Mittwoch, 5. Juli 2017

Slow Family - langsam, achtsam, echt

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Wenn unsere Kinder in unser Leben treten, haben wir oft schon sehr viele Jahre ein eigenes und selbstbestimmtes Leben geführt. Wir sind meist sehr unabhängig, fuhren jeden Tag in den Urlaub, waren oft sehr spontan. Unser Tag richtete sich komplett nach uns und unseren Bedürfnissen, unseren Wünschen, unserem Befinden. Maximal mit unserem Partner mussten wir uns vielleicht einig werden. Ärgerten uns vielleicht mal über unseren Arbeitgeber oder auch unsere Familie, aber hier konnte schnell auch wieder abgeschaltet werden, schließlich gibt es hier eine räumliche Trennung oder man kann auch kündigen, wenn es bei der Arbeit garnicht mehr funktioniert oder sich auch von der Familie distanzieren, wenn es zu schmerzlich werden sollte.

Und dann kommt das Kind! Die Geburt. Wir sind unendlich glücklich und schwer verliebt in dieses kleine Menschlein. Und dann.... kommt der Alltag! Und hat nicht wenige von uns völlig aus der Bahn geworfen. Wir mussten uns neu strukturieren und uns als Familie finden. Das gelingt gerade im gelebten Alltag nicht immer gleich gut. Wir sind oft so gefangen in unseren bisherigen Strukturen, dass wir daraus zunächst keinen Ausweg erkennen. Es muss doch alles funktionieren. Job, Haushalt, Kinder... muss es das wirklich? Kann das auf Dauer wirklich gut gehen?

Die Autorinnen Julia Dibbern und Nicola Schmidt haben sich diesem Thema in ihrem Buch "Slow Family: Sieben Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern" gewidmet.

Wir müssen uns immer entscheiden, weil wir nicht an zwei Orten gleichzeitig sein können und weil unsere Ressourcen und die Ressourcen unseres Planeten nun mal begrenzt sind. Solange wir hoffen, dass wir einfach so weitermachen,- kaufen, -arbeiten und -leben können wie bisher und trotzdem eine entspannte, sicher gebundene, glückliche Bullerbü-Familie haben werden, so lange lügen wir uns in die eigene Tasche.

Ein harter Brocken, denn die beiden Autorinnen direkt zu Anfang des Buches an ihre Leser auswerfen! Aber haben sie nicht auch recht damit? Ich denke es ist ganz gut, wenn man es einfach mal wirklich direkt gesagt bekommt: Wir können mit Kindern eben NICHT weiterleben wie bisher! Fakt! Tatsache! Knallharte Wahrheit!
Und nun? Wie soll es dann weitergehen?
Wir müssen ausstortieren! Wir müssen finden, was uns wirklich wichtig ist. Arbeit? Hobby? Unsere Kinder? Wie minimieren wir den Streß, den wir uns damit machen und wie finden wir zu einem Leben mit unseren Kindern, welches achtsam und echt ist?

Julia und Nicola beginnen in ihrem Buch damit die Bedürnispyramide zu erläutern und gehen dazu über die 7 Zutaten für ein einfaches Leben mit Kindern zu erklären: Liebe, Natur, Achtsamkeit, Gemeinschaft,Ressourcen,Wissen und Zauber.

Danach gehen sie im Buch dazu über anhand der Slow Family, Slow Nature, Slow Family Life und Crazy Happy Life viele Beispiele zu nennen, wie man das Zusammenleben und Alltagssituationen gemeinsam schön und wundervollfür alle gestaltet. Ich muss sagen dieser Teil gefällt mir persönlich am Besten, ich hab hier so viel mitgenommen und die slow-down-faste-tipps eigenen sich prima, um diese vielleicht auch einfach mal an die Kühlschrankwand zu hängen. So kann man sich in schwierigen Situationen daran erinnern und in sich gehen.

Viele Eltern kennen das: Kinder erzählen am Abend nach der Gutenachtgeschichte von ihrem Tag [...] Diese Momente zu verpassen,weil wir es eilig haben, ist nicht klug. Sie kommen nämlich nicht wieder. [...] Mit achtzehn werden unsere Kinder abends nicht mehr unsere Hand halten und uns ihre Sorgen erzählen. Und dann werden wir manchmal wunschen, sie täten es noch.

Was wird in vielen Jahren noch wichtig sein?, fragen die Autorinnen in ihrem Buch. Die gute Beziehung zum Kind oder ein sauberes Haus oder ein hoher Kontostand? Gleichzeitig zeigen sie auch auf, dass es garnicht möglich ist, alles alleine zu schaffen! Dafür sind wir Menschen nicht geschaffen. Wir brauchen ein Dorf um uns. Das muss nicht immer die direkte Familie oder Verwandschaft sein. Es können auch Nachbarn und Freunde sein. Julia Dibbern und Nicola Schmidt beschrieben im Buch, wie sie diese Dörfer für sich aufgebaut haben und wie wir das auch selbst tun können.

Einige Bewertungen im Internet über dieses Buch sagen aus, dass die Dinge die hier geschrieben stehen, doch eigentlich alle bekannt wären, es wäre nichts Neues. Jeder wüsste doch, dass Stress schädlich ist und das Natur uns und den Kindern gut tut. Ja, dem stimme ich durchaus zu, aber ist es nicht oft so, dass wir im Streß des Alltags auch viel vergessen. Vergessen was wir eigentlich wissen, weil wir uns in einer Abwärtsspirale befinden, die uns sehr vereinnahmt? Mir persönlich hilft es, dann gezielt Bücher zu lesen, die mir dies nochmals klar vor Augen führen. Gebündelt und zusammengefasst.

Dieses Buch bietet viele Denkanstöße, Tipps und Ideen ein achtsameres, stressfreieres und echteres Leben zu führen. Und immer wieder geht der Blick zum Kind. Denn die Kinder sind die, die nun in unser Leben gekommen sind und durch die uns schlagartig bewusst geworden ist, unser bisheriges Leben können wir so nicht weiterführen.

Schau dir dieses Kind an! Wer sich je mit der Biologie der Empfängnis beschäftigt hat, weiß, wie unwahrscheinlich unwahrscheinlich es ist, dass ein Kind entsteht - und wenn es dann auch noch lebt, lacht, atmet, sogar gesund ist, dann ist das ein Wunder und ein riesiges Geschenk.

Welches Geschenk bekomme ich heute von meinem Kind?, schreiben die Autorinnen. Was zeigt es mir? Was entdeckte ich durch mein Kind heute neu? Oder was entdecke ich wieder? Bin ich achtsam genug? Bin ich langsam genug um dieses Geschenk zu sehen? Bin ich echt genug, um es annehmen zu können?
Alle Zitate stammen aus dem Buch und hier könnt ihr es kaufen. (Affiliate-Link) Ich bedanke mich abschließend ganz herzlich beim BELTZ-Verlag, die mir dieses Rezensionsexemplar zukommen ließen.

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