Dienstag, 31. März 2015

Umgang mit dem Tod

Nadine von Buntraum hat einen Artikel "Wenn der Tod zum Thema wird" geschrieben und auch darüber berichtet, wie ihr selbst der Tod als Kind nahe gebracht worden ist oder auch nicht... und wollte von ihren Lesern wissen, wie sie selbst damit umgehen bzw. es ihren Kindern näher bringen.

Ich selbst habe diesen Punkt unseres Lebens schon länger auf meinem Notizzettel stehen, denn auch hier war der Tod schon öfters präsent und unser Sohn hat dies auch in seinen recht jungen Jahren schon in Teilen erfassen können und miterlebt.

Wie erkläre ich Kindern den Tod? Diese Frage stellen sich wohl alle Eltern früher oder später. Sollte ich damit warten, bis meine Kindern von selbst danach fragen? Bin ich dann auch wirklich ehrlich oder verschleiere ich ihn doch, weil ich denke meine Kinder sind zu klein? Bereite ich meine Kinder auf den nahenden Tod eines geliebten Menschens oder Haustier vor?
Ich denke, leider stellen wir uns dazu viel zu viele Fragen, weil der Tod nichts ist, worüber man gerne spricht und ihn am liebsten aus unserem Leben ausklammern würde. So als existiere er nicht! Aber das wird eben niemals so sein! Er ist immer da. In den Medien ist er mittlerweile sogar täglich sehr präsent. Es gibt kaum Nachrichten ohne Tod. Und der Tod gehört nun mal zum Leben dazu. Ich werde geboren, ich lebe und ich werde irgendwann sterben. Der Tod ist natürlich! Ob er natürlich bleibt oder wir Ängste entwickeln, dies müssen wir selbst entscheiden und dies beginnt schon mit dem, was wir unseren Kindern dazu vermitteln.

Sicherlich habt ihr mitbekommen, dass wir Meerschweinchen halten. Zur Geburt unseres Sohnes waren es immerhin noch 8 Tiere in 3 Gruppen. Einige davon schon sehr alt und es war klar, dass der Zwerg schon recht früh mit diesem Thema konfrontiert werden wird. Er wird ab einem bestimmten Alter merken, dass plötzlich ein Tier fehlen würde und er würde mich fragen, wieso! Mir war von Anfang an klar, dass keines dieser Tiere ersetzt werden würde, schon garnicht hätte ich versucht ein ähnlich aussehendes Tier zu finden... meine Eltern ersetzten meinen geliebten Goldhamster durch ein ähnlich aussehenden, aber deutlich kleineres Exemplar... was mir natürlich sofort auffiel....
Meinem Kind gegenüber wollte ich schon immer ehrlich sein und so blieb ich bei der Wahrheit, als es nötig wurde.

Die wenigsten Haustiere, wenn man sich den gut mit ihnen auskennt und auch gesundheitlich im Auge behält, liegen morgens einfach tot im Stall. Meistens geht eine Krankengeschichte vorraus, so wie auch bei uns Menschen. Der Zwerg war also hier schon involviert. Er sah wie ich die Tiere pflegte und päppelte und half mit so weit es ging. Beim Päppeln setzte er sich mit seinem Stoff-Meerschweinchen neben mich und päppelte dieses ebenfalls. 
Leider hatten wir gerade im letzten Jahr kein gutes Meerschweinchenjahr und wir mussten einige Tiere gehen lassen. Der Zwerg war immer mit dabei. Wir sind diesen letzten Weg gemeinsam gegangen, ich lasse meine Tiere dabei nicht alleine und somit war dann auch mein Sohn mit dabei. Am Anfang verstand er noch nicht was nun geschah oder warum Mama jetzt weint. Aber gerade kurz vor seinem zweiten Geburtstag als wir nochmals ein Tier erlösen lassen mussten, da begriff er. 
Er hatte monatelang mit mir zusammen dieses Meerschweinchen gepäppelt, es mitversorgt und musste auch teilweise zurückstecken und nun weinte Mama, weil nichts mehr ging und das Erlösen lassen eine Erlösung war. Er weinte ebenfalls bittere Tränen und war untröstlich. Ich musste fast mehr um seinetwillen weinen, als wegen meines Tieres, weil er so traurig war. Weil er feststellen musste, dieses Tier wird nicht wiederkommen und für immer weg sein. Ich erklärte ihm in einfachen Worten, das es nun keine Schmerzen mehr hat und es ihm nun wieder gut geht.

Als sein Uropa zuvor im Sommer starb, da war er etwa 1,5 Jahre. Das hat er noch nicht verstanden. Ich nahm in allerdings mit auf die Beerdigung. Wieso sollten wir dort nicht zusammen hingehen? Wieso hätte jemand deswegen Zuhause bleiben sollen, um auf ihn aufzupassen? Es ist ein gesellschaftliches Ereignis und dort sollte niemand ausgeschlossen werden. Sterben gehört zum Leben dazu. Wir waren traurig, wir weinten und dazwischen war ein kleines Kind, dass es uns doch irgendwie leichter machte, damit umzugehen. Er spielte während der Beerdigungsfeier mit seinen Autos und als er sich doch bewegen wollte, ging er zu meinen Eltern raus, die nicht mehr in die kleine Halle passten und lief mit ihnen über den Friedhof. Ja, für viele mag es im ersten Moment komisch sein ein Baby oder Kleinkind zur Beerdigung mitzunehmen. Aber wieso? Wieso sollte man sie ausschließen?

Vor knapp 2 Wochen betreuten wir das kranke Tier einer Bekannten die ebenfalls sehr krank daheim lag und sich nicht kümmern konnte. Leider war das Tier zu krank, so dass wir eigentlich nur noch den letzten Weg mit ihr gehen konnten. Auch hier war der Zwerg wieder mit dabei. Er wusste, dass wenn nun die Spritzt gesetzt wird, dass dieses Tier einschlafen wird, für immer... und dann keine Schmerzen mehr haben wird... er saß neben der Box und beobachtete das Tier und begleitete sie in den Schlaf, wie er sagte. Wir nahmen sie dann wieder mit heim und er sprach die nächsten Tage immer wieder davon. Er fragte nach dem Tier, immerhin stand die Transportbox noch da. Ich erklärte ihm dann immer wieder, dass sie nun für immer eingeschlafen ist und nun keine Schmerzen mehr hat und sie nun im Himmel ist. Er spricht jetzt noch immer mal wieder davon, schaut hoch in den Himmel und sagt, sie ist nun dort.

Das ist natürlich noch eine sehr einfache Erklärung. Aber noch reicht sie ihm und immerhin ist der Zwerg erst 2 Jahre alt. 
Wenn er irgendwann mehr erfahren möchte und mehr Fragen stellt, werde ich sie ihm beantworten, so gut ich eben kann. Der Tod ist für mich kein Tabuthema. Tod kann Erlösung sein, meist sogar. Er sollte nicht negativ behaftet werden, unsere Kinder sollten durch uns eine natürliche Einstellung zum Tod gewinnen und ihn als das annehmen, was er ist. Ein Teil unseres Lebens.


Kommentare:

  1. Es ist gut, wenn der Tod nicht als Tabu Thema behandelt wird. Ich bin Kinderpsychologin und finde es allerdings etwas ungünstig, wenn das Eingeschlafen und nicht mehr aufwachen ins Spiel kommt. Nicht selten haben Kinder dann (vorübergehend) Angst vor dem einschlafen, weil sie befürchten nicht mehr aufzuwachen. Ist natürlich nicht bei jedem Kind der Fall, letztendlich wissen die Eltern bestimmt, was sie ihrem Kind zumuten können.

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    1. Hallo Patricia,

      danke, für deine Informationen dazu. Du hast recht, darüber habe ich noch garnicht nachgedacht. Und zum Glück, hat der Zwerg bisher keine Probleme mit dem Einschlafen dadurch.
      Benennst du es von Anfang an als sterben und das die Person/ das Tier dann nicht mehr wieder kommen kann?
      Wären deine Erfahrungen dafür vielleicht nicht sogar etwas für einen Gastbeitrag hier in meinem Blog. Ich würde mich sehr darüber freuen :)

      Liebe Grüße, Sabrina

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  2. Hallo Sabrina,
    Leider funktionieren Erklärungen wie " Der Tod gehört zum Leben dazu" oder "...hat nun keine Schmerzen mehr" nur dann, wenn alte und/oder kranke Menschen sterben. Aber was, wenn junge Menschen jäh aus dem Leben gerissen werden, Kinder oder Babys? Wenn statt Tod noch hätte Leben sein müssen? Wenn der Tod vollkommen unnatürlich erscheint und NICHTS Positives darin gesehen werden kann? Dann macht der Tod Angst. Egal, wie wohlwollend man es zu erklären versucht.
    Ich stimme deinem Artikel im Grunde zu. Aber er ist mir zu einfach, zu einseitig. Nicht immer sterben "nur" Haustiere oder sehr alte Menschen. Nicht immer kann man Tod so "einfach" erklären.
    Tod kann leider auch lebenslangen Schmerz, lebenslange Traueigkeit, lebenslange Sehnsucht bedeuten.
    Leider...

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    1. Hallo Sylvia,

      du hast natürlich recht, mancher Tod wird uns mehr aus der Bahn werfen als es andere tun werden. Wie du schreibst, wird man sich fragen, welchen Sinn hatte das. Aber man wird niemals einen Sinn darin erkennen können. Man kann sich daran aufreiben oder man kann lernen damit zu leben. Jeder geht mit solchen Schicksalsschlägen anders um. Aber ein lebenlang darunter zu leiden, wird den geliebten Menschen nicht zurückbringen. Ich kann die Zeit nicht zurückdrehen.

      Liebe Grüße, Sabrina

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  3. Bei Bekannter war es so tabuisiert, dass nicht einmal die große Tochter (12Jahre) mit zur Beerdigung durfte. Es wurde sich sogar über Verwandtschaft aufgeregt, die den Kindern nochmals die Möglichkeit gegeben haben sich vom toten Opa zu verabschieden.
    Wir sagen unserem Großen (3,5 Jahre) ehrlich, dass Tod eben bedeutet, dass jemand eben nicht mehr ist. Also der Abschied für immer.

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