Donnerstag, 6. Oktober 2016

Über das Gitterbettchen... über Gitter in unseren Köpfen.

Hätte Frida von 2KindChaos mich nicht darauf aufmerksam gemacht, hätte ich mir diese Sendung wohl erst garnicht angeschaut. So aber war ich neugierig. Ich wollte wissen was sie und weitere Blogger-Kolleginnen in dieser Sendung zu sagen haben und natürlich war ich gespannt, wie RTL das Thema Schlafen aufarbeiten wird. In ihrer Sendung "Das große Erziehungsexperiment"...

Das mich alleine schon das Wort Experiment störte, könnt ihr euch sicherlich denken! Unsere Kinder sind kein Experiment! Wir leben mit ihnen zusammen und sollten tagtäglich in einer gemeinsamen Beziehung leben, in welcher sich alle wohlfühlen, geachtet und verstanden werden.

In dieser Sendung war der Schwerpunkt auf das Schlafen gelegt, was ich sehr gut verstehen kann. Nichts nimmt so viel Raum ein, wie das Schlafen. Gerade dann, wenn es augenscheinlich "nicht funktioniert". Wir Eltern sind dann sehr empfänglich für jegliche Ratschläge, Tipps und machen dann auch gerne "Experimente", um irgendwie an unseren erholsamen Schlaf zu kommen.

3 Familien wurden in dieser Sendung vorgestellt, bei welchen das allabendliche Zubettbringen sehr viel Raum einnahm und mit viel Streß, Tränen und Kummer verbunden war. Ihnen sollte unter der Zuhilfenahme von Experten geholfen werden.

Bei 2 Familien fiel mir eines sofort auf! Gitterbettchen! Im eigenen Zimmer! Und der Drang der Kinder daraus so schnell wie möglich entkommen zu können. Sich mit aller Macht dagegen zu wehren, um wieder zu den Eltern zu kommen. Ich musste gerade bei dem kleinen Mädchen, welches herzzereißend weinte und schrie fast mitweinen und verstand die Mutter nicht. Wieso musste dieses noch so kleine Kind in ihrem Gitterbett, im eigenen Zimmer schlafen? Die Mutter legte sich vor das Bettchen, auf einem improvisierten Schlaflager, auf den harten Boden und versuchte es durch die Gitterstäbe immer wieder zu beruhigen. Was überhaupt nicht gelang.

Zusammen mit der Expertin führte die Mutter Rituale ein. Schöne Rituale, mit Vorlesen, Stofftiere ins Bettchen bringen, Schlafsand verteilen usw. Schlußendlich sollte das Mädchen aber dann wieder in ihr Gitterbettchen, was augenscheinlich gelang, sie schlief dort wirklich ein, ohne Geschrei, ohne weinen... zumindestens für diesen einen Abend, dieser Sendung... wie es weiter geht, wenn das Mädchen diese Umstellung wirklich realisiert, das sieht man nicht.

Warum müssen unsere Kinder in ihre eigenen Zimmer, warum müssen sie dort schlafen? Wo sie alleine und hilflos allem ausgeliefert sind? Denn genau das ist wider die Natur. Wider der Evolution. Genau deswegen wollen im Grunde alle Kinder bei ihren Eltern schlafen und in großen Teilen der Welt ist dies auch vollkommend normal und wird von den Eltern nicht in Frage gestellt. Nur in den westlichen Ländern, da scheint dies für uns Eltern undenkbar. Da haben wir Angst um unser Privatleben als Eltern oder das die Kinder unser Bett niemalsmehr verlassen wollen. 

Die Gesellschaft prägt uns und viele von uns kämen daher garnicht darauf, die Kinder einfach ins Ehebett mit hinüber zunehmen, da es für sie garnicht als mögliche Lösung im Fokus steht. Kinder müssen im Kinderzimmer schlafen. Punkt. Die Aussagen viele Facebook-Leser auf der RTL-Seite, dass diese Eltern so egoistisch wären, weil sie ihre Abende ohne die Kinder verbringen wollen, kann ich so nicht stehen lassen. Man hat gesehen, dass es sehr lange gedauert hat bis die Kinder endlich schliefen. Abend für Abend, immer wieder. Die Eltern hatten keine Abende für sich, kein Abschalten, keine Zweisamkeit. Alle Abende bestanden aus Streß, oft über viele Stunden. Das hat nichts mit Egoismus zu tun, daran etwas ändern zu wollen, denn es geht eben auch anders. Nicht unbedingt, wie es dann in der Sendung durchgeführt wurde, obwohl es augenscheinlich Erfolg hatte... aber auch hier gilt, jede Familie ist anders, jedes Kind ist anders und somit auch jedes Schlafverhalten und damit muss auch jede Einschlafbegleitung indviduell passend für Kind und Eltern sein. Wichtig ist hierbei zu wissen und da stimme ich den Lesern zu, Ziel sollte nicht sein, so früh wie möglich die Kinder am Abend "los zu sein", sondern sie wirklich dem Alter und den Bedürfnissen entsprechend zu begleiten. Wenn es hier Kinder gibt, die da ihr Bettchen, in ihrem Zimmer akzeptieren und dabei gut schlafen, dann ist das auch ok.

Nur sollten Eltern wissen, dass dies nicht der Regelfall ist und das sie sich nicht schämen müssen zu sagen, meine Kinder schlafen bei uns, im Ehebett. Wir alle gemeinsam! Denn so ist der Schlaf für uns alle am erholsamsten. Denn das ist doch das Wichtigste. Das ALLE Abends zur Ruhe kommen, entspannen, regenerieren vom erlebten Tag. 

Es ist schwierig von gesellschaftlichen Normen abzuweichen, gerade wenn es über viele, viele Jahrzehnte so suggeriert wird. Kinder schlafen im eignen Bett. Kinder ins Familienbett zu holen, ist kein Lösungsweg! Doch das ist es! Und das hat mir gestern in der Sendung gefehlt. Für alle Eltern! Zu wissen, es ist ok, es ist natürlich, es ist eine Möglichkeit. Das Familienbett.

Auch dies haben mir nämlich viele Kommentare unter dem RTL-Facebook-Post gezeigt. Es ist für viele Familien nämlich schon gelebter Alltag, gelebtes abendliches Ritual, die Kinder bei den Eltern im Bett schlafen zu lassen, weil es so passt, weil sie so am besten schlafen. Uns Eltern muss dieser Lösungsweg an die Hand gelegt werden, auch mit dem Hinweis, dass es der Partnerschaft sicherlich nicht schaden wird/muss. Das ein Familienbett nicht nur aus dem Elternbett bestehen muss, sondern auch angebaut werden kann, damit genug Platz für jeden da ist. Das Kuscheln kein Muss ist, aber die Nähe zueinander. Das dies alles nur ein kurzer Zeitraum sein wird, in dem die Kinder das so sehr benötigen und sie defintiv irgendwann in ihr Bett, in ihr Zimmer wollen, ihre eigene Privatsphäre brauchen. 

Mir haben all diese Infos gestern gefehlt und diese Gitterbettchen (in der Sendung) waren symbolisch für mich. Sie zeigen immer noch das, was die Gesellschaft für richtig findet. Die Trennung von Kindern und Eltern. Kinder haben alleine zu schlafen, egal was die Evolution sagt oder nicht. Diese Gitter sind noch in unseren Köpfen zu finden und müssen endlich weg! Familienbett ist nicht alternativ oder irgendein neuer Firlefanz, den es nicht geben sollte. Wir versuchen damit unserer Natur zu widersprechen! Wir kämpfen dadurch abendliche "Kämpfe", die nicht sein müssten. 

Das Gitterbettchen, im eigenen Zimmer, muss nicht sein. Vielleicht für einige Familien, die Kinder haben, die problemlos überalls schlafen würden. Das Gitterbettchen kann aber ein prima Anbau für das Familienbett sein und kann dort einer wirklich sinnvollen Bestimmung nachgehen: Erholsamer/Besserer Schlaf für Alle!


Kommentare:

  1. Hallo,
    Mein Sohn ist 10 Monate alt und schläft seit vorgestern in seinem eigenen zimmer. Wenn er in der Nacht wach wird (was mind. Einmal der Fall ist) und nicht mehr schlafen kann, kommt er zu uns ins Bett. Damit sind wir alle glücklich.
    Er macht auch kein "Theater" abends, dass er in seinem Bett einschläft, oder schreit, wenn wir nicht da sind.
    Dein Artikel finde ich an sich sehr gut und vollkommen richtig. Gerade bei dem kleinen Mädchen wäre das fanilienbett sicherlich die beste Lösung gewesen, aber mir fehlt ein wenig, dass es auch eine andere Sicht gibt, nämlich die, dass Kinder auch gerne im eigenen Bett schlafen, jedoch immer die Möglichkeit im elternbett zu schlafen, erhalten (wie bei uns).
    Und ich habe die letzten zwei Nächte so genossen, mit meinem Mann mal wieder alleine im Schlafzimmer zu sein, das hat uns gut getan. Trotzdem finde ich es nicht so schlimm, wenn mein Sohn dann wieder zu uns kommt.

    Schade fand ich gestern vor allem, dass bedürfnisortientierte Erziehung kaum eine Chance hatte in der Sendung. Vor allem die ältere Promi-Dame (Namen vergessen) war da scheinbar eher noch die herkömmliche uralte Variante. Ich habe es allerdings nicht zu Ende geguckt.

    Danke für diesen tollen Artikel von dir sonst :)
    Liebe Grüße
    Kerstin

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  2. Liebe Sabrina,
    gut, dass ich diese Sendung verpasst habe. Bei uns gab es nie ein "Gitterbett" für die Kinder. Wenn mich jemand darauf anspricht, warum mein Kind im Ehebett schläft, antworte ich: "Erwachsene, die nachts keinerlei Ängste haben, liegen aneinandergekuschelt im gemeinsamen Bett, während das Kind alleine versucht, ..." Mehr muss man oft gar nicht ausschweifen.

    Wir Eltern, die wir uns bewusst für unsere Kinder entschieden haben, tolerieren Herzenswärme etwas mehr als andere. Die anderen Eltern, welche nicht weniger lieben, lassen sich die Möglichkeiten der Liebe zum Kind vorschreiben. Mangelndes Wissen/Selbstbewusstsein. Sie werden vom Umfeld geleitet, den Medien oder irgendeiner anderen Familie, "bei der es doch so super klappt". Deswegen gebe ich Dir Recht. Man muss genau diesen Menschen zeigen, dass auch andere Sichtweisen funktionieren und vielleicht wieder zu einem besseren Miteinander führen. Leider ist Zeit heute ein wichtiger Faktor, den keiner mehr lebt. Eltern unterliegen dem Druck, am nächsten Morgen ausgeschlafen am Arbeitsplatz zu glänzen. Auf Kosten der Kinder? Traurig.

    Ich habe mich bewusst für wenig Geld und viel Kind, bzw. Zeit mit Kind entschieden. Zum zweiten Mal. Das große, volljährige Kind sieht mittlerweile selbst den Erfolg für sich, wenn sie in andere Familien schaut. Die Kurze (7 Jahre) kann das noch nicht wertschätzen, genießt aber das stressfreie Miteinander innerhalb der Familie.

    Jedenfalls gab es hier noch keine Tränen beim Zubettgehen, höchstens meinerseits vor Freude, wenn ich meinem Kind nachts über die Wange streichle <3

    So. Und jetzt lösch' Du mal den RTL-Niedrig-Niveau-Quatsch (Du kannst sie nicht alle retten.) aus Deinem symphatischen Kopf und hab' einen wunderbaren Tag!

    Herzensgrüße,
    Wonnie

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  3. Ich konnte mir diese Sendung mit all meinen Schwangerschaftshormonen (37. SSW) gar nicht erst ansehen... haben für unseren Krümel einen Rausfallschutz fürs Ehebett besorgt und werden danach auf ein Beistellbett in gewisser Größe zurück greifen.

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  4. Ich konnte mir diese Sendung mit all meinen Schwangerschaftshormonen (37. SSW) gar nicht erst ansehen... haben für unseren Krümel einen Rausfallschutz fürs Ehebett besorgt und werden danach auf ein Beistellbett in gewisser Größe zurück greifen.

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  5. Vielen Dank für Deinen so wichtigen Text. Ich habe es genauso gesehen, auch darüber geschrieben und bin noch immer fassungslos.
    Ich hoffe es ist okay, wenn ich meinen Link da lasse. Ich werde deinen Text auf meiner Page teilen, denn es gab wirklich einige, die die Sendung wirklich gelungen fanden und mir damit kamen, dass ich eine andere Sendung gesehen haben muss. Nun ja. Ich freue mich, dass du und ich offensichtlich die gleiche Sendung gesehen haben ;-)

    http://www.oeko-hippie-rabenmuetter.de/annabells-sicht-warum-das-erziehungsexperiment-saemtliche-grenzen-ueberschritt/

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