Sonntag, 1. Juni 2014

Gehorchen und Durchgreifen?

Gestern war ich seit einer gefühlten Ewigkeit wieder beim Friseur... die Ewigkeit war so lang, das meine Karteikarte schon nicht mehr auffindbar war... also ihr versteht was ich meine! Meine Haare schon so lang, dass wir locker 20 cm wegnehmen konnten... und dann kam mal wieder etwas Farbe drauf, leuchtendes goldblond mit einem leichten rötlichen Schimmer... ihr merkt, ich passe mich meinem Kind an *hihi*

Wie toll das war, sich bedienen zu lassen, den Kopf gewaschen und massiert zu bekommen und über 2 Stunden einfach nichts zu tun. Achso, wir haben uns natürlich unterhalten und getratscht, wie man das beim Friseur nun mal so macht und ich habe an meinem derzeitigen Buch weiter gelesen. Das werde ich euch sicherlich bald vorstellen. Es sollten sich ALLE Eltern kaufen, noch bevor ihre Kinder auf der Welt sind, es würde soviele Missverständnisse aus der Welt schaffen!

Während meines Termins kam eine Mutter mit zwei Kindern herein, um einen Gutschein zu kaufen. Die Kinder und die Mutter warteten dann draußen, bis der Gutschein geschrieben war. Irgendwann wurde es laut und man hörte Kinderkreischen... die älteren Damen neben mir wurden schon unruhig. Ich konnte nach draußen blicken und so neben den zwei Kindern, noch ein Weiteres. Ein körperlich und geistig behindertes Kind im Rollstuhl, welches sich nur durch "Kreischen" verständigen konnte. Es hatte seinen Spaß, weil seine Geschwister um ihn herum tobten.
Die älteren Damen waren jedenfalls not amused (sieh sahen das dritte Kind auch nicht) und begannen sich über die Kindererziehung zu beschweren und gaben ihre Weisheiten zum Besten.
Eine erzählt von einer Fest, auf dem ein Elternpaar versuchten ihr 1,5jähriges Kind zum Weitergehen zu bewegen. Sie hätten es mehrfach auffordern müssen, es wollte nicht. Ja, wo kämen, wir denn da hin, laut der alten Dame! In einigen Jahren würde das Kind dann garnicht mehr gehorchen, wenn die Eltern jetzt nicht durchgreifen würden... da ich das Gespräch leider nur teilweise mitbekam und aufgrund der vielen Föns und Trockenhauben ruhige Gespräche wenig möglich gewesen wären, habe ich dazu nichts weiter gesagt...
Geändert hätte es in diesem Moment wohl auch nichts, denn diese alten Damen haben ihre Kinder nun mal schon so erzogen und sind sich ihrer Erziehungsmethoden sicher, sonst würden sie diese nicht so weitergeben... man kann nur hoffen, dass sich deren Kinder aufgrund ihrer schlechten Erfahrungen gegen diese Erziehung entschieden haben. Das sie ihre Kinder gleichwürdig erziehen und nicht auf die tollen Ratschläge und Weisheiten ihrer durch die schwarze Pädagogik erzogenen Elterngeneration hören... sonst wird dieser Kreislauf nie unterbrochen!
Wir brauchen schon lange keine kleinen gefolgsamen und untergeordneten Untertanen mehr. Die einfach nur gehorchen! Wir benötigen Kinder und Erwachsene die sich gleichwürdig behandeln, die selbstständig denken, einen eigenen Willen besitzen und nicht nur nachreden, was ihnen teilweise schlimmes eingeimpft wurde. 

GLEICHWÜRDIGKEIT
Eltern stellen oft die Frage, wie sie das Selbstwertgefühl der Kinder fördern können. Entscheidend ist, dass man Kindern gleichwürdig begegnet. Gleichwürdig heißt, dass die Wünsche, Bedürfnisse, Grenzen und Gedanken eines jeden Familienmitgliedes gleich wahr und ernst genommen werden. Niemand wird für das, was er fühlt und denkt gekränkt, kritisiert, gedemütigt oder lächerlich gemacht. Diese wahr und ernst nehmen, erfüllt das fundamentale menschliche Bedürfnis gesehen und gehört zu werden. Das lässt Kinder ein gesundes Selbstwertgefühl entwickeln, denn sie fühlen sich „richtig“, so wie sie sind. Mit jeder Kritik, jedem Sarkasmus und jeder Respektlosigkeit fühlen sich Kinder falsch und schuldig. Gleichwürdigkeit ist eine innere Haltung, die vor allem dadurch ausgedrückt wird, wie wir miteinander sprechen. Nur weil ich jemanden in seinem Wunsch ernst nehme, heißt das nicht, dass ich ihn erfüllen muss. Aber es macht einen Unterschied ob ich seinen Wunsch anerkenne und dann nein dazu sage oder ob ich ihn dafür kritisiere, dass er einen Wunsch äußert. „Ich will dir diese Puppe jetzt nicht kaufen“, ist eine klare Aussage, die niemanden kränkt. „Hör auf zu quengeln mit deiner Puppe“, ist eine Antwort, die das Kind erniedrigt. Es kommt nicht auf den Inhalt an, ob ich ja oder nein zu etwas sage, sondern wie ich etwas sage, ob ich die Würde des Kindes respektiere.

ELTERN SUCHEN HEUTE NACH WEGEN
Redaktion & Zusammenstellung Astrid Egger familylab-Seminarleiterin Bozen


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