Sonntag, 8. Mai 2016

Zum Muttertag: Mein Dorf ist meine Mama!

Es gibt ein sehr weit verbreitetes altes afrikanisches Sprichwort! "Um ein Kind großzuziehen, braucht es ein ganzes Dorf!" Den vollen Umfang dieses Sprichwortes wird man selbst erst erkennen, wenn man eigene Kinder hat! Vorher klingt es wie so eine verstaubte Redensart, die eben die alten Leute sagen... ähnlich dem Spruch "An den Kindern sieht man, wie alt man schon ist" Was habe ich als Kind bei diesem Spruch die Augen gerollt... nun weiß ich was er bedeutet!

Dieses Dorf im eigentlichen Sinne, gibt leider nicht mehr so häufig. Wir wollen als junge Menschen mittlerweile so unabhängig sein, dass es für uns normal ist ein Stück von unserer Familie entfernt zu wohnen. Viele Berufswünsche machen einen Umzug nötig und natürlich auch die Liebe. Durch die große weltweite Vernetzung die in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat, können wir nun überall unsere Herzensmenschen finden. Zu Zeiten unserer Großeltern verliebte man sich in den Nachbarsjungen oder eventuell noch jemandem aus dem Nachbardorf. Die dörfliche und familiäre Vernetzung war also immer und zu jederzeit gegeben. Nun nicht mehr!

Wir leben mittlerweile also völlig unnatürlich, wie auch Herbert Renz-Polster und Nora Imlau in ihrem aktuellen Buch festgestellt haben:

Mit unserer modernen Lebenswirklichkeit hat dieses evolutionäre Erbe (unserer Kinder) nur noch wenig zu tun. Nur wenige junge Eltern haben in ihrem Alltag Menschen um sich, die sich für die Versorgung der Kinder und die Entlastung ihrer Eltern verantwortlich fühlen.
Menscheneltern waren noch nie dafür gemacht, alles alleine zu stemmen. Sie brauchen immer andere, um zu arbeiten, aber auch um sich auszuruhen. Denn die Mutter, die ihr Baby versorgt, und die Mutter, die arbeitet, waren in der Geschichte unserer Art immer ein und dieselbe Person. 

Uns fehlen also die vielen Tanten, Cousinen, größere Kinder und weitere Verwandte, die uns bei der Versorgung unserer Kinder helfen können. Viele Mütter leben heute ab Geburt ihrer Kinder völlig isoliert, weil ein soziales Netz einfach fehlt. Die Elternzeit wird damit oft eher zum Tal der Langeweile, als zu einer wundervollen Zeit voller Wunder mit dem neuen Erdenkind. Der Online-Clan bzw. das Online-Dorf, den Susanne von Geborgen Wachsen sehr treffend definiert hat, schafft hier etwas Abhilfe und Vernetzung der Mütter. Aber im wirklichen Alltag, wenn weitere helfende Hände benötigt werden, da kann auch dieser nicht helfen! 

So wurde ich Mutter und mir wurde die Bedeutung dieses kleinen afrikanischen Sprichwortes mit voller Breitseite bewusst! Ist man alleine, ist man zu 100% vollverantwortlich für ein kleines Baby und dieses ist oft auch noch das erste Baby, welches man überhaupt in Händen hält.
Wir erleben eine völlig neue Welt, die uns bei vielen durchwachten Nächten und weinendem Baby schnell an unsere Grenzen führen kann. Stützende Hände sind hier so wichtig!

Zum Glück bin ich nie alleine! Ich habe ein kleines Dorf um mich herum, Verwandschaft die immer hilft oder versucht zu helfen, wenn ich nach Hilfe frage. Leider wohnen sie nicht alle sofort "griffbereit". Und ich hab meine Mama!

Erst wenn man selbst Mama wird, erschließen sich so einige Dinge, die die eigene Mutter in der Kindheit getan hat, von denen man damals den Sinn nicht verstand. Man weiß nun auch, wie "hart" es sein kann Eltern und Mutter zu sein und wie man sich als Mutter in vielen Situationen fühlt. Auch meine Mama hat zwei Kinder und ich lerne nun selbst die Zerissenheit als Mutter kennen, wenn man beiden Kindern gerecht werden möchte. Wie es ist mit den eigenen Kindern mitzuleiden und wie es ist, wenn die eigenen Kinder die Beweggründe der Eltern nicht verstehen und sauer und wütend auf einen sind.

"Wenn du mal selbst Mutter bist, wirst du mich verstehen!"

Ja, auch diesen Satz werden viele von uns als Kinder gehört und die Augen gerollt haben. Als Kind kann man diesen Satz einfach nicht verstehen, es geht nicht! Wir haben all diese Erfahrungen noch nicht gemacht, wir können uns in diesem Umfang nicht in unsere Mütter hineinversetzen. Wir verstehen es wirklich erst, wenn wir selbst zu Müttern werden. 

Und nun ist meine Mama eine Oma. Oma von zwei wundervollen kleinen Menschlein, die sie unendlich liebt und gerade beim Sohn sieht man, wie sehr er auch seine Oma liebt. Ich habe eine wundervolle Mama, die ich jederzeit um Hilfe bitten und auf die ich mich immer verlassen kann. Sie lebt vor! Sie lebte mir als Kind vor, wie man in der Gesellschaft lebt! Sie lebte mir vor, wie man als Mutter sein kann! Und nun lebt sie mir vor, wie man eine Oma ist. 
Vorleben ist ein wichtiges Gut! Es weisst unseren Kindern den Weg und auch wir Erwachsene brauchen weiterhin Vorbilder. 
Ich will irgendwann auch mal solch eine tolle Oma sein, wie es meine Mama nun ist. Ich will für meine Kinder da sein, wenn sie eigene Kinder bekommen und sie unterstützen, wo immer ich es kann. Da auch ich nun auch weiß, wie anstrengend auch mal alles sein kann, wie wichtig Unterstützung und wundervolle aufbauende Worte und offene Ohren sind und sein können. 

Meine Mama macht das toll! Sie ist gleichzeitig eine wundervolle Oma für meine Kinder und weiterhin für mich eine wichtige Stütze in meinem Alltag mit Kindern. Danke Mama, dass du immer da bist! Jetzt verstehe ich dich! 

P.S.: Liebe Schwiegermama, auch du darfst dich bei diesen Sätzen angesprochen fühlen. Denn auch du bist eine ganz wundervolle Mama und Oma! Ich weiß, wenn du näher wohnen würdest, könnte auch ich mich täglich auf deine Stütze verlassen. Auch dir wünsche ich einen wundervollen Muttertag!

Diesen Bilderrahmen mit dem wunderschönen Satz, schenkten wir letztes Jahr meiner Mutter. Nun hat sie zwei Enkel ♥

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