Heute darf ich euch meinen ersten Gastbeitrag vorstellen und freue mich sehr darüber. Mein ganz persönliches Geburtstagsgeschenk heute und damit auch für euch. Denn Nicole (32) spricht ein ganz wichtiges und tolles Thema an. Es geht hier um die Kommunikation mit Babys und zwar mit Zeichensprache.
Ich selbst bin natürlich, wie sicherlich viele, während der Schwangerschaft und auch nun während der Elternzeit immer wieder über diesen Begriff gestolpert. So richtig wusste ich damit nichts anzufangen. Macht es wirklich Sinn, seinem Kind Zeichensprache beizubringen, hilft es wirklich im Alltag? Im Sinne von Maria Montessori durchaus! Und damit möchte ich Nicole auch nicht zuviel vorneweg greifen, lest selbst:
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Stell dir vor, du möchtest unbedingt dieses orange Ding da haben, das letztes Mal so lecker geschmeckt hat. Wie wild fuchtelst du mit deinen Händchen. „Da, da!“ Du zeigst in Richtung Obstschale. „Ja, wir gehen gleich raus“, sagt deine Mama. Aber eigentlich hast du Hunger. „Hilf mir, zu sagen was ich möchte“ spiegelt den Montessori-Gedanken im Bereich der Kommunikation wider. Sprache schenkt unseren Kindern einen Zugang zur Welt. Sie ermöglicht Ihnen, Ihre Bedürfnisse, Wünsche und Gedanken mitzuteilen. Auf sich Aufmerksam zu machen, sich Hilfe zu holen. Meiner Tochter wollte ich mit Babyzeichensprache eine Möglichkeit geben, mitsprechen zu können. Mit Handzeichen zu kommunizieren, das habe ich anfänglich als Frühförder-Gag abgetan. Doch es hat sich für uns alle als Bereicherung erwiesen. Diese Erfahrungen darf ich heute in einem Gastbeitrag mit Euch teilen.
Als meine Tochter, heute 2,5 Jahre alt, noch ein Baby war, dachte ich oft „Ach, wenn du mir sagen könntest, was dir fehlt. Tut dir was weh? Hast du Hunger? “ Zufällig sah ich ein Video im Internet, in dem ein Baby gestikulierend nach seiner Milch verlangte. Babyzeichensprache, das faszinierte mich. Eine prima Grundlage für das Selbststudium fand ich in Viviane Königs umfangreichem Buch „
Das große Buch der Babyzeichensprache“. Es bietet einen großen Zeichenschatz, geordnet nach Themen, sowie viele Hintergrundinformationen, didaktische Hinweise und Spielideen. Kurse gibt es bei uns nicht, zum anderen sind sie auch absolut überflüssig, denn im Alltag findet man ausreichend Möglichkeiten, Zeichen einfließen zu lassen. Davon mal abgesehen: Man kann sie auch gar nicht „falsch“ machen. Man muss sie nur auf immer die gleiche Art und Weise benutzen. Ein bisschen so wie mit einer erfundenen Geheimsprache.
Die ersten Zeichen ließ ich ab dem 7. Monat in unsere Gespräche einfließen. So sagte ich meiner Tochter betont und mit Blickkontakt, dass sie nun ihre Milch bekäme und öffnete dabei meine Faust, als ob ich melken würde. Oder ich fragte sie, ob sie mehr wolle, unterlegt mit dem entsprechenden Zeichen. Hand aufs Herz: Ich kam mir so dämlich vor. Mein Mann fand es albern und im Supermarkt schaute man uns neugierig bis betroffen an. Sicherlich dachten sie, meine Tochter sei taub oder schwerhörig. Nicht zu Unrecht, denn die Babyzeichensprache basiert auf der Gebärdensprache.
Eine lange Zeit tat sich nichts. Bis sie mit 10 Monaten bei Oma und Opa übernachtete. Morgens forderte sie sich zum ersten Mal per Handzeichen ihre Milch ein, als ob sie ihren Großeltern Instruktionen geben müsste, was als nächstes zu tun sei. Der Knoten war geplatzt.
Die Einführung neuer Zeichen war geprägt von Versuch und Irrtum. Welches Zeichen ein Kind verwendet, hängt sehr stark davon ab, ob das Thema das Kind bewegt. Bei uns waren es Zeichen rund ums Essen. „Mehr“ war besonders wichtig. Auch an verschiedenen Obstsorten war sie interessiert. So fragte sie mich mit 12 Monaten zur Herbstzeit, ob das eine große Mandarine sei. Sie meinte den Kürbis im Gemüseregal. Wenn wir Bilderbuch lasen, sagte und zeigte ich ihr die Tiernamen. Ich begleitete das Abendritual mit Zeichen: Zähneputzen, Waschen, Schlafen gehen. Nachdem sich die ersten Erfolge einstellten, stiegen auch mein Mann und die Großeltern mit ein. Das war nicht immer leicht: „Was meint sie damit? Wie geht denn noch mal Maus? Mensch, denk doch an das Zeichen!“
Die Krippe war anfänglich etwas skeptischer. Das normale Sprechen käme automatisch, da müsse man nichts fördern. Babyzeichensprache ist auch keine Sprachförderung.
Sie bietet dem Kind lediglich eine Möglichkeit zur Kommunikation, um die Zeit bis zum Spracherwerb überbrücken zu können. Kinder lernen dadurch auch nicht später sprechen. Ich wage sogar zu behaupten, dass es den Spracherwerb fördert. Zum einen spricht man viel aufmerksamer und artikulierter mit dem Kind. Das Kind lernt bzw. erfährt einen Begriff durch die Kombination von Hören, Sehen und Bewegung, was ihn schneller verankert. So, jetzt bin ich doch in der Frühförder-Kiste gelandet.
Aber auch die Krippe war bald mit im Boot, als sie merkten, wie sehr die Zeichensprache den Alltag erleichterte: Meine Tochter forderte das Frischmachen selbst ein, indem sie sich zwischen die Beine klopfte und zeigte, dass die Windel voll sei. Sie legte die Hand ans Ohr wenn sie müde war und verlangte am Tisch einen Nachschlag. Mit auf die Brust klopfen holte sie Hilfe, wenn etwas beim Spielen nicht so funktionierte. Quengeln, weil sie nicht verstanden wurde, gab es kaum.
Irgendwann beherrschte meine Tochter 30 Zeichen. Manchmal lernte sie mehrere am Tag. Mit 18 Monaten war die Zeichensprache aus unserer Kommunikation verschwunden. Anfänglich benutzte sie Worte und Gesten parallel. Dann kombinierte sie sie zu Zwei- und Mehrwortsätzen. Kurze Zeit später sprach sie ihre ersten ganzen Sätze.
Ich blicke noch gerne auf diese Zeit zurück:
Wie schön, dass ich mein Kind zu Wort kommen lassen konnte.
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Nicole, ich bedanke mich wirklich sehr für diesen tollen Erfahrungsbericht und die Verknüpfung mit den Gedanken von Maria Montessori! Ich denke sogar, dass jede Familie gewisse Zeichen ohne dies zu beabsichtigen in ihren Alltag einbaut bzw. dies sogar vom Kind aus kommt, um die Kommunikation zu erleichtern. Das Herzkind reibt sich bei Hunger den Bauch und macht "Mmmmmmmhhhhhh" dabei, eindeutiger gehts kaum, oder? Was ist also dabei, noch einige weitere Zeichen einzubauen, um sich noch schneller mit dem eigenen Kind "unterhalten" zu können und um auf seine Bedürfnisse einzugehen? Wie oft steht man denn nicht vor seinem Kind, welches eindeutig etwas möchte, aber sich nicht ausdrücken kann und wir spielen Rätselraten?
Mich hat der Sinn von Babyzeichensprache jedenfalls überzeugt und da unser Herzkind bei der Sprache noch seine Zeit brauchen wird, denn diese stellt er defintiv hinten an, kaufe ich mir vielleicht sogar noch oben genanntes Buch und berichte selbst irgendwann noch von meinen eigenen Erfahrungen!
Und ihr, habt ihr Erfahrung mit Babyzeichensprache, liebe Leser/innen?
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Keine Babyzeichensprache! Aber unsere Kinder kommunizieren schon früh mit Gesten mit uns. Die Babyzeichensprache kann dies unterstützen und helfen. Das Herzkind entdeckt derzeit alle Körperteile und lernt gerade fleissig und deutet bei der Aufzählung des jeweiligen Körperteils darauf. Vielleicht hilft es mir auch mal, bei der Frage was ihm wehtut. |
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Kennt ihr, stimmts? Auf alles wird gezeigt und "Da" gerufen. Alles muss von uns Erwachsenen benannt werden, die Wörter werden aufgesogen wie ein Schwamm. |