unsere Kinder dabei? Nichts! Sie werden aus diesen Aufgaben ausgeschlossen und lernen nichts! Es bringt auch nichts solange zu warten, bis das Kind "so alt bzw. älter ist, dass es das nun auch endlich übernehmen kann"... denn jede Aufgabe muss zunächst erlernt und geübt werden. Egal in welchem Alter. Stellen wir uns doch mal Folgendes vor: Wir möchten einen Beruf erlernen und gelangen in unseren Ausbildungsbetrieb, der von uns auf der Stelle verlangt alles zu können, dies korrekt und bitte auch in einer angemessenen Zeit... wären wir überfordert? Würden wir dies ohne Erfahrungsschatz und dem Wissen tun können? Wie würden wir uns fühlen nach dieser Aufforderung?

Das Herzkind hat hin und wieder schon mithelfen können beim Saubermachen. Mal fiel der Oma-Opa-Tag aus, mal musste ich die Gehege mal an einem anderen Tag reinigen... aber immer wieder war mir und ist mir, der Oma-Opa-Tag am liebsten, denn dann geht alles schneller...

Nun, die sensible Zeit für das Unterstützen und helfen wollen beginnt jetzt schon, im Kleinkindalter! Wenn wir damit warten wollen, "bis sie es können", dann ist es zu spät. In der Pupertät ist es zu spät... kennen wir alle, stimmts? Jetzt haben wir die Chance, jetzt wollen unsere Kinder uns helfen, uns unterstützen und dabei lernen.

Natürlich wird das nicht schnell gehen, nicht zügig ablaufen, nicht von Anfang an korrekt funktionieren... ich hab darüber schon einmal einen Artikel über den Faktor Zeit geschrieben. Aber wenn nicht jetzt, wann dann?

Es wird natürlich immer Aufgaben geben, welche die Kinder alleine durch ihre motorischen Fähigkeiten noch nicht ausüben können.... vielleicht aber Teilschritte? 

Das Herzkind jedenfalls hat sich unheimlich gefreut, mal wieder bei der Reinigung der Meerschweinchengehege mithelfen zu dürfen. Als ich sagte, wir tun dies heute, schnappte er sich sein Schippchen und den Kehrbesen und folgte mir.
Ich sag euch, wir sahen beide aus wie panierte Schnitzel... aber immerhin, das Herzkind war ein stolzes und freudestrahlendes paniertes Schnitzel!
Immer wieder wiederholte er "Iiiii.... Meer... dauer...Mama!" Was soviel heißen soll, wie "Ich mach die Meerschweinchen sauber, Mama!" "Ich kann das schon!" Er war überglücklich helfen zu dürfen und sehr viel davon schon ganz alleine tun zu können. Er schippte dreckiges Einstreu aus dem Gehege, er brachte die Gehegeeinrichtung zum Reinigen ins Bad. Er half beim Verteilen des neuen Einstreus usw.

Ja, es dauerte gefühlte Stunden länger, da geb ich euch recht! Und sicherlich hätten wir noch einiges mehr im Haushalt erledigen können, in dieser Zeit. Aber was lernt unser Kind dabei? Auch nicht zu unterschätzen ist dabei die gemeinsame Zeit, die wir zusammen verbringen. Kinder sind gerne mit uns zusammen und wenn sie dabei noch Aufgaben selbstständig übernehmen dürfen, dann ist das für sie eine wundervolle Zeit. Sie brauchen keine "Spielstunden", wenn sie nur mit uns zusammen sind und gemeinsam etwas mit uns tun können. Dann sind sie glücklich.

Ich war jedenfalls mächtig stolz auf mein kleines Helferlein... irgendwann lass ich ihn den kompletten Haushalt schmeißen und lehne mich mit einer Tasse Kaffee zurück.... Träumen wird man doch wohl dürfen, oder?


Nicht die schönsten und qualitativ tollsten Bilder... aber nicht immer ist die Kamera zur Hand. Das Handy tut es auch, um solch wundervollen Momente einzufangen ♥




Mittwoch, 29. Oktober 2014

Das Sortieren

Für die Bilder habe ich mich einfach im Internet bedient, diese einlaminiert und mit doppelseitigem Klebeband an den Boxen angebracht. Die Boxen sind über www.budinette.de zu beziehen. Ebenso das Tablett.

Sicherlich habt ihr im Blog bzw. auf Facebook schon unser neustes Tablett entdecken können. Diesmal handelt es sich dabei um das Sortieren. Wir haben unsere wundervollen herbstlichen gesammelten Schätze dafür verwendet.

Das Sortieren verlangt Konzentration und logisches Denken. Das Kind muss die Unterschiede der angeboteten Dinge erkennen und verstehen, damit es diese auseinanderhalten und sortieren kann. 

Sortieren gehört zu unserem täglichen Alltag. Jeden Tag müssen wir mehrfach irgendwas sortieren (Wäsche, ausgeräumtes Geschirr und Besteck aus der Spülmaschine usw.). Uns fällt es kaum noch auf, da es in unseren täglichen Routinefluß einfach verschwimmt und für uns ist es keine große Aufgabe mehr. Aber auch dies haben wir irgendwann erst einmal verstehen müssen. Mit den Übungen des täglichen Lebens gibt uns Maria Montessori etwas an die Hand, um unseren Kindern dabei zu helfen dies zu verstehen und zu erlernen.

Den Sortiermöglichkeiten sind dabei wirklich keine Grenzen gesetzt. Man kann alles sortieren. verschiedene Knöpfe, verschiedene Nudeln, verschiedene Nüsse, verschiedene Bohnen oder alles bunt gemischt. Man kann noch Größe Sortieren, nach Länge, nach Beschaffenheit....Zunächst sollte man sich auf klar unterschiedliche Merkmale beschränken, um die Unterscheidung dem Kind zu erleichtern. Auch sollten nicht mehr als 2-3 unterschiedliche Gegenstände verwendet werden und dann kann es schon losgehen.

Sicherlich fragt ihr euch schon: Ab wann kann ich das meinem Kind anbieten? Die Frage ist nicht so leicht zu beantworten, denn jedes Kind ist anders. Jedes Kind hat andere Interessen und Vorlieben. Hier heisst es anbieten und ausprobieren. Zeigt das Kind noch kein Interesse einfach wieder wegstellen und zu einem späteren Zeitpunkt nochmals versuchen.
 

Ich hatte dem Herzkind vor einer Weile schon mal eine Sortierübung mit Knöpfen angeboten. Ich glaube, er hatte damals noch nicht verstanden, was ich denn nun von ihm wollte und warum man denn nicht einfach alle Knöpfe hin und her schütten kann. Hier konnte ich klar erkennen, die sensible Phase für das Sortieren war noch nicht gekommen.

Wir müssen unsere Kinder also beobachten und dementsprechend Materialien anbieten und bereitstellen. Keine leichte Aufgabe, ich weiß, aber es macht trotzdem sehr viel Spaß. Gerade wenn man wirklich passende Anregungen gefunden hat, die das Kind dann gerne annimmt.

Weitere Spielideen, die ich dem Sohn in diesem Alter angeboten habe, findet ihr hier:
 

Dienstag, 28. Oktober 2014

22 Monate und die Sprachexplosion

Und auch der nächste Monat ist schon wieder rum und seit Sonntag ist das Herzkind nun 22 Monate alt. Auch im letzten Monat fanden rasante Entwicklungsschritte statt und ich kann es immer wieder kaum fassen, wie selbstständig mein kleines Baby doch schon ist. Wie groß und eigenständig. Wie willensstark und doch so unglaublich sozial und freundlich. Immer wieder werde ich darauf angesprochen wie tol, süß, "brav", nett und freundlich er doch ist. Wie geduldig er in der Tierarztpraxis warten kann und sich dort in der Malecke beschäftigt. Wie wunderbar er in einem Restaurant am Tisch verweilen kann und einfach mit dabei ist.

Als Mutter macht einen das Lob natürlich unheimlich stolz! Ich freue mich für meinen Zwerg, dass er so gerne gesehen ist und sich alle Leute auch freuen, wenn er wieder kommt. Ich denke, zum Einen ist es sein Charakter, er ist einfach so, wie er ist. Und zum Anderen denke und hoffe ich, dass die Erziehung zur Selbstständigkeit, das Ernstnehmen seiner Wünsche und das Respektieren seiner Gefühle mit dazu beitragen, dass er sich zu einem wundervollen Erwachsenen entwickeln kann. Der diese Werte an seine Mitmenschen und vielleicht auch mal an seine eigenen Kinder weitergeben wird. Aber soweit sind wir ja noch lange nicht und sicherlich werden noch viele Hochs und Tiefs kommen, in denen wir als Eltern und Kind bestehen und uns finden müssen. 

Auch ein Herzkind hat nicht immer nur sonnige Tage... wir Erwachsenen im übrigen auch nicht... und solche Tage sind verdammt anstrengend... ihm dann etwas "recht zu machen", zu verstehen was er denn nun will, ihm zu helfen... eigentlich unmöglich.... da er selbst in diesem Moment nicht wirklich weiß was er will und seine Gefühle noch nicht ausrdrücken kann. Da hilft nur knuddeln, stillen, durchatmen und diese Tage irgendwie rumbringen. 

Ansonsten passierte auch im vergangenen Monat sprachlich wahnsinnig viel. Ich denke er ist nun entgültig in der sensiblen Phase der Sprache und versucht eigentlich jedes Wort, welches er neu hört auch sofort nachzusprechen. Es ist toll, sich nun "verständigen" zu können. Nun auch durch die Worte und Sprache von ihm zu erfahren, was er genau möchte. Viele Wörter kürzt er derzeit konsequent ab... so sind die Meerschweinchen einfach Meer... Oben ist oooo mit Fingerzeig... Viele Wörter kamen neu dazu... der Mini (was auch immer für Bagger stand) ist nun ein Badder. Der Traktor der Dado. Das Pferd ein berd und die Kuh kann Muh.... eigentlich müsste man sich alle neuen Wörter sofort notieren, aber im Alltag geht es dann doch wieder unter. Aber es ist schön, wenigstens ein paar dieser neuen Wörter hier festhalten zu können. 

Zusammenhänge werden ihm immer vertrauter und werden oft auch selbstständig angewandt. Wenn er sich beim Essen die Hände dreckig macht, zeigt er nun mit einer Handwasch-Bewegung nun selbst an, dass er die Hände waschen möchte. Ich schiebe den Lernturm an das Waschbecken und er kann dann selbst hinauf, macht das Wasser an, nimmt die Seife, wäscht sich die Hände und trocknet sie ab. Wo es noch vor einem Monat ständig Diskussionen gab, dass dreckige Hände auch gewaschen werden müssen und er sich oft mit Händen und Füßen dagegen wehrte... (hier half manchmal nichts und wir wischten dann oft nur schnell die Hände und das Gesicht etwas mit einem nassen Tuch ab), fordert er es nun immer öfters von sich aus ein. 

Ich liebe dieses kleine Wesen einfach so unglaublich. Sein wundervolles Lachen... die strahlenden Augen, seine ganze Art. Wäre er eine süße Leckerei, ich würd ihn bis auf den letzten Krümmel aufessen *hihi* Ich glaub so spricht aber jede Mama von ihrem Kind und das ist auch gut so!

Ab nächste Woche geht´s nun los: die Eigewöhnung bei der Tagesmutter. Ich wünsche meinem kleinen Zwerg, dass er seine Tagesmutter mögen wird und Vertrauen zu ihr fasst. Das er sich gerne dort aufhalten wird und auch Freunde dort finden wird. Ich bin schon sehr gespannt was uns zusammen erwarten wird, wie er sich einlebt und sich in der neuen Situation findet. Eine neue spannende Zeit beginnt!


Samstag, 25. Oktober 2014

Zuordnen und Deckeldrehen

Gestern Abend in Facebook habe ich es schon angekündigt. Noch zu später Stunde beschäftigte sich der Zwerg mit seiner neuen Lernanregung und wollte mal wieder nicht ins Bett... da hat das Köpfchen Überstunden gemacht und war nicht ruhig zu bekommen.

Gestern suchte ich in meinem Fundus an ausgespülten Gläsern (die man ja mal für irgendwas gebrauchen könnte *hust*) 3 Stück zusammen. Ich schraubte die Deckel ab, legte sie in eine Schale und stellte diese und die Gläser auf ein Tablett bereit. Zunächst schaute sich der Zwerg alles an und dann mich... was soll er denn damit bitte machen? Ich fragte ihn ob er die Deckel auf die Gläser schrauben könnte... und er legte direkt los. Zack, Zack, Zack.... und die Deckel waren drauf und auf Nachfrage von mir, ob er die Deckel wieder abschrauben und in die Schale legen kann, dann auch wieder in der Schale... eindeutig zu leicht... ich lief nochmal schnell in den Keller und nahm weitere 3 Gläser mit nach oben. Jetzt wurde es schon etwas schwieriger und der Zwerg schaute entsprechend konzentriert.

Die Kinder sind hier gefordert, sie müssen herausfinden, welche Deckel auf welches Glas passen und diese dann auch noch drehen können. Wie bei allen Montessori-Materialien ist die Fehlerkontrolle automatisch eingebaut und die Kinder können selbst erkennen, ob sie richtig liegen oder nicht. Entweder ist der Deckel zu klein, lässt sich nicht aufdrehen oder fällt gar in das Glas oder er ist viel zu groß und überlappt das Glas deutlich.

Wir können uns somit wie bei allen Lernanregungen zurück lehnen und einfach nur beobachten. Erst wenn wir merken, dass das Kind eine Hilfestellung benötigt und auch erwünscht, bieten wir diese an. Das Kind kann somit selbst Erfahrungen sammeln und dass es diese auch wirklich selbst erfahren kann. Das Selbstbewusstsein steigt und stärkt für neue unbekannte Aufgaben.







Donnerstag, 23. Oktober 2014

Das Missverständnis um den Ordnungssinn von Kleinkindern

Maria Montessori beschreibt in ihren Texten und Büchern immer wieder die sensible Phase der inneren und äußeren Ordnung. Dabei kommt es immer wieder zu Fehlinterpretationen. Denn hierbei wird zunächst nicht der Ordnungssinn verstanden, wie wir in als Erwachsene kennen und verstehen.

Für viele Eltern ist es daher unverständlich warum ihre kleinen Kinder so eigentlich garkeinen Sinn für "Ordnung" haben und ihre Spielsachen und Lernanregungen aus den Kisten räumen, kreuz und quer verteilen und keinen Bedarf darin sehen, es auch wieder alles zurück zuräumen.

Liegt diese Fehlinterpretation von Maria Montessori an folgendem Zitat von ihr?

Kleine Kinder zeigen eine charakteristische Liebe für Ordnung. Im Alter von anderthalb bis zwei Jahren bringen sie bereits deutlich, wenn auch in verworrener Form, das Bedürfnis nach Ordnung in ihrer Umwelt zum Ausdruck. Das Kind kann nicht in Unordnung leben, sie verursacht ihm Pein. 

Liest man dieses Zitat als Erwachsener ist für uns völlig klar was gemeint ist, oder? Kinder wollen alles aufgeräumt und sauber haben und sie werden daran teilhaben wollen, dass dies so ist. Wieso also ist das in der Praxis nicht so? Wieso räumen sie alle Schubladen aus und räumen sie nicht mehr ein? Wieso wird alles an Spielzeug wild im Zimmer verteilt und es gleicht danach einer Explosion? Wieso behauptet Maria Montessori so etwas, dabei stimmt es garnicht? Schnell sind dann die Begründungen gefunden: Montessori liegt falsch, mein Kind ist eben anders und Montessori ist doch nichts für uns...

Zum Einen ist dieses Zitat völlig aus dem Kontext gerissen, steht es alleine, kann es wirklich missverstanden werden, zum Anderen sind wir hier bei einem altbekannten Problem, welches Montessori erkannt hat. Erwachsene denken anders als Kinder und somit ist für uns Ordnung etwas ganz anderes, als es für Kinder der Fall ist. Ordnung ist für uns Sauberkeit, alles ist aufgeräumt, man stolpert über nichts und alles hat seinen Platz. Perfekt!

Für Kinder ist Ordnung viel mehr als das! Ordnung der Dinge, die natürlich Ordnung von allem, Abläufe, Routine ... das vermittelt dem Kind seine Umwelt und damit auch, das große Ganze zu verstehen. Für uns Eltern mag Ordnung ein aufgeräumtes Kinderzimmer bedeuten, für Kinder bedeutet das Begreifen der Ordnung, das Begreifen der Welt!

Ordnung bedeutet, die Lage der Gegenstände im Raum zu kennen, sich an die Stelle erinnern, wo jedes Ding sich befindet. Das wieder bedeutet, sich in seiner Umwelt zurechtzufinden und sie in allen ihren Einzelheiten zu besitzen. Besitz der Seele ist nur diejenige Umwelt, die man kennt, in der man sich mit geschlossenen Augen bewegen und jeden gesuchten Gegenstand wiederfinden kann. Nur wenn es seine Umwelt auf diese Weise besitzt, ist das Kind ruhig und glücklich. Offenbar also ist die Ordnungsliebe, wie Kinder sie verstehen und empfinden, etwas, das weit über den kalten und trockenen Begriff hinausgeht, den wir Erwachsenen uns davon machen.

Alles das zeigt, dass die Natur dem Kinde die Sensibilität für Ordnung einpflanzt, um einen inneren Sinn aufzubauen, der nicht so sehr Unterscheidung zwischen den Dingen ist, als vielmehr das Erkennen der Beziehung zwischen den Dingen. Diesen Sinn macht die ganze Umwelt des Kindes zu einem Ganzen, dessen Teile in einem Abhängigkeitsverhältnis zueinander stehen. In einer solchen, in ihrem Zusammenhängen bekannten Umwelt vermag das Kind sich zu orientieren, sich zu bewegen und seine Zwecke zu erreichen.

Wir Eltern können unsere Kinder in der sensiblen Phase der Ordnung unterstützen in denen wir ihnen viele Haltepunkte geben: 

Unsere Tagesabläufe sollten routiniert sein, so können sich die Kinder mit wachsendem Verständnis viel mehr auf die jeweiligen Situationen einstellen und diese verstehen. Sie fühlen sich dann nicht aus ihren Handlungen herausgerissen und somit missverstanden, was zu Konflikten führen kann.

Alles in unserem Umfeld sollte seinen festen Platz haben und auch nur zu seinen jeweiligen Funktionen genutzt werden! Für ein Kind ist es schwer zu verstehen, warum ein Glas zum Trinken genutzt wird. Das gleiche Glas vielleicht aber auch zum Gießen der Blumen. Wir verwirren es dadurch und es versteht die Zusammenhänge nicht. Helfen wir uns und unserem Kind! Geben wir allem einen festen Platz (in der Anwendung und dem Ort). Wir sind Vorbild. Unsere Kinder orientieren sich an uns und können so mit wachsender Handlungskompetenz Abläufe von uns übernehmen. Auch natürlich irgendwann das Aufräumen ihrer Spielsachen.

Und ganz wichtig! Es handelt sich hierbei um Kleinkinder, welche erst mal lernen müssen, wie aufräumen funktioniert. Die liebe Anna hat vor wenigen Tagen selbst einen Beitrag zum Thema Ordnung geschrieben, welchen ich hier gerne verlinken werde. Ganz wichtig möchte ich dabei die Reduktion der Spielsachen hervorheben. Noch immer werden unsere Kinder mit Spielsachen überhäuft und diese Überfülle an Material ist für unsere Kinder nicht überschaubar und somit nicht händelbar!

Nicht immer ist für uns Eltern zunächst verständlich über was sich unsere Kinder plötzlich so maßlos aufregen. Teilweise denken wir in diesem Moment oft sogar, dass wir gerade eigentlich garnichts getan haben, was ein Auslöser hätte sein können für diesen Gefühlsausbruch.

Auch diese Reaktionen sind Teil der sensiblen Phase der Ordnung! Ich habe dies auch schon einige Male bei dem Herzkind erleben dürfen und für unsere Kinder ist es wichtig, dass wir sie ernst nehmen! Nur dann können sie an dieser Situation wachsen und verstehen lernen. Jedes Verhalten hat einen Hintergrund und oft fühlt sich das Kind in seinem Ordnungsverständnis gestört, es passt nicht in sein aufgebautes bisheriges Weltbild und für unsere Kleinsten ist es schwer sich uns verständlich auszudrücken. Es liegt an uns, sie zu verstehen und nicht an unserer festgefahrenen Sicht der Ordnung fest zuhalten:

Das Kind empfindet die Ordnung nicht so, wie wir sie empfinden. Wir sind bereits reich an Eindrücken und daher abgestumpft; das Kind aber kommt aus dem Nichts und ist noch arm. Alles, was es schafft, schafft es aus dem Nichts; ganz allein nimmt es die Mühsal dieser Schöpfung auf sich und macht uns zu seinen Erben.
Das Kind leistet somit jene Vorbereitungsarbeit, auf Grund deren der Erwachsene dann imstande sein wird, sich im Leben zurechtzufinden und seinen Weg zu suchen. Während der sensiblen Perioden für Ordnung erteilt die Natur dem Menschen gleichsam eine erste Lektion.
Man könnte auch sagen, die Natur händige dem Kind in dieser Periode einen Kompaß aus, mit dessen Hilfe es sich in der Welt zurechtfinden kann.
Die Intelligenz des Menschen taucht nicht plötzlich aus dem Nichts empor; sie baut auf die Grundlagen auf, die das Kind während seiner sensiblen Peioden gelegt hat.
Wir sind darum reich, weil wir die Erben des Kindes sind, das alle Grundlagen unseres Daseins aus dem Nichts hervorgebracht hat. Das Kind vollzieht den ungeheuren ersten Schritt - den Schritt vom Nichts zum Anfang. So nahe ist es den Urquellen des Lebens, dass es handelt, um zu handeln, und so geschieht, was es nach dem Schöpfungsplan vollbringen soll, ohne Aufhebens davon zu machen, ja ohne dass auch nur eine Erinnerung daran im Gehirn des Erwachsenen verbliebe...

Wundervolle und wahre Worte von Maria Montessori (alle Zitate dieses Beitrags stammen aus ihrem Buch "Kinder sind anders")... bitte denken wir also in Zukunft daran, wenn wir unaufgeräumte Zimmer sehen oder wenn wir Gefühlsausbrüche unserer Kinder zunächst nicht verstehen... unsere Kinder bauen uns Erwachsene auf!. Sie beginnen aus dem Nichts und lernen jeden Tag... wir können sie begleiten und ihnen dabei helfen.


Donnerstag, 16. Oktober 2014

Loslassen und Vertrauen schenken

Am Montag war ich auf einem kostenlosen Vortrag, welches mein Arbeitgeber im Rahmen seines Work-Life-Balance-Programms angeboten hat. In diesem Vortrag, der von Fr.Dr. Viernickel geleitet wurde, ging es um "Zwei Dinge sollten  Kinder von ihren Eltern bekommen: Wurzeln und Flügel"

Der Vortrag ging leider nur 45 Minuten, so dass alle wichtigen Themen nur sehr grob angesprochen werden konnten. Ich habe mich sehr darin wiedergefunden und fand es schade, dass wir nicht wirklich in die Tiefe einsteigen konnten. Nach diesem Vortrag ging es in die Workshops, man konnte zwischen 4 verschiedenen Varianten wählen... so richtig entscheiden konnte ich mich nicht und ging in "Talk, Talk, Talk! Gespräche mit meinem Kind".... Auch hier leider alles wieder sehr allgemein und so gehalten, dass sich sicherlich jeder darin wiederfinden würde und jeder sich denkt, so würde ich das auch machen.... nur an der Umsetzung hapert es dann doch meist... kennen wir, oder?

Zwischendurch konnten wir als Eltern natürlich immer wieder Fragen stellen, zu aktuellen Gesprächsthemen mit unseren Kinder, die uns gerade auf dem Herzen liegen. Eine Mutter meldete sich mit folgender Frage:

"Meine Tochter ist noch so klein, sie kann mir noch nicht beim Kochen helfen. Hängt mir aber wie ein Klämmeräffchen am Bein, wenn ich in der Küche stehe... wenn ich sie darum bitte zu warten versteht sie es nicht. Ihre ältere Tochter war überhaupt nicht so und wenn die Kleine dann doch wartet, geht sie mit Vorliebe auf das Sofa, auf das sie alleine doch garnicht soll....."

Ich fragte die Dame, wie alt denn ihre Tochter sei und wollte ihr den Lernturm vorstellen.... 16 Monate ist ihre Tochter alt.... ich erklärte ihr die Vorzüge eines Lernturms und das ihre Tochter in diesem Alter doch schon in der Küche mithelfen könnte. Auch einige der anderen Eltern meldeten sich und empfahlen der Dame, ihre Tochter wirklich helfen zu lassen.

Wieso traut diese Mutter ihrem Kind so wenig zu? Wieso soll das Kind noch nicht helfen können? Und was soll mit 16 Monaten auf dem Sofa passieren, dass die kleine Tochter da noch nicht alleine hoch darf? Ich stelle mir einen kleinen Hochsicherheitstrakt vor... und konnte mir vorstellen, warum dieses kleine Mädchen so quengelig in verschiedenen Situationen wurde.... ganz ehrlich, würden wir auch werden, wenn wir nichts alleine tun dürften, oder?

Von Anfang an, ab der Geburt, wissen wir als Eltern, dass wir unseren Kindern in ihrem Wachsen und Streben nur zur Seite stehen können. Wir müssen sie ihre Erfahrungen machen lassen und nach und nach alle Verantwortungen, die wir zunächst für sie übernommen haben, an unsere Kinder auch wieder abgeben.

Nur so können sie ein Körpergefühl entwickeln, nur so kann ihr Selbstwertgefühl, ihr Selbstvertrauen an sich wachsen und ihr Selbstbewusstsein wird gestärkt und ihr Vertrauen ins uns wächst. Denn wenn unsere Kinder merken, dass wir ihnen beistehen, sie aber nicht behindern, dann können sie ins sich Ruhen. Sie müssen nicht sich und ihren Freiraum stetig verteigen, was dann gerne als Trotzen bezeichnet wird.

Vor lauter Sorge um unsere Kinder sind wir versucht, sie mit unserem eigenen Vorstellungen zu bedrängen. Wir möchten fast unaufhörlich auf sie einwirken, um sie vor unliebsamen Erfahrungen zu schützen. Doch Kinder wollen freigegeben werden überall dort, wo es gefahrlos möglich ist.
Loslassen hat mit Vertrauen zu tun, Vertrauen in uns selbst und in unser Kind. Wenn wir ihm einen gesunden Nährboden, Luft, Liebe und genügend Freiraum gewähren, ihm dann auch vernüftige Grenzen setzen, wird es sich weitgehend selbst aufbauen, 
so wie es auch die Natur ganz von selbst tut.
Loslassen heisst, das Kind zur Selbstständigkeit freizugeben, es gewähren lassen, uns zurückhalten, überall dort, wo wir dem Kind seinen Freiraum gefahrlos überlassen können. Sich zurückhalten ist das Gegenteil von sich aufdrängen. Es bedeutet zu lieben, ohne zu beherrschen oder unnötig einzuengen.
Wir müssen keine perfekten Eltern sein, können es auch nicht, so sehr wir uns auch darum bemühen! Wenn wir unser Bestes geben, dürfen wir loslassen, das heisst, uns immer wieder von Ängsten und Sorgen lösen und vertrauen, dass unser Kind seinen Weg Schritt für Schritt bewältigt.
Es tut gut, die Kunst des Loslassen zu üben, weil Loslassen unsere Kinder, und auch uns selbst, befreit und erlöst!

- aus dem Buch "...das wir unser Bestes geben" - 

Und damit zurück zu oben genannten Beispiel. Die Mutter ist voller Liebe und Sorge um ihr Kind und behindert es damit doch an seinem Streben nach Wachstum, Selbstbestimmtheit und Selbstständigkeit. Würde diese Mutter die genannten Textstelle lesen, würde sie sicherlich sagen, genau so mache ich es doch! Ich ermögliche Selbstständigkeit und wo ich Gefahren sehe, schütze ich mein Kind. Für sie ist das Sofa eine Gefahr! Es ist für sie kein gefahrloser Freiraum, zum Loslassen können. Aber ist dies wirklich so? Für mich ist ein Sofa ein Klacks! Eine wundervolle Erfahrungsmöglichkeit, mit welcher das Kind schon früh üben kann, sich auf sein Körpergefühl einlassen und verlassen zu können. Schon früh zeigte ich dem Herzkind, als er seine ersten Versuche startete, wie man Rückwärts das Sofa herunter rutschen kann. Ich freute mich bei jedem Fortschritt mit ihm, ich freute mich für das Stück Selbstständigkeit, welches er damit erreichen konnte, so dass er hier nicht mehr auf uns Eltern angewiesen war. Ich habe losgelassen und die Verantwortung an mein Kind abgegeben, als ich sah, er kann das, er schafft das!
Natürlich können Abstürze geschehen, sie können nicht verhindert werden. Wir können aber in der direkten Nähe bleiben, wir können auch Kissen auf dem Boden legen, gerade für die anfänglichen Versuche. Lassen wir unsere Kinder gewähren, können sie viele Dinge schon recht früh alleine tun. Kein Kind stürzt sich mit Absicht in die Tiefe, lässt sich auf den Kopf fallen usw. ihr Instinkt leitet sie an. Wenn wir sie nicht unterbrechen oder mit selbsterfülllenden Prophezeiungen belehren, können sich Kinder auf sich und ihr Bestreben konzentrieren und lernen und wachsen.

Es ist schwierig loszulassen, es ist schwierig Ängste zu überwinden und unsere Kinder ihre Schritte und Wege gehen zu lassen. Aber wir müssen es tun! Wir müssen uns genau hinterfragen, was ist wirklich gefährlich und was sehen wir nur in unserer elterlichen Überfürsorge als gefährlich an und behindern damit unsere Kinder? Wir sind Wegbereiter und Helfer, mehr nicht! Unsere Kinder müssen lernen können alleine ihre Wege zu gehen! Legen wir ihnen also keine Steine in den Weg!