Montag, 23. Juni 2014

Frust im Tierschutz

Heute muss ich Frust ablassen und zwar nicht über mein Herzkind, sondern über die Tierschutzarbeit. Auch wenn ihr nun denkt, was hat das in einem Mama-Blog zu suchen... ich denke das Thema ist hier ganz richtig! Denn gerade die Kleintiere, die Meerschweinchen, Kaninchen und Hamster dieser Welt werden meist auch für die Kinder angeschafft. Und hier kommen nun wir im Tierschutz zum Einsatz!

Vor mehr als 8 Jahren habe ich den Verein mitbegründet. Wir gründeten einen Tierschutzverein speziell für Meerschweinchen, um Anlaufstelle in der Region zu werden. Viele Tierheime sind auf Hunde und Katzen ausgelegt, für die Kleintiere ist meist kein fachkundiges Personal da und ebenso nur begrenzte Mittel. Wir wollten somit eine Möglichkeit bieten Halter gezielt zum Thema Meerschweinchen zu beraten und ebenfalls Pflegeplätze für abgegebene Tiere bereit halten und um uns um neue Zuhause für diese zu bemühen.

Ich war also auch von Anfang eine Pflegestelle und betreute diese neben meinen eigenen Tieren Zuhause mit. Die Abgabegründe sind meist vielfältig: Allergien (ob vorgespielt oder tatsächlich), Kinder haben kein Interesse mehr, finanzielle Engpässe, Jobwechsel und keine Zeit mehr, Wohnungswechsel und kein Platz mehr, Trennung/Scheidungen und und und... alle Gründe mal mehr oder weniger plausibel. Bei der Abgabe handelt es fast immer um gesunde Tiere... laut den Haltern und nun kommen wir zu meinem Frust!

Am Anfang unserer Vereinsarbeit mag diese Aussage meistens noch gestimmt haben. Wir haben viele Tiere aufgenommen, meistens gesund. Die Böcke wurden kastriert, die Tiere gepflegt und dann vermittelt. In den letzten 2 Jahren kommen die Halter in unsere Pflegestelle, öffnen die Transportbox und wir sehen kein gesundes Tier.. obwohl uns dies gesagt wurde. Wir verbringen Stunden beim Tierarzt, beim päppeln, beim pflegen, beim Leiden und Kämpfen mit unseren kleinen Patienten.

Ein Grund warum ich mit der Geburt des Herzkindes die Pflegestellentätigkeit auf Eis gelegt habe. Pflegetiere aufzunehmen ist unberechenbar. Angeblich gesunde Tiere, werden sterbenskrank gebracht und der Zeitaufwand ist nicht absehbar. Aber auch Schübe und Phasen eines Kleinkindes sind nicht absehbar und mein Herzkind sollte nicht ständig hinten anstehen. Also wechselte ich zu unserem Vereinsbereich Urlaubsbetreuungen. Die Gehege waren schließlich da und ich wollte dem Verein weiterhin tatkräftig unter die Arme greifen, zumal die Anfragen für Urlaubsbetreuungen in den letzten 2 Jahren ebenfalls massiv angestiegen sind. 
Bisher liefen die Urlaubsbetreuungen problemlos. Die Tieren waren gesund, wenn es uns so gesagt wurde und hin und wieder waren auch mal Tiere dabei, die vorangekündigt etwas mehr Betreuung benötigten. Alles kein Problem. Urlaubsbetreuungen sind zeitlich begrenzt und somit auch mal eine intensivere Betreuung durchaus machbar.

Jetzt war es zum ersten Mal nicht so! Ich bekam ein Tier in die Betreuung gebracht, ich kenne es nun schon seit vielen Jahren, welches aussah wie ein Häufchen Elend. Und ich wusste davon nichts! Ich bin sauer und wütend. Denn nun musste ich mich um das Tier kümmern. Ich musste Zeit opfern. Zeit die normalerweise dem Herzkind zusteht. Ich musste nun alle paar Stunden päppeln, weil das angeblich fressende Tier, bei mir nun das Fressen eingestellt hat (klar, der Streß der neuen Umgebung) und nun muss ich den kleinen Kerl wohl heute gehen lassen. Er schafft es nicht mehr... ich muss den letzten Weg gehen...

Jetzt habe ich die Pflegestellentätigkeit beendet, genau wegen solcher Fälle... und nun ist es auch bei den Urlaubsbetreuungen so?
Ich habe eine Woche nun gekämpft mit dem kleinen Kerlchen, doch es zwar zu spät!

Tierschutz ist so verdammt frustrierend! Immer wieder sehen wir solche Fälle, immer wieder kämpfen wir und klären auf. Ich höre immer wieder von Außenstehenden, dass das Personal im Tierheim oder Notstationen so patzig oder unpersönlich wäre. Das Vermittlungsbedingungen so streng sind... ja als Außenstehender mag das schwer zu verstehen sein, dass Tierschutzmenschen nicht immer höflich sind und doch eigentlich froh sein müssten um jedes vermittelte Tier... ich würde manchmal so gerne Bücher über alle unsere Erfahrungen schreiben, über jeden einzelnen Fall... vielleicht würde es Augen öffnen. Vielleicht würde es Leben retten! Aber wir wissen auch, das diejenigen die es eigentlich lesen müssten, damit sich etwas ändert... es doch wieder nicht tun! Es ist frustrierend!

Und somit bin ich nun echt am überlegen, will ich weiterhin Urlaubsbetreuungen anbieten? Noch ist mein Sinn zu helfen groß! Die Tiere können nichts für ihre Halter! Auf Dauer muss ich aber an mein Herzkind denken und die begrenzte Zeit die ich habe. Wie hätte ich diesen zeitlichen und nervlichen Aufwand leisten können, wenn ich wieder zusätzlich arbeiten gehe? Ich hoffe einfach, es war eine Ausnahme...

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