Sonntag, 5. Juni 2016

In 10 Jahren ist es egal, wie lange das Kind gebraucht hat!

Im Baby- und Kleinkindalter und auch darüber hinaus, gibt es viele MUSS und SOLLTE, die ein Kind zu erfüllen hat. So sagen es uns Statistiken bei den Kinderärzten, vielleicht auch die Tagesmutter, die Erzieherin oder später der Lehrer. Auch die Nachbarn mischen sich gerne ein oder der Sitznachbar im Bus. Ständig hört man sie, diese MUSS und SOLLs.

Das Baby MUSS durchschlafen.
Mit 12 Monaten SOLLTE das Kind laufen können.
Mit 3 Jahren MUSS dem Kind aber die Windel abgewöhnt worden sein.
Das Kind MUSS jetzt aber langsam mal in seinem eigenen Zimmer schlafen.
Den Schnuller SOLLTE nun aber auch endlich mal weg.
Das Kind MUSS in den Kindergarten.

Jeder kennt sie, die MUSS und SOLLs unserer Gesellschaft und ich glaube alle, haben sich von diesen schon mal bedrängt gefühlt. Auch wenn wir versuchen uns frei davon zu machen, von diesem Zwangskorsett, irgendwo werden wir dann doch wieder ins Grübeln kommen. Sollte unser Kind schon? Muss unser Kind schon? Hätte es nicht längst schon? 

Gestern hörte ich einen ganz wundervollen Satz. In einer kleinen Runde unter Mütter kam das Schnuller-Thema auf. Bis wann denn der Schnuller abgewöhnt werden sollte oder eben nicht. Und dann sprach eine Mutter, eine Mutter eines 12jährigen Sohnes. Sie schmunzelte etwas dabei und stellte fest:

"In 10 Jahren wird es so egal sein, ob das Kind noch mit 2, 3, 4 oder länger geschnullert hat!"

Und ich dachte nur "Wow! Sie hat recht!" und diesen Satz kann man auf so viele dieser MUSS und SOLLs anwenden! Wen interessiert es noch in 10 Jahren, wann mein Kind endlich gelaufen ist? Wann es im eigenen Zimmer geschlafen hat? Wielange es gestillt wurde? Oder wann es keine Windel mehr wollte?

All diese Fragen und Zwangsvorstellungen sind dann nichtig! Diese ganzen Zeitpunkte machen nicht das spätere Leben aus. Sie werden nicht in den Bewerbungsunterlagen stehen, wenn wir nach einem Ausbildungsplatz suchen oder nach einer neuen Anstellung.

All diese MUSS und SOLLs können aber das späteres ICH unserer Kinder beeinflussen. Sie beeinflussen ganz aktuell unsere Beziehung zu unseren Kindern und wie wir mit ihnen in Kontakt stehen. Wertschätzen wir sie, in dem wir ihnen die Zeit geben, die sie für ihre eigenen Schritte benötigen oder wollen wir sie zwingen? Wollen wir ihnen damit zu verstehen geben, dass sie nicht ok sind, so wie sie sind? Wollen wir ihnen mit unseren Wunschvorstellungen, ein perfektes Kind aufzeigen, welches sie niemals sein können? Was vermitteln wir unseren Kindern damit?

In 10 Jahren werden unsere Babys und Kleinkinder in der nächsten Umbruchphase ihres Lebens sein. Teenager! Da werden es wieder andere MUSS und SOLLs sein, die uns einzwängen wollen. Die die Beziehung und das Vertrauen zu unseren Kindern in Frage stellen wollen. 

Wir müssen uns zu jeder Zeit fragen, wie wollen wir mit unseren Kindern zusammen leben? MUSS und SOLLs werden vergehen! Sie werden sich verändern. Es werden immer neue MUSS und SOLLs kommen. Wir werden nicht glücklich damit werden, unsere Kinder in eine Schablone pressen zu wollen. Es wird nicht funktionieren und unsere Beziehung wird darunter leiden. Unsere Kinder werden darunter leiden. Sie werden vielleicht für immer Selbstzweifel dadurch erleben.

Ein wertschätzender, gleichwürdiger Umgang zu unserem Kindern ist wichtig. Wird sie tragen und Kraft geben, für all ihre Lebensabschnitte. 

"So wie du bist, so bist du richtig!"

Solch ein Satz ist wichtig für unser Leben! Solch ein Satz ist nicht egal! Diese Einstellung ist nicht egal! Nicht jetzt! Nicht in 5 Jahren! Nicht in 10 Jahren!  MUSS und SOLLS sind egal! Aber nicht die Beziehung zu unsere Kinder!


Kommentare:

  1. Sehr schön geschrieben ❤️ Kennst du das Buch "Ich bin ok, du bist ok" ? Liebe Grüße

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  2. Vielen lieben Dank für den schönen Text. Wir haben eine 2 1/2 jährige kleine Motte die sehr quirlig ist und eine Kletterwand in null Komma nichts bezwingt aber sprechen ja aber halt eher schlecht. Und immer wieder dürfen wir uns anhören aber die muss doch. Sie darf auch noch bei uns schlafen und das so lange sie es möchte. Ich habe dann als Antwort auf das aber die muss doch langsam in ihren Bett schlafen gesagt. Ganz ehrlich in 10 Jahren werdet ihr nicht mehr gesagt ob ihr eure Kinder in den schlaf kuscheln könnt oder eure Mäuse sich einfach nur umdrehen müssen wenn sie einen alptraum haben. Unsere Kinder gehören uns alleine nur eine sooooooo kurze Zeit bis die Wurzeln die wir Ihnen schenken wollen fest genug sind um die Flügel auszubreiten. Und deswegen genießen wir jede minute. Vielen Dank das die es so schön ausgedrückt hast und mich wieder daran erinnert hast wie schön es ist es nicht zu müssen

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