Donnerstag, 15. September 2016

Windelfrei? Abhalten? Oder einfach: Jede Windel zählt?

Wegwerf-Windeln
Wegwerf-Feuchttücher
Wegwerf-Unterlagen

Plastik-Windeleimer und parfümierte Plastik-Müllbeutelchen....

Ja, so sah der Beginn aus. Das waren einige der Dinge, die wir damals in der Schwangerschaft mit dem Sohn gekauft und auch eine ganze Weile, ohne uns weitere Gedanken zu machen, verwendet haben. Es war einfach so. Jeder macht das so. Es gab keine Vorbilder oder Eltern, die es anders machten. Bzw. wenn es dann doch mal EINER anders machte, dann runzelte ich und eben auch die anderen Eltern, die Stirn und fragten uns, wieso? Wieso Stoffwindeln? Oder gar windelfrei? Was für eine Arbeit, was für eine Absurdität! Gar ohne Windeln! Da wird ja alles vollgepinkelt und gar noch schlimmeres....

Zum Glück gibt es Internet. Im Word Wide Web lernt man so einige Eltern kennen, die es ANDERS machen. Ob nun unterschiedlichste Erziehungs- bzw. Beziehungsansätze mit den Kindern, als auch Eltern die ihre Kinder tragen, die ihre Kinder mit Stoffwindeln wickeln und solche Eltern, die ihre Kinder sogar abhalten. 

Seit Beginn der Elternzeit und mit dem intensiven Lesen in Elternforen, Facebook-Gruppen und vielen Blogs stolperte ich also immer wieder über diese Themen. Immer wieder las ich also darüber, immer mehr wurde es dadurch nicht mehr absurd und komisch, sondern es schien doch irgendwie auch möglich zu sein und wohl auch garnicht so kompliziert, wie ich zunächst dachte.

Mit dem Sohn begann ich dann doch noch mit den Stoffwindeln. Er war zu diesem Zeitpunkt schon 16 Monate alt. Für mich kein Hinderungsgrund, denn der Leitspruch ist: Jede Windel zählt! Jede Wegwerfwindel, die durch die Verwendung von Stoffwindeln ungenutzt bleibt, ist gut für das Kind und gut für die Umwelt.

Durch diese gemachten Erfahrungen war schnell klar, dass ich die Tochter von Beginn an mit Stoffwindeln wickeln würde und auch das Thema Abhalten schien mir garnicht mehr so undenkbar. Es wirkte für mich wie eine logische Schlußfolgerung. Wer möchte denn schon in seinen Ausscheidungen liegen wollen? Wer wollte es nass am Po? 

Ich versuchte es also nach der Geburt mit dem Abhalten, nach anfänglichen Erfolgen, klappte es aber irgendwie garnicht und durch meine Erschöpfung und der ständigen Verfügbarkeit meiner Tochter gegenüber, ließ ich es dann doch sein. Was ich aber durch das genaue Beobachten feststellen konnte, war doch, dass meine Tochter auf Ausscheidungen in der Windel reagierte und dann unruhig wurde. Sie wollte nicht darin liegen, sie wollte zügig eine frische Windel.  Diesem Wunsch, dieser Kommunikation durch sie, kam ich dann natürlich direkt nach.

Vor Wochen las ich dann wieder öfters über Windelfrei und die Kommunikation mit dem Baby in meiner Facebook-Timeline. Es motivierte mich, es nun doch wieder zu versuchen und ich probierte es erneut.
Immer nach dem Wickeln, hielt ich die Tochter ab und schnell fand ich heraus, morgens nach dem Aufstehen, da klappt es am Besten. Da wird sich direkt von der langen Nach erleichtert und gerade bei Stuhl merkte ich schnell gewisse Anzeichen, die im Vorfeld da waren, wie etwa häufigeres Pupsen. Unruhig sein beim Stillen, plötzliches Meckern, obwohl doch gerade noch alles ok war, nicht einschlafen können, obwohl die Tochter hundemüde ist. Solche Zeichen zeigten, am besten sollte ich sie mal abhalten und tatsächlich wurde ich mit Erfolgen belohnt.
Auch Auswärts bei Freunden am See und bei meinen Eltern Zuhause, habe ich diese Zeichnen nun schon erkannt.

Natürlich klappt das bei Weitem nicht immer, manchmal bin ich nicht schnell genug und nur Pipi erkenne ich irgendwie auch ganz, ganz selten... aber ich sag mir einfach: Jede Windel zählt! Denn auch jede gesparte Stoffwindel schont die Umwelt! Und ich lerne meine Tochter mit jedem Mal etwas besser zu verstehen und ich kann ihr helfen sich zu erleichtern ohne sich selbst beschmutzen zu müssen. 

Von Wegwerfwindeln, zu windelfrei. Das ist schon ein großer Schritt und wie viele Mamis schon in ihren Blogartikeln beschrieben haben, windelfrei ist einfach eine blöde Übersetzung. Wir praktizieren nicht windelfrei. Wir halten ab, wenn es unsere Tochter kommuniziert. Wir versuchen zu beobachten und zu deuten. Wir lernen als Eltern jeden Tag dazu und entwickeln uns mit unseren Kindern weiter.
Wir müssen und sollten nicht erst damit beginnen unsere Kinder zu beobachten, wenn sie im Kleinkindalter keine Windeln mehr tragen möchten und wir verhindern wollen, das die Kleidung nass wird. Die gleichen Beobachtungen könnten wir schon bei unseren Babys tun. Wir haben es leider verlernt, auf diese Zeichen zu achten. Wir haben in unserem Umfeld meist keine Vorbilder, die uns dies zeigen könnten. Viele von uns, stolpern genau wie ich auch, erst im Internet über diese Möglichkeiten und sind damit meist überfordert und trauen es sich aus Unwissenheit nicht. Es wirkt zunächst so arbeitsintensiv, so viel und umfangreich. 

Ich hab mich auch lange nicht getraut, ich dachte an neumodischen Blödsinn und an Arbeit, die ich mir sicherlich nicht zusätzlich noch aufhalsen werde. Gelernt habe ich aber: Mit Stoff zu wickeln, macht mir persönlich keine wirkliche Arbeit mehr. Ich schütze damit meine Kinder, ich helfe der Umwelt. Gelernt habe ich auch, windelfrei muss man nicht so verbissen sehen, mit dem Zwang wirklich windelfrei sein zu müssen. Wir verwenden weiterhin Stoffwindeln und halten ab, wann es passt und ich die Signale meiner Tochter verstehe. Einfach machen, einfach probieren. Von einer abgewunkenen Absuridität zu einer Alltäglichkeit, einfach durch Sichtweisenänderung, durch neue Blickrichtungen, durch Erfahrungen anderer Eltern. Ich mag das Internet und meine Bloggerblase sehr. Ich fühle mich wohl bei den Blogs und den Facebook-Gruppen die ich lese und lerne dazu. Und gerade bei diesem Thema bin ich sehr froh, dass ich meine Einstellung ändern konnte. 

Denn, jede Windel zählt!

Montag, 12. September 2016

Wenn der Leidensdruck groß wird...

Letzte Woche war ich zu einer Zwischenuntersuchung bei meiner Kinderärztin. Also eigentlich war ich bei meiner Kinderärztin... herein kam dann der alte Kinderarzt, der eigentlich schon in Rente ist und wohl trotzdem gerne noch ab und an aushelfen möchte.

Bisher hatte ich mit ihm keine Probleme. Bisher hatte ich aber auch keine Probleme, die ich mit ihm hätte besprechen müssen. Also keine Auffälligkeiten, keine schlimmen Krankheiten... ich musste einfach nur zu den U-Untersuchungen kommen, mir die Bestätigung abholen, dass alles gut ist und konnte wieder mit den Kindern nach Hause gehen.

Nun ist das Schlafverhalten der Tochter nicht das Beste. Tagsüber schläft sie schlecht, bis wenig, bis kaum und auch Nachts ist sie meist stündlich wach, schläft schlecht wieder ein, kann auch mal zwischendrin ein paar Stunden wach sein usw. Gefühlt komme ich hier also an eine Grenze und mit dem Besuch bei der Osteophathin bestätigte es sich, dass bei der Tochter Blockaden und Verspannungen das schlechte Schlafverhalten begünstigten.

Ich erzählte dies auch dem Kinderarzt, der daraufhin nur abwinkte und meinte ich solle die Kleine doch einfach mal bei den Großeltern abgeben und ein Wochenende mal ausschlafen. Ich erklärte ihm, dass sie sich nicht von den Großeltern beruhigen lässt, in keinster Weise. Selbst mein Mann kann sie kaum beruhigen, Abends schon garnicht. Auch hier winkte der Kinderarzt nur ab, das würde schon funktionieren... aha... 
Und ob ich denn das Buch "Jedes Kind kann schlafen lernen" kennen würde? Das würde er mir empfehlen. Damit disqualifizierte er sich entgültig bei mir und ich baute mich vor ihm auf und erklärte ihm, dass ich mein Kind sicherlich nicht schreien lassen werde, wenn es mich braucht!

Dann wäre mein Leidensdruck noch nicht groß genug, entgegnete er mir. Ich musste mich nun wirklich zurück halten (denn mein Sohn war auch dabei) und sagte ihm, dass schließlich Blockaden und Verspannungen gefunden wurden und wir meiner Tochter nun helfen wollen und das mein Leidensdruck hierbei so groß nicht werden kann, dass ich dieses Buch zu Rate ziehen würde. Ich verabschiedete mich, ging zur Anmeldung und forderte dort, dass für die Zukunft vermerkt ist, dass ich nur noch zur Kinderärztin möchte, die immerhin diese Praxis auch übernommen hat. Mein Sohn will sowieso nur noch zu ihr. Er hat wohl schon viel früher verstanden, was er von diesem Mann zu halten hat, als ich selbst.

Wenn ich daran zurück denke, werde ich immer noch so sauer. Zum Einen, da ich im Grunde keine Hilfe für meiner Tochter bekommen hatte. Den Erkenntnissen meiner Osteophathin wurden garkeine Beachtung geschenkt, also das hier eben wirklich Schmerzen und Unwohlsein, das Schlafverhalten beeinflussen könnten und zum Anderen werden mit uralten und überholten "Weissheiten" um sich geschmissen, die nachweislich den Kindern schaden und verzweifelte Eltern noch mehr verzweifeln lassen, da sie ihre Kinder schreien lassen sollen. 
Hier werden Bindungen zwischen Eltern und Kindern zerstört. Das kindliche Vertrauen in die Eltern. Das Wissen des Kindes, wenn ich rufe, wenn es mir nicht gut geht, dann kommen meine Eltern, dann sind sie für mich da. Das wird mit Schreienlassen, mit dem Ignorieren der kindlichen Bedürfnisse zerstört.

Dieser Kinderarzt ist in Rente und da ist er auch genau richtig! Es macht mich sehr traurig, da ich im Grunde weiß, diese Situation ist kein Einzelfall. Sie steht symbolisch für viele Eltern, die Hilfe suchen bei Fachpersonen und diese Hilfe dort aber nicht bekommen werden. Dort ist oft noch das Kind der Tyrann und das Kind hat zu funktionieren. Deren Bedürfnisse wird dabei wenig bis keine Beachtung geschenkt. Ich will damit sagen, wir Eltern müssen auch auf uns hören, vielleicht andere Wege gehen, nach DER geeigneten Hilfe für uns und unsere Kinder suchen, wenn wir sie brauchen. Manchmal kann die Suche auch länger dauern. Die erste Hilfe oder Meinung, muss jedenfalls nicht die Richtige sein.


Samstag, 3. September 2016

Wenn Blogger sich treffen.... das 2.RMEB

Huch! Nun ist es auch schon wieder 2 Wochen her, dass wir uns zum zweiten Mal zum Rhein-Main Elternbloggercafe getroffen haben und weil es so schön war, möchte ich jetzt noch, auch wenn ich hier total verspätet bin, darüber schreiben!
Wie ihr lieben LeserInnen ja wisst, mit der kleinen Tochter komme ich gefühlt zu nichts und daher liegt zeitweise auch immer mein Blog etwas auf dem Abstellgleis... irgendwann werden sich die Zeiten wieder ändern... ganz bestimmt... ich weiß das... alles nur eine Phase... ihr wisst...

Ich freute mich jedenfalls sehr auf das zweite Treffen und das ich einen der wenigen Plätze ergattert habe. Denn, viele wollten kommen, aber zu groß wollten es Frida und Marsha auch nicht werden lassen, damit es seine Gemütlichkeit behält und die Chance besteht auch mit jedem der anwesenden BloggerInnen ins Gespräch zu kommen.

Gekommen sind an diesem Sonntag vor zwei Wochen:

Dani von Glucke und so
Carina von Nordhessenmami
Anke von Gemüsebaby
Christina von Rabaukenmami
Mara von Erdbeerlila
Martina von Jolinas Welt
Sabrina von Babykeks
Jenny von Kind und Studium

und die Gastgeber:

Marsha von Mutter & Söhnchen
Sepp und Frida von 2KindChaos 

Getroffen haben wir uns im Hofgut Oberfeld. Ein sehr gemütliches Fleckchen am Rande Darmstadts mit viel freier Fläche, Rutschfahrzeugen und Heuscheune für die Kinder und einem tollen Hofladen, mit Frühstück, Kaffee, Kuchen und auch kleinen warmen Mahlzeiten. Alles in Bio- und sogar Demeter-Qualität. Also es ist empfehlenswert und diese Location war von unseren GastgeberInnen wirklich gut gewählt worden. 


Da wir uns fast alle schon vom 1.Treffen her kannten, ging das wilde Quatschen und Schnacken auch direkt los und natürlich drehte es sich vorwiegend um das Bloggen. Wieso bin ich schon so viele Jahre Blogger und habe nur so wenige Leser? Was könnte ich ändern? Habt ihr auch von dem und dem eine Kooperationsanfrage erhalten? Wie geht ihr mit bestimmten Angeboten um? Habt ihr ein Gewerbe angemeldet? Wie muss ich das alles verrechnen? Welchen Wert gebe ich an? Einen möglichen Einkaufspreis des Kooperationspartners oder den Verkaufspreis? Was ist wenn ich die erhaltende Sache irgendwann verkaufe oder doch behalte? 
Wieviel Seitenaufrufe hast du oder du im Monat? Wer von euch macht Kooperaionen? Und wer nicht? Wie kennzeichnet ihr das auf eurem Blog? 

Ich sag euch, am Ende schwirrte mir schon etwas der Kopf. Da kam doch nochmal einiges an neuem Input zusammen und so ging es nicht nur mir! Wir baten, ja bettelten fast, dass Frida und Marsha Menschen finden, die über Themen wie Gewerbe, Verrechnung usw. doch einige Vorträge bei dem oder den nächsten Treffen halten könnten. 

Der Vormittag ging viel zu schnell vorbei und Frida und Marsha richteten Goodie-Bags für alle! Hallo? Wer hätte denn bitte damit gerechnet? Immerhin wollten wir uns doch eigentlich nur zum gemütlichen Plauschen treffen! Ich hab mich wirklich sehr darüber gefreut und es waren wieder sooo viele tolle Dinge darin enthalten. Vielen lieben Dank ihr Beiden!

Es waren zwei Spiele von Amigo enthalten. Die Regenbogenschlange haben wir schon ausgetestet und zum kurzen Zeitvertreib ist diese wirklich richtig klasse! Die tollen Stabilo Woody Stifte hab ich direkt zurückgehalten und werden dann in den Besitz der Tochter übergehen, wenn sie dann soweit sein wird. Diese Stifte sind ebenfalls richtig super und vielseitig! Und die duftigen Shampoo&Shower Gels von Bübchen wurden direkt vom Sohn abgegriffen. Wenn er mit Papa zusammen duschen geht, heisst es nun "Papa, was möchtest du heute sein? Ein Paraiesvogel oder ein Apfelbäckchen?" Hihi!
Alles zusammen war in einer sehr stabilen und schicken Tasche von Brigitte MOM gepackt und dazu gab es noch eine Ausgabe der Brigitte MOM. 
Danke, liebe Sponsoren für eure Zusammenarbeit mit Frida und Marsha!

Nach und nach gingen nun alle Blogger, schade, dass es immer so schnell zu Ende geht. Es hat wieder richtig viel Spaß gemacht, mit Gleichgesinnten zu quatschen und sich auszutauschen. Die Tochter war auch wunderbar entspannt (hat den größten Teil auch verschlafen) und so bleibt am Ende nur zu sagen:

Liebe Marsha, liebe Frida: Danke für einen wundervollen Vormittag. Danke, dass ihr diese tollen Treffen auf die Beine stellt und hoffentlich: Bis zum nächsten Mal!


Donnerstag, 1. September 2016

Unser Besuch bei der Osteophathin

Vor knapp einem Monat war ich mit der Tochter bei einer Osteophathin. Irgendwie hatte ich das Gefühl ich muss dort hin. Irgendwie dachte ich, Osteophathie könnte helfen. Obwohl ich auch gleichzeitig dachte, wieso sollte unsere Tochter Verspannungen oder Blockaden haben, immerhin ist sie nun schon 7 Monate alt, wenn, dann hätte das ja nach der Geburt alles auftauchen müssen, oder?

Ich kann euch gleich sagen, auch nach so vielen Monaten können geburtsbedingte Blockaden, Verspannungen oder Traumata nachwirken, ohne das diese zu Anfang wirklich am Verhalten oder dem Bewegungsablauf ersichtlich sind. 
Gerade der Bewegungsablauf der Tochter entwickelte sich zu Anfang genauso zügig, wie bei ihrem Bruder. Mit 4 Monaten drehte sie sich und war auch sonst recht zügig mit der Bewegung ihrer Händchen, dem Greifen usw. 
Erst später merkte ich, sie hing ihrem Bruder etwas hinterher, was eigentlich nichts zu sagen hat, denn eigentlich darf man Kinder untereinander nicht vergleichen. Aber gerade weil die Entwicklung in den ersten Monate von Beiden im Grunde exakt parallel lief, kam ich etwas ins Überlegen und neben dem immer schlechter werdenden Schlafverhalten, reifte der Gedanken nach einem Osteophathen-Besuch in mir.

Diese Überlegungen verkündete ich meinen Instagram-Lesern und eine liebe Mama, welche ich während der Geburtsvorbereitung in der Schwangerschaft mit dem Sohn kennenlernte, empfahl mir eine Osteophathin. Denn auch sie hatte ähnliches bei ihrer Tochter festgestellt, die anfangs gut schlief und dann nicht mehr, ebenfalls immer getragen werden wollte und auch in der Bewegungsentwicklung zurück fiel.

Schaden kann es nicht, dachte ich mir und machte also einen Termin aus. Dort angekommen, sollte ich nur kurz ein paar Eckdaten nennen und was mir an meiner Tochter aufgefallen ist. Die Osteophathin schaute sich unsere Tochter genau an, tastete sie ab, drehte und bewegte sie und fragte dann direkt, wie die Geburt verlaufen wäre. Schnell, sehr schnell, schilderte ich.
Darauf sagte sie, genau das habe sie erwartet. Unsere Tochter hat einige Verspannungen und sie kennt eigentlich kaum ein Kind, welches bei einer schnellen und zügigen Geburt nicht doch irgendetwas davon getragen hat. Gerade bei sehr schnellen Geburten, schilderte sie, kann man es sich fast wie ein kleines Schleudertrauma vorstellen. Warum denn aber am Anfang alles gut war? Sie sogar durchschlief, fragte ich. Leichte Blockaden oder Verspannungen, fallen am Anfang vielleicht durch vermehrtes Spucken (hatten wir!) oder Lieblingsseiten beim Stillen auf (hat sie nicht, sie wechselt im Grunde ständig hin und her, sehr unruhig!) und durch Steifmachen (ja, hatten wir auch). Wenn dann die ersten Wachsstumsschübe kommen, entsteht immer mehr Druck und Spannung auf diese Stellen und jetzt machen sie den Babys so richtig Probleme und aus einem so tollen Durchschlafkind, wie meines es war, können dann Babys werden, die sich kaum noch ablegen lassen, ständig wach werden, vielleicht auch viel weinen, weil sie Schmerzen haben usw. Weinen tut meine Tochter nicht, wenn sie wach wird, ist sie einfach wach und will gestillt werden. Wenn sie nicht einschlafen kann, will sie getragen werden, aber sie weint dabei nicht, sie ist eben einfach wach, bis ihr irgendwann die Augen zu fallen. Es scheinen also bei ihr keine wirklichen Schmerzen zu sein, sondern eben unangenehme Verspannungen oder Druck, der sie am Schlafen hindert oder wieder weckt.
Zudem steht die Hüfte im Hohlkreuz, sie kommt dadurch nicht wirklich in den Vierfüßler, was sie sicherlich stark frustriert. Das merke ich auch, wenn sie auf ihrer Spieldecke ist und sie sich im Grunde nur im Kreis bewegt oder nach hinten. Irgendwann hat sie sich von allen Spielsachen entfernt und meckert frustriert und hat keine Lust mehr.
Die Osteophathin massierte unsere Tochter durch und zeigte mir auch weitere Übungen für Zuhause, die wir nun täglich mehrfach durchführen sollten. Was wir seit dem auch tun. Was sie mir aber auch mitgab... unsere Tochter ist ein kleiner Unruhegeist. Gerade dieses Trinkverhalten, ständiges An- und Abdocken, hin und her wechseln von einer an die andere Brust (kennt das jemand?), hat sie noch nie gesehen und ständig zappelt sie dabei mit Händen oder Füßen. Nur wenn sie hundemüde ist, kommt sie beim Stillen wirklich zur Ruhe und entspannt und schläft irgendwann dabei ein. Sie ist ein Kind mit viel Energie. Das sagte sie mit einem Augenzwinkern und ich weiß was sie meint. Sie hat einen ganz anderen Charakter als der Bruder, das wusste ich auch schon!

Nun hat der erste Besuch und auch die Übungen für Zuhause noch nicht so viel gebracht, langsam merke ich nun, die Schlafintervalle werden etwas länger, im Bewegungsablauf tut sich allerdings auch weiterhin nichts. Wir werden also einen weiteren Termin wahrnehmen, denn auch die Mama, die mir den Tip gegeben hatte, musste einige Sitzungen mit ihrer Tochter wahrnehmen, bis wirklich alle Verspannungen und Blockaden beseitigt waren. Und auch die liebe Sabrina von Holzhütteneinblicke, war mit ihrem Sohn schon einige Mal bei ihrer Osteophathin, denn das gemeine sind immer wieder die Wachsstumsschübe. Wenn Verspannungen und Blockaden noch nicht komplett beseitigt sind, gibt es mit dem nächsten Schub direkt wieder Probleme. Das ist schon sehr gemein und frustrierend für unsere kleinen Lieblinge.
Ich hoffe sehr, dass wir der Tochter damit bald helfen können. Natürlich hoffe ich es auch irgendwie für mich, gerade was den großen Frust und das Schlafverhalten anbelangt, denn hier leidet schließlich nicht nur die Tochter, auch ich muss es aushalten können und die Tochter dabei begleiten. Ich werde auf jedenfall weiter berichten!


Mittwoch, 31. August 2016

Die Praktische - Schlupfüberhosen von Little Clouds




Unsere Tochter wird mit Stoffwindeln gewickelt. Das haben mein Mann und ich zusammen entschieden. Beim Sohn habe ich es damals getestet und wurde für meine Entscheidung vom Mann eher kritisch beäugt. Mein Mann ist allerdings jemand, der keine Probleme damit hat Neues auszuprobieren und wenn dies auch sinnvoll ist und funktioniert, dann ist er schnell überzeugt. 
So war dies auch damals mit unseren Stoffwindel-Anfängen und schnell wechselte der Mann genauso überzeugt wie ich die Windeln.
Beim Sohn allerdings fanden wir nie das richtige Nachtwindel-System. Er pinkelte einfach zuviel und wir sind daher nach einigen Versuchen doch bedauerlicherweise bei Wegwerfwindeln geblieben.

Bei der Tochter wollte ich es nun wissen und probierte es wieder mit Nachtwindeln. Hier verließ ich mich auf die aktuellsten Nachtwindeln-Lieblinge unter den Stoffwindel-Mamis. Und testete bei den Neugeborenen-Nachtwindeln die Marken Petit Lulu und Anavy aus. Beide sind wirklich super und haben sich bewährt und werden ihrem guten Ruf gerecht. 
Für beide Nachtwindel-Marken gibt es auch die passenden Überhosen dazu und hier kommen wir nun zu einem kleinen Problem meines Mannes. Nachtwindeln sind grundsätzlich größer und mit mehr Saugmaterial ausgestattet. Logisch, denn sie müssen einiges an Flüssigkeit über Nacht aufnehmen können. Die Überhosen, welche z.B. Petit Lulu zu seinen Nachtwindeln anbietet, sind sehr knapp kalkuliert, wie ich persönlich finde. Mit etwas Übung, weiß man genau, wie man sie anlegen muss, aber wie geschrieben, viel Spielraum bleibt nicht.

Wenn mein Mann die Nachtwindel und Überhose anlegt, kam es schon vor, dass diese nicht ganz passte und ein Stück Nachtwindel hervorschaute. Ärgerlich, denn damit ist natürlich eine Feuchtigkeitsbrücke geschaffen und der Schlafanzug kann dann morgens auch schon etwas nass sein, zum Glück gab es noch keine Überschwemmungen hier.

Ich überlegte also, wie ich es meinem Mann leichter machen könnte und stieß dabei auf Schlupfüberhosen. Also PUL-Überhosen, die nicht zum drumrumlegen und zuknöpfen oder kletten gemacht sind, sondern eben wie eine Art Hose zum drüberziehen oder eben reinschlüpfen. Damit ist also eigentlich jegliche Fehlerquelle beim Anziehen ausgeschlossen.

Auf dem Markt gibt es wirklich unzählige Marken, die Schlupfüberhosen anbieten. Hängen geblieben, bin ich dann allerdings bei den Überhosen von Little Clouds. Diese Marke ist ganz neu auf dem Stoffwindel-Markt und ein deutsches Produkt. Diese Tatsache, die Verwendung von Eco-PUL und die schönen Designs brachten mich dazu den Hersteller zu fragen, ob dies nicht die ideale Überhose für mein Mann wäre, um unsere Tochter Abends zu wickeln.
Mit freundlicher Genehmigung von die-besten-Stoffwindeln, erhielt ich also eine der Schlupfüberhosen der Eigenmarke Little Clouds und mein Mann und ich testeten die schöne Überhose ausgiebig.

Der PUL ist wirklich sehr weich und anschmiegsam, wie in der Produktbeschreibung genannt. Auch die Fleecebündchen sind sehr flauschig und nicht zu kurz. Es entstehen so keinerlei Druckstellen, was gerade für kleine Bauchschläfer angenehm ist.

Nach der Größentabelle der Schlupfüberhose haben wir uns für die Größe M entschieden, welche laut Hersteller für Babys von  6 - 10 kg reichen sollte. Größe L beginnt ab 9 kg. Unsere Tochter hat zum Testzeitpunkt 8 kg. 

Die Nachtwindel verspricht, dass die Überhose so geschnitten ist, dass auch noch das größte Nachtwindelpaket darunter passt. Ich muss allerdings sagen, dass mein Mann und ich schon von Anfang an, beim Hochziehen der Hose etwas ziehen mussten, damit sie es über den Nachtwindel-Popo schaffte. Ist die Überhose dann angezogen, sitzt sie wirklich gut und nicht zu eng, es ist im Schritt noch viel Luft, so dass unsere Tochter genügend Beinfreiheit zum Strampeln besitzt. Die Passform der Überhose ist im angezogenen Zustand wirklich top und wie ich schon vermutet habe, eine wirkliche Alternative für meinen Mann. So muss er nicht zig mal eine der üblichen Überhosen nachrichten und zurecht zupfen, bis es wirklich passt. Einfach Hochziehen, fertig. Leichter kann es nicht sein. Und in den heißen Sommermonaten, ersetzen die längeren Beinchen der Überhose auch direkt die Schlafanzughose.


Allerdings glaube ich nicht, dass die Überhose wirklich bis 10 kg hält. Mit nun knapp 9 kg ist sie schon kaum noch über den Popo zu bekommen und ich denke, bei 8 kg Lebendgewicht wäre es vielleicht doch schon besser gewesen die Größe L zu nehmen.

Was sich noch sagen lässt, die Überhose hält dicht! Selbst wenn der obere Rand der Nachtwindel das Fleecebündchen der Überhose berührt, saugen sich diese nicht schnell voll und wir hatten bisher noch immer trockene Nächte.



Mein Mann und ich sind beide sehr zufrieden mit der Schlupfüberhose von Little Clouds, nur eventuell bei der Größe muss man etwas schauen. Hier kommt es sicherlich auch auf die Statur der Kinder an und für die Hersteller ist es somit immer etwas schwierig genaue Größenangaben vorzugeben. Bei Stoffwindeln ist es daher immer noch ein Probieren, welche Marken und deren Passformen zu einem bzw. dem Kind passen. Wer ein deutsches Produkt, mit schönem Design und einfacher Handhabung den Vorzug geben möchte, der ist bei Little Clouds jedenfalls nicht verkehrt und hat bei Fragen und Problemen in Andreas Wolk, dem Betreiber von die-besten-Stoffwindel und Eigentümer der Marke Little Clouds, einen guten Berater. Ich danke ihm jedenfalls sehr, dass ich seine Eigenmarke testen und für gut und praxistauglich befinden durfte.

Dienstag, 9. August 2016

Schlaflos mit Baby - Durchhalten auch ohne Geduld

Meine Instagram-Leser verfolgen meine täglichen Berichte schon länger. Das Schlafverhalten der Tochter ist derzeit schwierig. Sie wird stündlich wach, bis sie schläft kann sie zig Mal innerhalb kürztester Zeit wieder wach werden und beruhigen und einschlafen kann sie entweder nur beim Stillen oder wenn das nicht mehr klappt, ausschließlich in der Trage. Meine Kilometerkonto explodiert sicherlich bald. Hätte ich gewusst, welch Tragebaby mich erwartet, ich hätte mir wohl einen km-Zähler frühzeitig besorgt. Ich wäre sicherlich erstaunt, welche Zahl durch die abendlichen und nächtlichen Wanderungen dort schon stehen würde.

Meine lieben LeserInnen kommentieren dies mit ehrlichem Mitleid, tollen Durchhalteparolen und viel Verständnis. Ich bin sehr dankbar, dass ich mich dort etwas "ausheulen" darf und jeden Tag aufs Neue, im Grunde, das Gleiche posten kann. Wen würde es auch sonst interessieren? In der realen Welt wird zwar gerne gefragt, ob die Tochter denn nun besser schläft, aber wenn ich das dann mit "Nein" beantworte, kommt oft nur noch ein Achselzucken und ein "Da musst du eben durch!". Natürlich muss ich das! Dass weiß ich auch! Dafür brauch ich diese schlauen Sprüche wirklich nicht! Schon garnicht, wenn man an manchen Tagen so übermüdet ist, dass man wirklich im Stehen schlafen möchte.

Da freue ich mich wirklich, wirklich sehr über meine Online-Gemeinschaft, über den Online-Clan, wie es Susanne von Geborgen Wachsen schon vor einer Weile formulierte und worüber sie auch schon öfters Vorträge gehalten hat. Der Online-Clan besteht aus Menschen, die man sich speziell sucht oder die sich finden, da sie einfach ähnliche Interessen haben und sich austauschen wollen. Gerade wer Nachts um 3 Uhr mit wachem Baby aufsteht, der findet Online meist eine andere Mutter, der es gerade eben so geht. Etwas gegenseitiges Seelenstreicheln tut da einfach nur gut!

Manchmal schreiben mir Leser "Wie hälst du das nur durch? Woher nimmst du diese Geduld?" Ich gebe zu, ich bin selbst überrascht, ob dieser Gelassenheit, die ich meist an den Tag lege. Ich kann mich an ähnliche Szenarien mit dem Sohn erinnern, da war zu später Stunde irgendwann nur noch wenig Geduld und Verständnis da. Wer als Kinderloser seinen Schlaf zu schätzen wusste, der wusste wie toll es war sich hinlegen zu können, wenn man müde ist, ob mittags oder abends. Der trauerte diesem Schlaf einfach unendlich hinterher und es ist schwer zu verinnerlichen und anzunehmen, dass da nun ein kleines Wesen ist, welches einem an diesem wichtigen Schlaf hindert und das auch garantiert nicht mit böser Absicht.
Mein Sohn, mein erstes Kind, hat hier noch viel mit mir mitmachen müssen. Ich habe noch allerhand ausprobiert, wie es mit dem Schlaf doch noch klappen könnte. So manche Aggression stieg mit mehr werdendem Schlafmangel in mir hoch und musste schwer geschluckt werden. Oft kam es dann auch zum Streit mit dem Partner in diesen Momenten, in denen man das Kind gerne "abdrücken" wollte, damit dieser doch auch endlich mal was tun sollte, obwohl man im Grunde wusste, das Kind lässt sich vom Papa doch sowieso nicht trösten und landet schlußendlich wieder bei einem selbst.

Irgendwann konnte der Sohn immer besser schlafen, der Schlaf kam mit der Entwicklung des Kindes. Und auch die Akzeptanz, dies so hinzunehmen, wie es eben ist, stieg bei mir und verhalf zur entspannteren Einschlafbegleitung. Mein Körper gewöhnte sich schnell wieder an den tollen und vielen Schlaf, welchen er wieder bekam.

Und dann kam die Tochter... irgendwo im Hinterkopf wusste ich, es wird nun wieder von vorne los gehen und ich stellte mich darauf ein... und dann schlief sie durch... ich war so voller Glückseligkeit.  Und dann, war es wieder vorbei! Seit dem wird der Nacht- und auch Tagschlaf immer kürzer und kürzer und für mich anstrengender und anstrengender. Aber zu meiner eigenen Überraschung, halte ich durch! Ich nehme es hin. Manchmal auch vor mich hingrummelnd, natürlich... mit einem Lächeln sicherlich nicht!
Ich stehe mit ihr Nachts auf, wenn sie wach ist. Ich stille auch nach einer Stunde wieder, wenn sie mich gerade aus einer Tiefschlafphase reisst. Ich schaukle sie im Halbschlaf 1 Stunde durch die Wohnung, auch Nachts um 4 oder schaue dabei der Sonne zu, wie sie hinter den Häusern auftaucht und den Tag ankündigt.

Vielleicht habe ich mit dem ersten Kind gelernt, dass Schlaf nicht erzwingbar ist, nicht durch die Eltern lernbar. Vielleicht habe ich durch die Online-Gemeinschaft gesehen, es geht nicht nur mir so. Vielleicht ist es ein Mix aus Beidem und dem Wissen darum, dass es so doof es klingt "Irgendwann auch wirklich besser werden wird". 

Trotzdem zeigt der Schlafmangel Spuren. Mir platzen Äderchen in den Augen, ich sehe aus wie ein Zombie, meine Konzentration ist nicht die Beste, der Haushalt muss an manchen Tagen einfach liegen bleiben, der Mann hat im Moment auch nicht viel von mir und dann sind da nun noch die Sommerferien... der Sohn ist Zuhause und braucht ebenfalls Aufmerksamkeit... wobei ich oft nicht mehr weiß, wie ich das schaffen soll... und Blogbeiträge? Die kann ich dann in so Momenten wie jetzt schreiben, in denen ich sowieso wach bin, weil ich die Tochter tragen muss... stehend an der Küchenzeile, wippend und tippend. Eigentlich bin ich dafür zu müde, oft bleibt das Blog auch einfach liegen, dieser steht wirklich an allerletzter Stelle auf meiner täglichen sehr überschaubaren Liste, an Dingen, die ich gerne doch erledigen würde... aber das Blog ist so ziemlich das Einzige, was ich im Moment wirklich nur für mich tun kann.

Meine Tochter und ich bilden im Moment eine Einheit. Ihr Blick sucht meinen Blick. Ihr Blick sucht in meinem Blick Bestätigung, dass alles Gut ist. Ihr Körper sucht meine Nähe. Meine Nähe ist Sicherheit, meine Nähe ist Geborgenheit. Hier kann sie sich fallen lassen. Hier weiß sie, es ist alles ok und gut. 

Es ist nicht die Geduld, die mich durchhalten lässt. Geduld alleine kann solch eine lange Durststrecke an Schlaf und Me-Time nicht überbrücken. Es ist vielmehr das Wissen über kindliche Bedürfnisse, es ist das Annehmen und Akzeptieren einer Situation, die nicht änderbar ist. Die sich aber irgendwann ändern wird und das es das eigene Kind ist, welches einem den Schlaf raubt. Für Kinderlose mag das abstrakt und verquer klingen, ich kann dem zustimmen. Als Mama hat es allerdings alles seine Richtigkeit. Es ist Evolution. Es ist ein Wachsen-mit-den-Aufgaben. Es ist Erfahrung, die man macht. Es ist so, wie es ist!


Montag, 8. August 2016

Menschenkinder - für eine artgerechte Erziehung + Verlosung

 

Herbert Renz-Polster hat sein erst vor 5 Jahren erschienenes Buch "Menschenkinder " aktualisiert und erweitert! Nicht ohne Grund! Viele aktuelle Geschenisse haben ihn sicherlich dazu veranlasst. Denn wie heisst es im Titel des Buches: "Artgerechte Erziehung - was unser Nachwuchs wirklich braucht".... es scheint eher so, als entfernen wir uns hier in Deutschland immer weiter weg davon... unsere Kinder sind eher Mittel zum Zweck: höher, weiter, schneller und der derzeitige Erziehungsstil wird ganz genau davon geprägt.

Immer scheinen die, die in der Gesellschaft gerade das Sagen haben, sich auch Ansagen zur "richtigen" Erziehung zuzutrauen. Vielleicht interessieren sie sich ja weniger für die Kinder selbst als vielmehr für das, was diese zu bieten haben, wenn sie erst einmal "gebildet und erzogen" sind? Vielleicht ändern sich ja deshalb die Ansagen in der Erziehung immer dann, wenn sich die Machtverhältnisse in den Gesellschaften ändern?

Herbert Renz-Polster möchte in diesem Buch Klarheiten schaffen. Er möchte aufzeigen was unsere Kinder im Sinne der Evolution wirklich zum Wachsen und Entwickeln benötigen und warum es uns Eltern und gerade unseren Kindern in der heutigen Zeit sehr schwer gemacht wird, dies noch so umsetzen zu können.

Renz-Polster schreibt am Ende seines Buches selbst, dass es sich hierbei um eine Streitschrift handelt. Eine Schrift in der etwas sehr heftig kritisiert wird, wie mir Google dazu mitteilte. Und Wikipedia ergänzt dazu: "... lässt sich als scharfe Kritik an herrschenden Positionen in Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Literatur oder Religion ausmachen."

Es mag eine Streitschrift sein, im Grunde bringt es allerdings nur alle Wahrheiten und Tatsachen auf einen Tisch und zeigen ein großes Dilema auf. Wie sollen sich unsere Kinder wirklich artgerecht entwickeln können, wenn doch soviel fehlt, von dem was sie dazu wirklich brauchen?

Kinder wollen groß werden, das ist ihr innerer, unverhandelbarer Antrieb. Die Aneignung der Welt, die wachen Augen, die Begeisterung - all das liegt ihnen im Blut, von Anfang an.

Statt die Kleinen also in Therapie- oder Beschleunigungsprogramme zu stecken, um sie an unsere Erwartungen anzupassen, sollten wir lieber unsere Verantwortung als Eltern überdenken - wirklich, es ist nicht die Aufgabe unserer Babys, dass sie unsere Probleme lösen. Von der Natur ist es jedenfalls andersherum gedacht.

Von wegen also: "Kinder sind, wie sie sind..." Sie sind so, wie wir sie wahrnehmen.

Auf der ganzen Welt wollen die meisten Babys ganz eng bei uns schlafen, getragen werden, sich kaum ablegen lassen. Sie weinen, wenn sie uns nicht sehen und werden bei jedem klitzekleinen Geräusch wieder wach. Zurecht, nur so können sie sich sicher sein, dass sie auch sicher sind! Abgeschlossene Häuser, sichere Unterschlüpfe und Babyphones existieren in ihren kleinen Köpfchen noch nicht.
Soviel Nähe wie sie brauchen, so wollen sie plötzlich schon unabhängig werden und autonom sein. Was es uns Erwachsenen nicht immer einfach macht.
Was es uns allerdings leichter machen kann, ist das Wissen um ihr evolutionäres Erbe, das ihnen, egal ob im Dschungel des Amazonas oder nun eben im Jahr Dschungel der Großstadt, ihr Überleben sicherte und ihnen beim Groß- und Selbständigwerden half.
Die Bedürfnisse unserer Kinder und das daraus resultierende Verhalten, sind ihre Stärken! Nicht ihre Schwächen, wie es uns gerne von vielen Seiten eingeredet werden will. Und dies ist das, was uns Herbert Renz-Polster zu verstehen geben will, uns Erwachsenen aufzeigen möchte, warum sind unsere Kinder so, wie sie sind und nicht anders. Wenn wir das was wissen, wenn wir uns darauf einlassen, dann verändert sich unsere Wahrnehmung. Dann sind schlaflose Nächte, anhängliche Babys, trotzige Kleinkinder und Teenager im Ausnahmezustand, keine Probleme mehr, sondern natürliche Entwicklungsstadien unserer Kinder, die wir als Eltern begleiten müssen und garnicht aufhalten können. Begleitend akzeptieren wir dies und schaffen ein angenehmes Klima für uns alle.

Renz-Polster geht in seinem Buch auf viele Punkte ein die heute der kindlichen Entwicklung nicht zuträglich sein können. Er entkräftet viele Ängste die Eltern haben, sei es beim Beikoststart oder dem alltäglichen Förderwahn. Er erklärt warum schwierige Geburten, die plötzlich immer häufiger vorkommen, Bindungen schaden kann und Schulen dringend umdenken müssen. Warum Fremdbetreuung nicht ausschließlich schlecht ist und warum es von Natur aus nicht vorgesehen ist, dass Mütter ihre Kinder alleine großziehen. Chinesische Kinder nicht als Vorbild dienen sollten und unsere Politik etwas ändern muss.

Wie man auf den Bildern sehen kann, ich habe mir sehr viele Markierungen in diesem Buch gesetzt. Es enthält soviele wichtige Informationen über unsere Kinder und wie wir sie wirklich sehen sollten, dass ich dieses Buch verschlungen habe und immer wieder zustimmend nicken musste.  
Ich würde mir sehr wünschen, wenn diese Streitschrift ihre Kreise ziehen würde. Bis ganz nach oben, zu unseren "Mächtigen", die das "Sagen haben"! Das diese endlich verstehen, dass nicht PISA dabei helfen wird unseren Nachwuchs zu fördern, sondern nur ein artgerechtes, ein menschliches Umfeld, welches unsere Kinder sieht, wie sie sind und nicht zu etwas machen will, das sie nie sein können.

Ich bedanke mich vielmals beim Kösel-Verlag für mein erhaltenes Rezensionsexemplar "Menschenkinder " und für das weitere Buch zur Verlosung unter meinen Lesern. Die Verlosung wird auf meiner Facebook-Seite stattfinden. Schaut dort vorbei. Viel Glück!
  
Alle Kinder rund um den Globus lernen, zu laufen, zu sprechen oder miteinander klarzukommen, ohne dass sie dazu speziell motiviert, unterrichtet oder eben "gefördert" werden müssten.
Sie saugen sich aus ihrer alltäglichen Umwelt all die Erfahrungen heraus, die sie für den selbstständigen Aufbau dieser Kompetenzen brauchen. Sie tun dies aus sich heraus - ohne spezielle Unterstützung! Es braucht dazu nur eines: eine normale, artgerechte Umwelt. 

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