Freitag, 19. Mai 2017

Windelfrei? Igitt, wie eklig! - Über Vorurteile und Unwissen!

Gestern und heute gingen über die Facebook-Seiten von BILD und BUNTE, zwei Artikel von dem Model Sarah Kulka online, die darüber berichtet, dass sie ihre Kinder windelfrei großzieht. Davon abgesehen, werden ihre Kinder auch langzeitgestillt.
BÄMM! Gleich zwei Themen, die nun unter diesen Artikeln ordentlich kommentiert werden und das mit viel Halbwissen zu diesen Themen und auch wenig gegenseitigem Respekt.
Es wird davon geschrieben, wie eklig dies sei. Weil ja dann diese ganze Wohnung ein Klo wäre und man hätte doch schließlich noch anderes zu tun, als ständig nach dem Kind zu schauen und man würde das Kind doch nur unnatürlich an einen binden, weil man nicht loslassen könnte. Es wird als rückschrittlich bezeichnet und als Sauerei. Und außerdem wäre das doch alles garnicht möglich, da Babys noch keine Kontrolle über ihre Ausscheidungen hätten und das wüsste doch jeder.

Diese Meinungen spiegeln den Großteil unserer Bevölkerung wider. Windelfrei ist nicht "normal". Das Wort "normal" wurde erstaunlich häufig in den Kommentaren verwendet. Aber was ist schon normal? Wer ist normal? Welcher Umgang mit unseren Kindern ist normal?

Normal sollte in meinen Augen der gegenseitige Respekt sein. Andere Meinungen zu akzeptieren und sich bevor man diskutiert, vielleicht auch einfach mal einlesen! Gerade die oft sehr entsetzen Kommentare bezüglich der Sauberkeit, sind doch wirklich sehr leicht zu entkräften, würde man zu diesem Thema einfach mal quer lesen. Nur sehr wenige Kinder sind komplett windelfrei. Meistens werden doch Backups in Form von kleinen Einlagen, Trainerhosen oder Stoffwindeln verwendet. Die Möglichkeiten sind vielfältig. Genauso wie jede Lösung, in jeder Familie, dies ist. Ganz ehrlich? Niemand will doch ein Zuhause, in dem überall Ausscheidungen wären? Wieso glaubt man, dass dies Windelfrei-Familien gut finden und zulassen würden?

Auch finde ich die Aussage, dass Windelfrei-Mütter, ihre Kinder gezielt länger an sich binden wollen und die Kinder dadurch in ihrer Selbstständigkeit untergraben, verquer. Denn im Grunde zielt windelfrei darauf ab, auf die Bedürfnisse der Kinder einzugehen und ihnen so frühe Selbstständigkeit zu ermöglichen. Sie erleben, dass sie gehört werden und sie benötigen statistisch gesehen früher auch wirklich keine Windel bzw. Backup mehr und somit schneller selbstständiger. Und hier möchte ich kurz anmerken: Ja, es gibt natürlich auch Kinder die ohne Windelfrei früh windelfrei werden und nein, es geht bei Windelfrei nicht primär darum Kinder schnell windelfrei zu bekommen und nein, Windelfrei ist nicht besser bzw. das Nonplusultra. Es ist eine Möglichkeit, die auch sehr individuell ausgelebt werden kann. Siehe dazu auch unseren eigenen Weg, den ich hier im Blog beschrieben habe.
Ich möchte hier nicht windelfrei, als das Einzigwahre hinstellen, sondern viel mehr auf die Vorurteile kurz eingehen, weil es diese einfach noch viel zu viel gibt und es einfach nicht stimmt, was die Mehrheit darüber urteilt!

Damit kommen wir dann auch zu dem Argument, Babys könnten ihre Ausscheidungen noch garnicht kontrollieren und somit auch noch garkeine Zeichen geben und man müsste dann schließlich rund um die Uhr am Kind kleben, damit windelfrei überhaupt möglich wäre. Hier hat erst vor wenigen Tagen "Bewusste Elternschaft" einen tollen Beitrag geschrieben, denn ich hier einfach verlinke. Darin ist alles wirklich sehr gut erklärt und beweist sehr deutlich, dass die Kontrolle von Anfang an, eben doch möglich ist und auch dort wird immer wieder erklärt, dass es nicht darum geht, dass nur Windelfrei der einzige wahre Umgang mit unseren Kindern ist, sondern es geht lediglich darum, solche Argumente zu entkräften und damit zu sagen, Windelfrei funktioniert bzw. kann funktionieren, wenn man es möchte. Wenn es für die eigene Familie praktikabel ist und jeder dahinter steht.

Denn nein, ich binde mein Kind damit nicht unnatürlich an mich! Windelfrei lebt die gesamte Familie. Mama, Papa, Oma, Opa und auch sonstige Betreuungspersonen. Und auch hier gibt es wieder ganz viele Möglichkeiten. Eine später hinzukommende Tagesmutter kennt die Zeichen der Kinder anfangs natürlich nicht ganz so gut, hier kann man z.B. auch wieder nach Backups greifen, wenn dies nötig werden sollte. Reden ist hier einfach wichtig, in Kontakt sein, über Unsicherheiten sprechen und Lösungen finden. 
Meine Mama wird ab Januar vormittags die Betreuung meiner Tochter übernehmen und sie ist jetzt schon mit im Boot und schaut genau, was sind die Zeichen ihrer Enkelin, wie tritt man in Kontakt, denn auch sie findet es ganz wundervoll, dass sie mit ihren 16 Monaten nun windelfrei ist. Niemanden bindet durch windelfrei also ein Kind nur an sich alleine.

Rückschrittlich! Auch ein Wort das häufig verwendet wird. Stoffwindeln sind ja für viele noch rückschrittlich, aber abhalten und windelfrei? Das ist ja tiefste Steinzeit! Ab zurück in den Busch, heisst es dann! Ich habe jetzt keine genauen Zahlen zur Hand, aber der Großteil der Bevölkerung verwendet noch keine Wegwerfwindeln. Es wird mit Stoff gewickelt und viel häufiger sogar, von Anfang an abgehalten, also windelfrei gelebt. Kein Wunder also, dass Windelhersteller versuchen Fuß in diesen Ländern zu fassen, denn das würde ein enormes Einnahmeplus ermöglichen. 
Aber wieso soll der bewusste und bedürfnisorientierte Umgang zu unseren Kindern rückschrittlich sein. Wieso sollen dies Stoffwindeln oder windelfrei sein? Ich finde es hingegen sehr gut, wenn sich Menschen mit ihrer Umwelt und der Nachhaltigkeit auseinander setzen. Wir haben nur eine Erde und wer seinen Nachhaltigkeits-Beitrag mit Stoffwindeln oder gar windelfrei dazu tun möchte, der ist nicht rückschrittlich. Andere schauen, vielleicht mehr auf Plastikverpackungen, auf den eigenen Anbau von Nahrung oder den ausschließlichen saisonalen Kauf von regionalen Obst und Gemüse. Wichtig ist doch einfach, dass wir uns dazu alle unseren Gedanken machen und jeder einzelne Beitrag ist ein guter Beitrag in die richtige Richtung. Und auch hier wieder, der gegenseitige Respekt ist wichtig! Jeder noch so kleine Beitrag für unsere Umwelt zählt. Wir leben vor, wir sind Vorbilder für unsere Kinder. Für die nächste Generation und die Kommenden, die auf unserer Erde leben werden.

Ach, also eigentlich gibt es ja schon viele Beiträge zu diesem Thema und eigentlich schreibe ich nun auch nichts mehr Neues dazu. Aber vielleicht lesen diesen Beitrag einige, die bisher noch nichts von windelfrei gehört haben oder bisher eine ganz andere Meinung dazu hatten und vielleicht helfe ich dabei, Meinungen darüber zu ändern, vielleicht auch, dass man es beim nächsten Kind selbst mal probieren möchte. Wichtig ist mir einfach auch, dass dieses Thema noch weiter verbreitet wird. Damit es bekannter wird, damit es nicht so fremd wirkt und damit vielleicht auch nicht mehr "eklig", damit jeder der eine Meinung dazu hat, sie auch hat, weil er wirklich Hintergrundwissen besitzt und sich nicht eine Meinung aus völlig falschen Zusammenhängen, veraltetem Wissen oder sogar garkeinem Wissen bildet.

Ganz zum Schluß möchte ich auch noch schreiben, dass niemand besser ist oder gar eine "Obermutter", nur weil er es anders macht. Auch das habe ich heute oft in den Kommentaren gelesen. Es gibt sehr viele Wege bedürfnisorrientiert und achtsam mit seinen Kindern zu leben. Darüber hat schon die Autorin Nora Imlau in einem ihrer Artikel geschrieben, in dem sie sich fragte, benötigt es wirklich bestimmte Kriterien, wie Stoffwindeln, ausschließliches Tragen usw. damit man Attachment Parenting wirklich lebt? 

Nein, es ist nicht windelfrei, es ist nicht das biozertifizierte Tragetuch, nicht das Langzeitstillen, das uns zu den "besten" Eltern macht, die wir für unsere Kinder sein können. Da gehört so viel mehr dazu. Ich kann es nur immer und immer wieder schreiben: Die Möglichkeiten sind so unendlich vielfältig, wie es Familien auf dieser Welt gibt. Unsere Haltung ist entscheidend! Und da ist Respekt ganz, ganz wichtig. Respekt gegenüber jedem. Gegenüber unserem Kind, denn dann überdenke ich genau meine Entscheidungen und unser gemeinsames Leben und Respekt gegenüber allen anderen Eltern, die ihren Alltag anders leben als ich es tue.


Mittwoch, 3. Mai 2017

Unser Legotisch! Ein IKEA-Hack!


Lego! Ein Spielzeug aus der eigenen Kindheit! Zwar aus Plastik, aber unverwüstlich und wird wohl von Generation zu Generation weitergegeben und verliert nichts von seinem Charme. Es hilft bei der Feinmotorik, bei der Entwicklung des Vorstellungsvermögens und der Umsetzung von Ideen. Es können damit Rollenspiele gespielt werden und auch mathematisch hat es Einiges zu bieten. Es ist ein Allrounder unter den Spielsachen und daher war es abzusehen, dass auch bei unseren Kindern Lego irgendwann im Regal zu finden sein wird.

Im letzten Jahr schon begann die Legoliebe des Sohnes und da mein Mann und ich selbst mit Lego bzw. Lego Technik aufgewachsen sind, gab es da natürlich viel, was unsere Eltern aufgehoben und verwahrt haben, bis denn irgendwann die Enkel bereit dafür sind.

Nun hatten wir also eine Unmenge an Legosteinen, Räder, Türen, Fenster, Bäume, Blumen, Platten und und und.... aber wohin damit? Wohin und vor allem, wie? Wie kann man alles ordentlich und übersichtlich verstauen, so dass Teile schnell gefunden bzw. Gebautes verwahrt und auch alles schnell wieder aufgeräumt werden kann.

Ich ging mal wieder auf die Suche im Internet und fand wirklich ganz tolle Ideen und Umsetzungen. Sehr gefallen hat mir hier ein IKEA Hack, der sich auch für unsere Platzverhältnisse anbot und zeitgleich nicht nur eine Lagermöglichkeit bietet, sondern auch direkt eine Spiel-und Baufläche.

Wir fuhren also noch kurzer Planung ins Möbelhaus und kauften uns zweimal das TROFAST-Regal und die passende Menge Schub-Boxen für hinein. Zuhause baute ich alles zusammen mit den Kindern auf und wir sortierten dann alle Bausteine nach Farben und alle weiteren Materialien thematisch, nach Pflanzen, Autoteilen, Häuserteilen usw. Ein großes Fach ließen wir leer, in welches zusammengebaute Teile ihren Platz finden können und auch sonst sind in den Boxen noch jede Menge Platz, wir können also noch einiges an Bausteinen usw. dazu kaufen.

Die beiden Regale haben wir mit den Rückwänden zusammen geschoben, so dass darauf eine große Spielfläche entsteht. Wir haben uns dann noch dafür entscheiden eine Holzplatte darauf zusetzen. Diese haben wir etwas größer gewählt, so dass der Sohn nun auch 4 Straßenplatten hintereinander platzieren kann. Ohne Holzplatte wären es nur 3 gewesen und auch eine Grasfläche hat noch Platz gefunden. So kann die Spielfläche komplett ausgenutzt und natürlich immmer wieder verändert werden.



Ich sehe gerne zu, wie sich der Sohn wirklich stundenlang mit dem Lego selbst beschäftigen kann. Er hat zwar zu Weihnachten und Geburtstag ein paar kleine Bausätze geschenkt bekommen, die er auch sehr gerne nachgebaut hat, aber ansonsten haben wir nun alle Bauanleitungen erst einmal verräumt und er kann sich vollkommend dem freien Spiel und dem Konstruieren von eigenen Fahrzeugen, Gebäuden usw. hingeben.


Daher ist auch alles so wunderschön kunterbunt und einmalig. Seine Fantasie ist unerschöpflich und so manches hat er zwar mit seinem Papa zusammen gebaut,wie z.B. den Helikopter, aber viele seiner Fahrzeuge hat er ganz alleine entworfen und das macht ihn unwahrscheinlich stolz und spornt ihn an Neues zu bauen. Ich merke schon jetzt, es ist gut den Legotisch so groß gebaut zu haben.


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