Freitag, 7. November 2014

Die Kindheit ist unantastbar!

Vor wenigen Wochen erschien das neue Buch des Bestseller-Autors Herbert Renz-Polster. Wer bisher noch nichts von ihm gehört oder gelesen hat, sollte dies wirklich nachholen. Ich kann alle seine Bücher empfehlen und sie drehen sich wirklich immer um das Kind und seine Bedürfnisse. Das Kind steht im Vordergrund und es wird viele Aha-Erlebnisse geben, die einen sicherlich zum Umdenken bei einigen Punkten der "Kindererziehung" bringen wird.

 
Ebenso auch in diesem Buch, welches ich freundlicherweise vom Belz-Verlag zur Rezension erhalten habe! Der Untertitel lautet "Warum Eltern ihr Recht auf Erziehung zurückfordern müssen!" Da werden jetzt sicherlich einige denken, was heisst zurückfordern? Niemand anders, außer wir als Eltern erziehen doch unser Kind! Sicher? Ganz sicher? Das Buch ist richtig schwere Kost und beleuchtet sehr ausführlich, warum wir als Eltern fast keine Chance haben unsere Kinder wirklich alleine zu erziehen, sondern das viele weitere Akteure dies ebenfalls tun bzw. möchten.... denn da gibt es einige, die ein Interesse daran haben unsere Kinder zu erziehen bzw. zu formen!

Kinder sind die Zukunft, vor allem für den Staat und die Wirtschaft. Hier werden sie gebraucht um auch weiterhin bei der stetig wachsenden Globalisierung Anteil zu nehmen und den Staat und die Wirtschaft in diesem hart umkämpften Wettbewerb zu unterstützen.

Wo noch vor vielen Jahren der Kindergarten wirklich als reiner Betreuungs- und Spielhort galt, damit die Kinder während der Arbeitszeiten der Eltern gut versorgt sind und schon wichtige soziale Kompetenzen erlernen... ist dies schon lange nicht mehr ausreichend.... selbst für die Eltern nicht mehr.... Denn die Eltern haben sich ebenfalls anstecken lassen von diesem Wettbewerb. Wir Eltern wollen das Beste für unsere Kinder und sollen wir dies benennen, werden viele von uns und ich schließe mich natürlich mit ein, als einen Punkt, die finanzielle Absicherung durch einen guten Beruf aufführen. 

Was ein guter Beruf ist... das versucht gerade die Wirtschaft vorzugeben und mischt sich in solche Dinge wie den PISA-Test gewaltig mit ein... ich wusste z.B. nicht, dass dort nur sogenannte "Kernkompetenzen" wie: Mathematik, Informatik, Technik... die eben auch gut messbar sind abgefragt werden... eine wirkliche Leistungserfassung findet dort nicht statt. Hier wird als Bildung ermittelt, was für dir Wirtschaft wichtig ist. Und wieso muss es überhaupt eine Erfassung geben?

Und damit nimmt der Kreislauf seinen Anfang, denn es muss ja etwas getan werden für unsere Kinder, wenn solche Tests "so schlecht" ausfallen... sie müssen gefördert werden und da beginnen wir doch am Besten bei den Kleinsten... gleichzeitig will man damit den Eltern auch das schlechte Gewissen nehmen, dass beide auch früh wieder arbeiten gehen. Sie sollen sehen, ihre Kinder werden optimal gefördert, die Mutter wird dadurch nicht benötigt und steigt frühzeitig als wichtige Arbeitskraft wieder ein. Zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen, oder?

Das wäre zu hoffen und auch wirklich toll, allerdings haben wir seit Jahren auch mit einem Erzieher-Mangel zu kämpfen und wie sollen Kinder wirklich optimal "gefördert" und auch gut versorgt werden, wenn dafür zuständige Bezugspersonen fehlen? 

Herbert Renz-Polster beschreibt in diesem Buch sehr genau wie es zu diesen vielen Akteuren in der Kindererziehung kam, er geht dabei auch einige Jahre in unserer Geschichte zurück und ist dabei sehr detailiert. Er erklärt ebenfalls was eigentlich in den ersten Jahren unserer Kindheit wichtig ist und wichtig sein sollte und das dies in sehr vielen Kleinkind-Einrichtungen teilweise oder sogar gänzlich fehlt. Der Staat und die Wirtschaft wollen kompetente Arbeiter für die Zukunft und vergessen dabei einiges. Oder ist die -  "frühe Bildung", vielleicht nur ein Deckmantel für unser Versagen, den Kindern auch in den Institutionen einen Erfahrungsraum zu bieten, der wirklich zum kindlichen Eigenlernen passt" - wie der Autor sehr treffend fragt?

Ich kann dieses Buch leider nur sehr grob umreißen, es ist sehr umfangreich, sehr tiefgreifend und sehr erschreckend. In keinster Weise werde ich der Wichtigkeit dieses Themas in meiner kleinen Rezension gerecht, man muss dieses Buch wirklich gelesen haben. Ich kann es allen Eltern daher nur empfehlen, gerade die Eltern die sich derzeit mit dem Thema beschäftigen müssen, wohin sie ihre Kleinkinder wirklich zur Betreuung geben möchten. Was sollte ihnen, im Sinne der Kinder wirklich wichtig sein an dem ausgewählten Betreuungsort und was sollte uns für die Zukunft unserer Kinder wichtig sein? Ausschließlich Bildung und finanzielle Absicherung oder auch Selbstvertrauen, Soziale Kompetenzen, Kreativität, Resilienz? Sogenannte Fundamentalkompetenten, die wichtig sind um auch überhaupt im Erwachsenenleben, im Berufsleben, bestehen zu können. Was ist uns wirklich wichtig? 

Wir Eltern müssen diejenigen sein, die für unsere Kinder entscheiden, nicht der Staat, nicht die Wissenschaft und nicht die Wirtschaft. Natürlich können wir uns vor dem Wettbewerb und der Globalisierung nicht verschließen. Wir können und müssen aber unsere Kinder davor bewahren in eine Maschinerie zu geraten, die vergessen hat, was unsere Kinder in ihrer Kindheit wirklich brauchen! Keine kleinen Forschungslabore in den Kindergärten, sondern Liebe, Vertrauen, Zuwendung, Erfahrungsräume und Möglichkeiten sich darin selbst erfahren, erleben und entdecken zu können. 

Ein Kind braucht zum Lernen nicht äußere Anreize, sondern innere. 
Es braucht nicht Evaluation, sondern Beziehungen, 
es braucht nicht Konkurrenz, sondern Rückhalt,
 es braucht nicht Lob für das Ergebnis, sondern Lob für die Anstrengung, 
es braucht kein Benchmarking, sondern Begeisterung für das, was da zu lernen ist. 
Standards mögen für Waren taugen, 
ein Kind aber braucht Aufgaben und Methoden, die zu ihm passen, zu seiner Individualität. 
Eine wenig produktive Tochtergesellschaft kann vielleicht durch straffe Führung auf Kurs gebracht werden - ein Kind aber, das in der Schule zu wenig "produziert", braucht als wichtigste Hilfestellung eine menschliche Schule.

- Herbert Renz-Polster -

Neben meinem Rezensionsexemplar habe ich ein weiteres Exemplar erhalten, welches ich über meine Facebook-Seite verlosen werde. Also schaut doch einfach mal dort vorbei. Viel Glück!


1 Kommentar:

  1. Der erste angestrichene Satz ist tatsächlich Anstreichwürdig...und zwar ganz dick und fett :) Danke für die Empfehlung.

    AntwortenLöschen