Freitag, 30. Juni 2017

Unser montessori-inspirierter Terrassengarten


Hätte mir vor meinen Kindern jemand gesagt, dass ich einmal Obst- und Gemüse in meinem Garten anbauen werde, den hätte ich wohl etwas schräg angeschaut. Wer mich kennt, der weiß, mit dem grünen Daumen bin ich nicht gesegnet und was es bei mir schafft zu überleben, ist entweder ein Mensch oder Tier und kann sich somit bemerkbar machen oder doch eine recht robuste Pflanzenart. Denn oft habe ich erst gegossen, wenn es sich bei der Pflanze auch bemerkbar machte... in Form von hängenden Blättern und so... meine Schwiegereltern sagten noch vor Kurzem,sie trauern heute noch dem wunderschönen Margeritenbäumchen nach, welches sie mir einmal geschenkt haben. Aber mal ganz ehrlich, wer schenkt jemandem wie mir Pflanzen?

Und jetzt befinden sich auf meiner Terrasse zwei Hochbeete und mehrere Töpfe für Gemüse und Kräuter. Wie kam es dazu? Und wieso ist das nicht längst alles kaputt und vertrocknet?

Durch meine Kinder interessiere ich mich für viele Dinge, die zuvor noch uninteressant für mich waren und mir ist auch wichtig meinen Kindern viel zu vermitteln, ihnen viel zu zeigen und zu ermöglichen. Und dazu gehören natürlich auch Wissen über unsere Lebensmittel. Woher kommen diese? Wie wachsen sie? Was brauchen sie zum Wachsen? Wie funktioniert das mit dem Bestäuben und wann kann man ernten?

Wissen wir selbst wie alle unsere Lebensmittel heranwachsen? Wisst ihr wie Rosenkohl wächst? 

Auch Maria Montessori inspirierte mich durch ihre Schriften dazu. In "Die Entdeckung des Kindes", schrieb sie über "die Natur in der Erziehung" und über den Schulgarten. Die Kinder können hier so vieles selbsttätig tun und auch lernen. 

Mein Opa selbst hatte früher noch einen Nutzgarten und baute viel an. Ich kann mich dunkel daran erinnern, wie ich half Unkraut zu entfernen und noch sehr genau kann mich daran erinnern, wie toll es war die Früchte direkt von den Sträuchern und Bäumen zu essen. Das wollte ich meinen Kindern auch ermöglichen. An einem großen Nutzgarten hatte ich allerdings kein Interesse, dafür ist unser Garten einfach nicht groß genug. Wir pflanzten daher im letzten Jahr schon einige Obstbäume und Sträucher und mein Mann baute Anfang des Jahres zwei Hochbeete, passend in Kinderhöhe. So können die Kinder beim Wässern, Pflanzen und Ernten helfen.

Wir haben uns für viele verschiedene Kräuter entschieden. Das Geruchserlebnis ist wundervoll und fast täglich können sie für viele verschiedene Gerichte vom Sohn geerntet werden. Alle angepflanzten Kräuter können auch unsere Meerschweinchen essen, so dass ein Überschuss direkt in ihre kleinen Mägen wandern darf. Unsere Tiere sollen natürlich auch was von unserem kleinen Terrassengarten haben.

Wir haben eine Gurke angepflanzt, die mittlerweile bis an das Terrassendach wächst und unseren Sohn tief beeindruckt. Dort hatten wir alle unsere Marienkäfer, die in unserem diesjährigen Marienkäfer-Projekt geschlüpft sind, ausgesetzt und wir konnten täglich fasziniert beobachten, wie diese alle Blattläuse, die plötzlich an den Gurkenblüten hingen, verspeisten.


An unserem Bohnenkraut lebt eine Krabbenspinne, sie zu beobachten, wie sie seitwärts läuft und und auf die Jagd geht, ist ein Naturschauspiel. Wir haben mittlerweile gelernt, dass nicht alle Marienkäferlarven gleich aussehen. Bei unserer Kapuzienerkresse leben die Larven des winzigen Zwergmarienkäfers und diese sehen aus wie kleine weiße Mini-Flaschenbürsten. 


Wir haben auch zwei Tomatenpflanzen in Töpfen und haben gemerkt, wie wichtig der passende Sonnenplatz ist. Zunächst bildeten sich kaum Tomaten aus den Blüten, erst als wir nun die Töpfe umstellten, bilden sich nun ganz viele leckere Tomaten. Wir sind gespannt, wann sie endlich rot werden. 

Leckere Erdbeeren und einen Himbeerstrauch haben wir auch gesetzt und versorgten uns mit zuckersüßen Beeren. Dem Himbeerstrauch konnte man förmlich täglich beim Wachsen zusehen und schon in seinem ersten Jahr hat er bald 100 Früchte getragen. Diese Köstlichkeiten kommen an nichts Gekauftes heran.

Wie toll es ist, mit seinen eigenen Händen Lebensmittel zu produzieren? Zu sehen wie es täglich wächst? Ich hätte nicht gedacht, wie toll das ist und wieviel wir alle dabei lernen. Es ist schön zu sehen, wie auch der Sohn danach schaut. Wie er wässert und beobachtet. Die Tochter würde die Pflanzen viel eher noch ertränken und immer weiter und weiter machen und es ist vorsicht geboten, wenn wir in ihrer Anwesenheit oder mit ihr zusammen ernten, auch hier wird gerne alles gerupft was sie in ihre kleinen Fingerchen bekommt und so manches zarte Pflänzchen überlebte es nicht... Sie will helfen, dass ist wichtig zu wissen und geschieht nie in böser Absicht. Das Alter/die Reife eurer kleinen Gärtner ist also entscheidend, in wie weit sie euch schon mithelfen und welche Aufgaben sie schon übernehmen können.



In diesem Jahr haben wir alle Pflänzchen noch in Töpfen gekauft. Vielleicht werden wir sie dann für nächstes Jahr direkt aus den Samen züchten. Das wird dann sicherlich auch sehr interessant für den Sohn werden und auch für mich. Auch noch mehr Gemüsesorten sollen dann hinzukommen. Unser kleines grünes Paradies soll noch mehr wachsen, uns noch mehr zeigen und uns viele Leckereien schenken. 

Urbangardening ist überall möglich! Auf der Terrasse, wie bei uns und auch auch auf dem kleinsten Balkon. Mit Urbangardening kann man mit viel Platz natürlich stellenweise eine Selbstversorgung ermöglichen. Darum ging es uns allerdings nicht. Bei wenig Platz kann man z.B. auch nur von jeder Gemüseart ein Pflänzchen anpflanzen. Einfach damit wir und die Kinder sehen, wie wächst das denn nun? Was muss ich tun, damit es wächst und wir eine tägliche Verantwortung haben, damit wir am Ende auch ein Ergebnis haben. Die Ernte!

Gewissenhafte Pflege von lebendigen Wesen ist die Befriedigung eines der am stärksten ausgeprägten Instinkte der kindlichen Seele. Deshalb ist es leicht, Kinder zur aktiven Pflege von Pflanzen und vor allem von Tieren anzuhalten.
Nichts ist geeigneter, eine fürsorgliche Haltung in dem kleinen Kind zu wecksen, das dem flüchtigen Augenblick lebt, ohne sich um die Zukunft zu sorgen.
Wenn es jedoch weiß, dass diese Tiere es brauchen, dass die Pflänzchen austrocknen, wenn es sie nicht gießt, dann verknüpft seine Liebe durch ein neues Band den vergänglichen Augenblick mit dem Erwachen des kommenden Tages.

- Maria Montessori -

Samstag, 3. Juni 2017

Kindliches Verhalten macht immer Sinn - Geborgene Kindheit von Susanne Mierau + Verlosung


 
Wir suchen den richtigen Weg, das Patentrezept für die Elternschaft und das Glück unserer Kinder. Doch den einen immer richten Weg gibt es nicht im Detail. Es gibt nur die eine immer richtige Route: Gehe dorthin,wohin dich dein Herz trägt, und lass es mit entscheiden.

Diese Sätze schreibt Susanne in der Einleitung ihres neuen Buches Geborgene Kindheit und sie zeigen schon sehr deutlich, was einem in diesem Buch nicht erwarten wird: Konkrete Lösungswege! Dieses Buch will uns vielmehr zeigen, was unsere Kinder bewegt, was wir mit unseren Kindern ab dem Kleinkindalter erleben werden und wie wir gemeinsam diesen Weg gehen können. Das Buch wird vielmehr zeigen, dass es nicht unsere Kinder sind, die sich ändern müssen, sondern wir, wir Erwachsene! Wir als Eltern!

Als Eltern müssen wir uns immer wieder vor Augen , dass Babys und Kleinkinder nichts tun, was unlogisch wäre, denn dafür hat die Natur in ihrem komplexen System einfach keinen Platz. Kinder folgen ihrem persönlichen Entwicklungsplan, und kindliches Verhalten ergibt immer Sinn - nur verstehen wir Erwachsenen diesen Sinn oft nicht auf den ersten Blick.

Am dem Kleinkindalter werden viele Entwicklungspunkte unserer Kinder immer mehr in Frage gestellt bzw. wir zerbrechen uns oft als Eltern sehr den Kopf darüber. Wie wird es mit der gesunden Ernährung nach weitergehen? Müsste das Baby nicht nun endlich durchschlafen? Wie entwöhne ich es vom Schnuller oder bekomme es trocken? Ist einfach nur spielen gut oder sollte ich es besser fördern? Und wie genau? Was braucht mein Kind um sich richtig entwickeln zu können? Kann ich ihm alles dafür bieten?



Susanne spricht an, was uns Eltern bewegt. Neutral und ohne den Finger zu heben. Am Ende fast sie nach jedem Abschnitt nochmal alles in 10 Anregungen zusammen und gibt damit Hilfestellungen. Wichtig finde ich auch hier:

Das Kind verursacht mit seinem Verhalten kein Problem, aber wir problematisieren es ab einem bestimmten Zeitpunkt.

Dieser Satz erfasst sehr gut unseren Zwiespalt als Eltern. Wir nutzen sehr gerne viele Hilfsmittel im Babyalter. Schnuller, Windel, Fläschchen, Tragen usw. und plötzlich ab einem von uns gesetzen Zeitpunkt, soll das nun nicht mehr ok sein. Wollen wir es nicht mehr. WIR! Und verstehen nicht, warum unsere Kinder sich nicht so einfach damit abfinden, nicht so einfach auf diese Hilfsmittel verzichten wollen, die wir ihnen angeboten haben. Diese Denkanstöße von Susanne finde ich enorm wichtig, denn ich sehe immer wieder wie enorm unsicher wir als Eltern doch noch sind und uns von alten Glaubenssätzen und dem Druck der Gesellschaft leiten lassen. Auch beim Sohn war ich hier noch sehr verunsichert, bis ich auf die vielen tollen Blogs, allen voran den von Susanne, im Internet gestoßen bin, die mir ein völlig anderes Bild von Kindern vermittelten. Eben nicht die kleinen Tyrannen, sondern kleine Menschen, die wachsen wollen, selbstständig werden wollen und das geht nur mit uns, ihren Eltern!

Unsere Kinder wachsen, und es ist ihre Entwicklungsaufgabe, sich dahin zu entwickeln, dass sie sich selbst versorgen können. Das ist schließlich auch unser Ziel als Eltern: Wir wünschen uns, dass unsere Kinder selbstbestimmt groß werden und für ihre Bedürfnisse einstehen. Wir wünschen uns selbstbewusste Erwachsene. Aber den Weg dorthin über die Selbstbestimmung wollen wir oft einfach nicht gehen. Doch es gibt nun mal nur diesen Weg.

Niemals wollen uns unsere Kinder also aus Böswilligkeit "nicht hören", tun Dinge, die wir nicht wollen oder entfremden sich uns. Kindliches Verhalten macht immer einen Sinn und es liegt an uns herauszufinden, warum sich unsere Kinder nun so verhalten.
Geborgenheit, Vertrauen, Bedürfnisse achten, in die Freiheit geben, die sie zum wachsen brauchen. All das sind wichtige Säulen einer Familie. Wie eine Familie aussieht bzw. aussehen kann, auch darauf geht Susanne kurz in ihrem Buch ein. Es gibt so viele Möglichkeiten eine geborgene Famile zu leben!



Susanne spricht auch über den Tod, Trennung und Überforderung. Das es ok ist überfordert zu sein, dass man deswegen keine schlechteren Eltern ist, aber dass es wichtig ist sich Hilfen zu holen. Ein Dorf, ein Umfeld, dass immer da ist, dies kann manchmal auch professionelle Hilfe sein. Niemand ist perfekt! Wir müssen auch unsere Bedürfnisse achten, um überhaupt auf die Bedürfnisse unserer Kinder eingehen zu können, um offen zu sein. Es geht nicht darum unseren Kindern perfekte Eltern zu sein, sondern unser Bestmöglichstes zu tun. Unsere Kinder verändern uns, wenn wir auf unsere Kinder eingehen. Wir werden viel von unseren Kindern lernen. Und das ist auch gut so! Wir werden erkennen was wirklich wichtig ist, wenn wir ihnen zuhören. Wenn wir sie sehen! Wenn wir fühlen!

Wer den Blog von Susanne schon lange liest, wird hier vielleicht nicht viel Neues lesen, aber es ist gebündelt und zusammengefasst. Als Eltern von Kleinkindern finde ich nun alles zu diesem Lebensabschnitt in diesem Buch  (wer noch Babys hat, dem kann ich Susannes erstes Buch "Geborgen Wachsen" empfehlen) und vor Kurzem habe ich einen schönen Satz einer Facebook-Userin gelesen: "Ein gutes Buch ist es dann, wenn ich mich darin bestätigt fühle."
Und genau das tut dieses Buch! Es bestätigt uns Eltern unseren geborgenen Weg mit unseren Kindern weiterzugehen. Und mir persönlich helfen solche Bücher sehr, mich auch manchmal nochmals zu finden und zu orten. Nicht immer läuft alles rund und ein gutes Buch hilft mir, mich zu erinnern. Welchen Weg will ich gehen? Den Weg meiner Kinder! ♥



Ich möchte mich hiermit ganz herzlich beim Kösel-Verlag bedanken, der mir ein Rezensionsexemplar zugeschickt hat. Und da ich auch von Susanne selbst ein ganz persönliches Buch mit Widmung erhalten habe (♥) und ich keine zwei Bücher benötige, möchte ich mein Rezensionsexemplar an euch verlosen. Die Verlosung wird auf meiner Facebook-Seite stattfinden. Schaut dort vorbei. Viel Glück!

Geborgenheit in der Kindheit bedeutet vor allem, dass wir unseren Kindern vertrauen: dass sie ihren Weg gut gehen, dass ihr Verhalten sinnvoll ist und sie von sich aus kooperativ, neugierig, wissbegierig, sozial und engagiert sind.
Wir müssen nicht viel tun, aber wir können viel weglassen. Wir müssen nicht fördern, nicht an unseren Kindern ziehen, damit sie schneller und besser wachsen. Sie sind toll, wie sie sind, und unsere Aufgabe ist es, genau dies zu erhalten.

*Dieser Beitrag enthält Partner-Links und alle Zitate stammen aus dem neuen Buch "Geborgene Kindheit" von Susanne Mierau
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