Wer sich mit Maria Montessori beschäftigt, der stolpert relativ früh auch über ihre Einstellung zu Gitterbetten. Sie schreibt in ihrem Buch
Kinder sind anders folgendes dazu:
"Schon das moderne Kinderbett, in dem die Kleinen untergebracht werden, ist eine bezeichnende Erfindung! Es ist verschieden von der Wiege, die in ihrer Art formschön und weich ist, und es ist verschieden von dem Bett des Erwachsenen, in dem man sich bequem ausstrecken und schlafen kann. [...]
Das Kinderbett ist ein Käfig, so hoch, dass der Erwachsene sich nicht nach dem Kind zu bücken braucht, und so eingerichtet, dass er es darin seinem Schicksal überlassen kann. [...] Es kann sich ja nicht wehtun! [...]
Wollen wir dem Seelenleben des Kindes zu Hilfe kommen, so heisst es vor allem, das Kinderbett [...] abzuschaffen.
Das Kind muss das Recht haben, zu schlafen, wenn es schläfrig ist, aufzuwachen, wenn es ausgeschlafen ist, und aufzustehen, wenn es will. Wir empfehlen daher - und viele Familien sind diesem Rate bereits gefolgt - die Abschaffung des klassischen Kinderbettes, es soll durch ein sehr niedriges Lager, fasst in Höhe des Fußbodens, ersetzt werden, auf dem das Kind sich nach Belieben niederlegen und aufstehen kann. [...]
Die Kinder gehen dann vergnügt des Abends ganz von selbst schlafen und stehen in der Frühe ebenso vergnügt auf, ohne irgendwen zu stören."
Auch im Internet stolpert man immer wieder über die sogenannten
Floor Beds. Und ich habe mir schon so einige Gedanken dazu gemacht und sie dann wieder zur Seite gelegt. Sowas ist absolut unüblich in unserer Kultur, auch wenn es so logisch erscheint. Schon in der Schwangerschaft beschäftigt man sich eingehend mit der Gestaltung des zukünftigen Kinderzimmers. Wie soll es aussehen, welche Möbel, welche Farben, welche Deko usw. Das darin dann ein Gitterbettchen steht, ist so normal. Geht man in die Möbelhäuser ist es Standard! Nichts ist wirklich auf das Kind selbst ausgelegt. Nicht die Möbel, nicht das Bett, auch meist nicht die dekorative Einrichtung. Oder welchen Sinn haben Mobiles, die das Baby von unten eigentlich nicht betrachten kann, da die Tierchen zur Seite zeigen? All das sind Dinge, die mir jetzt erst wirklich klar werden. Und wie wenig, sie auf die Bedürfnisse der Kinder ausgerichtet sind.
Bisher schlief das Herzkind also weiterhin im Gitterbettchen in seinem Zimmer. Vor wenigen Tagen war dann damit Schluss für mich. Zum Einen auch, weil ich keine Lust mehr hatte den Zwerg zigmal Nachts aus dem Bettchen zu heben und wieder hinein. Bei dem Gewicht geht das mittlerweile wirklich in den Rücken bzw. in die Handgelenke.
Morgens stand ich auf, sagte meinem Mann das Gitterbett kommt raus und gestaltete im Zimmer alles etwas um. Ich habe einen weiteren Teppich auf den Boden gelegt, damit es nicht zu kalt wird, falls der Zwerg aus dem Bett rollt. In den Regalen unter der Wickelkommode befinden sich nun Bücher, Schleichtiere und ein Puzzle falls er vor uns wach wird und sich noch etwas selbst beschäftigen möchte. Die Matzratze haben wir direkt auf den Boden gelegt, wir werden sicherlich bald eine Umrandung mit Lattenrost bauen, wegen der Luftzirkulation. Dies war erst mal eine schnelle Lösung. Ein zusätzliches Kissen am Kopfende verhindert, dass das Herzkind sich den Kopf stößt, wenn es im Schlaf wieder nach oben wandert.
Nun schon ein erstes Fazit nach 4 Tagen Floor Bed: Tagsüber klappt sein Mittagsschlaf genauso problemlos wie auch zuvor im Gitterbett. Gerade für Tagsüber sind auch die Bücher etc. in den Regalen gedacht, da es dafür dann noch hell genug ist.
Nachts wird er nicht weniger häufig wach als zuvor. Der Vorteil ist aber nun, dass ich mich direkt zu ihm legen kann und er sich somit auch oft ohne stillen wieder beruhigt und einschläft. Zuvor musste ich ihn grundsätzlich aus dem Gitterbett heben und stillen. Das finde ich schon einen großen Erfolg! Zudem haben wir nun auf dem Tischchen neben der Matratze eine Wasserflasche stehen, welche ich ihm nun auch Nachts zunächst immer zeige und dann gebe. Nachts hat er viel Durst, warum auch immer... wobei, ich bin genauso... vielleicht klappt es in Zukunft, dass er sich sein Trinken selbst nimmt und danach auch wieder einschlafen kann.... man darf doch auch mal träumen... *hust*
Mein rechtes Handgelenk hat sich jedenfalls auch schon wieder beruhigt, es hatte in letzter Zeit sehr geschmerzt und ich hatte schon Angst, dass ich mir eine schlimme Entzündung darin zugezogen habe. Nun ist es wieder abgeklungen, wohl auch dadurch das ich das Herzkind nicht mehr aus einem Gitterbett herausheben muss.
Oft liest man im Zusammenhang der Floor Beds, dass es wirkt als hätte man "kein Geld, um seinen Kindern ein richtiges Bett zu kaufen". Die Matratze, einfach auf den Boden und fertig. Wir müssen uns auch hier von unseren kulturellen Angewohnheiten frei machen. Und uns mehr an den Bedürfnissen der Kinder orientieren. Wir müssen sie in ihrer Selbstständigkeit unterstützen und dazu gehört auch ein passendes Schlaflager. Unseren Kindern ist es egal, ob es "nur" eine Matratze auf dem Boden ist (verfolgt man den oben eingefügten Link - kann man übrigens wunderschön gestalteten Floor Beds sehen - nicht einfach nur eine Matratze!), ihnen ist es wichtig, dass sie sich wohlfühlen! Und ich merke meinem Herzkind an, er fühlt sich wohl, wenn ich mich nun direkt an ihn kuschel und er beruhigt wieder einschlafen kann.
Ich werde auch hier bald wieder berichten, wie sich unser Alltag mit Floor Bed gestaltet! Falls Fragen dazu aufkommen: Ich hatte schon in einem anderen Post darüber geschrieben, dass wir kein Familienbett betreiben, da wir uns sonst alle gegenseitig Nachts wieder wachmachen. Der Zwerg zog daher schon mit 8 Monaten in sein Zimmer, da er bei jedem Drehen, jedem Aufstehen, jedem zu lauten Schnarchen leider wach wurde.