Mittwoch, 29. April 2015

Meine Vereinbarkeit passt (im Moment)

Seit Ende Dezember letzten Jahres ist die Elternzeit rum. Ich arbeite wieder und so sehr ich auch etwas Bammel davor hatte, wie diese zusätzliche Belastung noch funktionieren würde, es klappt erstaunlich gut.

Zunächst ging natürlich alles etwas drunter und drüber. Die Eingewöhnung bei der Tagesmutter musste plötzlich abgebrochen werden und wir mussten überlegen, was nun? Zum Glück ist meine Mama ohne zu Zögern eingesprungen und versorgt nun den Zwerg. Von 7.00 -  max. 14.30 Uhr ist er bei den Groß- und Urgroßeltern bestens betreut.

Morgens bringt ihn der Papa zu den Großeltern, damit ich entsprechend früh bei der Arbeit bin, meist um 7 Uhr. An so manchen Tagen, wie auch diese komplette Woche, muss ich den Zwerg morgens auch hinbringen, denn der Papa ist geschäftlich unterwegs. Dann wird es meist erst 7.40 Uhr bis ich endlich bei der Arbeit ankomme.

Bei der Arbeit selbst hat sich nichts wesentliches geändert. Ich kann mich noch genauso einbringen, wie ich es vor 2 Jahren auch getan habe. Der Wiedereinstieg lief problemlos und auch das ich noch stille und somit nicht mit allen Chemiekalien arbeiten kann, wurde kommentarlos akzeptiert (nur einer meiner Kollegen guckte etwas unglaubig) und diese anstehenden Arbeiten werden übernommen. Dafür erledige ich dann andere Dinge und kümmere mich auch wieder um Sicherheitsthemen, Gefährdungsbeurteilungen usw. Wie auch zwei Jahre zuvor schon.
Die Arbeit kann ich mir gut einteilen und sie ist problemlos übertragbar. Muss ich also nach Hause, kann ich mit entsprechender Absprache die noch fertigzustellenden Arbeiten weitergeben an Kollegen. Das geschieht allerdings nur selten. Denn sind wir mal ehrlich, wir Teilzeitkräfte wollen uns nicht nachsagen lassen, wir beenden keine Arbeit!

Ich habe eine 20-Stunden-Woche und den Freitag habe ich frei. Da passe ich dann auf den Zwerg auf, da meine Mama an diesem Tag komplett arbeiten geht. Die anderen Tage der Woche geht sie nachmittags arbeiten und am Samstag arbeitet sie auch weiter, wie zuvor. Montags kann ich meist länger machen und Stunden aufbauen, wenn mein Mann Zuhause ist und einen Home-Office-Tag einplant. Dann holt er den Zwerg ab. Mittwochs hat die Oma komplett frei. Dann bleibt der Zwerg bis 17 Uhr bei ihnen und ich kann länger arbeiten. Einige Stunden aufzubauen, empfinde ich als sehr wichtig, ich weiß nie, wann es notwendig ist wegen dem Kind auch mal früher nach Hause fahren zu müssen. Vielleicht wird er krank, es geht ihm nicht gut usw. Dann sind einige Plusstunden Gold wert!

Diese derzeitige Regelung klappt wirklich sehr gut, wenn natürlich nicht wieder Geschäftsreisen vom Mann dazwischen kommen, die alles durcheinander werfen. Aber auch dann, gebe ich bei der Arbeit Bescheid, dass ich an solchen Tagen etwas später kommen werde, um zuvor den Zwerg selbst zur Oma zu bringen.

Solche Wochen wie diese, an denen ich den Zwerg morgens fertig machen muss, arbeiten gehe und dann noch Abends haushalte, Essen koche und den Zwerg beschäftige, sind zum Glück nur Ausnahmen! Meistens handelt es sich immer nur um 1-2 Tage. Von den vergangenen 4 Wochen an denen der Papa nur am Wochenende Zuhause war, reden wir allerdings nicht... ich hoffe, sowas kommt nie wieder vor. Hut ab, vor allen, die das täglich immer alleine wuppen! Es geht, natürlich. Es muss gehen! Aber schöner ist es, wenn man auch mal abgeben und teilen kann.

Der Haushalt ist mit einer 20-Stunden-Arbeitswoche noch gut zu meistern, aber trotzdem nicht mehr so, wie zuvor. Vieles bleibt dennoch liegen und staut sich an den Wochenenden auf, welches man eigentlich für angenehmere Dinge verwenden möchte. Der Papa kommt durch die langen Fahrstrecken meist erst ab 18 - 18.30 Uhr nach Hause. Dann wird zu Abend gegessen, etwas mit dem Zwerg gespielt, der auch etwas von seinem Papa haben möchte und dann ist schon wieder Bettgeh-Zeit. Was kann der Papa da noch an Arbeitsaufgaben Zuhause unter der Woche leisten? Er ist daher am überlegen, ob noch ein weiterer Home-Office-Tag möglich wäre, so entfiele die Fahrtzeit komplett. Er kann früher beginnen, er kann früher aufhören und hat dann noch etwas vom Tag und um diesen sinnvoll zunutzen. Es sind in den letzten Monaten einige Dinge liegen geblieben im und am Haus, die wir eigentlich auf unserer To-Do-Liste haben...

Abgesehen von unserer nicht kürzer werdenden To-Do-Liste läuft der Alltag gut. Ich fühle mich von der Arbeit nicht gestresst, die Stundenzahl ist derzeit sehr angenehm und habe Nachmittags daher noch genug Zeit für mein Kind und kleinere Hausarbeiten. Die wir oft auch zusammen erledigen.

Ich weiß, dass ich bei vielen Punkten sehr viel Glück habe. Ich habe eine Mama, die ohne zu zögern hilft und den Zwerg Vormittags betreut. Viele Großeltern sind ja meist noch voll berufstätig, haben selbst noch andere Pläne oder wohnen auch viel zu weit weg, als das sie in irgendeiner Art helfen oder einspringen könnten. Ich habe einen guten Arbeitgeber, bei dem ich ohne Probleme meine Vorstellungen an der Wochenarbeitszeit anbringen konnte und genehmigt bekam. Ich habe einen Partner dem es möglich ist auch im Home-Office zu arbeiten.

Trotz all dem, ist Vereinbarkeit eben mehr. Betreuungsplätze der Kinder lassen sich meist nie zu 100% mit unseren Arbeitszeiten unter einen Hut bringen. Zudem ändern sich diese Zeiten auch mit den Jahren (Krippe, Kita, Schule usw.). Wir werden also immer planen und überlegen müssen.  Vereinbarkeit bekommt man nicht einfach in den Schoß gelegt. Damit unsere Vereinbarkeit so möglich ist, bekomme ich logischerweise auch weniger Geld, als vor dem Kind! Immerhin fast 50% weniger, was sich auch in der Rente irgendwann wiederspiegeln wird! Ganz zeitnah gesehen, werden wir auch bei einem nächsten Kind irgendwann mal sehen, dass auch das Elterngeld um fast 50% niedriger sein wird als beim letzten Mal. Diese Dinge müssen auch schon im Auge behalten werden, so dass wichtig ist, dass wir das jetzt erwirtschaftete Geld entsprechend als Reserven für diese irgendwann mal kommende Zeit zur Seite legen.

Jede Vereinbarkeit erfordert Einbußungen in bestimmten Teilen unseres Lebens. Das muss aber nicht gleich negativ sein! Wir müssen auch lernen, dass eben nicht alles so weitergehen kann wie vor dem Kind. Oder gibt es hier wirklich noch Menschen, die denken ein Kind verändert nichts? Das ist dann einfach da und sonst bleibt alles gleich?!?
Wir müssen durch diese Veränderung in uns horchen, was uns wirklich wichtig ist und was nun weniger wichtig ist!

Für mich ist derzeit wichtig, dass ich mich nicht gestresst fühle und der Verdienst in einem Rahmen ist, mit dem wir gut haushalten und auch etwas ansparen können. Diesen Mittelweg haben wir derzeit gefunden und damit bin ich zufrieden. Meine Vereinbarkeit passt... jedenfalls im Moment. Sie wird sich immer wandeln und wir werden immer wieder neu planen müssen. Das gehört nun eben, mehr als bei vorherigen Generationen, zum heutigen Elternsein dazu!


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