Samstag, 22. November 2014

Alles hat seine Zeit! Kinder wissen das!

Zu Montessori bin ich gekommen als das Herzkind etwas 8 Monate alt war. Zu diesem Zeitpunkt nahm das Herzkind schon Beikost zu sich und neben der Muttermilch trank er auch Wasser gegen den Durst.
Das Wasser bot ich ihm an, wie es viele als allgemein üblich kennen, aus einer Trinkflasche. Da gibt es ja ein unglaublich unüberschaubares Angebot im Handel ... Mit Trinkröhrchen oder ohne, mit Sauger oder als Schnabel-Tasse... aber eigentlich wäre es so einfach gewesen. Ich hätte nach Montessori gesehen, von Anfang an, einfach ein Trinkglas anbieten können. Natürlich in einer passenden sehr kleinen Größe für winzige Kinderhände. Im englischsprachigem Raum gibt es einige Videos dazu, die die Kleinsten (6-8 Monate) zeigen, die schon ganz alleine das Trinkglas hochnehmen, an den Mund führen und trinken. Sehr toll anzusehen und man denkt, wie erstaunlich!

Nachdem ich mich mit Montessori befasste, versuchte ich den Zwerg auch davon zu überzeugen, dass ein Glas doch viel toller ist, als diese Trinkflaschen... naja... so wirklich überzeugen ließ er sich nicht. Spielerisch machte es ihm Spaß mal daraus zu trinken, sich daran zu probieren und ich merkte schnell: Eigentlich kann er es!  Und bot ihm auch immer wieder ein Glas an. Hin und wieder trank er daraus auch und dann wollte er wieder nicht mehr! Wann immer er wirklich Durst hatte, verlangte er nach seiner Trinkflasche und das auch sehr konsequent und ohne von seinem Standpunkt abzuweichen!

Mit 22 Monaten ist er nun soweit und wir sind Zuhause komplett umgestiegen. Er trinkt nun aus seinem Wasserglas, als hätte er nie etwas anderes getan. Die Trinkflasche gibt es nur noch für unterwegs oder auch Nachts auf seinem Nachttisch, wenn er etwas trinken möchte. Es klappte plötzlich. 
Die Trinkflasche schien für ihn eben bequemer zu sein. Man konnte sie halten wie man wollte, es lief nichts aus, man wurde nicht naß. Und jetzt scheint für ihn der Zeitpunkt gekommen zu sein, dass er auch wie wir aus einem Glas trinken möchte.

Warum schreibe ich das jetzt alles? 

Wie oft ist es nicht so, dass wir unseren Kindern aus Bequemlichkeit etwas angewöhnen? Der Schnuller, das heißgeliebte Kuscheltier, welches nie verloren gehen darf. Oder das Schmusetuch? Die Spieluhr, mit welcher das Kind nur einschlafen kann, wenn sie läuft. Und und und... ich glaube, es gäbe hier sehr viele Beispiele.
Und plötzlich sagen wir irgendwann, jetzt muss das aber aufhören! Meistens wenn wir denken (oder es von außen gesagt bekommen), unsere Kinder sind doch "nun schon so groß", jetzt braucht es doch keinen Schnuller, keine Windel oder kein Schnuffeltuch mehr. Wir wollen bestimmen, wann dieser Zeitpunkt gekommen ist und unsere Kinder sollen einfach folgen. Ob sie dafür bereit sind oder nicht! Wieso überlassen wir unseren Kindern nicht einfach den Zeitpunkt, wann sie sich dafür bereit fühlen?

Wieso "zwingen" wir ihnen erst etwas auf, damit wir es leichter haben, um es ihnen plötzlich (aus ihrer Sicht gesehen) einfach wieder wegnehmen zu wollen? Nur weil jetzt aus unserer Sicht gesehen, angeblich die Zeit dafür da ist?

Lassen wir es doch einfach! Unsere Kinder werden sich selbst entscheiden, wann sie ohne Schnuller sein wollen. Wenn das Schnuffeltuch tagsüber Zuhause auf sie warten kann oder wann für sie die Windel nur noch lästig ist. Die passende Zeit wird kommen, irgendwann ist sie für unsere Kinder gekommen. Bauen wir Druck auf, können die Kinder ihren eigenen Zeitpunkt nicht finden, es kann sogar dazu führen, dass sie komplett blocken werden, weil sie uns nicht verstehen!

Ich freue mich sehr darüber, dass das Herzkind nun aus dem Glas trinkt, weil er es jetzt für richtig und ok ansieht. Er tat es nicht mit 8 Monaten und auch nicht mit 16 Monaten, sondern mit 22 Monaten. Ich habe ihn die Trinkflasche damals angewöhnt und er hat jetzt bestimmt, wann er sie nicht mehr braucht. Seine Entscheidung, zu seiner Zeit!


Kommentare:

  1. Ja das kenn ich nur zu gut. Man geht autom. davon aus dass das Kind einem gehört und man deswegen der Meinung ist, man wüsse was "das Beste" für das Kind ist. Die Kinder sind unsere wahren Lehrer!
    Ich persönlich habe schon vorher nie den Sinn darin verstanden warum Kleinkinder oder Babys zum trinken von Wasser und Tee eine Flasche oder "Trinklernbecher" bekommen. Mit eignen Schließmechanismus. Eine Bekannte hat einen Becher gekauft da muss das Kind drauf drücken wie auf einen großen Button damit was draus kommt. Öhhmmm warum???? Meine Kleine hat einen Becher zum trinken bekommen als sie 6 Monate alt war. Heute ist sie 1 Jahr alt und kann daraus mit Hilfe OHNE Kleckern trinken. Den Becher selbst in die Hand nehmen geht auch, aber dann landet leider zu 80 % das Wasser auf ihrer Kleidung. ^^ Aber sie weiß schon mal wie sie das machen muss. es hapert nur noch an der Präzision.

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    1. Hallo Katzenflieder,

      ja, recht hast du, eigentlich ist kein Sinn dahinter. Ich dachte damals noch, eine Wasserflasche wird benötigt, so sieht man es ja überall...
      Ich finde es ganz toll, dass deine Kleine schon so früh mit dem Becher in Kontakt kam und damit üben durfte. Klasse! :)

      Liebe Grüße, Sabrina

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  2. Hallihallo,

    da sagst du was Wahres. Erst versuchen wir alles damit sie aus der Flasche trinken, den Schnuller nehmen oder oder oder um uns das Leben zu erleichtern und dann nehmen wir es den Kindern wieder weg. Sehr absurd. Man sollte die Kinder entscheiden lassen, wann sie was möchten und wann sie es nicht mehr möchten. So über sie hinweg zu entscheiden ist eigentlich eine Ausnutzung unserer "Macht" über die Kinder... Das sollte uns zu denken geben.
    Mein Sohn trinkt übrigens auch schon lange alleine aus dem Becher oder Glas. Seitdem er 1 Jahr ist ungefähr. Ich habe ein paar Schnabelbecher gekauft, aus einer Flasche hat er gar nicht getrunken. Das hat auch geklappt, aber er wollte tatsächlich immer aus unseren Gläsern trinken. Und jetzt staunen immer alle und fragen wie ich das gemacht habe, dabei hat er das ganz alleine entschieden und gelernt. So wie es ja auch sein sollte! Und eigentlich klappt es auch nur so. Wirklich beibringen oder antrainieren kann man Kindern gar nichts. Es muss von innen kommen.
    Liebe Grüße

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    1. Hallo Lepi,

      das hast du wirklich passend geschrieben: absurd! Der Machtmissbrauch wird leider noch sehr oft verübt und dies wird allgemein geduldet und sogar befürwortet :(

      Dein letzter Abschnitt ist sehr schön geschrieben, ja es muss von innen kommen ♥

      Liebe Grüße, Sabrina

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