Donnerstag, 17. August 2017

Nächtliches Abstillen - weil ich es will!

Ich hab es getan! Ja, ich habe Nachts abgestillt und nie hätte ich gedacht, dass ich das mal tun werde, ohne das mein Kind dazu bereit wäre. Ich hatte gedacht, ich werde mein Kind entscheiden lassen. Und doch kam nun alles anders. Weil bedürfnisorientiertes Abstillen auch von der Mama, also für die Mama selbst, kommen kann.

Mein Sohn hat sich mit 14 Monaten Nachts plötzlich abgestillt und schlief dann immer mit viel Kuscheln wieder ein. Ich fand es damals schon eine Wohltat nicht mehr als lebender Schnuller in einem dunklen Zimmer mitten in der Nacht herhalten zu müssen. Es kam unvermittelt und überraschend und ich hatte bis dahin auch überhaupt nicht ans Abstillen gedacht, aber ich trauerte dem nächtlichen Stillen auch nicht hinterher.
Meine Tochter zeigte kein ähnliches Verhalten, keine Anzeichen sich genauso wie der Sohn abstillen zu wollen und ich stillte sie einfach weiter. Irgendwann wird auch ihre Zeit kommen. So dachte ich!
Die Nächte wurden allerdings immer unerträglicher für mich. Maximal alle zwei Stunden wurde meine Tochter wach und nuckelte ewig... sie fand nicht mehr in den Schlaf und zappelte herum, sie musste auf die Toilette, das wusste ich, aber auf meine Frage hin bekam ich nur ein energisches "Nein!" und sie nuckelte weiter im Halbschlaf bis sie irgendwann doch mal zugab Pipi zu müssen... danach brauchte sie meist aber auch nochmal ihre Zeit bis sie endlich wieder fest schlief und dies wiederholte sich mehrmals die Nacht. Sie nuckelte und nuckelte... und ich bekam kaum Schlaf. 3 Monate ging das nun so und in mir festigte sich der Wunsch meine Tochter Nachts abstillen zu wollen. Vor mehr als 2 Wochen war ich dann bereit dazu und begann mich im Internet einzulesen, wie ich mit dem nächtlichen Abstillen beginnen sollte. Und so funktionierte es dann schlußendlich bei uns:

1. Der wichtigste Punkt zu Anfang: Ich muss mir zu 100% sicher sein, dass ich es möchte. Ich selbst und niemand anders. Ich wollte wieder Nachts besser schlafen können und selbst wenn sie alle 2 Stunden auch weiterhin wach werden würde, ich werde kein lebender Schnuller mehr sein. Und ich war mir bewusst, meine Tochter "braucht" das Stillen Nachts nicht mehr. Jedenfalls nicht mehr als Nahrungsquelle. Denn mit nun 19 Monaten,  isst sie sehr gut am Tisch mit und gerade Abends reichlich, so dass sie satt ist. 
Natürlich war das Stillen ihre Einschlafmethode, aber ich wusste, nun kann es auch anders gehen. Und nur wenn ich mir wirklich sicher bin und mein Entschluss fest steht, kann ich meine gefestige Meinung auch Nachts beibehalten. Denn ich wusste, meine willensstarke Tochter wird mir das nächtliche Abstillen nicht so einfach machen und sie wird darum kämpfen.

2. Bevor wir nun schlafen gingen besprach ich mich mit meiner Tochter. Ich werde sie weiterhin stillend zu Bett bringen. Sie darf stillend einschlafen, aber Nachts wird es keine Brust mehr geben. Was sie davon wirklich verstand, weiß ich nicht, aber da ich weiß, dass sie schon viel versteht, war es für mich nur logisch, mit meiner Tochter darüber zu sprechen, was ich nun vorhaben werde. Dies bedeutet natürlich nicht, dass sie es auch akzeptieren wird, das war mir klar. Aber ich erwähnte es jeden Abend zum Einschlafen wieder und versprach, sobald es hell wird und wir uns wieder sehen, dann darf sie wieder stillen. Der Vorteil im Sommer ist, dass dies also bei nicht ganz geschlossenem Rollladen schon ab ca. 5.30 Uhr möglich ist und somit die Länge des Nichtstillens nicht zu lange ist.

3.Wurde die Tochter also in der Nacht wach und verlangte lautstark nach der Brust, war gerade die ersten paar Tage Durchhaltevermögen gefragt. Mit viel Geduld sprach ich ihr beruhigend zu und teilte ihr mit, dass ich verstehe, dass sie das doof findet oder wütend auf mich ist und traurig und das ich gerne mit ihr kuschel und bei ihr bin, ganz nah bei ihr. Es war wirklich nicht leicht, wirklich nicht, aber mein Entschluß stand fest. Die ersten zwei Nächte waren lang, sehr lang und meine Tochter brauchte manchmal bis zu einer Stunde, bis sie erschöpft in meinen Armen einschlief. Danach wurde es besser, schnell besser. Sie fragte natürlich immer wieder nach der Brust, protestierte auch, aber danach schlief sie ein. Einfach so, in meinen Armen. Klar,was sollte sie auch anders machen?

4. Von Anfang an bot ich das Kuscheln an, aber sonst nichts. Kein durch die Gegend laufen oder in die Trage nehmen, denn ich wollte nicht diese Möglichkeiten als Einschlafhilfen haben, sondern das wir kuscheln und sie dabei einschlafen kann und ich auch.

Ich wollte immer, dass meine Kinder entscheiden oder zumindest miteinscheiden dürfen, wann sie sich abstillen möchten. Beim Sohn hat es beim nächtlichen Abstillen funktioniert, bei der Tochter leider nicht. Ich habe lange durchgehalten und gehofft, dass die Nächte wieder besser werden, denn oft sind es auch nur Phasen. Phasen bei denen die Kinder gerade Nachts viel verarbeiten müssen und uns besonders brauchen und ich wollte meiner Tochter nicht das wegnehmen, was sie am besten und schnellsten wieder beruhigte. Mein schlechtes Gewissen war grenzenlos, aber mein Schlafbedürfnis wurde immer größer und ich merkte auch, dass ich die Tage dadurch immer weniger belastbar wurde und schnell grummelig werden konnte. So ging es nicht weiter. 
Nachdem wir die ersten schlimmen Nächte überstanden haben und meine kleine Tochter nun seit mehr als 2 Wochen Nachts abgestillt ist, kann ich nun sagen, es war eine gute Entscheidung! Sie wird in den meisten Nächten maximal einmal wach! Oft auch garnicht mehr! Meist meldet sie sich zwischen 5.30 und 6.30 Uhr und wird dann, weil es eben hell ist, gestillt. Sie trinkt ordentlich und schläft mit vollem Bauch nochmal ein, meist bis 8.30 oder sogar 9 Uhr. Das erstaunte mich am meisten! So lange hat sie schon ewig nicht mehr geschlafen und ich dachte sie gehört zum Team Frühaufsteher! Was nicht heisst, dass es auch mal sehr kurze Nächte gibt...

Abstillen ist nicht schön, auch wenn es nur um die Nacht geht. Es ist eine sehr innige Verbindung, die hier gekappt wird und es wirkt wie ein Vertrauensbruch und für kleine Kinder ist es zusätzlich auch so unverständlich und beängstigend. Warum will mich meine Mami nicht mehr stillen? Was ist passiert? Wieso werden meine Bedürfnisse nicht gesehen? 
Allerdings habe ich lernen müssen, dass wir auch auf unsere eigenen Bedürfnisse achten müssen. Was wiegt mehr? Welches Bedürfnis ist wann wichtiger? Wer muss wann, auch einmal zurückstecken können/müssen? Lange, lange Zeit sind wir Erwachsene es und das ist auch richtig so. Unsere Kinder sind nicht lange so klein und hilflos. Aber manch liebgewonnene Gewohnheit kann umgeleitet werden, so dass es uns allen wieder etwas besser geht. Denn der nun gewonnene Schlaf tut nicht nur mir gut und lässt mich den Tag wieder entspannter begehen, sondern auch die Tochter ist ingesamt ausgeglichener. Und das hilft uns Beiden! ♥


Kommentare:

  1. Ja, die Bedürfnisse der Mutter sollten nicht ausgeblendet werden. Schlafmangel ist nicht ohne und auf Dauer sehr ungesund.
    Ich musste von heute auf morgen abstillen, weil mein Hormonhaushalt durcheinander war und ich nach 15 Monaten Stillen plötzlich immer wieder Mastitis, Milchstau und Milchfieber bekam. Der Junior merkte aber immer, dass ich Schmerzen hatte wenn er trank und ließ sich deswegen ganz schnell auf andere Getränke umstellen. Er verlangte gar nicht mehr nach der Brust und kuschelte auch ganz vorsichtig. Manchmal verstehen die Kleinen die Situation besser als man denkt.

    Liebe Grüße!

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  2. Genauso machen wir es seit letztem Samstag. Meine Tochter wird zum Einschlafen gestillt und dann gibt es erst ab 5.30 Uhr wieder was. Sie ist 21 Monate alt und kam davor in guten Nächten nur 2-3 Mal, in schlechten auch öfters. Ich dachte, sie macht richtig Terror wenn ich ihr nachts die Brust verweigere, aber ich habe es ihr auch beim Einschlafen erklärt und es klappt erstaunlich gut. Sie wird nachts oft nur noch 1x wach und so langsam wird auch mein Schlaf wieder etwas besser. Ich bin gespannt wie die nächsten Nächte noch werden, aber ich denke es war ein guter Schritt, auch für sie obwohl ich das ganze entschieden habe.
    LG Verena

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  3. Wow, es hört sich wirklich nicht einfach an. Und ich habe Angst davor, aber ich weiss auch, wenn ich an dem Punkt angekommen bin das ich es schaffen werde. Bei meinem großen war es im Vergleich auch einfacher. Wir haben nur noch nachts gestillt und wie ich an meine Grenzen gekommen bin habe ich ihm erzählt das die milchfee gekommen ist und die Milch für die kleinen Babys mitgenommen hat. Es hat 3 Nächte gedauert dann hat er es akzeptiert. Natürlich gab es als Ersatz ganz viel kuscheln.

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  4. Hallo Sabrina, was du beschreibst, erinnert mich sehr an das nächtliche Abstillen meiner fast vier Jährigen vor zwei Jahren. Es lief genau so wie bei euch und ich denke heute, es war genau richtig so für uns. Zum Einschlafen hat sie gestillt bis irgendwann in der nächsten Schwangerschaft immer weniger Milch kam, dann nur noch sporadisch mal, wenn es ihr alle paar Tage einmal einfiel.
    Sie hat mittlerweile eine fast einjährige Schwester und sie trinkt alle paar Wochen mal ein paar Schluck Mamamilch ab und ist dann total glücklich. Ich bin gespannt wie es weiter läuft mit ihr und auch mit ihrer Schwester. Wie du schreibst, sie sind ja so schnell groß und brauchen uns dann von selbst immer weniger.
    Herzliche Grüße und danke fürs Erinnern,
    Désirée

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