Donnerstag, 18. September 2014

Mamabeat - Unser Leben - Unser Rhythmus- auch mit Kindern!

Anfang des Monats schrieb mich der Beltz-Verlag an, ob ich von einem ihrer aktuellen Bücher ein Rezensionsexemplar erhalten möchte. Die angehängte Beschreibung dazu klang sehr interessant:

Kinder sind spontan und anarchistisch! Der Supergau für eine auf Disziplin und Leistungsfähigkeit getrimmte Gesellschaft. Und die Eltern? Sie wollen die Bedürfnisse der Kinder, der Gesellschaft und die eigenen unter einen Hut bekommen. Es jedem Recht zu machen, ist da unmöglich. Was für ein Spagat!

Für die Schauspielerin Saralisa Volm sind Kinder das Leben in einer neuen Dimension – sie macht Lust, sich ohne Angst in ein pralles Leben mit Kindern zu stürzen, bei dem man sein Elternsein selbst definiert. Sie erzählt von ihrem Alltag als junge Mutter und spricht mit anderen Eltern über deren Lebensentwürfe. Beruf und Privatleben, On- und Off-Sein, alte Leidenschaften und neue Visionen, all das müssen Eltern abwägen. Daher heißt es bei der Autorin: Schluss mit der Spielplatzmelancholie – es geht darum bei allem Elternsein man selbst zu bleiben und seinen eigenen Rhythmus zu finden. In Mamabeat. Kinder. Chaos. Glück! erzählt sie amüsant und kurzweilig, wie sie sich von den Erwartungen der anderen befreit und ihren eigenen Stil in Kinderfragen gefunden hat. Wie originell und unterschiedlich man die Elternschaft ausfüllen kann, beweist sie auch mit Lebens­entwürfen befreundeter Eltern, die sie an unterschiedlichen Stellen des Buchs vorstellt. In einem eigenen Kapitel befragt sie auch kinderlose Frauen bezüglich ihrer Motive und gibt damit auch ihnen Raum. Der Rückblick in ihre Kindheit zeigt, dass es ein Leben ohne Perfektionismus geben kann – Eigensinn, Stil und Kreativität sind gefragt. 
 
Das Buch lag einige Tage später in meinem Briefkasten und ich begann zu lesen. Schon der Anfang begeisterte mich, denn die Autorin bekam beide Kinder Zuhause! Einmal sogar als Alleingeburt. Sie beschreibt, die Vorteile und auch die aktuelle Hebammenproblematik und was uns ohne diese erwarten könnte. Ich bin ganz bei ihr und ihrer Einstellung zur Geburt und ihrem Körper, es stimmte mich auf den Rest des Buches ein. Solch eine positive Grundeinstellung wird sich sicherlich fortsetzen.
Meine Vermutung bewahrheitete sich und die Autorin erzählt herrlich frisch und ehrlich über die Erziehung und die Lebensweise mit ihren Kindern. Als beschäftigte Autorin und Schauspielerin ist dies sicherlich kein Standardmodell. Da muss man viel mit der kaum vorhandenen Zeit jonglieren und wie man seine Kinder betreuen lässt und von wem. Das dies nicht immer einfach ist, dass die Wohnverhältnisse auch mal sehr beengt sind, dass auch jeder mal an Grenzen kommt. Die Autorin beschreibt alles.
Sie versucht herauszufinden, warum das Lebensmodell Kinder heute so oft ausgedient hat. Warum viele erst so spät Kinder bekommen oder besser vielleicht garkeine erst planen. Sie befragt die verschiedensten Frauen, die ihr über den Weg laufen: Künstlerinnen, Studentinnen, Ärztinnen usw. Fast alle sind Kindern eigentlich nicht abgeneigt, aber sie wollen noch das erreichen, jenes erreichen. Dies beenden und dies tun, bevor die Kinder da sind. Manche sind auch einfach zufrieden ohne Kinder und bei so mancher fehlt einfach der passende Partner....

Aber was muss denn alles erreicht oder getan worden sein, bevor man Kinder bekommt? Kann man mit Kindern dies nicht mehr tun? Für viele scheinen Kinder Hindernisse zu sein, mit denen man nicht mehr das tun kann, was man noch tun wollte? Ist das wirklich so? Oder können wir es uns einfach nur nicht vorstellen? Oder träumen wir Seifenblasen nach, die wir eigentlich sowieso nie umsetzen wollten?
Viele wollen nicht spießig werden, dies passiere doch automatisch mit Kindern, oder? ... aber was ist denn nun spießig und werden wir nicht alle mit den Jahren etwas ruhiger, etwas sesshafter, wieviele von uns tun noch genau dies was sie in ihrer Jugend jedes Wochenende getan haben? Wieso träumen wir diesen vergangenen Tagen hinterher? Auch mit Kindern kann man in Urlaub fahren, reisen, ferne Länder bewundern. Man nimmt sich einen Babysitter und geht irgendwann mal wieder auf eine Party und wird danach merken, so jung ist man auch nicht mehr, dass solch eine Partynacht spurlos an einem vorbei geht.... selbst schon erlebt, sag ich euch... ich bin defintiv zu alt für diesen Sch***! 

Für die Autorin steht fest, es gibt kein perfektes Lebensmodell, Kinder können nicht in diesem Maße geplant werden, in dem wir es heute versuchen. Zunächst Schule, studieren, Partner finden, Geld verdienen, Häuschen kaufen und dann ran an die Nachwuchsplanung. Plötzlich gehört man zu Risikoschwangeren, der Nachwuchs lässt auf sich warten und dann stellt dieser noch die gewünschten Anforderungen an ihn, vollkommend auf den Kopf. Das war doch anderss geplant!

Wir sollten uns frei von akribischen Planungen machen, das Leben so nehmen wie es kommt und wissen, dass die meisten Hindernisse nur in unserem Kopf existieren und es doch meist immer Möglichkeiten gibt vieles unter einen Hut zu bekommen. Wenn man eben auch nicht darauf besteht alles perfekt haben zu wollen. Denn was ist schon perfekt? Wir werden immer Kompromisse machen müssen! Mit der Familie, mit dem Partner, mit Freunden, mit den Kollegen, mit dem Chef, mit Kunden.... die Liste ist endlos! Nicht die Kinder alleine stecken uns Grenzen, sondern die komplette Umwelt... irgendwie scheinen wir das oft zu vergessen.

Natürlich ist das Leben mit Kindern, nicht mehr exakt das Leben vor Kindern. Es wird anders sein, es wird neu sein, es wird anstrengend sein. Wir werden unsere Kinder lieben und sie auch auf den Mond wünschen. 
Wir werden uns ein Leben ohne unsere Kinder aber auch nicht mehr vorstellen können, sie werden Teil unseres Lebens werden, egal wie unser Lebensmodell aussehen wird. Es wird nicht das perfekte Modell und die perfekte Erziehung und das perfekte Leben geben... es wird unser Leben mit Kindern sein, unser Rhythmus, unser Mamabeat.... so einfach ist das!

Ein Buch mit Augenzwinkern. Es war kurzweilig und regt zum Nachdenken über das eigene Lebensmodell an.

 

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