Donnerstag, 14. Juli 2016

Urlaub bei den Großeltern

... für mich fühlt es sich derzeit eher an wie abschieben...

Aber fangen wir von Vorne an! Für den Mann stand diese Woche eine längere Geschäftsreise an. Von Montag bis Donnerstag und mir graute mal wieder davor, denn ich weiß, hier hat selbst nach 6 Monaten noch keine Routine Einzug gehalten und ich bin alleine mit 2 Kindern! Eines davon absolut anhänglich, kaum ablegbar und beide abends alleine ins Bett zu bekommen, ist nicht gerade einfach. Meist muss eines der Kinder zurück stecken. Und da dies sicherlich noch nicht von der kleinen Tochter verstanden wird, ist es dann immer der Sohn der meiner Meinung nach zu kurz kommt, was mich sehr traurig macht.

Die Tochter reagiert in der Einschlafphase und selbst darüber hinaus sehr empfindlich auf Geräusche. Ich kann meinem Sohn nicht gleichzeitig mit der Tochter eine Geschichte vorlesen. Ich könnte sie ihm vorher vorlesen, kann dann aber nicht mit ihm einschlafkuscheln. Er muss sich dann völlig ruhig neben mich legen und sich selbst in den Schlaf wurschteln, während ich daneben die Tochter stille. Diese ist am Anfang selbst immer sehr unruhig dabei, wechselt x-Mal die Brustseite (was ich vom Sohn so garnicht kenne) und muss mich komplett auf sie konzentrieren. Den Sohn irgendwie dabei wenigstens zu streicheln oder im Arm halten zu können. Fehlanzeige!

Wenn die Tochter dann gerade am Einschlafen ist und dem Sohn fällt dann doch noch ein mir etwas erzählen zu wollen oder Durst hat (selbstholen vergisst er dann gerne...) oder Pipi muss.... dann ist die Tochter wieder wach und alles geht dann wieder von vorne los...

Ich bin wirklich sehr gefrustet von der derzeitigen Einschlafsituation. Vermisse es meinen Sohn  in den Schlaf zu begleiten, denn wenn mein Mann Zuhause ist, übernimmt er es, dem Sohn die Nähe zu geben, die er braucht.

Und wenn ich alleine mit den Kindern bin, dann kann es funktionieren... der Sohn liegt dann neben mir und muss sich in den Schlaf wurschteln oder es funktioniert eben nicht und ich brauche ewig bis beide Kinder schlafen und muss Morgens wieder früh raus, da der Sohn auch in den Kindergarten soll/will. Übermüdet wie ich bin, muss ich dann auch noch den Tag irgendwie rumkriegen, denn mit der Tochter nochmal Schläfchen halten ist auch nicht immer möglich. Meist will sie nur in der Trage schlafen... und wenn ich dann so müde bin, holen wir auch irgendwann den Sohn wieder ab, er will beschäftigt werden, sie will nicht abgelegt werden, der Haushalt... ach ja... Abendessen und dann geht wieder das Einschlafszenario los... ich weiß, meckern auf hohem Niveau, würden jetzt manche sicher sagen... aber mich belastet es sehr, dass sich diese Dinge auch mit 6 Monaten Zweifach-Mama-Zeit noch nicht richtig eingespielt haben. Dauert das wirklich so lange?

Nun will der Sohn schon länger "Urlaub" bei Oma und Opa machen und meine Mama meinte dann, wieso also nicht jetzt? Dann wäre ich entlastet, müsste mir keine Sorgen machen, ob das Abends funktioniert und wir bekämen die Geschäftsreise vom Mann dann doch gut rum.
Gesagt getan! Der Sohn ist vollauf begeistert und erzählt allen im Kindergarten, dass er nun Urlaub bei Oma und Opa macht. Und es funktioniert wunderbar. Er hat die Oma und den Opa um sich, seine Ur-Oma und Ur-Opa ebenfalls und auch unsere Nachbarn, die uns als Kinder schon betreut haben, werden von dem Sohn besucht und er hilft bei der Gartenarbeit.
Alles dreht sich dort nur um ihn. Alle spielen nur mit ihm und er bekommt die völlige Aufmerksamkeit. Eine wundervolle Abwechslung für ihn und sicherlich auch seelenstreichelnd, da Zuhause eben die kleine Schwester soviel Aufmerksamkeit verlangt.

Er hat seit Montag noch kein einziges Mal nach mir, dem Papa oder der Schwester gefragt. Er wird von meiner Mama Morgens in den Kindergarten gebracht und Mittags wieder abgeholt und dann ist er die Nummer 1.
Gestern war ich kurz bei meinen Eltern. Kurze Flucht aus dem Haus, das so groß und leer und ruhig ist, ohne Mann und ohne Sohn. Ich hab mir von meiner Oma Waffeln backen lassen, mit heißen Kirschen und Sahne. Mein Sohn fragte mich, was ich denn hier machen würde? Als ich später wieder ging mit seiner Schwester, gab er mir einen dicken Kuss und half sogleich wieder den Nachbarn bei der Gartenarbeit. Er ist beschäftigt.

Ich kann ihn ja verstehen! Für ihn ist es Urlaub! Und ich freue mich sehr für ihn. Er hat seinen Spaß, er genießt es. Er muss nicht teilen, er muss nicht zurückstehen.
Für mich ist es dennoch ein kleines bisschen wie Abschieben, weil ich es nicht schaffe beide Kinder in den Schlaf zu begleiten (noch nicht), nicht so, wie ich es mir wünsche (wahrscheinlich ist das ein Problem, welches vielleicht garkeines ist... für die Kinder jedenfalls). Nicht so, dass niemand zurückstecken muss, nicht der Sohn. Nicht immer nur er! 

Ich hoffe so sehr, dass es bald einen Weg gibt, um allen in ihren Bedürfnissen gerecht zu werden. Ich weiß, dass das Schlafen auch bei der Tochter irgendwann einfacher werden wird. Ich kenne es vom Sohn. Er war damals aber alleine. Damals war nur er. Nun habe ich zwei Kinder... und eines macht nun Urlaub bei den Großeltern.

Hier sind mir beide gleichzeitig auf der Couch eingeschlafen. Zum Glück relativ gleichzeitig. Denn schläft die Kleine schon eine Weile und der Sohn braucht länger, kann es sein, dass sie wieder wach wird, bevor ich sie im Bett habe... nun muss ich aber beide Kinder nacheinander hoch bringen und das bedeutet, ich muss die Tochter kurz alleine im Schlafzimmer lassen. Die Tochter hat allerdings sehr sensible Antennen und merkt schnell, wenn ich nicht da bin...



Kommentare:

  1. ? jetzt muss ich mal hier schreiben: das ist doch kein abschieben! das ist ein notwendiges loslassen und dein sohn ist so begeistert. das ist toll...zum einschlafen: ich würde mich selber hinterfragen. braucht mein kind das wirklich oder brauche nur ich das, muss ich beiden unbedingt gerecht werden, ist nicht ein kompromiss möglich/notwendig? ich habe vier kinder und jedes hat seine eigene art, seinen eigenen charakter...so wie ich...und es ist wichtig, dass es in einer familie auch grenzen und kompromisse gibt, auch und gerade beim einschlafen...was ist, wenn du ihn vorher ins bett bringst, in sein bett? oder wenn du ihn in sein bett bringst, wenn die kleine wirklich fest schläft? ich glaube, für deine kinder ist es überhaupt kein problem. ich denke nicht, dass dein sohn jetzt, wo deine tochter da ist, zu kurz kommt, dass du ihn abschiebst, nur weil es nicht so klappt, wie du es willst. klingt hart, ich will dich nicht angreifen. aber ich glaube, du machst ein problem saraus, wo keines ist, und bist deshalb total unentspannt und dann klappt gar nichts und dann ärgerst du dich und fühlst dich unwohl und dann kommen solche unbegründete gedanken: du schiebst deinen sohn nicht ab. freu dich, dass er den ersten urlaub soooo gut genießt! das ist wichtig/richtig und toll! grüße

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  2. Hallo Luna,

    Vielen lieben Dank, für deine ehrlichen Worte. Im Text deute ich es ja schon an, dass ich mir wahrscheinlich zu viele Gedanken mache :(

    Die Tochter ins Bett zubringen und dann den Sohn habe ich auch schon mehrfach versucht. Die Tochter ist aber leider immer noch völlig unplanbar mit der Länge des ersten Schlafzykluses und wenn ich dann im anderen Zimmer bin, mitten beim Lesen oder Einschlafbegleiten vom Sohn und sie wird drüben wach, kann ich mit dem Sohn alles abbrechen...

    Ja, für den Sohn freu ich mich! Bald beginnen die Kindergartenferien und dann kann er auch bei den anderen Großeltern so richtig tollen Urlaub machen :)

    Liebe Grüsse, Sabrina

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  3. Ich hab von klein auf immer mal wieder ein bis zwei Wochen bei meinen Großeltern verbracht und die Leben im Schnitt an die zwei Stunden weg von meinem ELternhaus. Das waren für meine ELtern oft notwendigkeiten, weil wir oft umgezogen sind und die Umzüge immer sehr stressig waren und sie mir und meiner SChwester das ersparen wollten. Später war es dann eine Ergänzung zur Ferienbetreuung in den Kindergartenschließzeiten oder den Schulferien. Meine Mutter meinte auch, dass sie da oft ein schlechtes Gewissen hatte, aber ich habe es geliebt und meine schwester genauso! Das sind so tolle Erinnerungen, die mir niemand jemals wieder nehmen kann. Wir haben ein klasse Verhältnis zu unseren Großeltern aufbauen können und mit jedem Tag, den sie jetzt älter werden, bin ich dankbar über die Zeit die ich mit ihnen hatte. Außerdem hat ein Jahr 52 Wochen! Und selbst wenn ich davon mal drei bis vier bei meinen Großeltern verbracht habe, wurde ich immer noch 48 WOchen lang rund um von meinen ELtern betüddelt und groß gezogen. Ich habe mich da nie abgeschoben gefühlt. Und deinem Sohn scheint es ja anscheinend nicht anders zu gehen!

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    1. Hallo,

      meine Großeltern haben im gleichen Haus gewohnt, das war immer toll und im Herbst sind wir immer mit ihnen 1 Woche in den Odenwald. Ich erinnere mich da sehr gerne an diese Zeit.
      Bei der anderen Oma waren wir auch oft über das Wochenende, meist waren dann auch noch die Cousins da, also volles Haus und viel Spaß.
      Du hast recht, ich sollte mich einfach nur freuen und nichts negatives darin sehen :)

      Liebe Grüße, Sabrina

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  4. Ich finde auch, dass das kein ABschieben ist. Es ist Entlastung. Dein Sohn ist gerne bei Oma und Opa und genießt dort seine Zeit. Bekommt die volle Aufmerksamkeit. Manchmal braucht man das. Ich habe selber zwei Kinder und erwarte im September das dritte Kind. Den kleinen Sohn habe ich heute zu meinen ELtern gebracht zum Urlaub machen, die Große fährt heute mit dem zug zu meiner Schwiegermutter. Und ja, ich genieße dann meine freie Zeit mit meinem Mann. Ich weiß, sie sind gut betreut. Ich gebe auch immer mal ein Kind zu den Großeltern. Das ist für meinen Mann und mich Urlaub. Mein Mann arbeitet Schicht, ist also immer mal wieder nicht da. ich genieße dann die Zeit mit einem Kind. Ich weiß aber auch, wie schwer es ist, zwei Kinder ins Bett zu bekommen, grad ein Baby und ein Kigakind. Meine Tochter musste oft alleine im Bett liegen und ich bin mit dem Zwerg im Zimmer auf und ab gegangen und habe Lieder gesungen und Geschichten erzählt, konnte aber nicht daneben liegen. Irgendwann klappt das aber und dann liegst du in der Mitte und deine Zwerge daneben und es ist schön.

    Liebe Grüße Martina (die jetzt schon Bammel hat, bald 3 Kinder ins Bett zu bekommen)

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    1. Hallo Martina,

      vielen Dank für deine Worte.
      Ja für mich war es eine sehr große Entlastung, so dass ich auch Abends entspannt mit meinem Mann telefonieren konnte, ohne eigentlich total genervt zu sein.
      Und kinderfreie Abende sind toll, hab das mit dem Großen ja schon kennenlernen dürfen und freue mich jetzt schon drauf, wenn auch die Kleine dann mal soweit sein wird ;)

      Liebe Grüße, Sabrina

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  5. Ich kann dich gut verstehen. Ich denke auch oft, vorallem wenn ich alleine bin mit beiden Kindern (Sohn 4 Jahre und Tochter 9 Monate), dass ich es nicht schaffe und immer einer zu wenig von mir bekommt. Die erste Zeit war sehr anstrengend für mich, im Bezug auf das Loslassen des Großen und das Ankommen der Kleinen. Ich habe jeden Abend, wenn ich die kleine im Bett stillte, meine Sohn vermisst und geweint. Mir fehlte die gemeinsame Zeit abends sehr und ich hatte und habe immer wieder ein schlechtes Gewissen nicht für beide 100% da zu sein. Deine Eltern sind einfach klasse, was sie da leisten. Du brauchst kein schlechtes Gewissen zu haben. Genieße die gemeinsame Zeit mit deine Tochter, und freu dich, dass dein Sohn eine schöne Zeit bei seinen Großeltern verbringt. Liebe Grüße Janine

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  6. Hallo,
    Ich kenne das nur zu gut. Mein Sohn wird im August zwei und meine Tochter ist fast zehn Wochen alt. Ich bin dankbar, dass der Papa es fast jeden Abend möglich machen kann für den SohneMann da zu sein, sollte Töchterchen mal wieder nur Mama wollen. Ich bin aber auch dankbar, dass sie zur Zeit noch nicht beide gleichzeitig ins Bett wollen.
    Als der Papa neulich nicht da war, bin ich ein paar Mal hin und her gerannt zwischen beiden Zimmern. Söhnchen wartete ganz geduldig in seinem Zimmer bis Mama wieder da war, schickte mich von sich aus zu seiner kleinen Schwester und freute sich, wenn unser KuschelRitual weiter ging.
    Ich war fix und alle als er schlief und ging dann zum Großen, acht Jahre alt, aber ich habe es gemeistert, ohne dass ein Kind weinen musste.
    Ein anderes mal wurde gekuschelt während das Mäuschen im Tuch schlief. Fand er total schön.
    LG

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  7. Bin ich froh zu lesen, dass ich nicht die Einzige bin, die "es nicht hinbekommt", beide allein ins Bett zu bringen. Meine Kleine ist inzwischen 13 Monate alt und mir graut vor jedem Abend, den ich allein bin. WENN es funktioniert, dass ich sie ins Bett bringe, während die Große nebenan spielt, wacht sie nach 30 Minuten wieder auf und es geht von vorn los.

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  8. Hallo habe selbst zwei Kids (3 Jahre und 6 Monate ) meine älteste ist seid die kleine da ist sehr auf Papa fixiert und mir tut es manchmal auch echt weh das ich sie nicht mehr so in den Schlaf begleiten kann wie früher und wenn ich es doch mal schaffe, stößt sie mich auf gut deutsch weg und schreit nach Papa.
    Ich kann dich gut verstehen das du dir da Gedanken machst finde es aber gut das dir die Großeltern unter die Arme greifen, so hast du auch mal etwas mehr Zeit zum Kräfte sammeln. Du machst das gut so wie du es handhabst :)

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  9. Liebe Sabrina,

    ja, ich kann Dich gut verstehen! Sohnemann ist jetzt bald vier und war letztes Jahr spontan mitgefahren. Oma hat ihn betreut, ich kam vom Arbeiten und habe ich auf Spielen gefreut - ich wurde gleich empfangen: "Kann ich mit der Oma nach Hause fahren?" - keine halbe Stunde später saß er im Auto, er hatte seinen Koffer alleine gepackt und alles rein was man wirklich so braucht. Tja, dann saß ich da....so kinderlos. Wir fanden es beide sehr still am nächsten Morgen. An Weihnachten war er dann eine ganze Woche dort. Papa brachte ihn hin und wurde kommentiert mit "Papa, wann fährst Du endlich". Jetzt: Wann kann ich wieder zu Oma und Opa nach Hause? Ich will aber. Das dauert noch so lange, usw.
    Dabei sieht er beide Oma' alle zwei Wochen und den Opa sicherlich auch mindestens 1 x im Monat. Wir haben eine Art Wochenendhaus mit meinen Eltern zusammen. Wenn wir dort sind, schläft unser Sohnemann grundsätzlich bei Oma und Opa im Bett, anziehen, baden und Co. nur mit dem Opa. Am Anfang fand ich das unglaublich schwer, v.a. das erste Mal wegfahren.
    Aber so ist es: sei froh, dass es Dein Sohn so sehr genießt und seine Großeltern für sich gerade mal alleine hat.

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