Freitag, 1. November 2013

Schaukraft der Liebe - Unsere Verantwortung

Folgende Sätze schreibt Maria Montessori schon ganz zu Anfang in ihrem Buch "Kinder sind anders":

"Das Kind [...] stellt das wichtigste Element im Leben des Erwachsenen selbst dar: das Element des Aufbaus.
Alles Gute und alles Böse des Menschen im reifen Alter ist eng verknüpft mit der Kindheit, in der es seinen Ursprung hat. [...] Auf das Kind einwirken heisst, den zartesten und vitalsten Punkt anrühren, an dem alles sich entscheiden und erneuern kann, wo alles von Leben strotzt, wo die Geheimnisse der Seele beschlossen liegen, weil dort sich der Aufbau des Menschen vollzieht."

Diese Worte lassen schlucken und sie schmecken überhaupt nicht! Sie bedeuten doch, dass wie als Eltern, als jeder Erwachsene der Umgang mit Kindern hat, eine große Verantwortung haben! So oft führen doch Straftäter auf, dass es an ihrer Kindheit liegt, dass sie nun sind, wie sie sind... für mich klang das immer wie eine Ausrede. Man kann doch seine Kindheit nicht für alles verantwortlich machen, was man nun als Erwachsener tut. Aber der Erwachsene entsteht aus dem Kind und trägt alles erlebte der Kindheit in sich. Viele Studien zeigen doch auch auf, dass das soziale Umfeld eine große Rolle spielt. Wo man hinein geboren wird, dort verbleibt man auch oft und hat kaum Chancen dort heraus zu kommen. 
Eine große Verantwortung, die wir als Eltern also haben. Einschüchternd, wenn man bedenkt, wie sehr wir doch auf das Kind einwirken können. In oben genanntem Buch wird Maria Montessori im Kapitel "Schaukraft der Liebe" noch deutlicher. Ich muss es nun einfach niederschreiben, viel kann ich nicht herauskürzen. Es beleuchtet einfach zuviel, zuviel Wichtiges:

"Man könnte sagen, die Liebe sei der Maßstab für das Heil und die Gesundheit der Seele. [...] Man versteht in der Regel ein Gefühl; doch die kindliche Liebe kommt aus der Intelligenz, und sie baut auf, indem sie liebevoll sieht und beobachtet. [...] Ist nicht gerade die Empfänglichkeit, die uns an einer Erscheinung Züge bemerken lässt, die andere nicht sehen, nicht schätzen, nicht entdecken, ein charakteristisches Kennzeichen der Liebe? Der Intelligenz des Kindes entgeht auch das Verborgene nicht, eben weil es mit Liebe beobachtet. [...]
Im Kind ist die Liebe noch frei von Widersprüchen. Es liebt, weil es die Welt in sich aufnimmt, weil die Natur ihm dies gebietet. Und es absorbiert alles, was es aufnimmt, um es dem eigenen Leben, der eigenen Persönlichkeit einzuverleiben.
Innerhalb der kindlichen Umwelt bildet der Erwachsene den wichtigsten Gegenstand der Liebe; von ihm erhält das Kind die materiellen Hilfen, von ihm nimmt es, mit intensiver Liebe, das, was es zur eigenen Formung benötigt. Für das Kind ist der Erwachsene ein verehrungswürdiges Wesen; von seinen Lippen strömen, wie aus einer unerschöpflichen Quelle, die Worte, deren das Kind für sein eigenes Sprechvermögen bedarf und die es bei seinem weiteren Tun leiten werden. [...]
Ihn nachahmen, bedeutet für das Kind ins Leben eintreten. Worte und Handlungen des Erwachsenen bezaubern und faszinieren das Kind dermaßen, dass sie suggestive Kraft über seine Seele erlangen. Die Sensibilität des Kindes dem Erwachsenen gegenüber ist so groß, dass der Erwachsene im Kind selbst zu leben und zu handeln mag. [...]
Darum sollte der Erwachsene jedes Wort, das er in Gegenwart von Kindern spricht, sorgfältig abwägen, denn das Kind dürstet danach, zu lernen und Liebe in sich aufzuspeichern."

Dieses Kapitel zeigt auf, wie sehr wir Einfluß auf unser Kind haben, wie sehr wir es formen können, denn es möchte von uns lernen. Wir alle möchten nur das Beste für unsere Kinder. Ich möchte das es meinem Herzkind gut geht, er Freunde haben wird, ein gutes Leben haben kann. Ich möchte ihn auf dieses Leben vorbereiten und hoffe, dass ich es schaffen werde. Eine große Verantwortung! Mit jedem neuen Tag! Ich werde bei dir sein, mein Herzkind, wann immer du mich brauchst!


Kommentare:

  1. Liebe Sabrina, dein Beitrag ist wunderschön! Auch das Buch habe ich, wie ich es gelesen habe, regelrecht verschlungen.
    Und wenn man in FB zum Beispiel diese Seiten findet (du hast es sicher auch mitbekommen), die Kinder missachten, bin ich richtig fassungslos. Wenn wir unsere Kinder so behandeln, wie soll dann unsere Zukunft, die Zukunft von uns allen aussehen? Ja, das ist eine große Verantwortung. Und manchmal habe ich das Gefühl, wir Erwachsenen sind dieser Aufgabe nicht immer gewachsen. :(
    Ganz liebe Grüße,
    Anna

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Hallo liebe Anna,

      ich kann mich noch erinneren, wie ich in der FB-Gruppe schrieb, das Buch liest sich für mich sehr schwer. Aber man muss sich erst einmal einfinden und dann versteht man was Maria sagen will in ihrer Ausdrucksweise.
      Nein, wir sind der Aufgabe sicherlich nicht immer gewachse,, zuviel Schlimmes liest und hört und sieht man auch. Gerade deswegen macht man sich soviele Gedanken, ob man auch wirklich alles richtig macht!

      Liebe Grüße, Sabrina

      Löschen
  2. Hmm. Ich finde das ein schwieriges Thema und sehe es ehrlich gesagt ein wenig anders. Sicherlich spielt das soziale und emotionale Umfeld per se eine große Rolle beim Aufwachsen von Kindern und wir Eltern haben die größte Verantwortung überhaupt. Aber, wenn man ein "normales", liebevolles und zugewandtes Umfeld mal voraussetzt (und kein Straftäter-Milieu), ist es doch offensichtlich, wie unterschiedlich sich Kinder aus dem identischen Umfeld entwickeln (siehe bei Zwillingen). Das trifft auf mich und meinen Bruder zu, genauso wie meine beiden Kinder von Anfang an schon komplett gegensätzlich waren. Die gleichen Maßnahmen, die gleichen Bemühungen für beide führen zu unterschiedlichen "Ergebnissen", weil die Charaktere verschieden sind. Von Geburt an. Ich sage nicht, dass man nicht unterstützen, beeinflussen, fördern kann, aber das Wesens-Grundgerüst besteht, ohne dass wir Eltern darauf irgendeinen Einfluss hätten. Und deshalb verläuft die Entwicklung auch verschieden. Ich glaube, dass wir zwar etwas vorleben können, aber ob das dann Früchte bei unseren Kindern trägt, hängt von den individuellen Voraussetzungen ab. Banales Beispiel: Höflichkeit vorleben, nicht antrainieren. Wird bei uns von Beginn an wie selbstverständlich gemacht. Bei einem Kind trägt es Früchte, bei dem anderen weniger. Ist das unsere Schuld? Eher nicht. Vielleicht sehe ich das auch so deutlich, weil meine Kinder eben so unterschiedlich sind. Jedes reagiert verschieden auf unsere Zuneigung, auf Vorbilder, auf Forderungen, auf Veränderungen etc. Es gibt ja auch immer wieder Beispiele, dass z.B. ein Draufgänger-Papa einen schüchternen, ängstlichen Sohn bekommt. Der kann sich auf den Kopf stellen und dem Sohn seinen Mut vorleben, der Sohn wird kein Draufgänger werden. Das Beispiel betrifft ein Wesensmerkmal, aber genausogut kann man das am Verhalten sehen. Für mich persönlich ist es eher so, dass ich lernen musste zu akzeptieren, dass wir als Eltern weniger beeinflussen und formen können als gedacht, sondern überwiegend begleiten und unterstützen können. Vielleicht ist das aber auch eine Frage der "Pflegeleichtigkeit" des Kindes: es gibt ja solche Kinder, die relativ einfach zu händeln sind, und die problemlos die "Vorgaben" der Eltern erfüllen. Haben wir selbst im Freundeskreis. Auch das ist meiner Meinung nach angeboren und hat nichts mit dem "Erziehungsstil" der Eltern zu tun (in dem Fall offensichtlich nicht, weil beide Eltern sehr gegensätzlich erziehen). Also, ein pflegeleichtes Kind kann man sicherlich mehr formen als ein willensstarkes Kind.
    Letztens ging mal ein SZ-Artikel darüber, wie Kinder ihre Eltern formen/erziehen durch das Netz, den ich sehr gut fand. Auszug: "Ein besonders selbstbewusstes, freiheitsliebendes Kind hingegen wird so lange Grenzen übertreten, bis die Eltern ein Stück weit nachgeben." Ich konnte vieles aus meiner Erfahrung bestätigen.
    http://www.sueddeutsche.de/leben/erstaunliche-studie-mensch-mama-1.2692522-2

    Was meinst Du dazu, kannst Du das nachvollziehen?
    Liebe Grüße!

    AntwortenLöschen

Related Posts Plugin for WordPress, Blogger...