Montag, 12. September 2016

Wenn der Leidensdruck groß wird...

Letzte Woche war ich zu einer Zwischenuntersuchung bei meiner Kinderärztin. Also eigentlich war ich bei meiner Kinderärztin... herein kam dann der alte Kinderarzt, der eigentlich schon in Rente ist und wohl trotzdem gerne noch ab und an aushelfen möchte.

Bisher hatte ich mit ihm keine Probleme. Bisher hatte ich aber auch keine Probleme, die ich mit ihm hätte besprechen müssen. Also keine Auffälligkeiten, keine schlimmen Krankheiten... ich musste einfach nur zu den U-Untersuchungen kommen, mir die Bestätigung abholen, dass alles gut ist und konnte wieder mit den Kindern nach Hause gehen.

Nun ist das Schlafverhalten der Tochter nicht das Beste. Tagsüber schläft sie schlecht, bis wenig, bis kaum und auch Nachts ist sie meist stündlich wach, schläft schlecht wieder ein, kann auch mal zwischendrin ein paar Stunden wach sein usw. Gefühlt komme ich hier also an eine Grenze und mit dem Besuch bei der Osteophathin bestätigte es sich, dass bei der Tochter Blockaden und Verspannungen das schlechte Schlafverhalten begünstigten.

Ich erzählte dies auch dem Kinderarzt, der daraufhin nur abwinkte und meinte ich solle die Kleine doch einfach mal bei den Großeltern abgeben und ein Wochenende mal ausschlafen. Ich erklärte ihm, dass sie sich nicht von den Großeltern beruhigen lässt, in keinster Weise. Selbst mein Mann kann sie kaum beruhigen, Abends schon garnicht. Auch hier winkte der Kinderarzt nur ab, das würde schon funktionieren... aha... 
Und ob ich denn das Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" kennen würde? Das würde er mir empfehlen. Damit disqualifizierte er sich entgültig bei mir und ich baute mich vor ihm auf und erklärte ihm, dass ich mein Kind sicherlich nicht schreien lassen werde, wenn es mich braucht!

Dann wäre mein Leidensdruck noch nicht groß genug, entgegnete er mir. Ich musste mich nun wirklich zurück halten (denn mein Sohn war auch dabei) und sagte ihm, dass schließlich Blockaden und Verspannungen gefunden wurden und wir meiner Tochter nun helfen wollen und das mein Leidensdruck hierbei so groß nicht werden kann, dass ich dieses Buch zu Rate ziehen würde. Ich verabschiedete mich, ging zur Anmeldung und forderte dort, dass für die Zukunft vermerkt ist, dass ich nur noch zur Kinderärztin möchte, die immerhin diese Praxis auch übernommen hat. Mein Sohn will sowieso nur noch zu ihr. Er hat wohl schon viel früher verstanden, was er von diesem Mann zu halten hat, als ich selbst.

Wenn ich daran zurück denke, werde ich immer noch so sauer. Zum Einen, da ich im Grunde keine Hilfe für meiner Tochter bekommen hatte. Den Erkenntnissen meiner Osteophathin wurden garkeine Beachtung geschenkt, also das hier eben wirklich Schmerzen und Unwohlsein, das Schlafverhalten beeinflussen könnten und zum Anderen werden mit uralten und überholten "Weissheiten" um sich geschmissen, die nachweislich den Kindern schaden und verzweifelte Eltern noch mehr verzweifeln lassen, da sie ihre Kinder schreien lassen sollen. 
Hier werden Bindungen zwischen Eltern und Kindern zerstört. Das kindliche Vertrauen in die Eltern. Das Wissen des Kindes, wenn ich rufe, wenn es mir nicht gut geht, dann kommen meine Eltern, dann sind sie für mich da. Das wird mit Schreienlassen, mit dem Ignorieren der kindlichen Bedürfnisse zerstört.

Dieser Kinderarzt ist in Rente und da ist er auch genau richtig! Es macht mich sehr traurig, da ich im Grunde weiß, diese Situation ist kein Einzelfall. Sie steht symbolisch für viele Eltern, die Hilfe suchen bei Fachpersonen und diese Hilfe dort aber nicht bekommen werden. Dort ist oft noch das Kind der Tyrann und das Kind hat zu funktionieren. Deren Bedürfnisse wird dabei wenig bis keine Beachtung geschenkt. Ich will damit sagen, wir Eltern müssen auch auf uns hören, vielleicht andere Wege gehen, nach DER geeigneten Hilfe für uns und unsere Kinder suchen, wenn wir sie brauchen. Manchmal kann die Suche auch länger dauern. Die erste Hilfe oder Meinung, muss jedenfalls nicht die Richtige sein.


Kommentare:

  1. Bei meiner großen war das Schlafverhalten ganz genau so. Nichts und niemand konnte uns helfen. Erst das abstillen hat sie und mich schlagen lassen. Warum auch immer.
    Ich habe das ganz oft auch von andren gehört, kam die mich aber nicht in frage, deswegen abzustillen.
    Meinen Sohn kann ich seit 2 Monaten nicht mehr stillen. Und was soll ich sagen. .. auch er schläft nun 8 Stunden am Stück. Kommt also einmal in der Nacht.
    Das ist meine Erfahrung. Vielleicht hilft sie dir.
    Beim Ostheopaten war ich mit ihr damals übrigens auch. Das alleine hat leider nicht geholfen.
    Liebste Grüße, Angie

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  2. Meine Kinder sind längst erwachsen, aber ich könnte mich im Nachhinein noch über diese inkompetenten, arroganten Ärzte und leider auch Kinderkrankenschwestern ärgern.
    Höre auf dein Gefühl! Wenn Osteopathie deiner Kleinen gut tut, dann mache weiter so. Den Kinderarzt geht das gar nichts an.
    LG
    Sabienes

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  3. Ist bei meiner Tochter genauso. Vom Kinderarzt bekam ich gesagt, als sie 6 Monate alt war, sie müsse jetzt lernen, alleine einzuschlafen ohne dass ich überhaupt etwas von Schlafproblemen erzählt hatte. Da ist man als Erstlingsmutter natürlich erstmal total verunsichert. Zum Glück bin ich dann auf die AP Szene gestoßen und fühlte mich in meinem Bauchgefühl absolut bestätigt. Seitdem lasse ich mir gar nix sagen. Mein Leidensdruck könnte auch nicht groß genug sein als dass ich so nen Mist ausprobiere. Meine Tochter ist jetzt 17 Monate und schläft immernoch an der Brust ein. Und sie schläft auch noch lange nicht durch. So what?

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  4. Ah, wieso hast du noch mit ihm diskutiert?! Das macht dir nur schlechte Laune und bewirkt bei ihm sowieso nix. Beim nächsten Mal (in so einer Situation) verabschiedest du dich spontan und fertig aus. Es ist dein Kind! Und du machst das wunderbar (nehme ich jetzt mal dreist an)!

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  5. Solche Erfahrungen haben wir bei unserem Großen auch gemacht, sowohl mit der Hebamme, mit der Kinderärztin und der Schreibabyambulanz. Wie Du richtig sagst:
    "Bisher hatte ich mit ihm keine Probleme. Bisher hatte ich aber auch keine Probleme, die ich mit ihm hätte besprechen müssen."
    Wenn man nämlich ein Kind hat, das einen nicht ständig - durch was auch immer - an die Grenzen bringt, dann hat man auch keine Veranlassung, etwas besprechen zu wollen und sich Rat und Beistand zu erhoffen. Bei einem Kind, das vielleicht nicht nach den "üblichen Erwartungen" funktioniert, sieht das ganz anders aus.
    Zu meiner Tochter musste ich noch nie ein schwieriges Thema bei der Kinderärztin besprechen. Beim Großen habe ich selbst zuletzt noch bei der U9 geheult, weil die ganzen letzten Jahre so schwer waren, und wir haben darüber gesprochen.
    Bei uns war es übrigens die Hebamme (!), die uns das von Dir erwähnte Buch empfahl. Und die Kinderärztin riet uns, einfach Wäsche zu falten und zu summen, damit der Große einschlafen möge. Lächerlich (wir mussten stundenlang schuckeln oder stillen). Ganz schrecklich, solche Menschen.
    Ich wünsche Dir viel Kraft für so ein Schlechtschläferbaby, das zerrt unheimlich an den Nerven! Unser Schlechtschläferbaby schläft mittlerweile mit 5 Jahren so tief und fest, dass er immer noch nachts eine Windel trägt, weil er einfach nicht davon aufwacht;-). Also, es gibt Hoffnung!
    LG!

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  6. Es ist schlimm wenn man spürt oder lernt dass man als Mutter den Ärzten der Kinder nicht grundlegend vertrauen kann.
    Ich hatte mit einem sogenannten Kinderarzt sogar ein derart schlimmes Erlebnis oder vielmehr mein Kind hatte dieses Ergebnis mit mir zusammen. Bis man als Mutter begreift was da passiert oder dass man eingreifen muss ist es schon passiert und zu spät.
    Mein Kind hat jetzt ein Trauma. Das sage ich nicht nur so das wurde mir von anderen Ärzten bestätigt. Wie ich diesen in Sekunden angerichten Schaden nun beheben kann... Das darf ich nun sehen.
    Sowas macht traurig!

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  7. Liebe sabrina, ich bin eine stille mitleserin. Oft lese ich hier mit und auch wenn meine kinder nun schon größer sind, schreibst du so nachvollziehbar und daß ich oft denke, ja bei uns war es auch so...mein sohn war ein extrem schlecht schläfer und es ging ihm sichtlich nicht gut, ich war beim ostheopat, bei kinderärzten, hebamme...keiner hörte richtig zu und gab uns das gefühl ernst genommen zu werden und das problem zu verstehen, das wächst sich aus hieß es immer wieder...es wuchs sich aber nicht aus,es wurde schlimmer, als er drei jahre alt war, war ich völlig verzweifelt und schließlich ging ich in ein kinderkrankenhaus mit schlafambulanz, dort wurde uns endkich geholfen, dort fühlte ich mich angenommen, aufgehoben, endlich hörte jemand zu und mein sohn wurde gründlich durchgecheckt, es stellte sich heraus daß er einen schweren versteckten eisenmangel hatte, was unter anderem zu einem kribbelgefühl bis hin zu schmerzen in den gliedmaßen führen kann. Wieviel hätte ihm und uns erspart bleiben können, hätte man das früher erkannt, anhand der symptome kann ich rückwirkend sagen daß das ziemlich genau im 3. Lebensmonat anfing. Laß dich nicht entmutigen von solchen ärzten und hör auf dein innerstes gefühl, es kann sein daß sie einfach nur sehr sensibel ist, einfach weniger schlaf braucht und viel mama um mit den tageseindrücken klar zu kommen. Es kann aber auch ernste klrperliche ursachen geben die abgeklärt gehören, dazu gehören auch verspannungen und blockaden, also such dir lieber noch mal jemand anders, das kann ich nach unserer erfahrung ur empfehlen. Alles gute euch und daß es bald besser wird. Simone

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  8. War hier genauso .. Die kleine kam 16 Monate stündlich jede Nacht. Schlief tagsüber nur im Tuch. Dazu noch den Großen und das ständig alleine ohne Partner an meiner Seite. Mir half auch das abstillen zumindest mal 3 h am Stück zu schlafen.

    Ich wünsche euch viel Kraft.. Wir kennen uns noch von den januarmamis13 ;) lg

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  9. Liebe Sabrina , ich kann mir vorstellen von welchem Kinderarzt du sprichst auch wir sind mit dem guten Herrn an unsere Grenzen gekommen was das Thema Impfen angeht ! Denn als verantwortungslos "junge" Mutter die keine Ahnung vom leben habe lasse ich mich nicht beschimpfen . Wünsche dir / euch viel Kraft

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