Dienstag, 23. September 2014

Uns selbst vervollkommnen

Zur Zeit lese ich das Buch "Das Kind verstehen - Entwicklung und Erziehung von 0-3 Jahren nach Maria Montessori" von Silvana Quattrocchi Montanaro. Schon zu Anfang schreibt sie folgendes:

Bei einer Vorlesung, [...], sagte Maria Montessori: "Um das Kind zu verstehen und es richtig erziehen zu können, müssen wir erst das Leben verstehen."
Einen Menschen zu erziehen beinhaltet jedoch immer auch, eine zwischenmenschliche Beziehung zu ihm einzugehen. Unsere Beziehungen zu Kindern bieten uns die besondere Möglichkeit, uns selbst zu vervollkommnen und unsere Wahrnehmung der Realität zu erweitern. Sie bieten uns die Chance, an unsere Grenzen zu gehen und intensiver am Leben teilzuhaben.

Während ich dies nun tippe, sitze ich am Esszimmertisch. Nur wenige Meter weiter liegt das Herzkind auf dem Sofa und schläft nun endlich. Auch diese Nacht war mal wieder nicht gut... so wie die Nacht davor und an frühes Einschlafen ist schon seit einer Weile mal wieder nicht zu denken. Ich verstehe es einfach nicht, ich weiß ich kann es kaum ändern, aber es bringt mich an Grenzen. Grenzen die man vor einem Kind nicht kannte und auch nicht vermuten würde.

Immer wieder stehe ich vor Grenzen, bei denen ich mit einem Erwachsenen vollkommend anders reagiert hätte. Ich bin kein geduldiger Mensch, ich kann sehr direkt sein und will Dinge zügig umgesetzt bekommen.... willkommen in der neuen Welt mit Kind!
Hier kann ich nicht diskutieren, wie mit einem Erwachsenen und Dinge erwarten, die entsprechend zügig umgesetzt werden. Hier kann ich nicht einfach aus der kompletten Situation verschwinden, wenn es mir denn zu blöd wird und in diesem Moment keine Einigung in Sicht ist. Einfach mal nur Luft schnappen und Ruhe haben, wenn man sie mal braucht... das ist oft nicht umsetzbar.
Die Geduld... mir wurde es schon von Arbeitskollegen prophezeit, dass sich hier einiges ändern muss. Das ich mich ändern muss... belächelt habe ich sie!

Mein Kind kann mich so wahnsinnig auf die Palme treiben, wenn es an manchen Tagen so überhaupt nicht funktioniert, wie ich es mir wünsche! Ich stehe dann vor meinem eigenen Ich und kann mich selbst nicht leiden. Wenn ich so ungedulig bin, wenn ich lauter werde, obwohl ich es nicht will... ich sehe dann Dinge an mir, die ich nie sehen wollte. Die ich als Kind schon an Erwachsenen nicht leiden konnte und jetzt werde ich selbst getriggert.... von meinen Erfahrungen, die ich in meiner Kindheit gemacht habe.

Die Realität hat mich eingeholt! Womit ich jahrelang gut leben konnte, ist nun nichtig! Mit einem Kind sowieso. Es zeigt mir meine Charakterschwächen auf, ganz ohne dabei mit dem erhobenen Zeigefinger zu wedeln, ganz ohne böse oder verletzende Worte. Möchte man etwas von einem Erwachsenen nicht hören, hört man nicht hin und geht weg. Man kann sich davor verschließen, wenn mal will. Vor dem Kind geht das nicht! Seine Taten und Augen zeigen es mir ganz genau! Und ich kann diesen nicht ausweichen!

Jetzt habe ich die Chance, diese Schwächen zu bereinigen! Mit einem Kind ändert sich die Wahrnehmung. Sie wird intensiver, sie wird zeitloser. Als wir uns im Bett gerade nur noch umherwälzten, stand ich grummelnd mit dem Zwerg auf. Ich legte mich mit ihm auf das Sofa, drückte in fest an mich, knuddelte ihn, sog seinen Duft in mich auf und zwang mich dazu, zur Ruhe zu kommen. Einfach im Hier und Jetzt zu sein. Entspannen, nicht zappeln... nun schläft er wieder, weil auch er sich entspannen konnte.

Das Leben selbst zu verstehen, ist eine große Aufgabe! Sich zunächst erst mal selbst zu verstehen und an sich zu arbeiten auch! Sich zu vervollkommnen ist eine Lebensaufgabe und das Kind kann uns dabei helfen... wir müssen es nur zulassen.


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Kommentare:

  1. Liebe Herzmutter,

    wie recht du mit deinen Worten hast! Du sprichst mir quasi aus der Seele. Ich versuche wie du die Situation als Chance zu sehen und zu nutzen und bin unserer "Motte" schon wieder dankbar dafür, dass sie mir hilft - um es mit deinen Worten zu sagen - meine /unsere Schwächen zu bereinigen. Deinen Blogeintrag hierzu finde ich fabelhaft aufgrund der Aufrichtigkeit, die du an den Tag legst! Danke.

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    1. Hallo Rivka,

      vielen lieben Dank, für deine wundervollen Worte. Es ist wirklicj schwierig, aber wenn wir es wollen, schaffen wir jeden Tag ein Stückchen :)

      Liebe Grüße, Sabrina

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  2. Hach...danke für diese ehrlichen Worte...Hab echt nen Kloß im Hals weil ich mich darin wieder erkenne....:( will es oft verändern, will ruhiger, entspannter werden, und doch wird die Stimme immer wieder laut, man wird ungeduldig .... Das Verhalten, was ich als Kind bei meinen Eltern ganz schrecklich fand, lege ich nun selbst an den Tag..... Und doch schafft man es meist wieder, den Schalter umzulegen, sich selbst zu beruhigen und somit auch das Kind...Wirklich schön geschrieben ....Melli T aus B

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    1. Hallo Melli,

      danke schön, für deine ehrlichen Worte. Es ist immer schwierig sich selbst die eigenen Fehler einzugestehen und auch etwas daran ändern zu wollen. Es ist so verdammt schwierig, festgefahrenes, lang gelebtes nun zu verändern. Wir schaffen das! :)

      Liebe Grüße, Sabrina

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