Samstag, 12. Oktober 2013

Abends macht es *Klick*

Schon oft haben der Herzkind-Papa und ich beobachten dürfen, dass das Herzkind viele neuen Errungenschaften in den Abendstunden zeigt und übt. Als wäre das für ihn die beste Zeit dafür! Natürlich zum absoluten Leidwesen für uns... wenn man Nachts im Bett seinem Kind zuschauen kann, wie es nun seine Füße für sich entdeckt hat (liegt nun auch schon wieder ein paar Monate zurück, also nur als Beispiel), dann hält sich der Elternstolz ob der späten Stunde dann doch etwas in Grenzen... absolut unverständlich, stimmt´s?

Vorgestern Abend durften wir mal wieder erleben, was eine sensible Periode nach Maria Montessori ist. In diesen Empfänglichkeitsperioden, die für jede neue Handlungskompetenz und Fähigkeit spezifisch ist, erlernt das Kind diese am leichtesten.

"Es handelt sich um eine besondere Empfänglichkeit die in der Entwicklung, das heisst im Kindesalter der Lebewesen auftreten. Sie sind von vorübergehender Dauer und dienen nur dazu, dem Wesen die Erwerbung einer bestimmten Fähigkeit zu ermöglichen. Sobald dies geschehen ist, klingt die betreffende Empfänglichkeit wieder ab. [...] Hat das Kind aber nicht die Möglichkeit gehabt, gemäß den inneren Direktiven seiner Empfänglichkeitsperioden zu handeln, so hat es die Gelegenheit versäumt, sich auf natürliche Weise eine bestimmte Fähigkeit anzueignen; und diese Gelegenheit ist für immer vorbei. - Maria Montessori"

So schlimm wie es sich anhört, ist es nicht unbedingt. Wir verbauen unserem Kind nicht gleich alles, sollte er seine "sensible Periode" an der Musikanlage ausprobieren wollen. Es ist aber dennoch ein aufgebautes Hindernis für das Kind und es ist daher immer vorab zu überlegen, wie wir die Umgebung des Kindes vorbereiten, um eben NICHT ständig "Nein! Fass das nicht an!" oder "Halt! Das darfst du nicht!" sagen zu müssen. Es ist für das Erlernen von Fähigkeiten äußerst hinderlich für das Kind, immer wieder in seinem Flow unterbrochen zu werden. Und auch hier stelle ich die Frage: Würden wir das wollen? Würden wir immer wieder gerne in unserem Tun unterbrochen werden?

Nun also wieder zurück zu vorgestern Abend. Nach Montessori gibt es eine Übung der Augen-Hand-Koordination, welche sich darauf bezieht ein Holzei in einen Eierbecher zu stecken. Dies hatte ich ihm vor 1,5 Monaten einmal angeboten. Damals konnte er nichts damit anfangen, er nahm sich zwar das Ei, das Zurückstecken war aber noch nicht wieder möglich.
Die sensible Periode für diese Hand-Augen-Koordination war zu diesem Zeitpunkt noch nicht gekommen. Unser Herzkind zeigte uns nun ganz alleine, die Zeit ist NUN gekommen und schnappte sich die nötigen Materialien einfach selbst. Einen Holzball aus seinem Bällekorb und seine Stapelbecher und legte los. Er war völlig versunken in diese Aufgabe. In den einen Becher konnte er den Ball einfach aufstecken, in dem anderen versank der Ball völlig. Das war dann direkt eine weitere Schwierigkeit. Denn wie kommt man an den Ball wieder ran, wenn kein Punkt da ist, um ihn zu greifen? Ah! Der Becher muss umgekippt werden. Der Papa und ich schauten völlig fasziniert zu und waren mal wieder erstaunt, wieso unserem Kind sowas gerade um 20 Uhr Abends einfällt?





Und schaut mal wie groß die zwei Mäusezähnchen schon sind ♥

Kommentare:

  1. mh, naja finde das zitat schon krass, ich denke man kann jeder zeit alles lernen, auch wenn es dann vielleicht mühsamer ist. deshalb würde ich mir keinen stress machen. und ich finde auch regeln und grenzen lernen gehört dazu, deshalb räume ich auch nicht alles weg, auch hindernisse braucht man zum lernen. martha will zum beispiel immer ans telefon, das steht aber im regal hinter der couch, mittlerweile klettert sie ohne probleme bis auf die rückenlehne des sofas nur um diese grenze zu überwinden und das objekt ihrer begierde zu erreichen. aber vielleicht hab ich das mit der lernumgebung auch nicht richtig verstanden.
    lg
    svenja

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    1. Hallo Svenja,

      ja, es sind sehr direkte und harte Worte von Maria und da wir unseren Kinder nichts bewusst dauerhaft verwehren, werden sie sicherlich auch alles lernen können. Das Zitat ist allerdings schon wahr (und es stammt eben auch aus einer anderen Zeit, als Kindern viel verwehrt wurde). Denn werden sensible Perioden überschritten, dann fällt es dem Kind defintiv schwerer dies noch zu erlernen. Für den Erwachsenen wird es noch schwerer. Ein ganz krasses Beispiel dazu, sind die Wolfskinder (wie oben schon geschrieben, so etwas wird es bei uns ja nun nicht geben), aber es zeigt ganz klar: Wurden dem Menschkind diese Lernmöglichkeit verlernt, wird es sehr schwer dies aufzuholen, teilweise vielleicht sogar unmöglich.
      Aber du schreibst richtig, hier wird es vielleicht mühsamer, aber nicht unmöglich :)
      Zur Lernumgebung: Die Kinder müssen sich darin frei entfalten können. Das was Martha bei auch auch tun kann. Eine Lernumgebung ist dann nicht auf das Kind abgestimmt, wenn man ständig Dinge in Sicherheit bringen muss, Verbote ausspricht usw. Später geht es dann auch darum, dass das Kind selbstständig Dinge verrichten kann. Im Bad sich selbst waschen kann, zum Ankleiden selbst an die Kleidung kommt usw.
      Das Aufräumen ist für mich deshalb so wichtig, damit ich den Sinn für Ordnung aufzeigen kann. Alles hat seinen Platz, an den es gehört. Sachen mit denen ich mich nicht beschäftige, sind erst wieder wegzuräumen usw. Natürlich bin ich diejenige die derzeit hinterherräumt, aber das ändert sich hoffentlich auch mal *hihi*

      Liebe Grüße, Sabrina

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    2. ahhh ok, jetzt versteh ichs richtig :) Danke für die Antwort!

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