Sonntag, 5. April 2015

Buchvorstellung: Mokassinkinder + Buchverlosung

Die Autorin Krissy Pozatek ist Wildnistherapeutin und beschäftigt sich ebenfalls sehr mit der buddhistischen Lehre und Philosophie. Im Umgang mit Kindern in der Natur und Wildnis fällt ihr zunehmend auf, dass diesen wichtige innere Ressourcen fehlen, die sie für die Ausbildung ihres Selbst, ihres Selbstbildes, ihres Selbstvertrauens und dem Leben in einer Gesellschaft und Gemeinschaft benötigen.

Sie beschreibt dies in ihrem Buch Mokassinkinder: Mutig. Neugierig. Selbstbewusst. (Affiliate) damit, dass viele Eltern heute versuchen ihren Kindern alle Unebenheiten des Lebens aus dem Weg zu räumen. Sie möchten das ihre Kinder immer glücklich und fröhlich sind und eine wundervolle Kindheit haben, um später sagen zu können, sie haben wundervolle Eltern. 
Aber ist das Leben wirklich rosarot und zuckersüß? Nein! Das wissen wir alle! Wir wissen darum und versuchen diesen Umstanden vor unseren Kindern fern zu halten. Aber irgendwann sind auch sie groß und müssen auf eigenen Beinen stehen und können dann ganz tief fallen, ob der Erfahrungen die sie dann machen, in einer Welt die sie bisher immer als rosarot und zuckersüß erfahren haben. 
Wie sollen sie dann mit diesen neuen Erfahrungen umgehen, wenn sie bisher keine negative Erfahrungen machen mussten? Niemals Frust, Aufschub, unterschiedliche Meinungen, Streß usw. erleben und durchleben mussten? Kann so jemand in der Gesellschaft bestehen?

Natürlich müssen wir unsere Kinder nicht mit Absicht negativen Erfahrungen aussetzen, aber in einem normalen Familienklima kommt es immer wieder zu unterschiedlichen Meinungen, Reibungsflächen und unterschiedlichen Tagesablauf-Vorstellungen, die besprochen werden müssen. Nicht immer wird man auf einen Nenner kommen. Nicht immer wollen Kinder verstehen, dass Zähneputzen unabdingbar ist oder ausschließlich Kuchen am Tag vollwertige Nahrung ersetzen. In der Familie können unsere Kinder lernen, was es bedeutet, dass nicht alles rosarot und zuckersüß ist, sondern dass es Dinge geben wird, die einem auch mal nicht so gefallen. Unsere Kinder können durch und mit uns Eltern lernen, wie wichtig der Aufbau von inneren Ressourcen für die Zukunft ist.

Die Autorin nimmt für den Aufbau dieser inneren Ressourcen ein Zitat eines indischen Mönches aus dem achten Jahrhundert zur Erklärung:

Die ganze Erde mit Leder zu bedecken -
Wo ließen sich so viele Häute finden?
Doch bloß mit den Ledersohlen meiner Mokassins
Ist es, als bedeckte ich die ganze Erde!

Und so kann ich den äußeren Gang 
Der Dinge nicht beherrschen. Doch lasst mich
Nur mein Bewusstsein zügeln - 
Was zu zügeln bleibt dann noch?

Shantideva

Aus diesem Zitat leitet die Autorin den Begriff der "Mokassinkinder" ab. Ich kann meine Kinder nicht zeitlebens von Unwegbarkeiten und Stolpersteinen des Lebens bewahren, soviel Einfluß, so viele Lederhäute habe ich nicht! Ich muss meine Kinder loslassen können und damit ich sie voller Zuversicht und Vertrauen loslassen kann, muss ich mit ihnen zusammen Mokassins herstellen, die sie auf ihren eigenen Wegen sichern werden.

Zu dieser Herstellung von Mokassins beschreibt die Autorin folgende innere Ressourcen, welche die Kinder erlernen müssen : 

  • Belohnungsaufschub: Die Fähigkeit, auf etwas hinzuarbeiten, ohne unmittelbar belohnt zu werden
  • Problemlösen: Die Fähigkeit, von einem gegebenen Zustand zu einem erwünschten Ergebnis zu kommen
  • Anpassungsfähigkeit: Die Fähigkeit, sich auf eine unerwartete Situation einstellen zu können
  • Emotionale Regulierung: Die Fähigkeit, unterschiedliche emotionale Zustände erleben und sich auch wieder verlassen zu können
  • Stresstoleranz: Die Fähigkeit, Stressbelastungen und andere Unanehmlichkeiten aushalten zu können.
  • Innere Motivation: Eine innere (im Gegensatz zur äußeren) Kontrollinstanz, die das Verhalten lenkt und antreibt.
  • Selbstdisziplin: Die Fähigkeit, sich selbst - unabhängig vom eigenen Gefühlszustand - zu motivieren.
  •  Akzeptanz der Unbeständigkeit: Das Bewusstsein dafür, dass nichts ewig dauert.
Die Autorin beschreibt in diesem Buch, in vielen Beispielen, wie wir als Eltern lernen können unseren Kindern auf ihren Wegen zu helfen und vorzubereiten, anstatt ihre Wege zu unseren zu machen. Sie zeigt Beispiele, in denen etwas falsch gelaufen ist und wie man aus diesen Sackgassen eventuell herauskommen mag. Manches finde ich persönlich etwas "krass" geschrieben, manches wirkt aber auch im ersten Moment nur so, mit etwas Abstand und darüber nachgedacht, muss es in der Situation gesehen nicht so massiv wirken. Manchmal fehlt hier eindeutig das gesprochene Wort, der Ausdruck in der Stimme, wie ich mit meinem Kind wirklich darüber sprechen würde. 
Die Autorin zeigt auch sehr genau auf, dass wir als Eltern oft noch Probleme aus der eigenen Kindheit mit uns herumtragen, welche wir dann auf die Kinder projezieren, was dann wiederrum zu Problemen im Miteinander führen kann. 
Ich finde das Buch eine gute Möglichkeit sich selbst zu reflektieren und darüber nachzudenken, welche Wege man bisher mit seinen Kindern genommen hat. Hat man ihnen alles abgenommen, vermeidet man Konflikte um nicht "schlecht" vor seinen Kindern dazu stehen oder hilft man ihnen ihre eigenen Wege alleine bestreiten zu können?

Wenn wir Kindern die Möglichkeit geben, diese Ressourcen schon Zuhause erlernen zu können, in einem sicheren Umfeld, in dem wir wirklich noch die Möglichkeit haben lenkend eingreifen zu können, dann geben wir ihnen wichtige Erfahrungen für ihr späteres selbstständiges Leben mit auf den Weg.
Diese gesammelten Erfahrungen sind viel wichtiger als eine Kindheit eingepackt in rosarot und zuckersüß!

Ich bedanke mich recht herzlich beim Beltz-Verlag, welcher mir dieses Buch zur Verfügung gestellt hat. Zusätzlich erhielt ich ein weiteres Exemplar dieses Buches für euch zur Verlosung. Um an der Verlosung teilnehmen zu können, gelten folgende Bedingungen:

- mitmachen können alle Leser mit einem Wohnort in Deutschland, Schweiz oder Österreich
- werdet Leser meiner Facebook-Seite
- kommentiert unter diesem Beitrag, wie die Mokassins eurer Kinder für ihre Zukunft aussehen sollen
- kommentieren könnt ihr bis einschließlich Sonntag, den 12.04.2015 um 20 Uhr
- unter allen Kommentaren lose ich dann den Gewinner aus und gebe diesen bekannt
- der Gewinner meldet sich dann bitte mit seinen Kontaktdaten bei mir, damit sich das Buch auf den Weg machen kann

Viel Glück!



Kommentare:

  1. Wo ist denn mein Kommentar hin?
    Nochmal: Wurzeln und Flügel, Urvertrauen. Das Gefühl, Mama und Papa und andere Vetrauenspersonen haben mich immer lieb, egal, was ich tue. Die Fähigkeit, mit neuen Situationen gut umzugehen.
    Und die Mokkasins? Weich und anschmiegsam sollen sie sein.
    Frohe Ostern dir und deiner Familie, Steffi

    AntwortenLöschen
  2. Weich und anschmiegsam aber auch robust genug, um den Widrigkeiten des Lebens zu widerstehen und einen eigenen Weg im Leben gehen zu können.

    AntwortenLöschen
  3. Hallo
    Ich kann mich nur anschließen weich, anschmiegsam, robust mit viel Liebe und der Fähigkeit Situationen einzuschätzen und abzuschätzen.
    Sie sollten aber dennoch flexibel genug sein um auch mal den Gesperrt zu verlassen um neue Wege zu betreten.
    Schöne Osten mit ganz viel Sonne

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Ach diesen blöde Programm....
      Gesperrt sollte WEG heißen

      Löschen
  4. Hallo!
    Das Buch klingt sehr interessant :-)
    Der Anspruch an moderne Eltern gleichzeitig "Bedürfnisorientiert" zu leben, aber andererseits das Kind sehr viel alleine schaffen zu lassen (wofür das Buch scheinbar steht) wirkt manchmal etwas widersprüchlich auf mich. Bedürfnisse erfüllen und dann wieder zurückhalten und eigene Erfahrungen machen lassen... Vielleicht gibt das Buch Aufschluss darüber, wie sich beides gut vereinen lässt.
    Zum Thema Frustrationstoleranz: Ich denke nicht, dass viele Frusterlebnisse die Frustreationstoleranz erhöhen. Einen zufriedenen Menschen wirft ein Frusterlebnis nicht so schnell aus der Bahn wie einen, der bereits rundherum frustriert wurde. Ich hoffe, ihr versteht, wie ich es meine :-)

    Die Mokassins sollen meiner Tochter wie angegossen passen und sie sicher durchs Leben tragen.

    LG, Gertraud von http://kleinemami.blogspot.co.at

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hej!
      Also, wenn ich das in meiner Stilldemenz richtig verstanden hab, dann sollen die Mokassins meiner Tocher und zukünftigen Geschwister am Anfang absolut anschmiegsam und gut passend sein - und dann mit der Zeit immer mehr zurückzuweichen bis nur noch ein kleines Stück sie daran erinnert, dass Mama, Papa und andere liebe Menschen immer da sind für sie, dass sie aber stark genug sind, auch ohne unseren konstanten Schutz und das Aus-dem-Weg-räumen von Schwierigkeiten durch das Leben kommen können.
      LG und schöne Ostern aus Salzburg, wo es gerade mal wieder schneit :D
      Irina

      Löschen
  5. Es sollten die Mokassins sein, die sie sich selbst aussucht, auf die sie sich verlassen kann und in denen sie mutig in die Welt rausgeht.
    Lieben Gruß,
    Mela

    AntwortenLöschen
  6. Die Mokassins meines Kindes sollen Vertrauen und Liebe sein und es begleiten. LG und eine schöne Woche,
    Annika

    AntwortenLöschen
  7. Ich kann das noch gar nicht sagen - ich muss auf dem Weg sehen, was mein Kind braucht. Und ich hab schon ganz schön Angst, was zu übersehen. Aber ich habe ein starkes mutiges Kind - das will ich auf jeden Fall beibehalten und unterstützen!

    AntwortenLöschen
  8. Jennifer Novotny9. April 2015 um 18:47

    Ich habe über Ostern die Leseprobe verschlungen. Die fand ich sehr lesenswert und liebevoll.. Und die Idee der Mokassins sehr schön.

    Ich denke die Mokassins für meine Wildblume sollten federleicht sein. Sie soll die Grenzen und Intoleranz, die oft als "Schutz" gesetzt werden, nicht spüren und sich ihren eigenen Weg bahnen. Und ihre Mokassins sollen sie immer sicher zu uns zurück tragen, wenn sie uns braucht.
    Und wenn Sie groß und mutig durch die Welt streift, sollen sie ihre hübschen Füße zieren.

    Lg Jenny

    AntwortenLöschen
  9. Hallo zusammen. Ich bin ganz gespannt wie die, für mich Erste Verlosung ausgeht. Persönlich bin ich leidenschaftlich Mama von drei Kindern und Tagesmutter von etlichen kleinen Zwergen. Es ist ganz natürlich, dass wir unseren Zwergen Stolperfallen aus dem Weg räumen. Wir können unseren Besitzerinstik nicht verleugnen. Trotzdem bin ich der Meinung, unsere Kinder sind Baumeister ihrer eigenen Mokassins. Sie haben die Lust auf Abenteuer. Unsere Aufgabe sehe ich darin selbstsicher als Vorbild zu fungieren. Auch mal ungewöhnliche Wege aufzuzeigen und darauf vertrauen das Kinder aus dem Wirrwarr verschiedener Wege, Ihren Eigenen finden.

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...