Dienstag, 24. März 2015

Über den Wert von Spielzeug und Kindern

Szene auf einem Kinderfloh-Markt: Ich stehe in der Warteschlange, vor mir eine Dame voll bepackt mit ganz viel und unterschiedlichem Plastikspielzeug... die Artikel werden verrechnet und dabei fällt der Dame an der Kasse auf, dass da einige der Spielsachen kaputt sind und informiert die Dame. Diese erwidert sehr trocken, dass dies nicht schlimm wäre, ihre Kinder würden es ohnehin kaputt machen und so hat sie dann auch nicht viel dafür ausgegeben...

Andere Beispiele, die ich immer wieder auch in den Kleinanzeigen erlebe: Unter der Beschreibung "guter gebrauchter Zustand", scheine ich etwas deutlich anderes zu verstehen, als so einige der Einsteller. Für mich ist ein Holztisch und Stühle die von oben bis unten bemalt sind, eventuell noch mit Sticker versehen, kein "guter gebrauchter Zustand"... wenn ich alleine an die Arbeit denke, die ich beim beseitigen der Sticker habe und beim Abschmirgeln des Holzes, um dessen Schönheit wieder zum Vorschein zu bringen, passt das Preis-Leistungs-Verhältnis und die Aussage zum guten Zustand der Ware einfach nicht!

Und dann kommt ein weiterer Punkt: Was vermittel ich meinen Kindern mit kaputtem Spielzeug? Was vermittel ich ihnen damit, mit Gegenständen nicht sorgsam umzugehen?

Kaputte bzw. beschädigte Dinge verführen dazu, nicht sehr ordentlich mit ihnen umzugehen. Mit unbedschädigten und schönen Sachen hingegen gehen Kinder sorgfältiger um. Dabei lernen sie ebenfalls eine wichtige soziale Kompetenz, den achtsamen Umgang mit der Umwelt.
- Claudia Schäfer -

Welchen Stellenwert hat mein Kind für mich, wenn ich ihm kaputtes Spielzeug schenke? "Du macht es sowieso wieder kaputt, also schenke ich dir nichts Neues". Ich vermittele: Du bist es nicht wert, dass ich Geld für dich ausgebe! Du machst alles kaputt! Du kannst garnicht mit Spielzeug und wertvollen Gegenständen umgehen! 
Möchte ich all das meinem Kind vermitteln? Möchte ich ihm zeigen, dass ich nichts positives von ihm denke? Das ich ihm nicht zutraue sorgfältig mit seinen Spielsachen umzugehen oder auch mit Gegenständen im Haus und in der Umgebung?
Das Kind wird nicht so verquer denken, wie der Erwachsene: "Ok, solange ich nicht aufpasse, bekomme ich nichts Neues, nichts Schönes." Sondern es wird schlußfolgern: "Ich bin es nicht wert! Ich mache alles kaputt! Ich kann garnicht sorgfältig mit Dingen umgehen"
Es ist die "sich selbst erfüllende Prophezeiung", die hier immer wieder geschehen wird. "Siehst du, du hast es schon wieder kaputt gemacht! Ich wusste es! Daher bekommst du kein neues Spielzeug von uns!"

Wenn ich nun aber wunderschönes und ansprechendes Spielzeug für mein Kind bereit halte, wird es dies voller Bewunderung bestaunen und sorgfältig damit umgehen. Und, natürlich wird auch mal etwas kaputt gehen. Ist uns noch nie etwas kaputt gegangen? Etwas herunter gefallen? Und haben wir uns nicht unheimlich über uns selbst geärgert und uns erschrocken? 
Das Kind wird sich genauso erschrecken und sich ärgern, wenn es etwas kaputt gemacht hat. Es wird sogar richtig entsetzt sein! Dann können wir schimpfen... aber wollten wir geschimpft werden? Oder wir können unser Kind trösten und versuchen mit ihm zusammen das Spielzeug zu reparieren. Reparieren bedeutet etwas wertschätzen. Weg von der Wegwerfgesellschaft zu kommen. Hochwertige Spielsachen sind robuster, halten länger und sind auch teurer. Solche Dinge wirft man nicht einfach weg, man geht damit auch ganz anderes um. Sie haben für uns einen "Wert". Ein billiges Plastikspielzeug geht meist ruckzuck kaputt, es ist ein Wegwerfgegenstand und wird entsorgt. Aber vielleicht hing das Herzblut unseres Kindes darin. Was vermittel ich meinem Kind damit?

Beispiel: Der Zwerg findet Klappenbücher ganz wunderbar. Hinter jeder Klappe ist etwas zu entdecken und zu erfahren. Ich suche daher gerne auf Flohmärkten und in den Kleinanzeigen danach. Aber auch hier gibt es wohl unterschiedliche Wertevorstellungen... gut gebraucht, bedeutet für mich, leichte Knicke in den Seiten, aber immerhin sind alle Klappen vollzählig.... weit gefehlt... ich muss wirklich jede Seite durchblättern bzw. die Verkäufer darauf ansprechen, ob alles vollzählig ist. Es werden tatsächlich Bücher mit herausgerissenen Klappen verkauft!
Leider habe ich vor Kurzem nicht richtig hingesehen und ich erwischte ein Buch mit einer eingerissenen Klappe. Ich blätterte das Buch also zusammen mit dem Zwerg durch und er entdeckte diese und war sehr verstört darüber. Wir reparierten die Klappe dann gemeinsam mit etwas Klebeband und dann war es auch für ihn gut. Gerade unsere Kleinsten, denen die innere und äußere Ordnung sehr wichtig ist, da sie damit ihre kleine Welt und die Umwelt verstehen lernen, fällt etwas falsches, etwas kaputtes sofort auf. Und ist es dann für uns ebenfalls nicht in Ordnung und stellen es richtig, lernen sie daraus. Kaputt ist nicht in Ordnung und sie wollen sich damit auch nicht umgeben.

Ist ein Spielzeug jedoch unwiederbringlich zerstört, dann kommt es nun auf das Alter des Kindes und wieviel es schon versteht an, wie wir damit umgehen. Kaputtes Spielzeug, dass nicht mehr repariert werden kann, muss leider entsorgt werden. Versteht es das Kind schon, binde ich es am besten ein. Wir können gemeinsam entscheiden, was wir nun tun können. Werfen wir es gemeinsam weg? Können wir vielleicht daraus doch noch etwas Neues erschaffen? Sollen wir es neu kaufen?

Kinder sollen gerade bei ihren eigenen Dingen mitentscheiden können. Damit schätzen wir sie wert und achten sie. Dinge die Kinder lieben, achten sie.

Wir sollten also bei der Wahl der Spielsachen darauf achten, dass diese intakt, ansprechend und vollzählig sind, denn damit vermitteln wir unseren Kindern, dass auch wir sie schätzen und sie es uns wert sind.

 

Kommentare:

  1. Oh ja, wie Recht du leider hast.
    Ungesehen kaufe ich nichts gebrauchtes mehr, selbst Kleidung die als neuwertig verkauft wird, landet bei mir in der Tonne.

    Gruß Simone

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  2. So wahre Worte!
    Mich hat vor allem der Absatz mit dem Schimpfen berührt. Gerade wenn man selbst gestresst ist und dann fällt dem Kind zb etwas runter, passiert es wohl viel zu oft, dass geschimpft wird. Dabei ist es doch für das Kind schon schlimm genug, dass es versehentlich etwas fallen gelassen hat. Es ist erschrocken und traurig, vielleicht sogar in ängstlicher Erwartung auf Schimpfe, weil es damit schon einmal Erfahrung machen musste... Ich hoffe, ich muss niemals "Angst vor mir" in den Augen meines Kindes sehen...
    Wir legen auch viel Wert auf qualitativ hochwertiges und schönes Spielzeug, davon lieber weniger, aber gewertschätzt als x-fach "billigen Ramsch"...

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