Sonntag, 6. September 2015

Fremdbetreuung 2.0

Wiebke von Verflixter Alltag läd zur Linkparty auf und fragt nach, wie denn das Thema Fremdbetreuung in den verschiedenen Familien gehandhabt wird. Jeder von uns hat dazu sicherlich andere Vorstellungen und Erfahrungen gemacht, die in dazu veranlasst haben, das eine oder auch andere Modell zu wählen. Und oft kommt es auch anders als man denkt, davon konnte ich selbst hier schon berichten.

Also wie war das bei uns mit den Überlegungen zur Fremdbetreuung?
Schon während der Schwangerschaft mit dem Herzkind war mir schnell klar, dass ich mindestens zwei Jahre Zuhause bleiben möchte. Ich konnte mir von Anfang an nicht vorstellen mein Kind früher in fremde Hände abzugeben. So ein kleines Würmchen und weg von der Mama und der gewohnten Umgebung. Das war für mich undenkbar. 
Die zwei Jahre Elternzeit mit meinem Zwerg genoß ich also sehr und es war und ist auch immer noch für mich die richtige Entscheidung gewesen. Auch bei Wunschkind 2.0 werde ich es wieder so handhaben. 2 Jahre Elternzeit werde ich einreichen. Ganz bewusst!

Wie sollte es aber nach den 2 Jahren Elternzeit weitergehen? 
Ich sah mich zunächst nach Kindergartenplätzen um und stellte dabei fest, der einzig mögliche Kindergarten nimmt neue Kinder immer erst zum neuen Schuljahr, also wenn Plätze durch neue Schulkinder frei werden, auf. Bedeutet, mein Zwerg ist im Dezember geboren und bekäme erst im September einen Platz. 9 Monate, für die ich eine weitere Betreuung benötigte. So kompliziert hatte ich mir das nicht vorgestellt und musste mich nach einer Zwischen-Betreuungsstelle umschauen. Ich forstete also die Umgebung nach Tagesmütter ab und wurde ziemlich enttäuscht. Viel war da nicht zu finden und dachte irgendwann doch noch, ich hätte die passende Kandidatin gefunden. Leider war das ein Trugschluß und die Eingewöhnung ging schief und musste abgebrochen werden. Es war schrecklich! Es war schrecklich mein Kind so leiden zu sehen und zu erkennen, dass er dort nicht gut aufgehoben war! Eine weiterer Versuch der Fremdbetreuung, wäre zu diesem Zeitpunkt unmöglich gewesen.

Was also tun? Die Familie!
Ich war sehr froh, dass meine Mama einspringen konnte und die Betreuung ihres Enkels an den Vormittagen übernehmen würde. Der Zwerg wurde zwar fremdbetreut, aber von Menschen die er kannte. Er vertraute ihnen und die Umgebung war nicht neu. Es gab daher im Grunde keine Eingewöhnungszeit und wir als Eltern konnte beruhigt und ohne Sorgen arbeiten gehen. Der Zwerg regenerierte und lernte, dass er ohne Mama und Papa klar kommt und auch ohne Mama einschlafen kann. Auch das er plötzlich selbst entschied bei der Oma übernachten zu wollen, war ein großer Schritt zur Selbstständigkeit und es zeigte mir, wie er in seinem Tempo wachsen kann.
Ich habe für mich daher nun schon entschieden, dass ich diese Art der Betreuung auch gerne bei Wunschkind 2.0 haben möchte. Natürlich, wenn die Oma wieder bereit dafür ist. Es ist für mich als Elternteil beruhigend zu wissen, dass durch diese Einzelbetreuung wirklich genau auf die Bedürfnisse meines Kindes eingegangen werden kann und er zu nichts gezwungen werden muss. Ich möchte Wunschkind 2.0 solch ein Erlebnis, wie es das Herzkind bei dem Versuch der Tagesmutter-Eingewöhnung erleben musste, ersparen. 

Nächster Schritt: Eingewöhnung in der Kindergarten - Jedes Kind ist anders!
Nun sind wir den nächsten Schritt gegangen. Am 01.September hat die Eingewöhnung in den Kindergarten begonnen und durch die gemachten Erfahrungen, muss ich zugeben, ich war sehr angespannt. 
Auch habe ich in den letzten Wochen stark reflektiert und feststellen müssen, wie ähnlich das Herzkind und ich doch sind. Mir wurde vor Augen geführt, wie sehr ich selbst neue und vielleicht mögliche unangenehme Situationen meide und Kontakt zu neuen Menschen nur bedingt suche bzw. sehr genau beobachte, mustere und urteile. Ich reflektierte viele Situationen mit dem Herzkind und stellte fest, er war schon immer so! Während in Pekip alle Kinder wild, ungehemmt und neugierig alles im Raum erkundigten und die Mütter sich bequem zurück lehnen konnte, hatte ich ein Klebekind an mir hängen, dass sich keinen Zentimeter von mir weg bewegen würde. Ich war also diejenige die immer wieder ihren Platz im Raum wechselte und den Zwerg dadurch motivierte, mir zu folgen und den Raum dadurch zu entdecken und zu erkunden. 
Das sind natürlich wunderbare Voraussetzungen für eine Kindergarten-Eingewöhnung.... neue Umgebung, neue (laute) Menschen, unbekannte Situationen... wunderbar! Ich besprach mich daher mit diesen Reflektionen mit der Bezugserzieherin des Herzkindes. Ich hatte Bedenken, dass wir etwas zu abrupt angehen könnten, dass wir durch zu schnelle Versuche, das Vertrauen vom Herzkind langfristig erschüttern könnten und dann wäre meiner Meinung die Eingewöhnung schon gescheitert! Die Erzieherin, selbst noch recht jung, verstand mich sehr gut und beruhigte mich, dass sie hier ganz nach den Bedürfnissen der Kinder gehen und jedes Kind die Zeit bekommt, die es benötigt.

Die erste Woche begann also und mein Kind klebte wie ein angeluschtes Bonbon an mir. Ich musste überall mit ihm hin, obwohl er den Kindergarten durch die wöchentlich darin stattfindende Krabbelgruppe schon sehr gut kannte. Aber natürlich nicht zu dieser Uhrzeit. Morgens ist es voll, laut, überall rennen Kinder, überall ist etwas los. Ein absolutes Überangebot an Reizen und Eindrücken. Ich muss zugeben, auch mich machte das völlig kirre und am Ende des ersten Tages war ich selbst sehr erschöpft! Wie soll sich da also mein Kind fühlen, das doch recht ähnlich wie ich in diesen Situationen reagiert?
Die ersten Tage änderte sich also nicht viel. Ich musste überall mit hin und ihn begleiten. Ab und zu begann er sich anderen Kindern schon zu nähern, mit den Erzieherinnen zu kommunizieren und auch mal kurz ohne mich den Ort zu wechseln. Winzige Fortschritte, die ich wahrnahm. 
Und hier merkte ich dann doch einen gewissen Frust und wie sehr die Umwelt einen doch immer wieder zu beeinflussen versucht. Denn die Elternecke wurde immer lichter. Schon am zweiten Tag konnten viele Mütter nach Hause gehen, die Kinder beschäftigten sich vollkommend alleine und es gab auch kein Abschiedsschmerz. Ich war so verblüfft. Am dritten Tag waren kaum noch Mütter da und obwohl ich wusste, wie sehr mein Kind mich noch brauchte, fragte ich mich, warum das so gut bei anderen funktionierte? Ich war wirklich neidisch! Ja, so war das. Die Erzieherinnen vom Herzkind bemerkten meine Verunsicherungen und waren ganz toll! Sie bestätigten mich, dass ich genau richtig handelte und das Herzkind genau diesen Weg der Eingewöhnung braucht. Langsam und behutsam und  das alles wunderbar läuft und wir doch sehen, wie er sich ganz langsam öffnet. Puh, mit Kloß im Hals, war ich berührt, dass die Erzieherinnen ganz bei mir und vor allem dem Herzkind sind. Und habe mich geschämt, dass ich solche Gedanken hegte, obwohl ich es doch selbst eigentlich besser wusste!

Am Freitag dann ein plötzlicher Durchbruch. Nach dem Morgenkreis, bei welchem ich noch dabei sein musste, wollte das Herzkind in den Garten und dort beschäftigte er sich komplett alleine bzw. mit den dortigen Erzieherinnen. Ich konnte mich komplett in die Elternecke zurückziehen und wartete. Hin und wieder kam mein kleiner Schatz kurz vorbei, versicherte sich somit, dass ich noch da bin und lief recht zügig dann wieder in den Garten zurück. Ich war einfach sprachlos, was für ein großer Entwicklungsschritt sich von einem auf den anderen Tag plötzlich einstellte. 
Was dem Herzkind wohl sehr hilft, ist das Konzept der Einrichtung. Es handelt sich um offene Gruppen. Er kann sich nach der Morgeninfo völlig frei bewegen. Er kann das tun, was er möchte. Die Kinder haben jederzeit Zugang in den Garten, ob Sonne, Regen oder Schnee. Es gibt ein Frühstücksbereich, an dem sie sich selbstständig bedienen dürfen, zu dem Zeitpunkt an dem sie Hunger haben. Es gibt viele Räume, mit unterschiedlichen Interessensbereichen. Basteln, Bauen, Lesen, Rollenspiele usw. Es gibt Rückzugsräume, Rückzugsverstecke usw. Und überall sind Erzieherinnen, die helfen, wenn Hilfe erwünscht ist und zur Stelle sind. 

Gerade jetzt sehe ich also wieder, wie unterschiedlich Kinder sind. Und wie wichtig es ist, dass wir genau schauen, welche Bedürfnisse unsere Kinder auch haben. Es läuft nicht immer so, wie wir es gerne als Eltern hätten und ein schnelles Umdenken ist wichtig. Gerade bei der Eingewöhnung kann so viel falsch laufen und auch langfristige Folgen haben. Nicht umsonst, ist das Thema Fremdbetreuung, wie Wiebke geschrieben hat, auch so ein heißdiskutiertes Thema unter Müttern, Eltern, Betreuungsstellen, Wissenschaft und auch Staat. Es ist nicht einfach, es gibt kein Schema F. Es ist sehr individuell und auch nicht immer schlagen wir direkt den richtigen Weg ein, denn wir zunächst als richtig ansahen.

Wir sind nun also mitten in der Eingewöhnung zur Fremdbetreuung 2.0 und ich wünsche mir für das Herzkind sehr, dass es in der nächsten Woche in großen Schritten weitergeht. Das er Vertrauen in seine Erzieherinnen gewinnt und die Kindergarten-Vormittage zu wunderschönen Erlebnissen für ihn werden. 



Kommentare:

  1. Ich wünsche euch weiterhin alles Gute für die sanfte Eingewöhnung. Schön, dass Du die Elternzeit so genießen konntest, wie Du es Dir vorgestellt hattest. Du weißt ja bestimmt, wie glücklich und privilegiert ihr seid, weil die Großeltern als Betreuungsinstanzen infrage kommen. Das wäre natürlich für fast jeden die erste Wahl, wenn er/sie die Möglichkeit dazu hätte, außer, wenn sich die Erziehungsvorstellungen zu sehr scheiden. Gab es da bei euch gar keine Probleme/Differenzen?
    Liebe Grüße!

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  2. Liebe Sabrina,
    ich fühle total mit dir! Anfang Juli ging es bei uns mit der Eingewöhnung los und die emotionale und mentale Achterbahnfahrt, die der Prozess bei mir ausgelöst hat, waren schon beeindruckend. Ich wünsche dir ganz viel Kraft für die nächsten Wochen, auf dass du es entspannt angehen kannst, denn das ist, glaube ich, die Hauptsache: dass das Kind merkt, dass du den Ort und die Menschen annimmst und Vertrauen hast, dass er dort in guten Händen ist. Dann wird das schon! VLG Jitka

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