Freitag, 27. Februar 2015

Kaizen und Montessori - Veränderung zum Besseren

Wem von euch sagt das Wort Kaizen etwas? Und in welchem Zusammenhang hattet ihr damit vielleicht schon etwas zu tun?
Ich denke, die meisten von uns, denen dieser Begriff etwas sagt, haben ihn durch ihre Firma kennengelernt. Es geht um den kontinuierlichen Verbesserungsprozess. Um das "schlank machen" von Arbeitseinheiten und Abläufen, um so das Arbeiten zu erleichtern, es effizienter zu gestalten und Störungen und unnötige Ausgaben zu vermeiden. Es geht aber auch darum, vielleicht bisher gemachte "Fehler", Anpassungen die nichts bewirkten, Prozesse vielleicht sogar verlangsamten, zu erkennen, sie zuzugeben und zu ändern.

Sucht man in Google nach dem Begriff "Kaizen", steht dort, dass dieser kontinuierliche und unendliche Verbesserungsprozess von der Firma Toyota in Japan nach dem zweiten Weltkrieg entwickelt wurde.

Und nun fragt ihr euch: Was hat Kaizen nun mit Maria Montessori zu tun und was verändert sich zum Besseren?

Kaizen ist nicht nur eine Arbeitsphilosophie, sondern begann ursprünglich als Lebensphilosophie der Japaner. Nur leider findet man dazu recht wenig im deutschsprachigem Web und muss schon etwas suchen. 
Diese Lebensphilosophie besagt, dass auch kleine Schritte das Leben nach und nach verändern können und das man sowieso immer mit kleinen Schritten beginnen sollte, um diese Veränderungen auch wirklich zu übernehmen und dauerhaft umzusetzen. Muten wir uns anfänglichst zuviel zu, erwarten wir von einer schnellen Veränderung, dass diese sofort wirkt, dann fallen wir meist nach kurzer Zeit in alte Gewohnheiten zurück und suchen Ausreden!
Diese Veränderung passt nicht zu mir.... es funktioniert nicht... sind als Begründungen schnell gefunden. Aber ist es wirklich so?

Maria Montessori strebte danach, den Kindern zu helfen und den Erwachsenen zu erklären, dass es nicht das Kind ist, welches sich ändern müsste, sondern der Erwachsene. Das der Erwachsene eine andere Sicht entwickeln muss, um zu verstehen, warum Kinder anders sind. Sie strebte danach, die Sicht auf die Kinder zu verändern und dadurch eine bessere Welt zu erschaffen. Eine Veränderung zum Besseren!

Auch Montessori wusste schon damals, dass dies nicht von heute auf morgen gelingen wird, dass dies ein kontinuierlicher Prozess sein wird und es viele Hürden zu überwinden gilt. Aber man beginnt, man beginnt mit einem einzigen Schritt und geht immer weiter!

Als Montessorianer vertrauen wir darauf, dass die Kinder, denen wir gedient haben, dazu beitragen werden, die Welt zu verbesseren, wenn sie erwachsen sind. Das ist kein kurzfristiger Prozess! Eine Generation von Kindern wirkt sich auf die nächste aus. Eine kleine Gruppe von Kindern beeinflusst schließlich eine größere. 
Wir wissen, dass auf der Welt Frieden herrschen könnte, wenn da nicht die Begrenzungen des Erwachsenen wären.

Viele, die sich anfänglichst mit Montessori beschäftigen, verharren bei den von ihr gestalteten Materialien und der Zimmergestaltung. Sie halten dort an und denken, sie haben alles getan. Eine schnelle Veränderung und wollen nun Resultate sehen. Aber das wird nicht gelingen! Das ist nicht Montessori! Montessori besteht nicht alleine aus Materialien, Kindermöbeln und Lernanregungen. Es ist viel mehr! Es ist eine Lebensphilosophie! Genau wie Kaizen! Und sie lebt! Sie wächst mit dem Kind und seinen Bedürfnissen! Wir müssen stetig beobachten und uns und die Umgebung anpassen. Wir müssen ihre Philosophie selbst leben. Wir müssen erkennen, dass wir es sind, die uns ändern müssen, wenn wir unseren Kindern helfen wollen sich nach ihrer Natur voll zu entfalten und zu entwickeln. 

Unsere Praxis ist so schwierig und wir sind so ungeduldig. Wir wünschen uns, dass diese "Montessori-Sache" schon längst gewirkt hätte. Wir hätten die Kinder gerne nur ein bisschen weniher kompliziert, nur ein bisschen voraussagbarer. Wenn das Rad nicht schnell genug rollt, versuchen wir es von neuem zu erfinden.
Wir sind so ungeduldig. Wir möchten, dass dieses "Montessori-Ding" jetzt sofort funktiniert.
Wenn man versucht, Marmor mit einem Presslufthammer zu meißeln, zerspringt er. Kinder sind kompliziert. Sie zu verstehen, auf sie einzugehen, ihnen die dienen erfordert Zeit. Weil die Montessori-Methode darauf Rücksicht nimmt, erfordert sie Zeit.

Zeit ist etwas in unserer heutigen Gesellschaft, die wir nicht haben. Die wir meinen, nicht zu haben! Und daher werden wir schnell ungeduldig! Wir meinen, dass wir keine Zeit haben darauf zu warten, dass unser Kind nun endlich bereit dazu ist, sich alleine anzuziehen, sich die Zähne zu putzen, weiter zu laufen, damit wir an unserem Ziel ankommen. Wir drängen und bedrängen das Kind und setzen uns oft über es hinweg. Es treten Konflikte auf, es bedeutet Streß für uns alle. Wir wollen etwas ändern, doch finden wir keinen Weg. Weil der von uns angedachte Weg immer sofort funktionieren muss. Wir sind ungeduldig! Wir müssen zurückfinden, zu kleinen Schritten. Zu kleinen Dingen, die wir nach und nach verändern, um somit unseren Alltag zu "entschlacken", leichter zu machen, um somit mehr auf unser Kind eingehen zu können. Mehr Zeit einplanen! Unsere Kinder mehr einbinden! Unseren Kindern Dinge zutrauen! Zeit! Zeit! Zeit!

Aber sich auch eingestehen, dass bisher funktionierende Situationen, nun vielleicht nicht mehr funktionieren und Konfliktpotentiale bieten. Unsere Kinder wachsen stetig, sie verändern sich stetig, haben stetig neue Bedürfnisse. Wir müssen uns darauf einstellen und bisher funktionierende Alltagskonstrukte überdenken und neu planen. Ein stetiger, ein kontinuierlicher und ewig währender Verbesserungsprozess! Wir dürfen niemals stehen bleiben und denken nun haben wir es erreicht! Das Ziel! Nun ist alles perfekt und es gibt nichts mehr zu verbessern und zu verändern! Dann werden wir enttäuscht sein, wenn wir merken, dass es nicht so ist! Dann werden wir vielleicht in alte Gewohnheiten zurückfallen, ob der Enttäuschung!

Kleine Schritte, immer wieder kleine Schritte. Ein Schritt zu gehen ist fast mühelos. 1.000.000 Schritte sofort zu gehen schon eher und wir zweifeln eventuell daran, ob es funktionieren wird. Wir werden auf der Hälfte der Strecke vielleicht zu ungeduldig. Kleine Schritte! Jede kleinste Veränderung, ist eine Veränderung zum Besseren!

* Die hier aufgeführten Zitate stammen von Catherine McTamaney aus dem Buch "Das Tao von Montessori"



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