Dienstag, 27. Oktober 2015

Schwanger bin ich von Anfang an!

Susanne von Geborgen Wachsen ist mit ihrem dritten Kind schwanger und berichtete darüber, wie sie die ersten drei Monate empfand bzw. aktuell empfindet und fragt nach, wie es anderen Müttern dabei erging.

Ebenso wie Susanne empfinde ich es mittlerweile als sehr wichtig, die Schwangerschaft auch schon früh bekannt zu geben und wie sie selbst schreibt, die ersten drei Monate nicht zu tabuisieren. Wie ich leider selbst in meiner ersten Schwangerschaft und mit der damaligen Fehlgeburt in der 9.Schwangerschaftswoche feststellen musste, erleben dieses Schicksal viel mehr Frauen und Paare als man zunächst ahnt. Es wird darüber nicht gesprochen! Aber wenn man im Grunde nicht aus Stein gemeiselt ist, wird einem das Umfeld ansehen, das etwas nicht stimmt und einen darauf ansprechen. "Wieso warst du krank geschrieben?" - "Was war los?"  und "Du siehst nicht sehr gut aus."... können dann einige der Fragen von Kollegen oder der Familie sein. Spätestens dann wird man es ohnehin erzählen: Leben ist in einem herangewachsen. Man hat sich so unendlich darauf gefreut hat und nun ist es nicht mehr da...

Ja, so war es bei mir! Und ich erfuhr plötzlich von so vielen, dass es ihnen ähnlich erging. Es wurde Schweigen gebrochen und man fand Unterstützung darin, dass es nicht nur einem alleine so ergeht. Sondern vielen! Sehr vielen sogar! Eine Fehlgeburt ist schrecklich für die Paare und Frauen, die sie erleben müssen, aber sie ist auch absolut natürlich und der mögliche Teil bzw. das Ende einer Schwangerschaft. Warum wird nicht darüber gesprochen? Warum muss man sich zunächst so alleine fühlen?

Für weitere Schwangerschaften hatte ich mir daher folgendes geschworen! Ich werde erst zu meiner Frauenärztin gehen, wenn ein Herzschlag auch zu 100% sichtbar sein sollte. Vorher will ich mir keine falschen Hoffnungen machen bzw. ich werde mich solange auf mein Körpergefühl verlassen. Unser Körpergefühl vergessen wir mittlerweile viel zu oft, durch die vielen Ängste die uns durch Umfeld und Ärzte gemacht werden.
Ich fühlte in meiner ersten Schwangerschaft damals genau, dass etwas nicht stimmt, dass ich mich nicht mehr schwanger fühle und mein Kind gegangen ist. Ich wusste es! 

Folgendes habe ich damals nach der Fehlgeburt in einem Forum geschrieben und mir Trost von Gleichgesinnten geholt, die ähnliches erlebt haben:

Alles Gute im neuen Jahr....


Dieser Satz schallt mir seit einigen Tagen aus vielen Mündern entgegen. Ich schüttle Hände und grüße zurück. Ein schaler Geschmack bleibt auf meiner Zunge kleben. Mein Jahr 2012 war anders geplant. Ich hatte genaue Pläne, wie es laufen sollte, Träume und Wünsche. Nur das Leben (oder ist es das Schicksal?), hat einen anderen Faden gespannt, andere Pläne....

Meine Pläne platzen am 27.12.2011! Wie die vielen tausend Seifenblasen, die uns im Sommer 2011 an unserer Hochzeit entgegen gepustet wurden. Ich teile etwas mit vielen Frauen, nichts ungewöhnliches, aber doch lebensverändernd! Ich hatte eine missed abortion, eine verhaltene Fehlgeburt.... das Herz meines Kindes wird nie schlagen..... der Traum meines Sommerbabys geplatzt.... wie eine Seifenblase!

Der Traum meines Mannes platzte, sein Sommerbaby... Er selbst ein Januarkind, hatte sich dies so sehr gewünscht. Ein Kind, dass seinen Geburtstag draußen feiern kann, im Sommer, in der Sonne! Der Traum wurde uns genommen, am 27.12.2011. Am Tag der zweiten Kontrolluntersuchung, als der Ultraschallkopf nichts fand, kein Flimmern auf schwarzem Hintergrund und wenn er sich noch so oft drehte und suchte, geführt von der Hand meiner lieben Frauenärztin. Sie versuchte uns noch zu beruhigen, wir sollen in das Krankenhaus fahren, die haben bessere Geräte, die sehen bestimmt etwas. Aber es sollte so nicht kommen! Dort angekommen suchten die Assistenz- und die Oberärztin nach dem Flimmern, dem Anzeichen das doch alles gut wird.... doch es blieb still und ruhig und schwarz.... meine Augen füllten sich mit Tränen, auch die Augen meines Mannes. Aus der Traum!

Ich sollte direkt am nächsten Tag wieder kommen, eine Ausschabung! Keine Zeit sich der neuen Situation wirklich bewusst zu werden. Man verliert nicht nur sein Kind, nein, man muss auch noch eine Vollnarkose über sich ergehen lassen, eine Operation! Den nächsten Tag verbrachte ich wohl eher in einem dauerhaften Dämmerzustand, ich ließ dies alles über mich ergehen und im Nachhinein, als ich endlich Zeit hatte darüber nachzudenken, was nun passiert ist, war es für mich die richtige Entscheidung. Ich hätte nicht noch Wochen lang warten wollen, bis mein Kind von alleine entscheidet oder mein Körper, dass es nun Zeit wird loszulassen...

Die neue Situation wirkt noch sehr falsch auf mich, meine Pläne sahen anders aus.... an Silvester hätte ich nicht getrunken, für Fasching hätte ich ein kugeliges Kostüm benötigt, im Sommer hätte ich mein Baby in den Armen gehalten.... *puff* Aus der Traum! Dies wird nie passieren und dies ist das Einzige, dass ich nicht ganz begreifen kann, nicht begreifen will! Es fühlt sich falsch an....

Doch ich stehe schon wieder, ich laufe, ich atme, ich arbeite und ich blicke auch schon nach vorne.... ich habe einen Mann und eine Familie, die hinter mir stehen und mich aufgefangen haben und es noch tun. Mein Mann und ich sind fast 11 Jahre zusammen, wir kennen uns sehr gut und haben schon viel erlebt, Gutes und Schlechtes. Man meint, eine Beziehung kann dann nicht noch tiefer werden.... aber es passiert! Ich bin meinem Mann so unendlich dankbar, er war die ganze Zeit an meiner Seite, auch wenn es ihm sehr schwer viel mich so zu sehen und er konnte nicht helfen und musste doch auch selbst diesen Schmerz ertragen! Ich liebe ihn!

Alles Gute im neuen Jahr....nein, es wird kein Sommerbaby geben, meine Pläne müssen andere sein.... aber ich hoffe, darin wird ein anderes Baby auftauchen. Ich glaube und hoffe ganz fest daran!

Mein Sommerbaby... ewig in meinem Herzen!
Und das Gute im neuen Jahr kam auch! Genau 1 Jahr nach dem Verlust meines Sommerbabys hielt ich mein Winterbaby in Händen. Mein Herzkind, mein kleiner Zwerg! Und nun bin ich mit der Bauchmaus schwanger, ein wundervolles Gefühl.
Das Sommerbaby bleibt ewig in Erinnerung und wird immer die erste Schwangerschaft sein. Denn schwanger bin ich von Anfang an! Nicht erst, wenn ich einen Herzschlag im Ultraschall sehe oder wenn die kritischen 12.Wochen vorbei sind oder wenn ich das erste zarte Kribbeln in meinem Bauch spüre und die festen Tritte später. Schwanger bin ich von Anfang an. Und auch wenn die Schwangerschaft vielleicht nicht mit einem lebenden Baby in meinem Arm enden wird, sondern früher... diese Schwangerschaft wird immer Teil meines Lebens sein und hat mich um Erfahrungen reicher gemacht!
Diese Erfahrungen sollten wir teilen und niemals verheimlichen! Es ist nichts worüber ich mich schämen müsste, ich habe nicht versagt und meine Trauer dafür darf sein! Es ist ein natürlicher Vorgang und ich bin meinem Körper dafür dankbar. Er hat eine Anomalie festgestellt und hat gehandelt. Auch wenn es unendlich traurig ist, müssen wir diesen möglichen Schwangerschaftsverlauf akzeptieren können. Je mehr, wir das zulassen und benennen umso weniger wird es ein Tabu bleiben, über das man nicht spricht...


Montag, 26. Oktober 2015

Visualisieren und Verstehen: Wie ich mich auf die Geburt vorbereite!

In der Schwangerschaft mit dem Herzkind wurde ich mir darüber klar, was ich für eine Art von Geburt haben möchte. Sie sollte selbstbestimmt sein, in vertrauensvoller Umgebung, natürlich und spontan und damit ohne unnötige Eingriffe in das Geburtserlebnis. Ohne fremde Menschen, denen ich nicht vertrauen kann, ohne unbekannte Umgebung, in welcher ich mich weder wohlfühlen noch entspannen könnte.
Ich suchte viel im weiten Internet und wurde früh fündig. Es gibt nicht nur die Möglichkeit im Krankenhaus entbunden zu werden. Ich war ganz erstaunt und vibrierte. Man kann sein Kind auch in einem Geburtshaus zur Welt bringen, alleine von Hebammen betreut oder noch besser, man bleibt gleich ganz Zuhause und die Hebamme kommt zur Geburt zu mir gefahren. Genau das, was ich für mich wollte. Meine Haus, meine Umgebung, meine Gewohnheiten, mein vertrautes Leben. Mit Sicherheit konnte ich hier entspannen und loslassen. Und ohne Eingriffe, die ich nicht will, mein Kind ins Leben willkommen heißen.

Natürlich habe ich im nächsten Schritt Informationen zur wirklichen Sicherheit einer Hausgeburt gesucht. Wieso gehen alle ins Krankenhaus? Ist dieses wirklich sicherer, wie immer behauptet wird? Statistisch gesehen muss man eigentlich sagen: Nein, das Krankenhaus ist nicht sicherer! Es gibt viele Punkte, bei denen man sich sicher sein kann, dass diese gehäuft in einem Krankenhaus vorkommen, aber nicht oder nur im geringen Prozentsatz bei einer Hausgeburt. Ich muss mir nicht prophylaktisch eine Kanüle in die Hand stecken lassen, die Wahrscheinlichkeit einen Dammschnitt zu bekommen oder zu reißen sind bei einer Hausgeburt um ein Vielfaches geringer. Das Kind wird in die hauseigene Keimwelt geboren und nicht die oft sehr resistente Keimwelt eines Krankenhauses. Meine Wehen dürfen sich normal entwickeln und werden nicht künstlich weiter angeregt, wenn mein Körper von sich aus eine Pause möchte und die Wehen einfach auch mal wieder weniger werden. Weitere daraus erfolgende Interventionen und die ganze Interventionspiralen die ich von Freunden und Bekannten kenne, kann ich so bei einer Hausgeburt vermeiden. Wer sich weiter über die Statistik informieren möchte, dem empfehle ich die Homepage von Quag - Gesellschaft für Qualität in der außerklinischen Geburtshilfe e.V. Hier werden jährlich die statistischen Zahlen veröffentlicht, die genau aufzeigen: Eigentlich ist eine außerklinische Geburt für Mutter und Kind sicherer als eine Klinikgeburt bei einer normal verlaufenden Schwangerschaft.

Nachdem ich meinen Geburtsweg für mich entschieden hatte und auch mein Mann schnell davon überzeugt war, galt es sich nun auf die Geburt vorzubereiten bzw. es auch jetzt wieder zu tun.
Ich las mich sehr viel ein! Für mich ist Wissen Sicherheit. Wenn ich weiß, was mit mir unter der Geburt geschieht, kann ich abschalten und vertrauen. Ich werde nicht überrascht. Ich wollte genau wissen, wie läuft eine Geburt normalerweise ab, wieso wird in der heutigen Zeit soviel interveniert und ist das wirklich notwendig? Ich stellte fest, wenn wir nicht in den Geburtsverlauf eingreifen und voller Vertrauen in die Natur sind und keine Angst verspüren, dann kann eine Geburt wunderbar ohne alle technischen Dinge verlaufen. Angst bedeutet Verspannung und verspannte Schließmuskeln, bedeuten einen Stillstand. Eine Geburt kann mit Verspannung nicht funktionieren. Auch darum hören bei vielen Frauen die Wehen auf, wenn sie ins Krankenhaus kommen oder unter der Geburt nicht vertrauensvoll behandelt werden. Die ungewohnte Umgebung, die nicht vertrauten Personen... Angst, Verspannung.. ein natürlicher Reflex die Geburt zu unterbrechen.

Ich visualisierte meinen möglichen Geburtsverlauf immer wieder. Ich stellte mir vor, wie die Geburt meines Kindes verlaufen könnte. Komplikationslos, schnell und ohne Schmerzen. Ich nahm mir die schnellen Geburten meiner Mutter zum Vorbild! Ja, natürlich visualisierte ich nur die absolute Traumgeburt und wusste, es könnte auch anders kommen. Aber diese Gedanken ließ ich nicht an mich heran. Ich war so optimistisch und voll im Vertrauen auf die Natur, dass ich selbst Nachts von dieser Traumgeburt immer wieder träumte. Komplikationslos, schnell und ohne Schmerzen.

Ich ging auch in den Geburtsvorbereitungskurs meiner Hebammen. Und darin blieb mir ein Punkt wirklich in Erinnerung: Loslassen!
Sich treiben lassen von den Wehen, nicht daran denken, wie man dabei aussehen könnte, nicht daran denken, ob durch den Druck nach unten auch irgendwelche anderen Schließmuskeln sich öffnen könnten. Eine Hebamme hat das alles schon gesehen! Wer sich verkrampft, weil er denken könnte, nicht das Kind kommt, sondern eine andere Ausscheidung, der verspannt. Der lässt nicht los. Also loslassen und einfach dem eigenen Körper vertrauen!

Ich lernte also eine Geburt zu verstehen, den Ablauf dahinter, wie gut die Natur unseren Körper dafür gemacht hat und das er perfekt dafür ist! Ich visualisierte, ich vertraute. Ich vertraute auf mich, meinen Körper, auf mein Kind, auf die Erfahrung meiner Hebammen und das ich mich richtig entschieden habe.

Und ja, ich hatte die Geburt die ich mir gewünscht hatte, die ich visualisiert hatte. Sie war komplikationslos, sie war schnell und zwar nicht schmerzfrei, aber den Schmerz konnte ich annehmen, denn ich wusste er gehört dazu, er ist nicht falsch, er hilft, dass ich mein Kind zur Welt bringen kann und das der Schmerz danach vorbei sein wird.

Und mit dieser wundervollen Erfahrung aus meiner ersten Geburt, bereite ich mich nun auf die kommende Geburt der Bauchmaus vor. Auch jetzt lese ich die Bücher von damals wieder, viele wundervolle Geburtsberichte und Fachbücher und ich visualisiere und träume oft von meiner kommenden Geburt: Komplikationslos, schnell und ohne Schmerzen.

Anmerkung: Ich möchte nicht hören, dass auch alles anders kommen könnte. Natürlich kann es das! Ich weiß es! Ich lebe ja nicht in einer rosaroten Schaumkuss-Welt, aber was bringt es sich darüber vorher Gedanken zu machen und diesen negativen Gedanken Raum zu geben? Sie würden mich nur blockieren! Sollte es nicht komplikationslos verlaufen, habe ich zwei erfahrene Hebammen an meiner Seite, die schnell reagieren können. Daher umgebe ich mich mit positiven Gedanken.

Meine Bücherliste*:

- Die selbstbestimmte Geburt von Ina May Gaskin
- Birth Matters - Die Kraft der Geburt von Ina May Gaskin
- Luxus Privatgeburt von Martina Eirich und Caroline Oblasser
- HypnoBirthing von Marie F. Mongan
- Hausgeburt und Gebären im Geburtshaus von Christine Trompka
- Meine Wunschgeburt von Ute Taschner und Kathrin Scheck
- Lass es raus! Die freie Geburt von Caroline Oblasser
- Gebären ohne Aberglauben von Alfred Rockenschaub

Dies sind all die Bücher (außer das Erstgenannte), die ich während der Schwangerschaft mit dem Herzkind gelesen habe. Sie haben mich aufgeklärt und Kraft gegeben für den Weg zu meiner selbstbestimmten Geburt. Ich weiß, dass nicht jeder solch eine Leseratte ist wie ich und auch gerade in weiteren Schwangerschaften, wenn also schon Kinder da sind, fällt es schwer sich die Zeit zum Lesen zu nehmen bzw. sie überhaupt zu finden. Daher möchte ich als Kurzfassung vor allem die Bücher von Ina May Gaskin hervorheben. Wirklich jede Schwangere sollte sie gelesen haben, um zu erkennen, was die Technologie mit uns und unseren Geburten macht und wie natürliche Geburten wirklich ablaufen können. Auch das Hyphnobirthing-Buch kann sehr bei der Visualisierung der Geburt und natürlich auch während der Geburt helfen. Wehen nicht als Schmerzen sehen, die einen quälen, sondern als Hilfsmittel, die uns unserem Kind näher bringen.

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Sonntag, 18. Oktober 2015

Wohin mit deinen Gefühlen?

Unser Herzkind wächst. Er wächst nicht nur körperlich, er wächst an sich selbst und an den vielen Veränderungen, die im Moment alle gemeinsam auf ihn zu kommen.
Er ist nun ein Kindergartenkind, er lernt dort täglich sehr viel. Nicht nur neue Lieder oder neue Basteleien. Es sind hauptsächlich die sozialen Aspekte, die so neu für ihn sind und auch verdammt anstrengend. Nicht mehr zu 100% im Mittelpunkt zu stehen, warten zu müssen, sich anderen Menschen anzuvertrauen, nicht jede Reaktion der anderen Kinder verstehen zu können. Es ist anstrengend für ihn, sich in diesem neuen Alltag zu finden, seinen Platz darin und alles zu verstehen.
Der Kindergarten-Tag scheint gut zu funktionieren. Er verabschiedet sich mit Küsschen und Umarmung von uns und geht dann zurück in seine Gruppe. Er frühstückt dort, er isst dort zu Mittag, er spielt, er hat Freunde, wie er sagt. Die ganze letzte Woche, habe ich nicht einmal eine Tüte mit Wechselkleidung nach Hause nehmen müssen. Er läuft also rechtzeitig zu seinen Erzieherinnen und geht mit ihnen zur Toilette. Etwas das Zuhause, vertieft im Spiel, oft noch nicht 100% funktioniert, da er den Drang, bis es garnicht mehr geht, beiseite schiebt.

Ich freue mich sehr, wie gut es im Kindergarten klappt, was er mir täglich darüber erzählt, wenn er darüber sprechen möchte und wie er die neuen Lieder vor sich hinsummt und singt. Es wärmt mein Herz, wie groß er geworden ist, wie er innerlich gewachsen ist und wie selbstständig er schon ist. Was dort gut funktioniert, spiegelt sich oft auch Zuhause wieder. "Mama, ich gehe ganz alleine auf die Toilette!" rief er vorgestern aus und tat es dann auch. Einfach so!

Und dann ist da noch das andere Kind in ihm. Nicht das funktionierende Kindergarten-Kind. Sondern das Gefühlskind, dass alle neuen Erfahrungen verarbeiten muss. Der baldige große Bruder, der sieht wie Mamas Bauch wächst und das dieser Bauch, die Mama auch einschränkt. Der Bauch, der Mama daran hindert, ihn hochzunehmen, weil sie abends so müde ist und der Rücken weh tut.

Das Gefühlskind klammert, es ist wütend, es ist traurig, es ist sauer, es weiß in so manchen Momenten garnicht mehr wohin mit diesen ganzen Gefühlen, die da über ihn hereinbrechen und ihn so verzweifeln lassen.

Und da stehen wir als Eltern, die es so garnicht gewohnt sind, ein solches Gefühlskind. Ein Kind das doch immer so logisch dachte und mit dem man immer reden und Lösungen finden konnte. Ja, wir waren gesegnet mit diesem Kind und das wusste ich auch. Ich wusste, irgendwann wird dieses Gefühlskind auch zu uns kommen und uns vollkommend aus der Bahn werfen und das wir uns dann neu ordnen müssen. Mit Argumenten kommt man bei Vulkanausbrüchen nicht weit. Den Vulkan interessiert es nicht, er wütet einfach weiter, unaufhaltsam. Argumente sind nichtig, einzig die komplette Zuwendung kann helfen. Alles stehen und liegen lassen und das Gefühlskind wahrnehmen und ihm immer wieder zeigen, wie wichtig er ist, wie richtig seine Gefühle und das wir ihn immer lieb haben und immer für ihn da sind und er ok ist, so wie er ist.
Es bedeutet derzeit viel Durchatmen, viel innerliches Aufstöhnen, viel Runterschlucken von eigenen Gefühlen. Das Verinnerlichen, dass dieses Gefühlskind soviele Veränderungen mitmacht und dabei doch eigentlich soviel kooperiert. Den ganzen Tag über! Es geht ihm nicht darum, das alles nur nach seinem Willen läuft (gerade der Papa hegt diese Gedanken und ist auch so wütend).

Nein, es geht ihm nicht um seinen Willen. Er ist überwältigt von Eindrücken, von Umdenken, von Anpassen, von Neuerungen.... seine Gefühle überwältigen ihn und müssen raus! Und wo kann ein Kind seine Gefühle am besten rauslassen, wenn nicht bei Menschen, denen er vertraut, von denen er weiß, dass sie immer für ihn da sind.

Ja, es sind derzeit anstrengende Tage. Sehr anstrengend! Es erfordert ein Umdenken, ein Zurücknehmen von uns Erwachsenen, Halt geben, stark sein. Unsere Kinder wollen uns damit nicht ärgern, sondern brauchen uns. In schwierigen Zeiten, in Zeiten des Umbruches, mehr als sie es sonst tun würden.

Mir fällt es sehr schwer! Ich bin normalerweise kein Mensche der sich gut zurücknehmen kann, ich bin jemand der mit seiner Meinung nach vorne brecht, sie zum Ausdruck bringt und klare Stellung bezieht. Aber all das sind Dinge, die nun falsch wären, die in diesen Tagen mit dem Herzkind nichts bringen, weil Gefühle eben nicht immer logisch sind. Die Logik muss ich derzeit oft herunterschlucken. Ich muss den Sturm einfach aushalten und immer wieder herausfinden, was genau ist nun mit dem Herzkind los. Hat er zu manchen Dingen mittlerweile eine andere Meinung entwickelt, wie kommen wir hier zusammen? Oder ist es einfach der Ruf nach ganz viel Zuneigung, weil ihn seine Gefühle überrennen und verarbeitet werden müssen?

Wohin also mit deinen Gefühlen? 
Du hast recht, wir sind dein Puffer! Bei uns sind deine Gefühlsausbrüche richtig, wir müssen dir helfen, mit ihnen klar zukommen. Wir sind deine Eltern und wachsen mit dir!


Donnerstag, 8. Oktober 2015

Mein kleines Kindergartenkind

Die Eingewöhnung begann am 02.09.2015. Mit ordentlichem Bauchgrummeln meinerseits starteten wir in einen neuen Lebensabschnitt. Hier habe ich über die ersten Tage berichtet und wie die bisherige Fremdbetreuung überhaupt bei uns funktionierte. Auch berichtete ich darüber, wie wir Zuhause die Kindergartentage gemeinsam reflektierten und besprachen und wie wichtig in dieser neuen Zeit und in den Tagen der Umstellung das genaue Zuhören für unsere Kinder ist.

Die ersten drei Wochen waren schwer, es waren große Veränderungen für das Herzkind und der Abschiedsschmerz jeden morgen war immens. Susanne von Geborgen Wachsen ist mit ihrem kleinen Sohn ebenfalls gerade in der Eingewöhnungsphase und schrieb zu diesem Zeitpunkt einen wunderbaren Artikel über den Abschiedsschmerz:

"Andere Menschen kümmern sich um ihn. Und auch wenn sie lieb und nett und zugewandt sind, auch wenn er dort Spaß hat und Freunde: Es ist nicht zu Hause. Und er darf deswegen auch traurig sein und er darf es sich auch anders wünschen. Er darf beim Abschied erklären, dass es ihm anders besser gefällt – weil er es ja bisher gar nicht anders kennt. Er braucht Zeit, um sich an das Neue zu gewöhnen. Um es so lieb zu gewinnen wie das, was er bisher sein ganzes Leben lang kennt. Sein ganzes Leben lang!"

Diese Worte von Susanne haben mir eine tiefe Erleichterung gebracht. Ja, genau so ist es bei uns auch. Als hätte sie unsere Eingewöhnung exakt mit ihren Worten wieder gegeben. Ich sehe wieviel Spaß er im Kindergarten hat, wenn ich ihn Mittags abhole, wie vertieft er in seinem Spiel ist und was mir seine Bezugserzieherinnen berichtet. Doch trotzdem mach man sich seine Gedanken, weil man seine Kinder niemals unglücklich sehen möchte, weil man doch nur das Beste will. Aber die Sätze von Susanne haben mir Reflektion ermöglicht. Ja, eine Umstellung braucht Zeit, die täglichen Gespräche mit dem Herzkind waren gut und wichtig und ich fühlte mit ihm und seinem Abschiedsschmerz und redete ihn nicht klein!

Dann kam der Durchbruch: Jedenfalls war der Abschied am Freitag der 3 Woche noch groß und am folgenden Montag... die  große Überraschung. Mein Mann rief mich danach unmittelbar bei der Arbeit an und berichtete was geschehen ist. Das Herzkind begleitete den Papa bis zur Tür, wirkte zwar etwas traurig, aber gefasst, küsste den Papa, winkte ihm zu und lief zurück in die Gruppe. Und das wiederholt sich nun. Tag für Tag. Jeden Tag etwas beschwingter und gefestigter, jeden Tag etwas selbstsicherer. Selbst die Erzieherinnen waren zunächst perplex, wollten sie doch schon wie die Male zuvor auch mit an die Tür gehen, um das Herzkind nach dem Abschied direkt trösten und auffangen zu können. Nein, das braucht das Herzkind nun nicht mehr.
Wir denken, es liegt an der Uhrzeit. Der Papa hat beschlossen nun etwas früher mit dem Herzkind in den Kindergarten zu gehen, damit er zukünftig auch wieder früher am Arbeitsplatz ankommt. Um diese Uhrzeit sind noch deutlich weniger Kinder im Kindergarten. Es ist ruhiger, die einzelnen Räume nur von wenigen Kindern bevölkert. Das Herzkind schafft es so einfach besser anzukommen, es wird nicht sofort von viel Lärm und vielen Eindrücken überfrachtet. Gerade weil er wie ich ein kleiner Morgenmuffel ist und seine Zeit benötigt um wach zu werden und anzukommen. Ja, wir denken, diese kleine minimale Veränderung hat ihm geholfen, besser im Kindergarten anzukommen und sich so leichter auf den Tag einlassen zu können.

Das Herzkind hat seine zwei Bezugserzieherinnen fest akzeptiert und sie sind auch sehr wichtig für ihn. Von ihnen lässt er sich auf die Toilette begleiten und auch nur von ihnen. Bedeutet, wenn diese gerade nicht greifbar sind, traut er sich noch nicht die anderen Erzieherinnen zu fragen. Auch beim Mittagessen muss eine seiner Bezugserzieherinnen dabei sein, damit er sich wohl fühlt. Als eine der Beiden krank wurde, hat er fleissig Bilder für sie gemalt, damit es ihr bald wieder besser geht. Bezugspersonen sind für ihn enorm wichtig, daraus schöpft er Kraft um weitere Erkundungen und Entdeckungen zu erleben. Und ich freue mich so sehr, dass seine Erzieherinnen das auch so sehen und auch schon ihre Mittagspause verlegt haben, als der Zwerg ohne eine von diesen eben nicht zu Mittagessen wollte, sich von den anderen Erzieherinnen noch nicht beruhigen ließ und weinte. Ich sehe, dass er und seine Bedürfnisse wahrgenommen werden. Ich freue mich, wenn ich ihn abhole und er freudestrahlend auf mich zugelaufen kommt.

Ich habe nun wirklich ein kleines Kindergartenkind, dass nun auch beginnt im Kindergarten anzukommen und seinen Platz dort finden wird. Er wird Freunde finden, Entdeckungen ohne seine Eltern machen, Neues erleben.... viel Spaß und viel Freude, mein kleiner Schatz!


Sonntag, 4. Oktober 2015

Schwangerschaft mit Hashimoto Thyreoiditis - Teil 2

Am Dienstag war es dann soweit. Ich hatte einen Termin in der Uniklinik Heidelberg, um zum einen die Schilddrüse weiter zu kontrollieren und auch zu prüfen, ob es dem Wunschkind 2.0 mit diesen katastrophalen Schilddrüsenwerten auch wirklich gut geht. Den Vorbericht dazu könnt ihr hier nochlesen: *klick*

Grundsätzlich hatte ich daran keinen Zweifel. Mein Körpergefühl sagte mir einfach, alles ist gut. Wunschkind 2.0 ist so ein aktives kleines Menschlein, dass mich zigmal am Tag wissen lässt: "Ich bin hier! Mir geht es gut!" und außerdem war ich schließlich schon bei einem Organscreening, also einer Feindiagnsotik gewesen. Natürlich war dies zu dem Zeitpunkt schon 4 Wochen her und in 4 Wochen kann viel passieren, aber wieso verrückt machen und nicht einfach positiv denken?

Ich war also am Dienstagmorgen pünktlich um 9 Uhr in der Klinik und wartete auf meinen Ultraschall-Termin. Knapp 45 Mintuten später war es dann endlich soweit.... für was werden eigentlich Termine ausgemacht... aber es kommt noch dicker... wartet mal ab... Jedenfalls war alles in Ordnung. Wunschkind 2.0 ist absolut zeitgerecht entwickelt und wog laut Ultraschall um die 930 Gramm... gefühlt würde ich sagen schon deutlich mehr... die kleine Maus tritt wie ein Pferd und ich werde wohl noch einige Stöße einstecken müssen, bis sie endlich in meinen Armen liegen wird.

Nach dem Ultraschall-Termin sollte ich direkt runter in die Schwangerschafts-Ambulanz, so wurde es mir am Donnerstag mitgeteilt. Dort fand man mich nicht in der Terminliste... bzw. der ursprünglich gemachte Termin von 13.30 Uhr stand noch darin. Es war zu diesem Zeitpunkt 10.15 Uhr. Mit Wartezeit sollte ich rechnen. Ich ahnte schon fürchterliches, denn auch andere wartende Schwangere schienen schon einige Zeit zu sitzen und wirkten ungeduldig bis genervt.

Ich saß also auf diesen wunderbar bequemen Stühlen (sie waren am Anfang wirklich noch bequem...) und hatte mir zum Glück etwas zu Lesen eingepackt, ebenso mehrere Bananen und Müsliriegel, ich wäre wohl sonst verhungert. Zur Kantine wollte ich nach einer gewissen Zeit auch nicht mehr los, wer weiß wann ich aufgerufen worden wäre. Es war ein Krampf! Irgendwann hab ich mir dann noch einen Kinderstuhl besorgt und darauf meine Füße gelegt, um diese zu entlasten. Mit den nun beginnenden Wassereinlagerungen macht das wirklich keinen Spaß stundenlang zu sitzen. Hochschwanger konnte ich mir das noch weniger vorstellen! Aber viele die hier waren, waren es! Sie kamen zu Routineuntersuchungen bzw. zum Check ab Entbindungstermin. Ich konnte mir nicht vorstellen hochschwanger stundenlang warten zu müssen... das zeigt doch den eindeutigen Personalmangel in den Kliniken und ich bin froh, dass ich diesen Weg nicht gewählt habe. Ich bleib lieber Zuhause!

Nach 3 Stunden (!!!) kam ich endlich dran. Als die junge Ärztin dann sagt: "Och, wenn wir schon Blut abgenommen hätten, dann hätten wir ja jetzt schon Ergebnisse!", musste ich kurz durchschnaufen um der armen Frau nichts falsches zu antworten. Schließlich kann sie für diesen Personalmangel auch nichts! Sie nahm mir Blut ab und dann konnte ich endlich nach Hause gehen. 3 Stunden später sollte ich mich Zwecks der Ergebnisse telefonisch melden.

Ich saß also 3 Stunden nur wegen einer Blutentnahme rum und war nach diesen insgesamt 5 Stunden Klinikaufenthalt fix und fertig! Nun noch 45 Minuten wieder heimfahren und dort legte ich mich erst einmal hin!

Später rief ich dann in der Klinik an und erfuhr, dass mein TSH-Wert schon um die Hälfte in den 4 Tagen mit der höheren Tablette gesunken ist. Heureka! Es scheint endlich mal etwas zu geschehen! Mit den weiteren Werten sollte ich mich wieder bei meinem Arzt melden und das weitere Vorgehen besprechen. Dies tat ich dann auch am nächsten Tag und er freute sich ebenfalls sehr, dass mit dem Baby alles in Ordnung ist und veranlasste die nächste Blutentnahme in 10 Tagen, so dass wir eine zeitnahe Überprüfung der Schilddrüse haben und sehen können ob sich die Werte nun wirklich normalisieren.

Ich bin wirklich sehr froh, diesen Arzt gefunden zu haben, der sich wirklich mit der Thematik auskennt und auch direkt reagiert hat. Ich bin froh, dass mein Baby von der bisherigen unausreichenden Behandlung keinen Schaden genommen hat und ich bin sehr froh, dass ich nicht in der Klinik bleiben musste.

Schwanger sein mit Hashimoto bedeutet aber nicht unbedingt soviel Aufregung und Extratermine wie ich sie nun hatte. Die Schwangerschaftshormone können dazu führen, dass auch die Schilddrüse mehr Unterstützung durch höhere Tablettendosen benötigt. Das die Schilddrüse aber komplett durcheinander gerät so wie sie es bei mir nun tut, muss nicht sein. Wichtig ist trotzdem die zeitnahe und kontinuirliche Überprüfung der Werte. Bedeutet ab Beginn der Schwangerschaft sollten die Werte zusammen mit einem Facharzt spätestens alle 4 Wochen überprüft und bewertet werden. So entwickelt sich das Kind gut und auch die Schwangere wird sich wohler und weniger müde, schlapp und abgeschlagen fühlen. 



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