Donnerstag, 8. Oktober 2015

Mein kleines Kindergartenkind

Die Eingewöhnung begann am 02.09.2015. Mit ordentlichem Bauchgrummeln meinerseits starteten wir in einen neuen Lebensabschnitt. Hier habe ich über die ersten Tage berichtet und wie die bisherige Fremdbetreuung überhaupt bei uns funktionierte. Auch berichtete ich darüber, wie wir Zuhause die Kindergartentage gemeinsam reflektierten und besprachen und wie wichtig in dieser neuen Zeit und in den Tagen der Umstellung das genaue Zuhören für unsere Kinder ist.

Die ersten drei Wochen waren schwer, es waren große Veränderungen für das Herzkind und der Abschiedsschmerz jeden morgen war immens. Susanne von Geborgen Wachsen ist mit ihrem kleinen Sohn ebenfalls gerade in der Eingewöhnungsphase und schrieb zu diesem Zeitpunkt einen wunderbaren Artikel über den Abschiedsschmerz:

"Andere Menschen kümmern sich um ihn. Und auch wenn sie lieb und nett und zugewandt sind, auch wenn er dort Spaß hat und Freunde: Es ist nicht zu Hause. Und er darf deswegen auch traurig sein und er darf es sich auch anders wünschen. Er darf beim Abschied erklären, dass es ihm anders besser gefällt – weil er es ja bisher gar nicht anders kennt. Er braucht Zeit, um sich an das Neue zu gewöhnen. Um es so lieb zu gewinnen wie das, was er bisher sein ganzes Leben lang kennt. Sein ganzes Leben lang!"

Diese Worte von Susanne haben mir eine tiefe Erleichterung gebracht. Ja, genau so ist es bei uns auch. Als hätte sie unsere Eingewöhnung exakt mit ihren Worten wieder gegeben. Ich sehe wieviel Spaß er im Kindergarten hat, wenn ich ihn Mittags abhole, wie vertieft er in seinem Spiel ist und was mir seine Bezugserzieherinnen berichtet. Doch trotzdem mach man sich seine Gedanken, weil man seine Kinder niemals unglücklich sehen möchte, weil man doch nur das Beste will. Aber die Sätze von Susanne haben mir Reflektion ermöglicht. Ja, eine Umstellung braucht Zeit, die täglichen Gespräche mit dem Herzkind waren gut und wichtig und ich fühlte mit ihm und seinem Abschiedsschmerz und redete ihn nicht klein!

Dann kam der Durchbruch: Jedenfalls war der Abschied am Freitag der 3 Woche noch groß und am folgenden Montag... die  große Überraschung. Mein Mann rief mich danach unmittelbar bei der Arbeit an und berichtete was geschehen ist. Das Herzkind begleitete den Papa bis zur Tür, wirkte zwar etwas traurig, aber gefasst, küsste den Papa, winkte ihm zu und lief zurück in die Gruppe. Und das wiederholt sich nun. Tag für Tag. Jeden Tag etwas beschwingter und gefestigter, jeden Tag etwas selbstsicherer. Selbst die Erzieherinnen waren zunächst perplex, wollten sie doch schon wie die Male zuvor auch mit an die Tür gehen, um das Herzkind nach dem Abschied direkt trösten und auffangen zu können. Nein, das braucht das Herzkind nun nicht mehr.
Wir denken, es liegt an der Uhrzeit. Der Papa hat beschlossen nun etwas früher mit dem Herzkind in den Kindergarten zu gehen, damit er zukünftig auch wieder früher am Arbeitsplatz ankommt. Um diese Uhrzeit sind noch deutlich weniger Kinder im Kindergarten. Es ist ruhiger, die einzelnen Räume nur von wenigen Kindern bevölkert. Das Herzkind schafft es so einfach besser anzukommen, es wird nicht sofort von viel Lärm und vielen Eindrücken überfrachtet. Gerade weil er wie ich ein kleiner Morgenmuffel ist und seine Zeit benötigt um wach zu werden und anzukommen. Ja, wir denken, diese kleine minimale Veränderung hat ihm geholfen, besser im Kindergarten anzukommen und sich so leichter auf den Tag einlassen zu können.

Das Herzkind hat seine zwei Bezugserzieherinnen fest akzeptiert und sie sind auch sehr wichtig für ihn. Von ihnen lässt er sich auf die Toilette begleiten und auch nur von ihnen. Bedeutet, wenn diese gerade nicht greifbar sind, traut er sich noch nicht die anderen Erzieherinnen zu fragen. Auch beim Mittagessen muss eine seiner Bezugserzieherinnen dabei sein, damit er sich wohl fühlt. Als eine der Beiden krank wurde, hat er fleissig Bilder für sie gemalt, damit es ihr bald wieder besser geht. Bezugspersonen sind für ihn enorm wichtig, daraus schöpft er Kraft um weitere Erkundungen und Entdeckungen zu erleben. Und ich freue mich so sehr, dass seine Erzieherinnen das auch so sehen und auch schon ihre Mittagspause verlegt haben, als der Zwerg ohne eine von diesen eben nicht zu Mittagessen wollte, sich von den anderen Erzieherinnen noch nicht beruhigen ließ und weinte. Ich sehe, dass er und seine Bedürfnisse wahrgenommen werden. Ich freue mich, wenn ich ihn abhole und er freudestrahlend auf mich zugelaufen kommt.

Ich habe nun wirklich ein kleines Kindergartenkind, dass nun auch beginnt im Kindergarten anzukommen und seinen Platz dort finden wird. Er wird Freunde finden, Entdeckungen ohne seine Eltern machen, Neues erleben.... viel Spaß und viel Freude, mein kleiner Schatz!


Kommentare:

  1. Liebe Sabrina,
    was für schöne Worte! Und ich freue mich, dass Dir mein Artikel auf Eurem Weg geholfen hat. Manchmal hilft es uns auf dem Weg auch schon, wenn es uns selber einfach besser geht und uns jemand sagt: Ja, das machst Du gut und richtig. Ich hoffe, dass Dein Artikel auch ganz vielen Leuten genau das sagt <3
    Liebe Grüße,
    Susanne

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    1. Hallo Susanne,

      vielen Dank für deine lieben Worte. Dein Blog ist eine absolute Berreicherungen für mich, in einer Umgebung in der mir oft genau solche Handlungsweisen und Worte fehlen ♥

      Liebe Grüße, Sabrina

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  2. Das ist wunderbar. Meinem Sohn fällt es auch leichter, wenn er etwas früher da ist und von sich aus die noch recht leeren Räume in Beschlag nehmen kann. Am schlimmsten ist es, wenn sich eine Kindermeute auf ihn stürzt, und das kann ich total nachvollziehen. Ich komme auch am liebsten in ein leeres Büro;). Bei uns funktionieren auch die morgendlichen Abschiede vom Papa sehr viel besser als von mir.
    Ich wünsche euch, dass es so schön weitergeht.
    Liebe Grüße!

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    1. Hallo Frühlingskindermama,

      wie ähnlich uns die Zwerge doch immer wieder sind, stimmts? Ich bin ja morgens genauso ein Muffelchen wie er, nur das ich eben schon älter bin und weiß, dass es sein muss. Und auch ich brauche morgens meine Anlaufzeit und meine Ruhe :)

      Liebe Grüße, Sabrina

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