Mittwoch, 16. September 2015

Die Eingewöhnung: Gefühle besprechen, nicht kleinreden!

Wie ihr sicherlich gelesen habt, befinden wir uns mitten in der Kindergarten-Eingewöhnung. Mittlerweile in der 3.Woche und wie ich schon in einem vorherigen Post ankündigte, geht das bei unserem Herzkind nur in einem sehr langsamen Tempo voran. Dieses Hauruck-Verfahren, welches ich bei manchen Eltern schon beobachten konnte oder von welchem mir auch erzählt wurde: "Was für eine Eingewöhnung? Mein Kind blieb ab dem ersten Tag schon alleine da und das gerne!" - wäre beim Herzkind undenkbar! Ein massiver Vertrauensbruch wäre dies für ihn und würde nur dazu führen, dass ich die "Eingewöhnung" gleich hätte abbrechen können.

Einen Durchbruch haben wir seit Ende letzter Woche: Der Zwerg bleibt für wenige Stunden alleine im Kindergarten und es klappt gut! Also wenn wir weg sind... wollen wir aber gehen, ist der Trennungsschmerz enorm und er möchte uns nicht gehen lassen. Nur viel Trösten und Betüddeln durch seine Bezugserzieherinnen hilft ihm darüber hinweg. Zum Glück dauert dies wohl nur wenige Minuten, danach arrangiert sich der Zwerg mit der Situation und nutzt die vielen Möglichkeiten, die ihm der Kindergarten bietet. Jeden Tag ein Stück mehr, wie mir immer in vielen Einzelheiten von den Erzieherinnen berichtet wird. Und das ohne, dass ich wirklich nachfragen muss, denn obwohl es mich natürlich brennend interessiert, will ich die Erzieherinnen auch nicht aufhalten und muss mich auch selbst davon verabschieden im Leben meines Kindes noch über jede einzelne Kleinigkeit Bescheid zu wissen. Hier fängt es nun eben an, die Selbstständigkeit ohne Eltern - in kleinen Raten... auch für mich als Mutter hat somit eine Art Eingewöhnung begonnen und das ist auch nicht einfach!

Ich fühle mich wie der schlechteste Mensch auf Erden, wenn ich mein weinendes Kind in den Armen der Erzieherin zurücklasse. Mein Herz zieht sich schmerzend zusammen und am ersten Tag, saß ich zunächst weinend im Auto und mir war schlecht bis ich mein Kind wieder abholen konnte, das zu diesem Zeitpunkt ganz vertieft im Spiel war und mir damit zeigte, so schlecht erging es ihm garnicht und er musste wohl nicht ständig an die Trennung denken und konnte sich ablenken.

Ja, man darf nicht vergessen, dass es zunächst nichts anderes als Ablenkung und Arrangieren sein wird. Nur weil ich ein im Spiel vertieftes Kind vorfinde, das vermeindlich auch Spaß hat, heisst es nicht, dass es für das Kind eine wirklich entspannte und angenehme Situation ist. Wer seinem Kind nun aufmerksam zuhört, wird dies auch mitbekommen! Hier ist es nun wichtig, die Gefühle wahrzunehmen, miteinander darüber zu sprechen und sie auch nicht klein zureden! Denn das tun wir gerne als Erwachsene, kleinreden... weil es vielleicht dann auch einfacher für uns ist, weil wir uns dann nicht schlecht fühlen, wenn wir unsere Kinder in für sie zunächst fremde Hände und Situationen zurücklassen.

Wenn ich das Herzkind vom Kindergarten abhole und sehe wie er so vertieft spielt, fröhlich mit der Erzieherin interagiert und auch schon Kontakt zu anderen Kindern aufnimmt, dann könnte ich denken, er hatte einen wunderschönen Vormittag. Wenn ich ihn dann frage, wie sein Tag war, höre ich derzeit noch die Antwort "Nicht gut!" - Jetzt könnte ich das einfach wegwischen und sagen: "Wieso denn das, du hast doch Spaß gehabt, ich hab es gesehen!" oder ich kann ihn fragen: "Was war nicht gut?"
Ich erhalte als Antwort: "Ich hab geweint, du warst nicht da. Es war nicht schön im Kindergarten!" - Wieder ein Stich ins Mamaherz und auch hier könnte man nun wieder leicht das Gespräch beenden und behaupten, dass das nicht stimmen kann. Es muss schön im Kindergarten gewesen sein, sonst hätte das Kind doch nicht gespielt und sich beschäftigt. Dann hätte es doch in der Ecke gehockt und nunstop weinen müssen. Oder etwa nicht?

So einfach ist das aber nicht! Sich wirklich wohlfühlen und sich mit einer Situation arrangieren, sind zwei ganz unterschiedliche Gefühlswelten. Und hier den Unterschied als Außenstehender zu erkennen, ist nicht immer einfach. Wir müssen genau hinhören und unsere Kinder ausreden lassen. Wir müssen ihren Gefühlen Raum geben. Wir müssen unseren Kindern diese Gefühle zugestehen! Wir müssen ihnen erklären, dass diese Gefühle alle ihre Berechtigung haben und das wir sie verstehen.
Eingewöhnung braucht Zeit. Das finden von neuen Bezugspersonen ebenso. Nur so kann es für unsere kleinen Zwerge funktionieren, nur so können sie sich im neuen ungewohntem Umfeld wirklich wohlfühlen und sich auch entspannen. Und sie müssen darüber reden können, wenn ihnen danach ist.
Wir reden derzeit jeden Tag über die Kindergarten-Zeit. Was der Zwerg dort macht, was ihm gefällt und warum er dennoch traurig ist. Wir besprechen schon am Tag vorher neue Tagesabläufe. Also z.B. das ihn der Papa diese Woche nun immer schon morgens hinbringt. Das er vor dem Morgenkreis gehen wird. Wer ihn abholen wird und wann ungefähr, damit er sich darauf einstellen kann. Diese Vorab-Informationen sind für ihn enorm wichtig, gerade als extremes Routine-Kind, das sehr auf seine konstanten Tagesabläufe besteht. 

Wichtig ist genau zu schauen, wie verhält sich mein Kind nun auch außerhalb des Kindergartens. Was muss er Zuhause verarbeiten, kann er seine vielleicht aufgestauten Gefühle Zuhause ausleben oder will ich es unterbinden, weil es mir zu anstregend ist? Ist mein Kind in einigen Situationen plötzlich aufbrausender als sonst? Stören ihn Dinge, die ihn sonst nie gestört haben? Bleibt sein Schlafverhalten gleich oder wird es unruhiger? Überall hier kann ich auch sehen, ob die Eingewöhnung für mein Kind gut läuft oder etwas nicht passt. Gerade aufgrund der damals gescheiterten Eingewöhnung bei der Tagesmutter, bin ich hier sensibilisiert und achte sehr darauf. 

Ich weiß, dass neue Lebensabschnitte nie leicht sind. Ich bin selbst ein Mensch für den Neuerungen nicht einfach sind. Daher fühle ich sehr mit meinem Kind. Wir als Eltern können aber unseren Kindern helfen, diese neuen Lebensabschnitte gut zu meistern. Wir sind da, wir sind feste Anker und nehmen sie war. Wir akzeptieren ihre Gefühle, wir lassen sie zu und helfen unseren Kindern sie aufzuarbeiten. Denn Gefühle sind für solch kleine Menschen noch ein ganz schwieriger, kaum greifbarer Zustand, der ihnen auch Angst macht, weil sie damit  nicht umzugehen wissen. Wir dürfen sie also keinesfalls kleinreden, das trägt sonst bis ins Erwachsenenalter. Wir können unseren Kindern bei ihrem neuen Lebensabschnitt beistehen. Wurzeln haben wir ihnen schon gegeben (natürlich auch weiterhin!), jetzt müssen die Flügelchen langsam wachsen!


Kommentare:

  1. Hallo Sabrina,
    Danke für diesen Blogeintrag. Auch unser Sohn (2,5) ist nun in der 3. Woche der Eingewöhnung und weint sehr, wenn ich mich morgens verabschiede. Es zerreißt mir das Herz, ihn so im Kindergarten zu lassen. Es tut gut, zu lesen, dass es anderen Müttern und anderen Kindern genauso geht wie uns. Denn es verunsichert mich sehr, wenn ich dann sehe, dass ein kleines Mädchen, das gleichzeitig mit der Eingewöhnung angefangen hat, heute schon im Kindergarten schlafen wird. Davon sind wir noch meilenweit entfernt. Ich kann nur bestätigen, dass es sehr wichtig ist, mit den Zwergen zu sprechen und die Gefühle ernst zu nehmen. Ich wünsche euch eine gute Eingewöhnungsphase. Gruß, Ewa

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    1. Hallo Ewa,

      ich kann dich wirklich soooo gut verstehen! Das hatte ich ja auch im ersten Blogpost geschrieben, dass man sich verunsichert fühlt, wenn alle anderen Mütter schon heimgehen und die Kinder problemlos da lassen, nur bei einem selbst scheint es absolut nicht vorwärts in der Eingewöhnung zu gehen....
      Klar, weiß man, jedes Kind ist anders und man weiß auch, was sein Kind braucht, doch da sieht man mal wieder, wie sehr man sich oft doch unbewusst von der Umwelt beeinflussen lässt.
      Wir müssen da wirklich unsere Linie behalten, denn sonst würden wir unseren Zwergen nicht bei der Eingewöhnung helfen. Wir schaffen das :)

      Liebe Grüße, Sabrina

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  2. Ich habe meinen Sohn nachdem er sagte er will nicht mehr in den Kindergarten dort abgemeldet! Nach dem Zuhören finde ich es nämlich auch wichtig eine gute Lösung für das Kind zu finden! Gruß Steffi

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    1. Hallo Steffi,

      da gebe ich dir im Grunde recht. Wenn dies eine Möglichkeit ist, die man wählen kann. Wenn diese Möglichkeit allerdings nichts nutzbar ist und die Elternteile arbeiten gehen müssen, dann ist das nicht so einfach. Daher sollten auch Eltern ihre Sichtweise, warum das Kind in den Kindergarten soll, dem Kind erklärt werden. Ich denke, es kommt auch sehr darauf an, warum will das Kind nicht in den Kindergarten, was beschäftigt es, was gefällt ihm dort nicht. Fühlt es sich dort grundsätzlich nicht wohl oder ist es zunächst einfach wirklich nur die Umstellung auf den neuen Lebensabschnitt, der gemeinsam bewältigt werden muss.

      Liebe Grüße, Sabrina

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  3. Liebe Sabrina,
    ich verfolge deinen Blog schon lange, unsere Jungs sind im selben Alter.
    Wir sind seit Montag in der Eingewöhnung und ich habe kein so gutes Gefühl. Und zwar was das Verhältnis Erzieher:Kinder betrifft. Wie ist denn das Verhältnis bei euch im Kiga? Wie viele Kinder werden von einem Erzieher/in betreut? Ich wusste vorher, dass das Verhältnis bei uns 1:12 ist (Ü3). Ich hatte aber keine Vorstellung, was das in der Praxis bedeutet! :( Vieles husch husch, schnell schnell, keine Zeit, halbherzig, kein Blick auf die Individualität der Kinder. Mein Sohn sagt, wenn Oma, Papa oder so ihn fragen, dass es im Kiga gut/ schön war. Ich bin ja immer noch mit dabei, bzw im Nachbarzimmer. Ich bin gespannt, wie es ist wenn ich mich zum ersten Mal verabschiede... Wie stehst du zum Kiga, wenn Mama oder Papa nicht arbeiten müssten? Trotzdem in den Kiga?
    Ich freue mich auf deine Meinung!
    Liebe Grüße,
    Claudia

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    1. Hallo Claudia,

      der Kindergarten in den der Zwerg geht ist auch sehr groß und damit deutlich größer, als ich es gerne gewollt hätte. Es handelt sich um ca. 80 Kindern in 4 Gruppen. Allerdings sind pro Gruppe 3 Erzieherinnen zugeteilt und es gibt immer noch einige Praktikanten, Azubis und welche, die ihr soziales Jahr dort abhalten.

      Ich hatte mir am Anfang auch kaum vorstellen können, wie man hier individuell auf ein Kind eingehen kann und war sehr beruhigt, als ich in der Eingewöhnungszeit erleben durfte, wie man sich je nach Bedürfnis um die einzelnen Kinder kümmert. Auch das alle Erzieherinnen, wirklich in kürzester Zeit jedes neue Kind kennen und auch wissen wo es sich aufhält.
      In dem Kindergarten besteht das offene Konzept und die Kinder können jederzeit überall hin, auch bei jedem Wetter nach draußen, wenn sie möchten.

      Zu sagen das Konzept oder das Konzept ist das Richtige, ist kaum anwendbar. Alle Kinder sind sehr verschieden und manche brauchen viel Zuwendung und manche wollen von Anfang an alleine agieren.
      Wenn dein Zwerg also generell sagt, dass es ihm im Kindergarten gut gefällt, dann würde ich darauf erst mal vertrauen.

      Ich selbst habe mich ja für 2 Jahre Elternzeit entschieden und hätte ihn in dieser Zeit auch nicht in den Kindergarten oder sonstige Betreuung gegeben. Danach begann wieder der berufliche Einstieg, die Frage ob ein älteres Kleinkind Zuhause bleiben sollte, wenn ich weiterhin daheim geblieben wäre, stellte sich mir also nicht und ich denke auch das ist wieder schwierig zu beantworten und kommt auf das Kind darauf an.
      Fühlt es sich wohl oder eben nicht? Die Eingewöhnung bei der Tagesmutter mit 2 Jahren gelang nicht, wenn hier meine Mama nicht eingesprungen wäre, hätte ich wohl oder übel in den sauern Apfel beißen müssen und wäre Zuhause geblieben, trotz der finanziellen Lage. Ich hätte ihn seelisch schwer verletzt, wenn ich versucht hätte ihn noch irgendwo anders unterzubringen, nach diesem Fehlschlag.

      So unterschiedlich sind alle unsere Grundvoraussetzungen, plus noch die Unterschiedlichkeit unserer Kinder. Wichtig ist hier zu sehen, wie geht es uns und wie geht es dem Kind. Wenn wir hier beides mit gut beantworten können, dann ist das jetzige gewählte Konzept sicherlich nicht das Falsche.

      LG, Sabrina

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