Dienstag, 27. Oktober 2015

Schwanger bin ich von Anfang an!

Susanne von Geborgen Wachsen ist mit ihrem dritten Kind schwanger und berichtete darüber, wie sie die ersten drei Monate empfand bzw. aktuell empfindet und fragt nach, wie es anderen Müttern dabei erging.

Ebenso wie Susanne empfinde ich es mittlerweile als sehr wichtig, die Schwangerschaft auch schon früh bekannt zu geben und wie sie selbst schreibt, die ersten drei Monate nicht zu tabuisieren. Wie ich leider selbst in meiner ersten Schwangerschaft und mit der damaligen Fehlgeburt in der 9.Schwangerschaftswoche feststellen musste, erleben dieses Schicksal viel mehr Frauen und Paare als man zunächst ahnt. Es wird darüber nicht gesprochen! Aber wenn man im Grunde nicht aus Stein gemeiselt ist, wird einem das Umfeld ansehen, das etwas nicht stimmt und einen darauf ansprechen. "Wieso warst du krank geschrieben?" - "Was war los?"  und "Du siehst nicht sehr gut aus."... können dann einige der Fragen von Kollegen oder der Familie sein. Spätestens dann wird man es ohnehin erzählen: Leben ist in einem herangewachsen. Man hat sich so unendlich darauf gefreut hat und nun ist es nicht mehr da...

Ja, so war es bei mir! Und ich erfuhr plötzlich von so vielen, dass es ihnen ähnlich erging. Es wurde Schweigen gebrochen und man fand Unterstützung darin, dass es nicht nur einem alleine so ergeht. Sondern vielen! Sehr vielen sogar! Eine Fehlgeburt ist schrecklich für die Paare und Frauen, die sie erleben müssen, aber sie ist auch absolut natürlich und der mögliche Teil bzw. das Ende einer Schwangerschaft. Warum wird nicht darüber gesprochen? Warum muss man sich zunächst so alleine fühlen?

Für weitere Schwangerschaften hatte ich mir daher folgendes geschworen! Ich werde erst zu meiner Frauenärztin gehen, wenn ein Herzschlag auch zu 100% sichtbar sein sollte. Vorher will ich mir keine falschen Hoffnungen machen bzw. ich werde mich solange auf mein Körpergefühl verlassen. Unser Körpergefühl vergessen wir mittlerweile viel zu oft, durch die vielen Ängste die uns durch Umfeld und Ärzte gemacht werden.
Ich fühlte in meiner ersten Schwangerschaft damals genau, dass etwas nicht stimmt, dass ich mich nicht mehr schwanger fühle und mein Kind gegangen ist. Ich wusste es! 

Folgendes habe ich damals nach der Fehlgeburt in einem Forum geschrieben und mir Trost von Gleichgesinnten geholt, die ähnliches erlebt haben:

Alles Gute im neuen Jahr....


Dieser Satz schallt mir seit einigen Tagen aus vielen Mündern entgegen. Ich schüttle Hände und grüße zurück. Ein schaler Geschmack bleibt auf meiner Zunge kleben. Mein Jahr 2012 war anders geplant. Ich hatte genaue Pläne, wie es laufen sollte, Träume und Wünsche. Nur das Leben (oder ist es das Schicksal?), hat einen anderen Faden gespannt, andere Pläne....

Meine Pläne platzen am 27.12.2011! Wie die vielen tausend Seifenblasen, die uns im Sommer 2011 an unserer Hochzeit entgegen gepustet wurden. Ich teile etwas mit vielen Frauen, nichts ungewöhnliches, aber doch lebensverändernd! Ich hatte eine missed abortion, eine verhaltene Fehlgeburt.... das Herz meines Kindes wird nie schlagen..... der Traum meines Sommerbabys geplatzt.... wie eine Seifenblase!

Der Traum meines Mannes platzte, sein Sommerbaby... Er selbst ein Januarkind, hatte sich dies so sehr gewünscht. Ein Kind, dass seinen Geburtstag draußen feiern kann, im Sommer, in der Sonne! Der Traum wurde uns genommen, am 27.12.2011. Am Tag der zweiten Kontrolluntersuchung, als der Ultraschallkopf nichts fand, kein Flimmern auf schwarzem Hintergrund und wenn er sich noch so oft drehte und suchte, geführt von der Hand meiner lieben Frauenärztin. Sie versuchte uns noch zu beruhigen, wir sollen in das Krankenhaus fahren, die haben bessere Geräte, die sehen bestimmt etwas. Aber es sollte so nicht kommen! Dort angekommen suchten die Assistenz- und die Oberärztin nach dem Flimmern, dem Anzeichen das doch alles gut wird.... doch es blieb still und ruhig und schwarz.... meine Augen füllten sich mit Tränen, auch die Augen meines Mannes. Aus der Traum!

Ich sollte direkt am nächsten Tag wieder kommen, eine Ausschabung! Keine Zeit sich der neuen Situation wirklich bewusst zu werden. Man verliert nicht nur sein Kind, nein, man muss auch noch eine Vollnarkose über sich ergehen lassen, eine Operation! Den nächsten Tag verbrachte ich wohl eher in einem dauerhaften Dämmerzustand, ich ließ dies alles über mich ergehen und im Nachhinein, als ich endlich Zeit hatte darüber nachzudenken, was nun passiert ist, war es für mich die richtige Entscheidung. Ich hätte nicht noch Wochen lang warten wollen, bis mein Kind von alleine entscheidet oder mein Körper, dass es nun Zeit wird loszulassen...

Die neue Situation wirkt noch sehr falsch auf mich, meine Pläne sahen anders aus.... an Silvester hätte ich nicht getrunken, für Fasching hätte ich ein kugeliges Kostüm benötigt, im Sommer hätte ich mein Baby in den Armen gehalten.... *puff* Aus der Traum! Dies wird nie passieren und dies ist das Einzige, dass ich nicht ganz begreifen kann, nicht begreifen will! Es fühlt sich falsch an....

Doch ich stehe schon wieder, ich laufe, ich atme, ich arbeite und ich blicke auch schon nach vorne.... ich habe einen Mann und eine Familie, die hinter mir stehen und mich aufgefangen haben und es noch tun. Mein Mann und ich sind fast 11 Jahre zusammen, wir kennen uns sehr gut und haben schon viel erlebt, Gutes und Schlechtes. Man meint, eine Beziehung kann dann nicht noch tiefer werden.... aber es passiert! Ich bin meinem Mann so unendlich dankbar, er war die ganze Zeit an meiner Seite, auch wenn es ihm sehr schwer viel mich so zu sehen und er konnte nicht helfen und musste doch auch selbst diesen Schmerz ertragen! Ich liebe ihn!

Alles Gute im neuen Jahr....nein, es wird kein Sommerbaby geben, meine Pläne müssen andere sein.... aber ich hoffe, darin wird ein anderes Baby auftauchen. Ich glaube und hoffe ganz fest daran!

Mein Sommerbaby... ewig in meinem Herzen!
Und das Gute im neuen Jahr kam auch! Genau 1 Jahr nach dem Verlust meines Sommerbabys hielt ich mein Winterbaby in Händen. Mein Herzkind, mein kleiner Zwerg! Und nun bin ich mit der Bauchmaus schwanger, ein wundervolles Gefühl.
Das Sommerbaby bleibt ewig in Erinnerung und wird immer die erste Schwangerschaft sein. Denn schwanger bin ich von Anfang an! Nicht erst, wenn ich einen Herzschlag im Ultraschall sehe oder wenn die kritischen 12.Wochen vorbei sind oder wenn ich das erste zarte Kribbeln in meinem Bauch spüre und die festen Tritte später. Schwanger bin ich von Anfang an. Und auch wenn die Schwangerschaft vielleicht nicht mit einem lebenden Baby in meinem Arm enden wird, sondern früher... diese Schwangerschaft wird immer Teil meines Lebens sein und hat mich um Erfahrungen reicher gemacht!
Diese Erfahrungen sollten wir teilen und niemals verheimlichen! Es ist nichts worüber ich mich schämen müsste, ich habe nicht versagt und meine Trauer dafür darf sein! Es ist ein natürlicher Vorgang und ich bin meinem Körper dafür dankbar. Er hat eine Anomalie festgestellt und hat gehandelt. Auch wenn es unendlich traurig ist, müssen wir diesen möglichen Schwangerschaftsverlauf akzeptieren können. Je mehr, wir das zulassen und benennen umso weniger wird es ein Tabu bleiben, über das man nicht spricht...


Kommentare:

  1. Ein schöner Beitrag. Tabuisierung ist nie ein guter Weg. Als wir in der 6. SSW beim Frauenarzt waren, hat dieser uns auch geraten, bis zur 12. Woche damit hinterm Berg zu halten. Ich hab noch auf dem Rückweg meine Mama und meine beste Freundin angerufen, um ihnen die Neuigkeit mitzuteilen. Für mich war klar: alle Menschen, von denen ich im Fall der Fälle Trost möchte, sollen auch gleich davon erfahren. Ich möchte nicht in einem Zustand, in dem ich sehr traurig und mutlos bin, nochmal darüber sprechen müssen, dass ich schwanger WAR.
    Zum Glück ist alles gut gegangen. Ich kenne mehr und mehr Paare, die auch schon vor Ablauf der ersten drei Monate davon berichten.

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  2. Ein sehr schöner Beitrag.
    Auch ich hatte eine Fehlgeburt in der 8. SSW, aber ich habe mich bewusst dazu entschieden nur bestimmten Menschen von der Fehlgeburt zu erzählen. Ich habe mir die Menschen ausgesucht, die mir bei meiner Trauerarbeit gut taten. Das hat nichts damit zu tun, dass ich ein Geheimnis daraus machen will/wollte, aber ich brauchte zu dem Zeitpunkt Menschen um mich, die mit mir nach vorne gucken und mich nicht runter ziehen. Ich wollte keinen Trost, ich wollte nach vorne schauen. Aus diesem Grund wissen meine Eltern auch nichts von ihrem Sternenenkelkind.
    Leider erntete ich durch die Unwissenheit meiner Mitmenschen teilweise schmerzhafte Kommentare ("Sei froh, dass DU kein Kind hast!"). Dies war der einzige Grund, warum ich es bei der 2. Schwangerschaft anders gemacht habe.
    Ich muss aber dazu sagen, dass ich letztendlich die Fehlgeburt als wichtige Erfahrung annehmen konnte. Ich lernte dadurch, meinem Körper zu vertrauen, und bekam so letztendlich den Mut, mich bei der zweiten Schwangerschaft für eine außerklinischen Geburt zu entscheiden. Es ist ein Teil von mir und meiner Geschichte.

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