Mittwoch, 22. März 2017

Von Gemüseresten, die wieder wachsen und weiteren Experimenten mit Pflanzen

Nachdem ich in meinem Instagram-Verlauf so viele tolle Profile verfolge, in denen schon seit geraumer Weile fleissig mit den Vorbereitungen zur diesjährigen Pflanz- und Gartensaison begonnen wurde, packte mich nun auch der Wunsch nach dem Gärtnern. Ich weiß, dass mein grüner Daumen nicht gerade sehr ausgeprägt ist, aber wir wollen es probieren und ich habe hier natürlich noch meine zwei kleinen Gärtner, die mich sicherlich wundervoll unterstützen.

Wir entscheiden uns für die Hochbeet-Variante und ich began mich im Internet darüber zu informieren, was man den darin alles setzen kann. Dabei stieß ich auf etwas ganz Interessantes! Gemüsereste, die wieder wachsen! Da ich an diesem Abend gerade erst Karotten für das Abendessen geschält hatte, holte ich die Karottenstumpen direkt wieder aus dem Abfall und legte sie ins Wasser. Das wiederholte ich ebenso mit Chinakohl und Sellerie. Und siehe da, nach nur wenigen Tagen beginnen nun alle 3 Gemüsearten wieder zu wachsen und können dann auch bald in die Erde umgesetzt werden.


Ich finde das ganz faszinierend und der Sohn natürlich auch. Wir haben alles auf dem Esstisch stehen und können so alle wunderbar das Wachstum mehrmals täglich zu den Mahlzeiten bestaunen und uns darüber unterhalten. Auch Kressesamen haben wie ausgesäat und mehrmals täglich besprüht der Sohn diese mit Wasser (unsere Sprühflasche stammt aus dem Baumarkt oder einfach online kaufen). All das geht so wunderbar schnell, dass es für Kinder einfach spannend bleibt und sie dadurch das Interesse auch nicht verlieren.


Neben diesen kleinen Ideen habe ich auf Pinterest noch nach weiteren tollen Experimente rund um Gemüse und Pflanzen im Allgemeinen gesucht und euch auch eine Pinnwand auf meinem Pinterest-Profil erstellt. Dort findet ihr noch weiteres Gemüse, welches aus seinen Stumpen wieder neu wächst. Auch findet ihr dort ganz tolle Experimente zum den Themen:

- warum brauchen Pflanzen Licht?
- warum wachsen Pflanzen immer zum Licht?
- wie nehmen Pflanzen Wasser auf? Farbexperimente!
- Wie wichtig ist ein pflanzenreicher Boden für sauberes Wasser?
- brauchen Pflanzen Erde?
- Bohnenwachstum in CD-Hüllen verfolgen
- ... (ich werde die Pinnwand, wenn immer ich passende Ideen finde natürlich weiter ergänzen)

Mit diesen vielen anschaulichen, kleinen und schnell umgesetzten Experimenten kann man seinen Kindern viele Abläufe unserer Natur wundervoll erklären. Und wir selbst lernen auch noch etwas dabei! Ich wäre jedenfalls nie auf die Idee gekommen, dass aus Karottenstumpen wieder Karotten wachsen können! Hättet ihr es gewusst?


*Beitrag enthält einen Affiliat-Link

Donnerstag, 16. März 2017

Ihre Energie und Zielstrebigkeit ist grenzenlos

Wie ich schon im vorherigen Beitrag erwähnte, hilft mir meine Tochter unglaublich gerne im Haushalt. Sie möchte alles alleine tun, sie will alles nachmachen. Und das ist nicht immer einfach für mich und auch für sie. Denn zum Einen ist es für sie frustrierend, wenn sie Dinge, die sie tun möchte, noch nicht alleine ausführen kann und auch für mich, da ich ihren Frust aushalten muss bzw. auch immer wieder gefragt bin, wie ich es ihr jetzt ermöglichen kann, in ihrem derzeitigen Rahmen mitzuhelfen. Und manchmal, wenn man da so gefrustet ist und ein Tag immer länger und länger zu werden erscheint, aber die Energie und Zielstrebigkeit des Kindes scheinbar niemals weniger wird, braucht es etwas Weitblick von Außen.
Immer wenn ich Fragen habe bzw. Inspirationen/Hilfe benötige, gehe ich auf die Suche. Bücher, Blogs, Foren, Gruppen, Pinterest. Die Auswahl ist schier unendlich. In zwei Büchern wurde ich fündig und es umreißt sehr gut, was ich gerade zusammen mit meiner Tochter erlebe und wie wichtig diese Umbruchzeit nun ist!

Kinder im Alter von fünfzehn Monaten (Anmerkung von mir: Der genaue Zeitpunkt ist natürlich für jedes Kind indviduell), die sicher laufen können, sind jetzt endlich unabhängige Individuen und bereit für eine neue Aufgabe in ihrem Selbstaufbau. Viele Monate, bevor sie anfingen ihre Füße zu gebrauchen, benutzten und übten sie ihre Hände. Jetzt, wo sie laufen können, so Montessori, sind die Hände bereit, "sich zu bilden, wenn ihnen dazu nur Gelegenheite geboten werden". Dies ist ein großer Augenblick für die Eltern. Aber es ist auch einer der zahlreiche Schwierigkeiten birgt. 

Montessori ging davon aus, dass ihre Überlegungen zum Gewähren von mehr Freitheit bei gleichzeitiger sorgfältiger Überwachung der Bewegungen der fühnzehn Monate alten Kinder die Erwachsenen zunächst verunsichern oder vor Probleme stellen würden. Aber Montessori bestand darauf: "Dem Kind Freiheit zu geben, es zu beobachten und bereit zu sein ihm zu helfen ist nicht, aber wir müssen darauf vorbereitet sein, all dies zu tun."

Was das Kind in diesem Alter möchte, sind Dinge, die seine maximale Anstrengung erfordern. ... es geht darum "die Umgebung zu erobern". Zu diesem Zweck möchten die Kinder "so schnell wie möglich das tun, wozu sie fähig sind". Während sie vorher lediglich ihren eigenen Körper eroberten, geht es jetzt um die Eroberung der Welt. Es ist kein Wunder, dass ihre Energie und ihre Zielstrebigkeit so grenzenlos sind.

Der erste Schritt der Kinder in Richtung auf dies erweiterte Ziel besteht darin, dass ihnen die Tätigkeiten der Eltern im täglichen Leben neu bewusst werden. Vorher beobachtete das Kind, was seine Eltern taten, jetzt versucht es nachzuahmen, was diese tun. 

**Man sollte sich stets bewusst sein, dass ein Kind einen Bewegungsablauf erst genau beobachten muss, bevor es ihn nachahmen kann. Ist ihm das Muster klar, wird es den Bewegungsablauf so lange üben, bis es ihn beherrscht. Wenn der Körper auf diese Art den Anweisungen des Geistes folgt, bereitet das dem Kind großes Vergnügen. 
Jede Bewegung wird also zuerst durch Beobachten erlernt und dann nachgeahmt. Kinder neigen dazu, alles nachzuahmen, was sie bei den Erwachsenen in ihrer Umgebung sehen. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie einfach nur automatisch jede beobachtete Bewegung wiederholen würden; vielmehr wiederholen sie die Bewegung aus dem Drang heraus, so zu werden wie die Erwachsenen.
An diesem Prozess kann man erkennen, wie die natürliche Kraft des Lebens die Kinder in Richtung Selbstentfaltung drängt. Doch diese kann nur mithilfe einer Umgebung gelingen, welche die Entwicklung des Kindes fördert. 

Maria Montessori hat erklärt, warum Kinder in den ersten Lebensjahren so sehr darauf drängen, an solchen Alltagsverrichtungen teilzuhaben. Diese Arbeiten erfüllen für sie einen ganz anderen Zweck als für uns Erwachsene: Die Aufgabe des Kindes besteht darin, den Menschen zu schaffen, zu dem es werden muss. Während Erwachsene arbeiten, um die Umwelt zu verbessern, arbeiten Kinder, um sich selbst zu verbessern.

Solche Tätigkeiten sind für die Kinder eine wunderbare Möglichkeit, ihre motorischen Fähigkeiten zu verbessern und gleichzeitig das befriedigende Gefühl zu erleben, mit einer Tätigkeit ein konkretes Ziel zu erreichen. Damit das Kind sich auf diese Weise weiterentwickeln kann, braucht es Raum, nicht nur in physischer Hinsicht, sondern auch Raum, den wie ihm in unserem Leben erinräumen.**

Es ist offenkundig, dass die Eltern, wenn sie das Kind in ihre Arbeiten mit einbeziehen, Tempo und Effizienz ihrer häuslichen Arbeit vermindern. Warum empfahl Montessori - eine sonst so praktisch denkende Frau mit großer persönlicher Leistungsfähigkeit - einen anscheinend so unpraktischen Ansatz für Kinder, die gerade fünfzehn Monate alt sind? Nur aus einem Grund empfahl sie, das Kind zum täglichen Begleiter des Erwachsenen bei diesen einfachen Tätigkeiten im Haus und in der Familie zu machen: aus Respekt vor den Möglichkeiten menschlichen Lebens, wie sie sich im kleinen Kind finden.

Der Grund, Montessoris Gedanke und ihrer praktischen Umsetzung zu folgen, liegt... im Respekt gegenüber dem Kind und dem, was dieses Kind im großen Zusammenhang des menschlichen Lebens repräsentiert. Mit Aufgaben, die in diesem Sinn angepackt werden, und mit Montessoris Beobachtung der Details bei jeder neuen Aktivität haben Eltern überall auf der Welt die Erfahrung gemacht, dass ihre Kinder zu viel mehr in der Lage sind, als sie selbst sich je hätten vorstellen können.

**Wir sollten stehts an die Erkenntnisse denken, die Maria Montessori beim Beobachten von Kindern in einer vorbereiteten Umgebung gewonnen hat, und daran, welche Ziele diese Kinder mit ihrer Arbeit verfolgen. Dann wären wir sicherlich offener dafür, die Hilfe der Kinder anzunehmen und sie an unserer häuslichen Arbeit zu beteiligen. 
Kinder beschäftigen sich nicht nur sehr gerne mit solchen Aufgaben des täglichen Lebens, sie verbessern dabei auch ihre Koordination und stärken ihre Selbstsicherheit und ihr Selbstwertgefühl. So nimmt der sich entwickelnde Mensch wichtige Botschaften in sich auf, die ihn auch bei all seinen künftigen Aktivitäten leiten werden: "Ich kann das, ich bin dazu in der Lage, ich bin etwas wert, die Menschen in meiner Umgebung brauchen und schätzen meine Mitarbeit, und ich kann damit die Welt um mich herum verändern."**

Und wenn wir damit also wissen, warum unsere Kinder diese Energie und diese Zielstrebigkeit besitzen, warum sie so motiviert sind und es ihnen ein wichtiges Anliegen ist, uns zu helfen, dann fällt es uns leichter, die Hilfe unserer Kinder anzunehmen, auch an stressigen Tagen, aus Respekt vor den Möglichkeiten des menschlichen Lebens. Den Erbauern ihrer Selbst, den Menschen zu schaffen. Und unser wichtiger Anteil daran.

Die Zitate stammen aus den Büchern Das Kind verstehen (**) und Montessori von Anfang an . Hierbei handelt es sich um Affiliate-Links.

Dienstag, 14. März 2017

Mithelfen wollen von Anfang an! (Aktuell mit 14 Monaten)

Letzte Woche erschienen bei Susan von Emil und Mathilda und Susanne von Geboren Wachsen fast zeitgleich Artikel zum Thema "Mithelfen". Also, ab wann Kinder denn im Alltag mithelfen können.
Noch immer ist dies ein großes Thema bei Eltern und die damit verbundene Ratlosigkeit. Zunächst sind die Kinder zu klein, da können sie doch noch nicht mithelfen und irgendwann sind sie groß genug dafür... oder etwa nicht? Was ist zu klein, was ist groß genug?

Sobald die Kleinen mobiler werden und auch die motorischen Fähigkeiten zunehmen, beginnt die magische Anziehung. Das Mithelfen wollen. Sie sehen uns Erwachsenen genau zu und beginnen zu verstehen. Schon früh, reichte mir die Tochter Kleidung aus den Wäschekörben, da konnte sie gerade mal gut sitzen und etwas krabbeln. Als sie sich Hochstellen konnte, wollte sie beim Trockner Ein- und Ausräumen helfen.
Mit ihren 14 Monaten kann sie nun endlich laufen. Für sie eine absolute Erleichterung, so scheint mir, denn es wirkt, als hätte sie nur darauf gewartet. Sie will noch mehr helfen, noch mehr lernen und verstehen. 
Noch bevor ich selbst Kinder bekommen habe, hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass ein 14 Monate altes Kind mithelfen will bzw. auch mithelfen kann. Erst als ich die Lehren von Maria Montessori entdeckte, stellte ich fest, wie wichtig dieses "Helfen wollen" für die Kinder eigentlich ist. Für ihre Entwicklung. Körperlich, geistig. Für das Selbstbewusstsein.

Aber was kann denn ein 14 Monate altes Kind wirklich tun? Wo kann es mithelfen? Für uns Erwachsene fällt es da schwer umzudenken. Nicht nur, darin passende Möglickeiten/Teilaufgaben zu sehen, sondern auch Zurückzuschrauben. Wir wollen alles zack-zack erledigen, zur nächsten Aufgabe übergehen und einfach "fertig werden". So ist das mit Kindern natürlich nicht möglich. Wir müssen lernen uns viel mehr Zeit zu lassen und auch zu akzeptieren, dass das Ergebnis am Ende gerade am Anfang des Lernens, nicht so aussehen wird, wie wir uns das Wünschen würden. Wir müssen dann auch lernen, dieses Ergebnis zu lassen, nicht ständig zu korrigieren. Das würde einfach demotivierend sein.

Wo hilft mir meine kleine Tochter als nun? Welche Aufgaben kann ich sie übernehmen lassen? Wichtig dabei ist, zu beobachten! Wo sehe ich, dass meine Tochter etwas tun möchte? Kann ich sie das übernehmen lassen? Lasse ich sie es einfach mal probieren und warte ab! Braucht sie beim nächsten Versuch vielleicht eine Hilfe, ein Zwischenschritt? Ich sehe, was meine Tochter tun möchte und gebe ihr den Raum dafür. Schon alleine dadurch werde ich erkennen, was mein Kind tun kann. Egal in welchem Alter!

Hilfe bei der Wäsche

Wie schon geschrieben, ich bekomme von meiner Tochter Hilfe beim Wäsche waschen. Sie hilft beim Einräumen in die Waschmaschine oder dem Trockner, ebenso beim Ausräumen. Sie möchte auch die Maschinen starten bzw. vorher die Türen selbst schließen. Sie hat durch den niedrigen Wäscheturm die Möglichkeit das Aufhängen von kleinen Kleidungsstücken zu üben oder reicht mir diese. Das Reichen geht später beim Wäsche-Zusammenlegen weiter. Ich stelle den Korb auf den Boden, so dass meine Tochter die Wäsche erreichen kann. Sie nimmt die Wäschestücke einzeln und bringt mir diese damit ich sie dann Zusammenlegen kann.  

Hilfe in der Küche

Sie hilft mir schon seit vielen Monaten beim Ausräumen der Spülmaschine. Beim Öffnen entnehme ich zügig alle scharfen Messer oder Küchenhelfer und dann kann sie loslegen. Meistens reicht sie mir noch alles. Hin und wieder weiß sie schon wohin etwas geräumt werden muss und bringt es selbst dort hin.
Nach dem Essen wird Tisch, Hochstuhl und dann der Boden darunter feucht abgewischt. Vor wenigen Tagen signalisierte sie, dass sie mithelfen möchte. Sie streckte mir ihre kleinen Händchen entgegen und fixierte das Tuch in meiner Hand. Also gebe ich ihr seit dem, ihr eigenes Tuch und sie "wischt" mit. Auch hier sieht sie, dass ich das Tuch mehrfach ausspüle und möchte das dies mit ihrem Tuch auch gemacht wird. Noch reicht sie es mir dafür. Ich denke hier werde ich irgendwann eine Schüssel in ihrer Höhe anbieten müssen, damit sie die Schritte alleine tun kann, auch das Auswringen des Tuches. Das kommt alles nach und nach, wie ihre Entwicklung dies erlaubt.
Sie möchte beim Zubereiten des Essens helfen. Hier kann ich ihr die geschälten und in Stücke geschnittenen Möhren reichen, die sie dann selbst in den Topf gibt. Auch schon abgemessene Zutaten können so von ihr in die Schüsseln getan werden. Gehen wir zusammen an die Gefriertruhe, möchte sie die schweren Packungen selbst wieder nach oben tragen. Töpfe aus den Schränken möchte sie mit mir zum Herd bringen.
Gemüse und Obst können von ihr abgewaschen werden. Hier verweise ich wieder auf den wunderschönen Blogbeitrag von Emil und Mathilda.

Hilfe bei den Haustieren

Irgendwann wollte ich darüber mal einen eigenen Blohbeitrag schreiben, denn ich finde Haustiere passen sehr gut zu den Lehren von Maria Montessori und dem Wachsen an Aufgaben. Immer mehr können die Kinder hier helfen und übernehmen und durch die Versorgung bedürftiger Lebewesen lernen fürsorglich und bedacht zu sein.
Meine Tochter hilft hier schon beim Ausmisten der Meerschweinchen, mehr oder weniger.... jedenfalls möchte sie mit ihrer kleinen Schippe auch helfen. Sie verteilt das frische Einstreu und das Heu. Sie hilft beim täglichen Füttern von Gemüse und Kräutern. Sie trägt die Schüsseln danach wieder in die Küche und macht auf meine Bitte die Kühlschranktür wieder zu, wenn ich alles darin verstaut habe. Sie schnalzt schon ganz wunderbar mit der Zunge, um die Meerschweinchen anzulocken und zu Signalisieren, es gibt Essen. Gerade beim Ausmisten muss man sich bewusst sein, dass man selbst und das eigene Kind am Ende paniert ist mit Sägespänen und dass das Aufräumen und Aufsaugen natürlich deutlicher länger dauern wird, aber das wird mit dem Lernen und Trainieren der Fähigkeiten immer besser werden. Wie soll es auch sonst, wenn man nicht üben könnte?

Hilfe im Haushalt

Findet die Tochter irgenwelche Fusseln oder Stückchen auf dem Boden hebt sie diese auf. Zu Anfang drückte sie diese uns in die Hand. Nun weiß sie, wohin Abfall gehört und läuft schnurgerade zum Mülleimer. Da sie die Tür aber noch nicht aufbekommt, müssen wir dies für sie tun. Tropft beim Ausräumen der Spülmaschne oder beim Trinken Wasser auf den Boden holt sie das Handtuch und wischt es auf. Hier habe ich dies zunächst immer wieder gezeigt und ihr auch durch das Reichen des Handtuches angeboten es selbst zu tun. Irgendwann macht es klick und unsere Kinder verstehen die Zusammenhänge. Es Bedarf der Wiederholung. Gerade die Wiederholung wird auch manchmal schwer für uns sein. Es ist frustrierend wenn die Wäsche komplett im Trockner und die Aufgabe damit "fertig" ist. Wenn die Mama nicht will, das der Boden mit Wasser geflutet wird, um immer und immer wieder Aufzuwischen. Wiederholung ist wichtig für unsere Kinder, so festigen sich die Handgriffe und das Verstehen der Zusammenhänge. Das ist wichtig für uns zu wissen, so könnne wir mit diesen Situationen gelassener umgehen. Und es zeigt auch warum uns die Kinder immer und immer wieder helfen wollen. 

Für unser Kinder ist Hausarbeit nicht langweilig. Wir müssen kein schlechtes Gewissen haben, wenn es Tage gibt an denen wir gefühlt nur mit Haushalt beschäftigt sind und unsere Kinder uns dabei helfen. Meine Tochter ist jedenfalls sehr glücklich und ausgeglichen, wenn sie mir wirklich nonstop helfen kann. Andere Dinge interessieren sie ohnehin kaum bis garnicht. Bei mir zu sein, zu lernen, zu beobachten, zu verstehen, zu helfen, zu tun. Das ist die innere Aufgabe der Kinder, das ist ihr Sein. Für uns mag Spielen im ersten Moment etwas völlig Anderes sein, davon lebt schließlich die Spielzeugindustrie. Aber kennen wir unsere Kinder, dann wissen wir, Arbeit ist für sie keine Arbeit, wie wir sie kennen. Arbeit ist Spielen und im Spielen lernen sie. Im Spielen wachsen sie. Unser Alltag ist ihre Kindheit. Und das müssen wir nicht als Ansporn sehen, den Kindern immer etwas zu bieten, an Ausflügen, neustem Spielzeug usw. Nein, es ist wirklich unser ganz normaler Alltag, der wichtig ist für unsere Kinder. Solange sie dabei sind, solange sie integriert sind, sich wichtig und gesehen fühlen. Und das, von Anfang an!

P.S.: Leider habe ich nur wenige Bilder von meiner kleinen Hilfe. Sie ist so schnell abgelenkt und ist dann mehr an der Kamera interessiert. Einige Schnappschüsse und Videos habe ich aber schon auf meiner Instagram-Seite gezeigt, vielleicht schaut ihr dort einfach mal vorbei.


Samstag, 4. März 2017

Nachspielen von Arztbesuchen


Neue Situationen, unbekannte Menschen, unbekannte Orte... alles was der Sohn nicht kennt, wird zunächst kritisch beäugt und ich merke wie der Sohn dicht an mich heranrückt und alles genau beobachtet und prüft.
Ich habe schon früh gemerkt, dass mit meinem Kind andere Wege, als die Üblichen gehen musste, damit er sich wohlfühlen konnte. Das ich eine sehr abwartende Haltung einnehmen musste und ihn zu rein garnichts bewegen konnte, was er nicht wollte.
Er ist niemand der vorgeht, der sich direkt traut und dies kann auch sehr lange anhalten, auch wenn man meinen könnte, eigentlich kennt das Kind doch schon alles und weiß wie alles funktioniert.

Im Pekip war ich die Mutter, die durch den Raum gegangen ist, damit sich mein Sohn bemerkt und überhaupt in die Nähe der verschiedenen Spielangebote kam und sie dadurch wahr nahm. Er hätte sich sonst nie vom Fleck bewegt, immer press bei mir.
Gleiches in der Turnstunde. Ich musste immer mit, immer direkt in der Nähe sein. Mich wie die anderen Mütter an den Rand zu stellen, den Kindern zuzuschauen und dabei die neusten Neuigkeiten auszutauschen, undenkbar. Auch mit 4 Jahren löst er sich nur sehr langsam. Die Zeit zeigt, je vertrauter er wird, je länger er Menschen, Umgebungen und Abläufe kennt, desto entspannter ist er, desto wohler fühlt er sich und desto einfacher kann er sich lösen und fühlt sich wohl.

Und da kommen wir nun zu einer Sache, die oft schwierig ist: Arztbesuche!
Eine Situation, die dem Sohn nicht behagt. Fremde bzw. wenig vertraute Menschen wollen ihn anfassen und Untersuchungen mit Geräten an ihm vornehmen, die er nicht kennt, nicht weiß was genau passiert und wie es funktioniert.
Es ist eine Verletzung der eigenen Intigrität und für ein kleines Kind ist es schwierig zu verstehen, warum dies nun sein muss. Gerade die in unserem Bundesland verpflichtenden U-Untersuchungen. Man ist gesund und soll trotzdem zum Arzt?

Schon früh haben wir also immer wieder tagelang vor nötigen Arztbesuchen mit Erklärungen begonnen, damit er sich darauf vorbereiten konnte. Erklärt was passieren wird, ob er abgehört wird, ob in die Ohren geschaut wird usw. usf. Ich habe festgestellt, je mehr er vorab weiß und sich darauf einstellen kann, um so besser konnten wir diese Termine gemeinsam bestreiten.

Ich merkte trotzdem, es reicht nicht. Auch wenn der Sohn wusste, ja, das ist nun nötig und ja, dies und jenes wird auf ihn zukommen, spätestens wenn dann der Arzt das Sprechzimmer betrat, wäre er am liebsten in mich hineingekrochen.

Als der Sohn Zuhause began die Arztbesuche nachspielen zu wollen, mussten geeignete Spielmaterialien her. Die üblichen Arzt-Spielkoffer gefielen mir aber alle nicht. Ich wollte, dass die Instrumente echt sind, damit der Vergleich für den Sohn zur Realität einfacher ist.

Ich suchte also im Internet und kaufte nach und nach alles zusammen was ich brauchte und plünderte auch abgelaufene Erste-Hilfe-Kisten aus unseren Autos, gerade Verbandsmaterial, Pflaster, Tücher usw. kann man hier immer wieder auffüllen, das ist beim Spielen sehr beliebt. Und auch die Schere um das Verbandsmaterial zum Zuschneiden ist dort dabei.


Als Arztkoffer benutze ich einen Koffer aus einem Baby-Geschenke-Set von dm. Dieser eignet sich von der Größe sehr schön und mein Mann bastelte dann noch eine Unterteilung hinein. Online kann man sicherlich auch diesen Koffer kaufen und gestalten .


Im Arztkoffer befinden sich nun Spritzen , Große und Kleine, auch solche, die immer als Dosierhilfen bei z.B. Schmerzsäften einhalten sind. Auch eine Knopfkanüle habe ich mittlerweile hinzu, gerade als Vorbereitung auf die anstehende OP (Paukenröhrchen) und die Narkose, welche wir nun endlich hinter uns gebracht haben. Dazu wird natürlich auch einen Venenstauer benötigt.

Bei den üblichen U-Untersuchungen wird in die Ohren geschaut, also besorgte ich ein Otoskop . Mit der Lampe des Otoskop, wird auch in den Mund gesehen und die Zunge meist mit einem Holzstäbchen herunter gedrückt. Mit einem Stethoskop hört sich der Arzt dann noch das Herz und die Lunge an und auch den Bauch. 

Reflexe werden auch mit dem Reflexhammer getestet. Der gehört damit natürlich auch in den Arztkoffer.

Mit einer Lupe kann man sich Wunden ganz genau ansehen, mit Wattestäbchen eventuell säubern und Creme auftragen (Der Koffer wird auch gerne genutzt um Stofftiere, bevorzugt ein Meerschweinchenstofftier zu behandeln. Das hat er sich von mir abgeschaut. Wie ihr wisst, haben wir Meerschweinchen und ich war auch lange Jahre Pflegestelle)

Passend dazu habe ich noch diverse kleine Flaschen und Behälter oder auch eine Glasflasche mit Pipette dazu gestellt. So ist manchmal Schmerzmittel oder auch Antibiotika einhalten, welches gespritzt oder eingenommen werden muss. In einem Behälter habe ich normale Baby-Hautcreme eingefüllt, die z.B. als Wundcreme genutzt werden kann. Ich habe bewusst nirgends Etiketten darauf, ich wollte hier nichts vorgeben und ihn einfach damit spielen lassen.

Da auch regelmäßige Zahnarztbesuche nötig sind, habe ich auch einen kleinen Mundspiegel besorgt und dazu gelegt. Denn viel mehr passiert bei unserem Zahnarzt bei einem ersten Kontrollbesuch nicht. Nur gucken!

Was ich ebenfalls noch gekauft habe waren zwei Bücher. Einmal über den Kinderarzt -Besuch und auch über das Krankenhaus . Beide Bücher finde ich gut umgesetzt und enthalten wirklich viele, viele Informationen für die Kinder.

Was ich bei Gelegenheit noch hinzufügen möchte, wäre noch ein Fieberthermometer und ich suche ein Blutdruckmessgerät, welches nicht ganz so teuer ist. Der Sohn hat nämlich auch davor Angst, weil er nicht genau weiß was passiert. Vor der OP wurde das in der Voruntersuchung gemacht und er wollte das garnicht.

Was ich festgestellt habe: Neben dem Nachspielen von Arztbesuchen oder auch der Vorbereitung auf Arztbesuche, hilft dem Sohn die Wiederholung. Nachdem der Sohn durch viele Mittelohrentzündungen Paukenergüsse auf beiden Ohren hatte, mussten wir damit direkt zum HNO und wir haben hier wirklich einen ganz tollen Arzt gefunden! In ganz vielen kleinen Schritten und regelmäßigen Arztbesuchen, schafften wir es ohne Angst, dass der Sohn den Hörtest mitmachte und sich auch in die Ohren schauen ließ. Er durfte immer sagen, was er mitmachen möchte und auch Rückschritte waren kein Problem für das Praxisteam. Immer bekommen dort die Kinter etwas aus der "Schatzkiste" und jeder minikleinste Fortschritt wird benannt und sich darüber gefreut.
Bei den verpflichtenden U-Untersuchungen muss der Sohn sich nicht unten rum anfassen lassen. Und auch das Wiegen und Messen, will er nicht immer. Hier kann ich dann aktuelle Daten nennen und dies wird auch akzeptiert.
Genauso haben wir dies jetzt mit dem Zahnarzt gemacht, denn diesen haben wir durch die Ohrensache lange schleifen lassen. Ich wollte den Sohn nicht doppelt belasten und da ich noch in diesem Alter täglich genau in den Mund schaue, hoffte ich darauf, das im Blick zu haben. Beim ersten Besuch weigerte sich der Sohn. Nicht einmal zu mir auf den Schoß wollte er sich setzen. Er stand an der Wand und presste den Mund zusammen, obwohl er kurz zuvor noch sagte, er lässt sich in den Mund schauen. Also sind wir wieder heim und schon im Auto sagte er, beim nächsten Mal lässt er sich in den Mund schauen. Und so war es dann auch, beim nächsten Termin setzte er sich auf meinen Schoß und machte den Mund auf. Zack! Wie habe ich mich mit meinem Sohn gefreut, der danach ganz stolz die Praxis verlassen hatte und festgestellt hatte, das tut ja garnicht weh...

Die Angst vor dem Neuem, vor dem Unbekannten, vor den fremden Menschen, das lässt den Sohn versteifen.

Vertrauen, Routine, Ernstnehmen, ehrlich sein und Rückhalt und auch das Nachspielen und darüber Reden ist sehr wichtig! Warum, Warum, Warum... vor Arztbesuchen oder auch danach, können die immer wieder gleichen Fragen gefühlt minütlich kommen.
Dabei als Elternteil selbst immer ruhig zu bleiben und entspannt, fällt manchmal schwer und doch reicht es oft nur kurz zurückzuschauen, wie es war als wir selbst Kind waren. Ich kann dem Sohn gut nachfühlen und daher denke ich, dass wir hier einen guten Weg zusammen gehen und es die Zeit und die Erfahrungen bringen wird, dass zukünftige Arztbesuche immer einfacher für uns beide werden.

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Donnerstag, 2. März 2017

Oma sein ist toll - Uroma sein, noch viel mehr!

Vor Kurzem war ich mit beiden Kindern bei meinem Eltern bzw. meinen Großeltern. Sie wohnen alle in einem Haus.
Plötzlich fuhr der Sohn mit seinem Roller durch das Esszimmer meiner Großeltern und meine Oma sagte lachend: "Na, fährst du mit deinem Roller schon wieder bei uns im Haus rum?" Wie, schon wieder? Ich schaute meine Oma etwas entgeistert an. Und fragte sie dann auch direkt, wieso ihr Urenkel denn mit dem Roller in der Wohnung herumfahren darf. Sie schaute mich an und sagte, sie könne doch nicht nein sagen, dann wäre er doch traurig!
Daraufhin fragte ich sie, was sie gemacht hätte, wenn ich das als ihre Enkelin damals getan hätte oder meine Mama, als ihre Tochter? Meine Mama hätte sicher noch mit dem Teppichklopfer ihre Antwort bekommen und auch ich wäre nie auf die Idee gekommen, dies zu tun, da ich wusste, sowas wäre mir nicht erlaubt worden. Und das es ihr bei uns sicherlich egal gewesen wären, ob wir traurig sind oder nicht, weil "das macht man eben nicht". Selbst bei ihren Enkelchen. 
Sie schaute darauf etwas verlegen und sagte, das würde stimmen und sie weiß ja auch nicht, warum sie hier jetzt nachgibt und ich hätte recht, ihren Kindern oder auch uns Enkeln hätte sie das nicht "durchgehen" lassen.

Aber ich weiß es! Ich verstehe, warum ihr Urenkel so viel mehr darf, als es die eigenen Kinder und Enkel durften.
Mehr als 80 Lebensjahre liegen zwischen Uroma und Urenkel. Ein großer Krieg, eine harte Nachkriegszeit, ein schwerer Unfall. Sie hat zwei eigene Kinder geboren und groß gezogen, mit meinem Opa zusammen. Sie hat 4 Enkel und davon mich und meine Schwester, da wir alle in einem Haus wohnten, natürlich auch viel betreut und mit großgezogen. Da war noch viel zu tun, da war noch viel mit "müssen" und "sollen" verbunden.
Jetzt sind viele Lebensjahre vergangen, jetzt sind meine Großeltern im letzten Lebensabschnitt angelangt und ob man darüber sprechen möchte oder nicht, jeder weiß, nur die wenigsten Urgroßeltern sehen ihre Urenkel auch erwachsen werden. Es bleibt also nicht viel Zeit. Keine Zeit sich mit unnötigen Dingen und Regeln aufzuhalten. Die Zeit wird genutzt alles in sich aufzusaugen, die Urenkel so oft wie möglich zu sehen und mit ihnen zu spielen und ihnen jeden Wunsch von den Augen abzulesen. Und sie natürlich zu lieben. Denn Liebe ist noch genug vorhanden. Auch wenn die Knochen nicht mehr so mitmachen mögen, wenn die Urenkel da sind, ist vieles möglich. Da legt man sich doch nochmal mit dazu auf den Teppich. Da läuft man mit zum Faschingsumzug, den man jahrelang schon nicht mehr besucht hat, weil doch der Weg zu weit ist und die Gelenke so schmerzen. 

Meine Großeltern sind unheimlich stolz, wenn sie alleine auf meinen Sohn aufpassen dürfen und sie machen dann wirklich alles für ihn. Urenkel zu haben scheint auch fit zu halten. Da ist jemand den man wachsen sehen möchte, dem man keine Bitte abschlagen will. Jeden Mittwoch sind die Ur-Großeltern Feuer und Flamme, wenn ihr Urenkel wieder Oma-Opa-Tag hat und zu ihnen kommt. Also er übernachtet bei meinen Eltern im Stockwerk darüber, aber er ist natürlich auch bei seinen Ur-Großeltern. Ab Januar nächsten Jahres wird meine Tochter vormittags von meiner Mama betreut werden, bis sie in den Kindergarten gehen wird. Meine Großeltern freuen sich sehr. Jeden Tag die Urenkelin um sie herum.

Ja, ich verstehe meine Oma, die Uroma meiner Kinder, warum ihre Urenkel so viele Dinge dürfen, die früher undenkbar gewesen wären. Einfach genießen, einfach im Moment mit den Urenkeln leben, in der Zeit die einem noch bleibt. Und ich freue mich sehr, dass meine Kinder ihre Urgroßeltern, wenigstens diese beiden, noch so bewusst erleben können. Sie profitieren alle davon und haben wundervolle gemeinsame Momente, die für immer in ihren Erinnerungen bleiben werden.

Mehr als 84 Jahre Leben liegt hier dazwischen ♥